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Was leisten unsere Milchkühe?

Kühe geben nicht einfach dauerhaft Milch: Die Milchproduktion beginnt nach der Geburt eines Kalbes. Doch wie viel Milch gibt eine Kuh, wie lange hält die Milchleistung an und welche Unterschiede gibt es zwischen ökologischer und konventioneller Haltung? Oekolandbau.de beantwortet wichtige Fragen rund um Kühe, Melken und Milch.
Wie viel Milch gibt eine Milchkuh?
2024 gab eine Milchkuh in Deutschland durchschnittlich 9.445 Kilogramm Milch. Am Tag kommt eine heutige Milchkuh damit auf 30 Liter Milch. Die Rechnung berücksichtigt, dass Milchkühe sechs bis acht Wochen vor dem Kalben Pause machen. Die durchschnittliche jährliche Milchleistung hat sich gegenüber 1950 fast vervierfacht und im Vergleich zu 1990 verdoppelt. Denn unsere Kühe wurden jahrzehntelang gezielt auf Milchleistung gezüchtet und bekommen auch Hochleistungsfutter.
Bioland-Kühe geben 15 bis 20 Prozent weniger Milch als konventionell gehaltene. Denn Bio-Kühe werden nicht auf kurzfristige Hochleistung, sondern auf eine lange Lebensdauer gezüchtet und erhalten weniger Kraftfutter. Eine durchschnittliche Bio-Milchkuh liefert rund 7000 Liter pro Jahr.
Wie lange gibt eine Milchkuh ohne Kalb Milch?
Die tägliche Menge nimmt nach dem Kalben im Laufe der Monate ab. Damit der Milchfluss nicht versiegt, muss die Kuh jedes Jahr kalben. Deshalb werden die Tiere bereits zwei, drei Monate nach der Geburt ihres Kalbes wieder besamt und sind dann neun Monate schwanger. In den letzten zwei Monaten der Schwangerschaft hört der Bauer oder die Bäuerin mit dem Melken auf. In der Fachsprache heißt das: “die Kuh trocken stellen”. In der Melkpause benötigt die Kuh ihre Energie für sich und den Fötus. Während der beiden letzten Trächtigkeitsmonate finden 75 Prozent des Wachstums des Kalbs statt.
Ab wann gibt eine Kuh Milch?
Mit durchschnittlich 15 Monaten wird eine junge Kuh – Färse genannt – das erste Mal künstlich besamt. Neun Monate später, nach dem ersten Kalb, fängt sie an, Milch zu geben. Von da an heißt sie Milchkuh. Etwa 90 Prozent der Milchkühe in Europa werden an Stelle des Natursprunges durch einen Bullen künstlich besamt.
Wie werden Milchkühe gehalten?
Etwa 87 Prozent aller Milchkühe in Deutschland leben in offenen Laufställen. Zwei Drittel davon das ganze Jahr über! Die Stallfläche ist in die Funktionsbereiche Fressen, Liegen und Laufen aufgeteilt.
Die ganzjährige Stallhaltung belastet die Kühe, da sie als sehr neugierige Tiere kaum Außenreize haben und ihre Umgebung nur begrenzt erkunden können,
kritisiert die Tierschutzorganisation Pro Vieh e.V.
Noch immer wird etwa jede zehnte Kuh in Anbindehaltung gehalten. Das heißt: Sie kann sich weder frei bewegen noch Kontakt zu ihren Artgenossen pflegen.
Wenn konventionelle Betriebe ihre Mich als Weidemilch vermarkten, müssen die Tiere mindestens 120 Tage im Jahr auf die Weide.
Wie lebt eine Bio-Milchkuh im Unterschied zur konventionell gehaltenen?
Bio-Milchkühe haben mehr Bewegungsfreiheit: Im Sommerhalbjahr ist der Weidegang Pflicht. Eine Anbindehaltung ist prinzipiell verboten, in wenigen Ausnahmen nur möglich, wenn die Tiere auch im Winterhalbjahr mehrmals wöchentlich Auslauf haben.
Im Stall ist eine Mindestfläche von sechs Quadratmetern pro Tier vorgeschrieben. Die Liegefläche muss mit Stroh oder Sägespänen eingestreut sein. Bio-Milchkühe bekommen Futter aus ökologischem Anbau: im Winter Heu und Stroh, im Sommer frisches Gras. Die Fütterung von Silage ist zugelassen, außer bei Betrieben, die ihre Milch als Heumilch vermarkten.
Nach der Geburt bleiben auch die meisten Bio-Kälber nur kurz bei ihrer Mutter. Es sei denn, sie leben auf einem Betrieb mit kuhgebundener Aufzucht. Bio-Kälber bekommen zunächst Muttermilch, dann Öko-Vollmilch, aber keine Milchaustauscher.
Wie alt werden Milchkühe?
Die natürliche Lebenserwartung von Kühen liegt bei gut zwanzig Jahren. Aber die hohe Milchleistung zehrt die Kräfte der Tiere aus. Sie bekommen schmerzhafte Euter-, Klauen- oder Gelenkentzündungen und lassen nach. Daher leben konventionell gehaltene Milchkühe in Deutschland durchschnittlich nur fünfeinhalb Jahre. Das ist nicht nur aus Sicht des Tierwohls bedenklich, sondern auch aus ökonomischer Sicht, denn nach der dritten Laktation, also mit fünf Jahren, geben die Kühe am meisten Milch. Bio-Kühe leben durchschnittlich sieben bis neun Jahre, da sie nicht die maximale Höchstleistung bringen müssen.
Wie (oft) werden Milchkühe gemolken?
Milchkühe werden fast immer zweimal täglich gemolken: frühmorgens und spätnachmittags. Im Melkstand (meist bekommen sie Kraftfutter wie Schrot als Anreiz) reinigen die Melkenden das Euter zunächst mit einem Eutertüchlein. Dann melken sie die Kuh mit der Hand an, prüfen, ob die Milch okay (klar, weiß) ist und hängen den Kühen das Melkgeschirr an. Diese Aufgaben kann auch ein Melkroboter übernehmen. Der lockt Kühe mit Futter in eine Melkbox, wo ein Chip im Ohr sie identifiziert. Ein Roboterarm reinigt die Zitzen, setzt das Melkgeschirr an und melkt die Kuh. Wenn die Milch versiegt, fällt das Geschirr ab und die Kuh geht zurück zu ihren Artgenossen.
Film: Wie Kühe heute gemolken werden
Youtube-Video
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Wie hoch sind die Fettgehalte von Rohmilch, Vollmilch und fettarmer Milch?
Direkt von der Kuh ist die Milch am fettesten. Der Fettgehalt dieser unbehandelten Rohmilch schwankt je nach Rasse, Futter und der Zeit nach dem Kalben. Rohmilch gibt es nur direkt beim Hof.
In der Molkerei wird der Fettgehalt standardisiert: Eine spezielle Zentrifuge (Separator) trennt die Milch in Rahm und Magermilch. Um den Fettgehalt einzustellen, werden Magermilch und Rahm anschließend miteinander gemischt. Im Handel sind folgende Fettgehalte üblich:
- Rohmilch: 3,8 bis 5 Prozent
- Vollmilch: 3,5 Prozent
- Fettarme Milch: zwischen 1,5 und 1,8 Prozent
- Magermilch: höchstens 0,5 Prozent
Was kostet ein Liter Milch und ist das kostendeckend?
Im Juli 2026 bekam der konventionelle Betrieb durchschnittlich 39 Cent pro Liter und der Bio-Betrieb 64 Cent. Die Öko-Anbauverbände haben gemeinsam einen Orientierungspreis für die Bio-Milcherzeugung ausgerechnet. Um ihre Kosten zu decken, benötigen Bio-Betriebe 2026 knapp 70 Cent je Kilogramm Milch. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter bestätigt das und schätzt die Erzeugungskosten für ein Liter konventioneller Milch auf 53 Cent pro Liter. Bei diesen Preisen haben die Landwirtinnen und Landwirte aber noch keinen Gewinn gemacht.
Wer heimische Milchviehbetriebe unterstützen will, sollte regionale Milch kaufen. Den großen Hebel für bessere Preise haben aber nicht die Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern die Politik und die Handelskonzerne.
Hans Foldenauer, Sprecher des Bundesverband Deutscher Milchviehhalter
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Letzte Aktualisierung 29.09.2026




