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Kaffeeersatz: Welche nachhaltigen Kaffee-Alternativen gibt es?

Der Klimawandel bedroht den Kaffeeanbau: Bis 2050 könnten rund 50 Prozent der heutigen Kaffeeanbauflächen unbrauchbar werden. Gleichzeitig entstehen immer neue Kaffeeplantagen in tropischen Wäldern und verstärken damit die Klimakrise. Welche nachhaltigen, vielleicht sogar regionalen Kaffee-Alternativen könnten die Zukunft sein? Und welche Rolle spielt der Ökolandbau?
Die Nachfrage nach Kaffeeersatz steigt: Viele Menschen möchten ihren Koffeinkonsum reduzieren und greifen aus gesundheitlichen Gründen zu Alternativen. Aber auch Ernährungs- und Lifestyle-Trends treiben das Interesse an neuen, pflanzlichen Getränken. Gleichzeitig rücken vermehrt Nachhaltigkeit und Umweltfolgen des Kaffeeanbaus sowie die Klimakrise und steigende Kaffeepreise stärker in den Fokus.
Die Fragen, die bei der Suche nach einer möglichen Alternative aufkommen, sind dabei ganz verschieden: Möchte ich ein Getränk, das vergleichbar schmeckt, aber aus einer regionalen Quelle stammt? Oder möchte ich einen alternativen Wachmacher, der nachhaltiger ist? Die Antworten auf diese Fragen führen nämlich zu unterschiedlichen Produktalternativen.
Der Ökolandbau kann bei Kaffeeersatz eine wichtige Rolle spielen, weil viele potenzielle Rohstoffe regional und nachhaltig angebaut werden. Pflanzen wie Zichorie, Lupine, Gerste, Roggen oder Dinkel lassen sich regional und ökologisch, ohne synthetische Pflanzenschutzmittel und mit mehr Rücksicht auf Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität produzieren.
Was ist Kaffeeersatz?
Der Duden definiert Kaffeeersatz als "aus gerösteten und gemahlenen Pflanzenteilen gewonnenes Pulver, das in Geruch und Geschmack dem Kaffee ähnelt". Weiterhin gibt es Kaffee-Alternativen, die einen ähnlichen Energie-Kick liefern, aber in Geruch und Geschmack nicht mit Kaffee vergleichbar sind, also gemäß Duden offiziell kein Kaffeeersatz sind.
Kaffeeersatzprodukte entstanden aus verschiedenen historischen und gesellschaftlichen Gründen. Besonders in Kriegs- und Krisenzeiten war Kaffee häufig knapp oder sehr teuer, sodass Alternativen aus Rohstoffen wie Zichorie, Getreide oder Feigen entwickelt wurden. Da Kaffee zudem nicht in Europa wächst, boten Ersatzprodukte eine Möglichkeit, Getränke aus regional verfügbaren Pflanzen herzustellen. Auch gesundheitliche Aspekte spielten eine Rolle, da manche Menschen in erster Linie Koffein vermeiden wollten. Durch spezielle Röstverfahren konnten heimische Pflanzen ein kaffeeähnliches Aroma entwickeln und sich als Alternative etablieren. Heute gewinnen zusätzlich Nachhaltigkeits-, Klima- und Preisfragen an Bedeutung.
Warum sich der Blick auf Kaffee-Alternativen lohnt
Laut Waldzustandsbericht 2025 werden weltweit jedes Jahr rund 8,1 Millionen Hektar Wald zerstört – eine Fläche fast so groß wie Österreich. Ein großer Teil der Entwaldung steht im Zusammenhang mit der Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen. Auch der der weltweite Kaffeeanbau trägt durch die Ausweitung von Anbauflächen in einigen Regionen zur Entwaldung bei. Obwohl der Anteil im Vergleich zu Produkten wie Rindfleisch, Palmöl oder Soja geringer ist, entstehen neue Kaffeeplantagen häufig in tropischen Waldgebieten.
Der Blick auf Kaffeealternativen lohnt sich daher gleich aus mehreren Gründen. Die Alternativen aus regionalen Rohstoffen können Transportwege verkürzen und Umweltbelastungen reduzieren. Gleichzeitig gewinnen sie aufgrund des Klimawandels und den Folgen wie unsichere Ernten und steigende Preise, zunehmend an Bedeutung. Studien gehen davon aus, dass bis 2050 rund 50 Prozent der heute geeigneten Anbauflächen für Kaffee klimatisch ungeeignet werden könnten.
Kaffee-Alternativen – ein wachsender Markt
Oekolandbau.de hat bei dem Unternehmen Naturata nachgefragt, dessen Unternehmensgeschichte 1976 mit Getreidekaffee begann. "Getreidekaffee ist von Anfang an ein fester Bestandteil unseres Sortiments und wurde über die Jahre immer weiterentwickelt. Der Zichorienkaffee kam dann später im Jahr 2018 hinzu und erfreut sich seither großer Beliebtheit als reine, kräftige Alternative. Neben diesen beiden Produkten haben wir auch noch Dinkelkaffee, Lupinenkaffee und Kichererbsenkaffee im Sortiment. Ergänzt durch verschiedene Mischprodukte (beispielsweise Lupinenkaffee mit Kakao oder Getreidekaffee mit Zimt & Kardamom). Die Produktgruppe wächst kontinuierlich in Umsatz und Absatz", so Liane Maxion, Geschäftsführerin von Naturata.
"Im Markt der Kaffeealternativen sehen wir eindeutig Zukunftspotenzial. Zum einen wächst das Interesse an koffeinfreien oder koffeinarmen Getränken, zum anderen führen aktuelle Entwicklungen wie Klimawandel und Rohstoffknappheit bei Kaffeebohnen dazu, dass sich Konsumentinnen und Konsumenten zunehmend nach Alternativen umsehen, die dem Geschmack vom Bohnenkaffee ähnlich sind. Besonders bei der letztjährigen Knappheit von Bohnenkaffee konnten wir einen Zuwachs in unserem Alternativ-Segment feststellen", so Maxion weiter.
Sind Kaffee-Alternativen immer ohne Koffein?
Klassischer Kaffeeersatz enthält von Natur aus kein Koffein, da er nicht aus der Kaffeepflanze (Coffea) hergestellt wird. Deshalb sind traditionelle Kaffeeersatzprodukte in der Regel koffeinfrei. Einige Produkte kombinieren Ersatzrohstoffe mit natürlich koffeinhaltigen Zutaten.
Andere Produkte zählen nicht zum klassischen Kaffeeersatz, sind aber dennoch eine gute Kaffeealternative, wenn ein nachhaltigeres Erzeugnis gewählt werden soll, das Koffein oder eine vergleichende Substanz enthält. Dazu zählen zum Beispiel verschiedene verschiedene Teesorten oder Getränke mit Guaranaanteil.
Folgende Produkte ähneln in ihrem Aussehen und Geschmack Kaffee, sind aber koffeinfrei:
Getreidekaffee ist ein koffeinfreier Kaffeeersatz aus geröstetem Getreide mit kaffeeähnlichem Geschmack. Meist wird er aus Gerste, Roggen oder Dinkel hergestellt. Da die Rohstoffe für Getreidekaffee sehr gut auch hier bei uns ökologisch angebaut werden können, bietet Getreidekaffee eine nachhaltige regionale Alternative zu Kaffee. Getreidekaffee gibt es übrigens schon seit dem 18. Jahrhundert, da Kaffee damals teuer und schwer zu bekommen war.
Die Getreidekörner werden nach der Ernte gereinigt und dann geröstet. Oft werden auch noch weitere Zutaten hinzugefügt, um den Geschmack zu verfeinern. Zum Beispiel Zichorie, Malz, Eicheln oder Feigen. Anschließend erfolgt die Vermahlung. Getreidekaffee ist meistens in Pulverform erhältlich und wird zubereitet, wie löslicher Kaffee. Er schmeckt mild, leicht süßlich und malzig.
Zichorienkaffee ist ein koffeinfreier Kaffeeersatz, der aus der Wurzel der Zichorienpflanze (Gemeine Wegwarte) hergestellt wird. Die Wurzel wird getrocknet, geröstet und gemahlen, wodurch ein dunkles Getränk mit leicht bitterem, kaffeeähnlichem Geschmack entsteht.
Zichorienkaffee hat meist einen kräftigeren und bittereren Geschmack im Vergleich zu Getreidekaffee, welcher oft milder und malziger schmeckt. Die Zichorie ist in Europa heimisch, größerer Zichorienanbau findet vor allem in Frankreich, Niederlande, Belgien und Polen statt. Zichorie wird oft anderen Kaffeeersatz-Produkten zugesetzt, zum Beispiel Getreidekaffee, oder pur als reiner Zichorienkaffee verkauft.
Lupinenkaffee ist ein koffeinfreier Kaffeeersatz, der aus den gerösteten Samen der Süßlupine hergestellt wird. Die Lupinenbohnen werden nach der Ernte getrocknet, geröstet und gemahlen, Während Getreidekaffee und Zichorienkaffee ähnlich wie löslicher Kaffee als Pulver in der Tasse mit heißem Wasser übergossen werden, kann Lupinenkaffee ähnlich wie Kaffee zum Beispiel als Filterkaffee oder im Espressokocher zubereitet werden. Dadurch entsteht ein vergleichbares Kaffee-Feeling, aber mit einem regional angebauten, nachhaltigen Produkt.
Lupinenanbau findet auch in Deutschland statt. Lupinenkaffee schmeckt mild aromatisch und hat die typische Kaffee-Röstnote.
Laut Kaffeeverordnung darf nur als Bohnen-Kaffee bezeichnet werden, was aus der echten Kaffeebohne, der Coffea, hergestellt wird. Deswegen darf ein Kaffee aus Lupinenbohnen auch nicht nicht als Bohnenkaffee verkauft werden.
Film ab: Stimmen und Einblicke aus der Branche rund um das Thema Lupinenkaffe
- Hier geht's zum Video-Interview mit Simon Raab von der Loffee GmbH zu Lupinenkaffee
- Der Demobetrieb Bioland-Hof Klein zeigt im Video, wie der Anbau von Süßlupinen und die Produktion von Lupinenkaffee aussehen
Folgende Produkte haben eine ähnlich energetisierende Wirkung, sind aber kein Kaffee-Ersatz nach der offiziellen Definition:
Tee wird häufig als Alternative zu Kaffee getrunken, da er ebenfalls anregend wirken kann, aber meist weniger Koffein enthält. Besonders schwarzer Tee und grüner Tee werden als Ersatz verwendet. Im Vergleich zu Kaffee wirkt Tee oft milder und länger anhaltend, da das enthaltene Koffein langsamer vom Körper aufgenommen wird. Schwarzer und grüner Tee werden aus der Teepflanze (Camilla Sinensis) hergestellt, deren Blätter nach der Ernte gewelkt, getrocknet und gegebenenfalls noch oxidiert und fermentiert werden.
Die größten Anbaugebiete für Tee sind China, Indien und Kenia. Damit stellt schwarzer oder grüner Tee einen koffeinhaltigen Kaffeeersatz dar, der ohne Entwaldungsrisiko einhergeht und oft ökologisch angebaut wird. Es bleibt aber dennoch ein Importprodukt.
Mate-Tee ist ein koffeinhaltiges Getränk, das aus den getrockneten Blättern der Matepflanze (Ilex paraguariensis) hergestellt wird. Die Pflanze wächst vor allem in Südamerika, insbesondere in Argentinien, Paraguay, Uruguay und Südbrasilien. Für die Zubereitung werden die getrockneten Mateblätter mit heißem Wasser aufgegossen. Traditionell trinkt man Mate-Tee aus einem Gefäß (Kalebasse) mit einem speziellen Metallstrohhalm, der Bombilla genannt wird. Es gibt ihn aber auch ganz einfach in Filterbeuteln für die Tasse.
Mate-Tee enthält Koffein (oft auch "Matein" genannt) und wirkt daher anregend und konzentrationsfördernd. Im Vergleich zu Kaffee wird die Wirkung oft als milder und länger anhaltend beschrieben. Ähnlich wie bei Tee bleibt der Aspekt des langen Transportweges und die fehlende Möglichkeit das Produkt regional anzubauen.
Guarana ist eine Pflanze aus dem Amazonasgebiet in Südamerika. Besonders bekannt sind ihre Samen, die sehr viel Koffein enthalten und deshalb häufig in Getränken, Nahrungsergänzungsmitteln oder Energydrinks verwendet werden. Die Samen der Guaranapflanze werden getrocknet und zu Pulver verarbeitet. Dieses Pulver kann dann in Getränke, Kapseln oder Tees gemischt werden.
Im Vergleich zu Kaffee enthält Guarana oft mehr Koffein pro Gramm, aber das Koffein wird langsamer im Körper freigesetzt, sodass die Wirkung meist länger und gleichmäßiger anhält. Guarana wird vor allem in Energydrinks, Limonaden, Nahrungsergänzungsmitteln und Sportprodukten verwendet.
Auch die Guaranapflanze wird nicht regional in Europa angebaut, sondern stammt aus Übersee.
Wie viel Koffeingehalt haben Kaffee und Kaffeersatz?
Der Koffeingehalt verschiedener Getränke kann je nach Sorte, Zubereitung und Menge variieren. Die folgende Tabelle zeigt typische Durchschnittswerte pro Tasse (circa 200 bis 250 Milliliter):
Getränk | Koffeingehalt (circa) | Besonderheiten |
|---|---|---|
Kaffee | 80 - 120 mg | stärkste und schnell wirkende Koffeinquelle |
Schwarzer Tee | 40 - 60 mg | wirkt etwas milder als Kaffee |
Grüner Tee | 20 - 40 mg | weniger Koffein, oft sanftere Wirkung |
Mate-Tee | 60 - 85 mg | anregend, Wirkung hält oft länger an |
Guarana (Getränk) | 40 - 80 mg | enthält viel natürliches Koffein, das langsamer freigesetzt wird |
Wie nachhaltig ist Kaffeeersatz im Vergleich zu Kaffee?
Kaffeeersatz kann in vielen Fällen nachhaltiger sein als herkömmlicher Kaffee, weil die verwendeten Rohstoffe häufig regional und ökologisch angebaut werden können und weniger Ressourcen benötigen. Ein wichtiger Faktor ist der Transport: Kaffee wächst hauptsächlich in tropischen Regionen wie Südamerika, Afrika oder Asien und muss über lange Strecken nach Europa transportiert werden. Dadurch entstehen zusätzliche CO₂-Emissionen. Viele Kaffeeersatzprodukte wie Getreide-, Zichorien- oder Lupinenkaffee können dagegen in Europa angebaut werden, was die Transportwege deutlich verkürzt.
Auch der Anbau spielt eine Rolle. Kaffee benötigt ein tropisches Klima, viel Wasser und da er oft in Monokulturen angebaut wird, sind intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen die Folge. In manchen Regionen führt der Kaffeeanbau zudem zur Abholzung von Wäldern. Getreide oder Lupinen wachsen oft robuster, benötigen weniger Wasser und können in bestehende Fruchtfolgen integriert werden, was die Diversität erhöht.
Koffeinhaltige Alternativen wie Tee haben den Entwaldungsaspekt nicht, aber kommen ebenfalls aus Übersee und haben daher genauso lange Transportwege. Dennoch ist dabei nicht zu vergessen, dass auch Kaffee umweltfreundlich angebaut werden kann, im Ökolandbau oder in diversifizierten Anbausystemen, wie zum Beispiel als Agroforst oder Wildkaffee. Der Transportaspekt bleibt jedoch bestehen.
Kaffeeersatz als bewusste Alternative
Kaffeeersatz bietet die Möglichkeit, den eigenen Konsum bewusster zu gestalten und gleichzeitig neue Geschmacksrichtungen zu entdecken. Viele der verwendeten Rohstoffe, etwa Lupinen, Getreide oder Zichorie, können regional und in Bio-Qualität angebaut werden.
Zudem sind die meisten Kaffeeersatzprodukte koffeinfrei und bieten je nach Rohstoff unterschiedliche Aromenprofile – von malzig bis nussig. Ein Blick auf Bio-Siegel, Herkunft und Zutatenliste kann dabei helfen, eine informierte Kaufentscheidung zu treffen.
Kaffeeersatz ist daher nicht nur eine Alternative zu Kaffee, sondern ein eigenständiges Genussprodukt mit nachhaltigem Potenzial. Schon kleine Veränderungen im Alltag können dazu beitragen, beim Konsum den Fokus stärker auf Landwirtschaft, Umwelt und Klima zu richten.
Text: Johanna Stumpner, BLQ
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