Kaffee-Preis: Warum ist Kaffee so teuer geworden?

Kaffee-Preis: Warum ist Kaffee so teuer geworden?

Die Preise für Kaffee sind zuletzt stark gestiegen. Was sind die Gründe dafür und wie geht es weiter? In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die aktuelle Preisentwicklung, die Ursachen des Preisanstiegs und beleuchten, wie Unternehmen in der Kaffeeindustrie trotz dieser Herausforderungen wettbewerbsfähig bleiben können.

Kaffee ist nach Erdöl der zweitmeist gehandelte Rohstoff weltweit. Laut Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes werden Jahr für Jahr rund 171 Millionen Säcke Rohkaffee geerntet, davon werden knapp drei Viertel exportiert. Obwohl es über 120 verschiedene Kaffeearten gibt, haben sich in Anbau und Handel die beiden Arten Arabica und Canephora, zu der Robusta-Bohnen zählen, durchgesetzt. Beide machen zusammen rund 97 Prozent des globalen Anbaus aus. Preisschwankungen gehören im Kaffeehandel zwar zum Alltag, doch seit einigen Jahren weist die Preiskurve teils steil nach oben und erreichte 2025 ein Rekordhoch. Was sind die Ursachen für den Preisanstieg, den auch die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland beim täglichen Kaffeekonsum zu spüren bekommen?

Ursachen für den gestiegenen Kaffee-Preis

Wie so oft ist es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die den Rohwarenpreis für Kaffee in die Höhe treiben:

  • Klimawandel und Extremwitterung: In wichtigen Anbauländern wie Brasilien, Vietnam und Kolumbien haben extreme Witterungsereignisse wie Dürre, Frost und Starkregen die Kaffeeproduktion beeinträchtigt und damit das Angebot verknappt.

  • Krankheits- und Schädlingsdruck: Im konventionellen Kaffeeanbau dominieren Monokulturen, die den Krankheits- und Schädlingsdruck verschärfen. Davon sind zunehmend auch ökologisch wirtschaftende Betriebe betroffen. Ernteausfälle gibt es zum Beispiel durch Kaffeerost oder verschiedene Läuse zu verzeichnen.

  • Steigende Produktionskosten: Diese sind unter anderem durch höhere Arbeitskosten, steigende Preise für landwirtschaftliche Betriebs- und Düngemittel, höhere Transport- und Treibstoffkosten gestiegen. Bio-Kaffee erfordert zudem aufwendige Zertifizierungen sowie stabile Lieferketten.

  • Politische und wirtschaftliche Unsicherheiten: Politische Instabilitäten in den Erzeugerländern, internationale geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten, Inflation und Zollpolitik erweisen sich zudem als Preistreiber. Beispielsweise wird durch Angriffe der Huthi-Rebellen der Suez-Kanale weiterhin umfahren.

  • Steigende Nachfrage: Der Kaffeekonsum steigt weltweit, insbesondere in aufstrebenden Märkten wie Asien. Zudem nimmt die Nachfrage nach hochwertigem, nachhaltig produziertem Kaffee, der in der Regel teurer ist, in den westlichen Märkten zu.

  • Marktspekulationen: Da Kaffee ein Rohstoff ist, der an der Börse gehandelt wird, haben Spekulationen auf künftige Preissteigerungen den Preis zusätzlich in die Höhe getrieben.

Wie ist der Kaffee-Preis in Deutschland?

Zuletzt konnten Kaffeetrinkende in Deutschland aufatmen. Ende Oktober 2025 haben Discounter wie Norma, Lidl und Aldi die Preise für Kaffeebohnen und löslichen Kaffee ihrer Eigenmarken um bis zu einen Euro je Packung gesenkt und damit die kurzzeitig gesunkenen Rohwarenpreise an die Kundschaft weitergegeben. Dennoch bleibt der Kaffeegenuss im Vergleich zu vorherigen Jahren weiterhin teuer. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes haben sich Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze auf Großhandelsebene im Oktober 2025 um knapp 21 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verteuert.

Als sogenannte Anker- oder Eckprodukte spielen Nahrungsmittel wie Butter oder Kaffee eine bedeutende Rolle im Handel hinsichtlich der Preisgestaltung und Kundenbindung. Mit gezielten, oftmals preisgünstigen Werbeaktionen für diese Produkte locken Handelsunternehmen nicht nur die Kundschaft an und möchten den Absatz weiterer Waren ankurbeln, sondern sichern sich darüber hinaus auch ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Den "einen" Kaffeepreis gibt es laut Angaben des Deutschen Kaffeeverbands nicht, da Kaffee kein uniformes Produkt ist. Vielmehr hängt er von verschiedenen Faktoren wie der Qualität der Rohkaffeesorten, von Angebot und Nachfrage sowie den Lagerbeständen in Anbau- und Importländern ab. Zudem beeinflussen Ertragszyklen, Spekulationen am Kaffeeterminmarkt, Währungsschwankungen, Preiselastizitäten bei der Produktion und dem Konsum sowie saisonale Schwankungen des Kaffeeverbrauchs den Preis. Bereits vor der Ernte kann Kaffee über das sogenannte Warentermingeschäft beispielsweise an der Börse in New York (hauptsächlich Arabica-Bohnen) sowie der Börse in London (hauptsächlich Robusta-Bohnen) ge- oder verkauft werden. Als Terminware an den Börsen sind nur Standardqualitäten zugelassen. Bei den sogenannten Weltmarktpreisen für Kaffee handelt es sich um einen von der International Coffee Organization (ICO) ermittelten und gewichteten Durchschnittspreis für die am häufigsten gehandelten Sorten. Dieser Preis wird Composite Indicator Price(I-CIP) genannt.

Rösterinnen und Röster kleinerer Unternehmen unterhalten oft direkte Beziehungen zu den Produzierenden in den Anbauländern, sodass die Preisfindung oftmals höherwertiger Kaffees nicht vom Weltmarkt abhängt. Auch für Bio-Kaffee heben sich die Preise vom Weltmarktniveau ab.

Einige Länder in der EU erheben zudem eine Kaffeesteuer, eine nationale Verbrauchersteuer, die EU-weit nicht harmonisiert ist. In Deutschland beträgt der Steuersatz 2,19 Euro pro Kilogramm Röstkaffee sowie 4,78 Euro pro Kilogramm löslicher Kaffee. 

Bio-Kaffee-Preis: Geringer Preisabstand kommt ihm zugute

2025 hat der Kaffeeabsatz im Handel unter den hohen Preisen gelitten, das gilt jedoch nicht für Bio-Kaffee, wie die Lebensmittelzeitung unter Berufung auf das Marktforschungsunternehmen NielsenIQ (NIQ) berichtet. Demnach verzeichnete Bio-Kaffee zwischen Oktober 2024 und September 2025 ein Umsatzplus von 29 Prozent, der Absatz mit Bio-Kaffee ist um knapp 14 Prozent gestiegen. Aufgrund der gestiegenen Kaffeepreise hat sich der Preisabstand zu Bio-Kaffee relativiert, was viele Konsumentinnen und Konsumenten zur Bio-Variante greifen lässt. Wachstum verzeichnen vor allem Drogeriemärkte beim Absatz und Umsatz von Bio-Kaffee.

Nachhaltig zertifizierter Kaffee, also Kaffees mit Bio-Siegel oder Zertifizierungen von Fairtrade oder Rainforest Alliance, verzeichneten laut Angaben des Deutschen Kaffeeverbands im Jahr 2024 ein Wachstum von knapp neun Prozent zum Vorjahr. Laut Fairtrade Deutschland wurden 2024 insgesamt 24.660 Tonnen fairer Kaffee in Deutschland verkauft und damit sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Infos rund um Kaffee

Mehr zu fairen und nachhaltigen Bio-Produkten:

Kaffee-Preis-Prognose: Wie wird sich der Kaffee-Preis zukünftig entwickeln?

Auch künftig müssen die Verbraucherinnen und Verbraucher wohl mehr Geld für ihren Kaffee ausgeben als von einigen Jahren. Einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft (ZHAW) zufolge könnte die weltweite Anbaufläche für Arabica-Bohnen bis zum Jahr 2050 um 60 Prozent schrumpfen. Grund ist der Klimawandel, der den temperaturempfindlichen Kulturen zusehends zu schaffen macht. So könnten wichtige Anbauländer wie Brasilien, Vietnam, Indonesien oder Kolumbien einen erheblichen Flächenrückgang verzeichnen. Diese Länder müssen sich der Studie zufolge auf Veränderungen einstellen. Darunter zählen standortspezifische Maßnahmen wie Kalkdüngung oder Bewässerung, aber auch der Wechsel auf den Anbau von Robusta-Bohnen.

Folgende Faktoren erweisen sich zudem als Preistreiber:

  • Volatilität durch Marktunsicherheiten wie politische Unsicherheiten und Marktfluktuationen bergen jederzeit Potenzial für Preisschwankungen.

  • Zusätzliche Kosten durch die EU-Entwaldungsverordnung, die ab dem 30. Dezember 2025 für mittlere und große Unternehmen in Kraft tritt und ab dem 30. Juni 2026 für Kleinst- und Kleinunternehmen.

  • Klimawandel, Ertragsrückgänge und steigende Produktionskosten lassen mittelfristig einen moderaten Preisanstieg erwarten.

  • Der steigende weltweite Kaffeekonsum wird die Nachfrage pushen, während die Anbauflächen tendenziell sinken und damit langfristig gesehen einen Preisanstieg erwarten lässt.

  • Die steigende Nachfrage nach nachhaltigem und fair gehandeltem Kaffee könnte sich ebenfalls als Preistreiber erweisen.

Die sogenannte EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) ist laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) ein zentraler Bestandteil der EU-Nachhaltigkeitsstrategie mit dem Ziel, die weltweite Entwaldung zu unterbinden. Im Zuge von Sorgfaltspflichten, die die EUDR vorschreibt, sollen nur noch "entwaldungsfreie" hergestellte Waren in den Binnenmarkt gelangen beziehungsweise ausgeführt werden. "Entwaldungsfrei" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Rohstoffe nicht auf Flächen erzeugt wurden, die nach dem 31. Dezember 2020 entwaldet wurden. Die unternehmerischen Sorgfaltspflichten gelten für Holz, Kakao, Kaffee, Kautschuk, Ölpalme, Soja und Rinder sowie daraus hergestellte Erzeugnisse.

Mehr Informationen zur EUDR finden Sie hier

Wie bleibt der Handel bei steigenden Kaffee-Preisen wettbewerbsfähig?

Um bei steigenden Kaffeepreisen wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Kaffeehändlerinnen und -händler als auch Produzierende zunehmend Strategien der Differenzierung und Wertorientierung verfolgen. Angesichts des Preisdrucks und der Tatsache, dass die Positionierung über den günstigsten Preis immer schwieriger wird, sind Qualität, Exklusivität und Storytelling einige der wichtigsten Faktoren, um sich im Markt zu behaupten.

Qualität und Exklusivität als Differenzierungsmerkmale

  • Premium-Produkte: Fokussierung auf hochwertigen Kaffee (zum Beispiel Single-Origin oder Spezialitätenkaffee) mit einzigartigen Geschmackseigenschaften.

  • Exklusivität: Angebot von limitierten Ernten, seltenen Anbauflächen und besonderen Röstungen (zum Beispiel Geisha-Kaffee).

  • Handwerkskunst: Verwendung von individuellen Rösttechniken für ein einzigartiges Produkt.

Storytelling und Transparenz

  • Herkunftsgeschichte: Starke Geschichten über die Kaffeequelle und den Anbauprozess erzählen – von den Erzeugenden bis hin zur Röstung.

  • Rückverfolgbarkeit: Transparente Kommunikation über den gesamten Produktionsprozess und die Wertschöpfungskette.

Nachhaltigkeit und Fairness

  • Langfristige Partnerschaften: Aufbau von langfristigen Beziehungen zu Kaffeebauern, um eine faire Entlohnung und gleichbleibende Qualität zu sichern.

  • Nachhaltige Anbaumethoden: Förderung von Bio-Anbau und Fairtrade-Zertifizierungen.

  • Umweltschutz: Investitionen in klimafreundliche Anbaumethoden und umweltbewusste Verpackungen.

Produktdiversifizierung

  • Neue Zubereitungsmöglichkeiten: Einführung von Cold Brew, Nitro Kaffee, Kaffee-Kapseln oder speziellen Aromen.

  • Innovative Kaffeemischungen: Experimentieren mit neuen Mischungen und Spezialitäten, die sich von Massenprodukten abheben.

Markenbildung und Kundenbindung

  • Starke Markenidentität: Entwicklung einer Marke, die für Qualität, Nachhaltigkeit und Exklusivität steht.

  • Kundenbindung: Abo-Modelle, Treueprogramme und interaktive Erlebnisse (zum Beispiel Kaffee-Tastings oder Workshops).

Preistransparenz und Wertvermittlung

  • Erklärung des Preises: Offene Kommunikation über die Preisursachen und Mehrwert des Produkts (z. B. durch Qualität, Nachhaltigkeit und fairen Handel).

  • Wertwahrnehmung: Den höheren Preis durch das Produktangebot, die Exklusivität und Transparenz nachvollziehbar und gerechtfertigt machen.

Technologische Innovationen

  • Digitale Anpassung: Nutzung von Online-Plattformen, auf denen Kunden ihren Kaffee individuell auswählen können (zum Beispiel personalisierte Abonnements).

  • Rösttechnologie: Einsatz moderner Präzisionsröstung zur Qualitätssteigerung und Konsistenz des Produkts.

Durch die Kombination verschiedener Strategien können Produzierende und Handelnde ihre Positionierung im Markt stärken, den Preis ihrer Produkte rechtfertigen und sich von günstigen Massenprodukten abheben. Dabei sind Qualität, Exklusivität, Transparenz und Nachhaltigkeit zentrale Stellschrauben, um auch in Zeiten steigender Kaffeepreise wettbewerbsfähig zu bleiben.

Sie sind jetzt gut gerüstet mit allerlei Fakten zum Kaffee. Möchten Sie Ihr Wissen nun auf die Probe stellen?

Hier geht's zum BLE-Quiz rund um Kaffee und Kakao

Text: Birgit Rogge, Agrarmarkt Informations-Gesellschaft 


Letzte Aktualisierung 12.12.2025

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