Was ist CrowdFarming?

Was ist CrowdFarming?

Woher stammt  meine Orange? Wer hat das Olivenöl produziert? Über die Online-Plattform CrowdFarming bekommen Verbraucherinnen und Verbraucher einen direkten Draht zur Landwirtschaft: vor allem zu Bio-Höfen in Italien, Spanien und Griechenland. Dort werden Bio-Avocados, -Orangen, -Clementinen und Co. auf Bestellung geerntet und zu uns nach Hause geliefert. 

Bei CrowdFarming können wir saisonale Lebensmittel direkt vom Hof kaufen. Nach dem Prinzip des Crowdfundings (Schwarmfinanzierung) adoptieren und finanzieren Verbraucherinnen und Verbraucher einen Obstbaum oder ein Tier. Als Gegenleistung erhalten sie einen Teil der Ernte oder Produkte von ihrem Tier. Es gibt also anders als bei ideellen Tier-Patenschaften immer einen fest definierten Gegenwert.

Die Vermittlung erfolgt per App oder über die Homepage einzelner Anbieter. Die Idee stammt aus Spanien. In der Region Valencia betreiben die Brüder Gabriel und Gonzalo Úrculo in dritter Generation eine Plantage mit Zitrusfrüchten, Naranjas (deutsch Orangen) del Carmen, und setzten voll auf die Direktvermarktung. Bereits 2017 haben sie mit einigen Gleichgesinnten die Plattform www.crowdfarming.com gegründet, um ihr Verkaufskonzept mit anderen Landwirtinnen und Landwirten zu teilen.

Auch heute noch liegt der Schwerpunkt beim Verkauf von Südfrüchten, von Avocado über Mango und Melone bis zur Zitrone. Inzwischen beteiligen sich auch Betriebe aus Osteuropa, den Philippinen, Honduras sowie Österreich und Deutschland.

Wie funktioniert es?

Der Kerngedanke von CrowdFarming war es, Adoptionen für Zitrusbäume anzubieten. Hinter jedem Orangenbaum sollte ein Mensch oder eine Familie stehen, um so ein enges und langfristiges Band zwischen Verbraucher und Verbraucherinnen und Erzeugern und Erzeugerinnen zu knüpfen.  Inzwischen gibt es jedoch drei Möglichkeiten, direkt beim Hof zu kaufen:

  • Adoptionen: Konsumentinnen und Konsumenten übernehmen eine Patenschaft für ein landwirtschaftliches Produkt, zum Beispiel einen Baum oder ein Bienenvolk. Sie zahlen einen Betrag und erhalten im Gegenzug die "Ernte" dieses Produkts.
  • Abonnements und Kisten: Verbraucherinnen und Verbraucher können saisonale Kisten mit Lebensmitteln abonnieren, die direkt vom Hof zu ihnen nach Hause kommen. Es gibt Obst- und Gemüsekisten sowie gemischte Kisten.
  • Direkter Verkauf: Kundinnen und Kunden bestellen einzelne Kisten bei verschiedenen Landwirten oder Landwirtinnen. Das Obst wird auf Bestellung geerntet und verschickt.

Welche Anbieter gibt es?

Ein ähnliches Konzept bei der Direktvermarktung mit regionalen Lebensmitteln verfolgten bisher die Marktschwärmereien (La Ruche Quit Dit Qui!). Die französische Plattform ist jedoch im September 2025 vom spanischen Start-up CrowdFarming übernommen worden. Gemeinsam biete man über 10.000 Landwirten und Landwirtinnen Zugang zu rund 1,5 Millionen Bestandskunden, heißt es in der Pressemitteilung und im Erklärfilm.

Gonzalo Úrculo, Geschäftsführer von CrowdFarming, freut sich über die gebündelten Kräfte:

Bis 2017, kurz bevor wir CrowdFarming gründeten, habe ich meine Orangen über Marktschwärmer verkauft. Unsere Projekte nun zu vereinen, ist ein wahr gewordener Traum. Wir Landwirtinnen und Landwirte brauchen einen starken Direktvertriebskanal, um eine echte Alternative zum Supermarktverkauf zu haben.

Der Gründer betreibt jedoch zusätzlich nach wie vor seine eigene Plattform Naranja del Carmen.

Welche CrowdFarming-Anbieter gibt es in Deutschland?

Die Idee des CrowdFarming macht auch bei uns Boden gut. Beispielsweise bietet der Vulkanhof in der Eifel Adoptionen von Ziegen an. Wer eine Patenschaft für eine Ziege übernimmt, erhält regelmäßig Ziegenkäse aller Art. Der Bickbeernhof in Niedersachsen liefert Blaubeeren und Produkte rund um die Beeren über CrowdFarming nach Hause. Das Obstgut Deufel & Erlitz vom Bodensee vermarktet je nach Saison, Äpfel, Birnen und Zwetschgen via Online-Plattform.

Persönliche Beziehung statt anonymer Märkte

Die junge Landwirtin Linda Becker aus Gardelegen in Sachsen-Anhalt von Bauer Freigeist verkauft ihren Kuhkäse bewusst über CrowdFarming:

Wir möchten, dass Menschen nachvollziehen können, wo ihre Lebensmittel herkommen – und dass sie Teil davon werden. Durch die Patenschaften entsteht eine echte Verbindung zwischen Erzeugerinnen und Erzeugern und Verbrauchern und Verbraucherinnen, jenseits anonymer Märkte. Das lohnt sich nicht nur finanziell, sondern auch ideell. Wir bekommen ehrliches Feedback, erfahren Wertschätzung für unsere Arbeit und können unsere Produkte ohne Zwischenhandel zu fairen Preisen anbieten.

Allerdings ist der Aufwand für Organisation, Versand und Kommunikation hoch – jede 'Ernte', jede Lieferung will gut geplant sein. Aber genau darin liegt auch der Reiz: Wir gestalten selbst, wie wir Landwirtschaft leben und vermitteln möchten.

Wie nachhaltig ist CrowdFarming?

Wer bei CrowdFarming kauft, unterstützt, erhält und vermehrt nachhaltig wirtschaftende Betriebe. Aktuell sind 70 Prozent der Betriebe bio-zertifiziert und/oder betrieben regenerative Landwirtschaft.

Vor der Fusion mit der Marktschwärmerei war der Bio-Anteil noch höher, daher entwickeln wir gerade ein Programm zur Umstellung auf Bio,

erklärt Magdalena, Kommunikatorin bei CrowdFarming.

Hinzu kommt, dass es immer nur saisonale Produkte gibt: beispielsweise Orangen ab November, Blaubeeren im Sommer.

Besonders bei langfristigen Lieferbeziehungen (Adoptionen) und Abonnements können Landwirtinnen und Landwirte Ernteüberschüsse und Abfälle vermeiden. Laut dem Nachhaltigkeitsbericht des spanischen Unternehmens von 2024 werden 97 Prozent der Lieferungen plastikfrei verpackt. Allerdings entstehen bei Produktion und Transport der Kisten per LKW CO2-Emissionen. Für jede transportierte Tonne an Lebensmitteln fielen fünf Kilogramm CO2-Emissionen an. 1,2, Kilogramm weniger als beim europäischen Durchschnitt. Besonders beim Direktkauf von Südfrüchten ist CrowdFarming daher eine wirklich gute Wahl.

Welche Alternativen zu CrowdFarming gibt es?

Natürlich können wir auch ohne CrowdFarming direkt einkaufen. Zum Beispiel im Hofladen um die Ecke. Dort erfahren wir mehr über die Produkte und ihre Entstehungsgeschichte. Wer den Weg scheut, kann sich Obst, Gemüse und mehr aus der Region als Abo-Kiste nach Hause liefern lassen. Die Betriebe informieren ihre Abonnentinnen und Abonnenten per Flyer und Newsletter über den Hof und schicken passende Rezepte. Inzwischen vermarkten auch viele Erzeugerinnen und Erzeuger ihre Waren im eigenen Online-Shop.

Bauernmärkte und Hoffeste bieten ebenfalls gute Gelegenheiten, erste Kontakte zur heimischen Landwirtschaft zu knüpfen. Den Erzeuger oder die Erzeugerin um die Ecke können Verbraucherinnen und Verbraucher bei den Marktschwärmern kennenlernen.

Text: Jutta Schneider-Rapp, Ökonsult


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Letzte Aktualisierung 05.12.2025

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