Wie ist der Kaffee-Preis in Deutschland?
Zuletzt konnten Kaffeetrinkende in Deutschland aufatmen. Ende Oktober 2025 haben Discounter wie Norma, Lidl und Aldi die Preise für Kaffeebohnen und löslichen Kaffee ihrer Eigenmarken um bis zu einen Euro je Packung gesenkt und damit die kurzzeitig gesunkenen Rohwarenpreise an die Kundschaft weitergegeben. Dennoch bleibt der Kaffeegenuss im Vergleich zu vorherigen Jahren weiterhin teuer. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes haben sich Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze auf Großhandelsebene im Oktober 2025 um knapp 21 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verteuert.
Den "einen" Kaffeepreis gibt es laut Angaben des Deutschen Kaffeeverbands nicht, da Kaffee kein uniformes Produkt ist. Vielmehr hängt er von verschiedenen Faktoren wie der Qualität der Rohkaffeesorten, von Angebot und Nachfrage sowie den Lagerbeständen in Anbau- und Importländern ab. Zudem beeinflussen Ertragszyklen, Spekulationen am Kaffeeterminmarkt, Währungsschwankungen, Preiselastizitäten bei der Produktion und dem Konsum sowie saisonale Schwankungen des Kaffeeverbrauchs den Preis. Bereits vor der Ernte kann Kaffee über das sogenannte Warentermingeschäft beispielsweise an der Börse in New York (hauptsächlich Arabica-Bohnen) sowie der Börse in London (hauptsächlich Robusta-Bohnen) ge- oder verkauft werden. Als Terminware an den Börsen sind nur Standardqualitäten zugelassen. Bei den sogenannten Weltmarktpreisen für Kaffee handelt es sich um einen von der International Coffee Organization (ICO) ermittelten und gewichteten Durchschnittspreis für die am häufigsten gehandelten Sorten. Dieser Preis wird Composite Indicator Price(I-CIP) genannt.
Rösterinnen und Röster kleinerer Unternehmen unterhalten oft direkte Beziehungen zu den Produzierenden in den Anbauländern, sodass die Preisfindung oftmals höherwertiger Kaffees nicht vom Weltmarkt abhängt. Auch für Bio-Kaffee heben sich die Preise vom Weltmarktniveau ab.
Einige Länder in der EU erheben zudem eine Kaffeesteuer, eine nationale Verbrauchersteuer, die EU-weit nicht harmonisiert ist. In Deutschland beträgt der Steuersatz 2,19 Euro pro Kilogramm Röstkaffee sowie 4,78 Euro pro Kilogramm löslicher Kaffee.
Wie bleibt der Handel bei steigenden Kaffee-Preisen wettbewerbsfähig?
Um bei steigenden Kaffeepreisen wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Kaffeehändlerinnen und -händler als auch Produzierende zunehmend Strategien der Differenzierung und Wertorientierung verfolgen. Angesichts des Preisdrucks und der Tatsache, dass die Positionierung über den günstigsten Preis immer schwieriger wird, sind Qualität, Exklusivität und Storytelling einige der wichtigsten Faktoren, um sich im Markt zu behaupten.
Qualität und Exklusivität als Differenzierungsmerkmale
Premium-Produkte: Fokussierung auf hochwertigen Kaffee (zum Beispiel Single-Origin oder Spezialitätenkaffee) mit einzigartigen Geschmackseigenschaften.
Exklusivität: Angebot von limitierten Ernten, seltenen Anbauflächen und besonderen Röstungen (zum Beispiel Geisha-Kaffee).
Handwerkskunst: Verwendung von individuellen Rösttechniken für ein einzigartiges Produkt.
Storytelling und Transparenz
Herkunftsgeschichte: Starke Geschichten über die Kaffeequelle und den Anbauprozess erzählen – von den Erzeugenden bis hin zur Röstung.
Rückverfolgbarkeit: Transparente Kommunikation über den gesamten Produktionsprozess und die Wertschöpfungskette.
Nachhaltigkeit und Fairness
Langfristige Partnerschaften: Aufbau von langfristigen Beziehungen zu Kaffeebauern, um eine faire Entlohnung und gleichbleibende Qualität zu sichern.
Nachhaltige Anbaumethoden: Förderung von Bio-Anbau und Fairtrade-Zertifizierungen.
Umweltschutz: Investitionen in klimafreundliche Anbaumethoden und umweltbewusste Verpackungen.
Produktdiversifizierung
Neue Zubereitungsmöglichkeiten: Einführung von Cold Brew, Nitro Kaffee, Kaffee-Kapseln oder speziellen Aromen.
Innovative Kaffeemischungen: Experimentieren mit neuen Mischungen und Spezialitäten, die sich von Massenprodukten abheben.
Markenbildung und Kundenbindung
Starke Markenidentität: Entwicklung einer Marke, die für Qualität, Nachhaltigkeit und Exklusivität steht.
Kundenbindung: Abo-Modelle, Treueprogramme und interaktive Erlebnisse (zum Beispiel Kaffee-Tastings oder Workshops).
Preistransparenz und Wertvermittlung
Erklärung des Preises: Offene Kommunikation über die Preisursachen und Mehrwert des Produkts (z. B. durch Qualität, Nachhaltigkeit und fairen Handel).
Wertwahrnehmung: Den höheren Preis durch das Produktangebot, die Exklusivität und Transparenz nachvollziehbar und gerechtfertigt machen.
Technologische Innovationen
Digitale Anpassung: Nutzung von Online-Plattformen, auf denen Kunden ihren Kaffee individuell auswählen können (zum Beispiel personalisierte Abonnements).
Rösttechnologie: Einsatz moderner Präzisionsröstung zur Qualitätssteigerung und Konsistenz des Produkts.
Durch die Kombination verschiedener Strategien können Produzierende und Handelnde ihre Positionierung im Markt stärken, den Preis ihrer Produkte rechtfertigen und sich von günstigen Massenprodukten abheben. Dabei sind Qualität, Exklusivität, Transparenz und Nachhaltigkeit zentrale Stellschrauben, um auch in Zeiten steigender Kaffeepreise wettbewerbsfähig zu bleiben.
Text: Birgit Rogge, Agrarmarkt Informations-Gesellschaft