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Vernetzungsbeispiele von ÖLAF
Die Vernetzungsplattform ÖLAF bringt Öko-Betriebe mit Forschungsinstitutionen für konkrete Forschungsprojekte zusammenzubringen, um so die praxisnahe Öko-Forschung zu unterstützen. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigen die folgenden Beispiele erfolgreicher Vernetzung:
Erfolgreiche Beispiele von ÖLAF-Projekten
ProVeBirD (Protection of Vegetables from Bird Damages)
Gemüseschutz vor Vogelschäden – Entwicklung einer Strategie für den ökologischen Gartenbau
Ausgangslage
Das Projekt des Julius Kühn-Instituts (JKI) untersucht, wie sich Schadvögel im ökologischen Gemüsebau gezielt, wirksam und möglichst schonend von Kulturen fernhalten lassen. Im Fokus steht die Frage, welche Maßnahmen Vogelschäden tatsächlich reduzieren und unter Praxisbedingungen verlässlich funktionieren.
Vögel verursachen durch Fraß erhebliche Verluste, indem sie Keimlinge und Pflanzenteile schädigen. Zusätzlich kommt es durch Vogelkot zur Verunreinigung der Kulturen, was aufgrund möglicher Pathogene auch ein gesundheitliches Risiko darstellt. Trotz der großen praktischen Relevanz existiert bislang keine belastbare Strategie zur Vermeidung solcher Schäden. Einzelne Erfahrungen aus der Praxis sind vorhanden, jedoch fehlt eine systematisch erhobene und wissenschaftlich abgesicherte Datenbasis.
Ziel des Projekts ist es, die bestehende Wissenslücke zu schließen, indem Erfahrungen zu Vogelschäden und Schutzmaßnahmen systematisch erfasst, kulturspezifische Schäden durch verschiedene Vogelarten auf Praxisbetrieben erhoben und die Wirksamkeit etablierter sowie innovativer Maßnahmen in Feldversuchen untersucht werden.
Vor diesem Hintergrund wurden im Rahmen des Projekts gezielt Praxisbetriebe für die Datenerhebung und Versuche gesucht. ÖLAF fungierte hierbei als Vernetzungsplattform zwischen Forschung und Praxis und stellte erfolgreich den Kontakt zwischen Florian Göbel vom JKI und dem Biolandwirt Maik Hasselbusch her.
Aufbau und Umsetzung
"ProVeBirD" verfolgt im Feldversuch einen praxisnahen Ansatz: Auf einem abgelegenen Versuchsfeld in der Wesermarsch des Biolandwirts Maik Hasselbusch hatte dieser ein Gemenge aus Sommergerste und Erbsen ausgesät – Kulturen, die besonders anfällig für Gänsefraß sind. Der Betrieb hatte bereits im Vorfeld mit erheblichen Ertragsverlusten durch Gänse zu kämpfen, die zu spürbaren finanziellen Schäden führten und den Handlungsdruck deutlich erhöhten.
Mithilfe von Kameras, Mikrofonen und Vergrämungstechnik untersuchte Florian Göbel vom Julius Kühn-Institut, wie Vögel auf akustische Reize (zum Beispiel Knallgeräusche) reagieren. Die Systeme werden automatisch bei Vogelerkennung aktiviert. Parallel werden kontinuierlich Daten an ein Smartphone übermittelt, darunter Bildaufnahmen im Minutentakt sowie Häufigkeiten der ausgelösten Reize.
So werden Verhalten der Vögel, Reaktionsmuster und Wirksamkeit der Maßnahmen unter Praxisbedingungen systematisch ausgewertet. Ziel ist es, belastbare Empfehlungen für den Einsatz der kostenintensiven Vergrämungstechnik abzuleiten, insbesondere zu Reichweite, Einsatzdauer und zur effizienten Nutzung im Betriebskontext.
Für den Betrieb von Maik Hasselbusch liefert das Projekt wertvolle Impulse zur langfristigen Ertragssicherung. Für ihn stand bereits vor Start des Projektes fest: "Ich verspreche mir von der Zusammenarbeit neue Ansätze und Lösungen. Forschung darf nicht im Elfenbeinturm stattfinden. Sie muss in die Praxis getragen werden. Und das Vernetzen funktioniert über ÖLAF richtig gut."
Zwischenergebnisse
Der Feldversuch wurde 2025 abgeschlossen. Aktuell erfolgt die Auswertung der erhobenen Daten. Bereits jetzt zeigt sich, dass der gewählte Versuchsaufbau eine belastbare Datengrundlage für die Bewertung der Maßnahmen liefert und praxisnahe Erkenntnisse zum Verhalten der Vögel ermöglicht.
Auch aus Sicht der Forschung hat sich die Zusammenarbeit bewährt. Florian Göbel vom JKI profitierte von einer erleichterten Vernetzung und einer verlässlichen Partnerschaft: "Wir haben über ÖLAF sehr schnell einen passenden Betrieb gefunden. Zuvor waren unsere Versuche, Landwirte direkt anzusprechen, oft erfolglos – das Vertrauen fehlte. ÖLAF hat diesen Prozess enorm erleichtert. Die Plattform spart Zeit, bringt Qualität und öffnet Türen für langfristige Kooperationen."
Weiterführende Informationen
Laufzeit: 2023-01-01 bis 2026-12-31
Zur Projektwebseite
Kontakt
Koordination durch Florian Göbel
Tel: +49 (0)3946 47-7747
florian.goebeljulius-kuehnde
BWeidung umsetzen
Unterstützung der landwirtschaftlichen Praxis in Baden-Württemberg bei der Umsetzung von Weidegang für Milchviehbetriebe
Ausgangslage
Die Weidehaltung nimmt insbesondere bei der Haltung von Milchvieh und dessen Nachzucht im ökologischen Landbau eine besondere Stellung ein. Sie kann bei gutem Management Tierwohl verbessern, Umweltwirkungen positiv beeinflussen und zugleich arbeitswirtschaftliche Vorteile bieten. Vor diesem Hintergrund fordert die EU-Kommission auf Basis der Öko-Basis-Verordnung im Rahmen eines Pilotverfahrens eine Ausweitung der Weidehaltung in Deutschland.
Für viele Milchviehbetriebe stellt das eine große Herausforderung dar. Fehlende Flächen, lange Triebwege, betriebliche Abläufe oder technische Voraussetzungen erschweren die Umsetzung oder Ausweitung der Weidehaltung erheblich. Ziel des Projekts ist es, auf Basis eines mehrschichtigen Betriebsnetzwerks praktikable Lösungsansätze für die Einführung, Ausweitung und Optimierung der Weidehaltung in Milchviehbetrieben zu entwickeln und sichtbar zu machen.
Das Netzwerk verbindet unterschiedliche Betriebstypen und Erfahrungsstände und schafft so die Grundlage, um konkrete Herausforderungen aus der Praxis aufzugreifen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu erarbeiten. ÖLAF trägt dazu bei, passende Betriebe mit dem Netzwerk zu vernetzen und damit den Austausch zwischen Praxis und Projekt gezielt zu stärken.
Aufbau und Umsetzung
Das Projekt ist als praxisorientiertes Unterstützungs- und Netzwerkvorhaben am Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW) angelegt.
Im Zentrum steht der Aufbau eines mehrschichtigen Betriebsnetzwerks, das unterschiedliche Perspektiven zusammenbringt:
- Leuchtturmbetriebe, die erfolgreiche Weidekonzepte bereits umsetzen
- Betriebe mit Beratungsbedarf, die konkrete Herausforderungen bearbeiten
- Projektteam, welches Wissen bündelt, den Erfahrungsaustausch anregt und die Beratung einbindet
Über das Projektteam werden verschiedene Maßnahmen für das Betriebsnetzwerk umgesetzt:
- Individuelle fachliche Begleitung bei Fragen zur Weidehaltung
- Unterstützung bei Einführung, Ausweitung und Optimierung von Weidesystemen
- Erprobung innovativer Ansätze (z. B. virtuelle Zäune)
- Aufbereitung und Bereitstellung von Fachinformationen, Merkblättern und Online-Tools – auch für extern Interessierte
- Organisation von Praxisveranstaltungen
Ein zentrales Element ist der zwischenbetriebliche Erfahrungsaustausch: Erfolgreiche Praxislösungen werden sichtbar gemacht und gezielt auf andere Betriebe übertragen.
Für die teilnehmenden Betriebe ergeben sich dabei konkrete Mehrwerte:
- Zugang zu Fachwissen und individueller Beratung
- Austausch mit erfahrenen Betrieben und Expertinnen und Experten
- Einblicke in erprobte Weidekonzepte und innovative Lösungen
- Unterstützung bei der Anpassung des eigenen Betriebssystems
- Teilnahme an praxisnahen Wissenstransfer-Veranstaltungen
Zwischenergebnisse
Das Projekt ist in zwei Phasen gegliedert:
Phase I (bis Ende 2025):
Aufarbeitung des bestehenden Wissens, Entwicklung zentraler Fragestellungen und Aufbau des Betriebsnetzwerks. Zudem wurde ein „Zaungarten“ eingerichtet, in dem unterschiedliche Weidetechniken praxisnah demonstriert werden.
Phase II (2026–2027):
Fokus auf Betreuung und Weiterentwicklung des Netzwerks sowie Intensivierung von Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch.
Das Netzwerk ist inzwischen erfolgreich aufgebaut: Insgesamt nehmen 28 Betriebe teil, darunter vier Öko-Betriebe, die über ÖLAF vernetzt wurden.
Erste Praxisformate zeigen bereits die Wirksamkeit des Ansatzes. Beim „Bauer-zu-Bauer-Austausch“ auf dem Peter & Paul Hof wurden u. a. Weidemelk-Systeme, Agroforstansätze, Gehölzstrukturen als Witterungsschutz sowie ganzheitliche Betriebskonzepte eines Demeter-Milchviehbetriebs vorgestellt.
Für die kommenden Jahre sind jährlich rund zehn Veranstaltungen auf Praxisbetrieben geplant, um den Wissenstransfer weiter zu stärken.
Begleitend wurden zentrale Informations- und Transferangebote aufgebaut, darunter:
- Fachinformationen zu Weideinfrastruktur, Zaunsystemen und Trockenheitsstrategien
- Merkblätter und digitale Tools zur Weidehaltung
- Schulungs- und Veranstaltungsformate (z. B. „Kurzrasenweide“ auf der Schwäbischen Alb)
- Dokumentationen von Praxisveranstaltungen und Betriebsbesuchen
Damit zeigt sich bereits in der frühen Projektphase: Der Netzwerkansatz erleichtert den Zugang zu praxistauglichen Lösungen und unterstützt Betriebe konkret bei der Umsetzung von Weidehaltung.
Weiterführende Informationen
Laufzeit: 01.01.2025 bis 31.12.2027
Zur Projektwebseite
Kontakt
Raphael Bosch
+49 7525 942 327
raphael.boschlazbw.bwlde
Das Projekt wird getragen vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg und im Rahmen des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“ gefördert. Die Umsetzung erfolgt durch das Landwirtschaftliches Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW).

ZirKUH (Zirkuläre Rinderhaltungssysteme Hessen)
Zirkuläre Rinderhaltungssysteme Hessen zur Stärkung der regionalen Wertschöpfungsketten von Milch und Fleisch (ZirKUH)
Ausgangslage
Die Rinderhaltung steht zunehmend unter Druck, gleichzeitig ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Neben Klimaschutz, Ressourceneffizienz und Tierwohl spielt auch die regionale Wertschöpfung eine zentrale Rolle.
Das Praxisforschungsprojekt ZirKUH setzt hier an und untersucht, wie sich rinderhaltende Betriebe im Sinne einer zirkulären Landwirtschaft weiterentwickeln können. Zirkularität bedeutet dabei mehr als klassische Kreislaufwirtschaft: Neben der effizienten Nutzung von Ressourcen werden auch Aspekte wie Energieerzeugung, Emissionsreduktion, Biodiversität, Tierwohl sowie soziale und wirtschaftliche Faktoren berücksichtigt.
Gerade für graslandreiche Mittelgebirgsregionen wie große Teile Hessens bietet die Rinderhaltung besondere Potenziale – etwa durch die Nutzung von Dauergrünland, die Förderung der Biodiversität oder den Einsatz regional erzeugter Futtermittel. Allerdings fehlt bislang eine systematische Datengrundlage, um diese Leistungen ganzheitlich zu bewerten und gezielt weiterzuentwickeln.
Ziel des Projekts ist es daher,
- bestehende Nachhaltigkeitsleistungen und zirkuläre Ansätze auf Praxisbetrieben zu erfassen,
- Umweltwirkungen und Ressourceneffizienz systematisch zu bewerten und
- darauf aufbauend Kriterien für eine zukunftsfähige, zirkuläre Rinderhaltung zu entwickeln.
ÖLAF unterstützte das Projekt bei der Ansprache und Einbindung ökologisch wirtschaftender Betriebe und trug so zur erfolgreichen Vernetzung zwischen Forschung und Praxis bei.
Aufbau und Umsetzung
Das Projekt ist als praxisnahes Forschungs- und Netzwerkvorhaben an der Justus-Liebig-Universität Gießen verankert und wird unter Leitung von Dr. Lisa Petzoldt am Institut für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement umgesetzt. Herzstück ist die systematische Analyse realer Betriebe: mehr als 50 rinderhaltende Höfe in Hessen, darunter auch über ÖLAF vermittelte Öko-Betriebe, haben ihre Daten zur Verfügung gestellt und damit die Grundlage für eine umfassende Bewertung geschaffen. Die Datenerfassung erfolgte über ein Online-Tool als auch eine betriebliche vor Ort-Erhebung durch einen Projektmitarbeiter.
Der Aufwand war nicht unerheblich, wurde jedoch durch konkrete Mehrwerte für die teilnehmenden Betriebe ausgeglichen:
- Kostenlose Regionalwert-Leistungsrechnung mit ausführlichem Bericht und Ergebnisposter
- Individuelle Ökobilanzierung, z. B. zu CO₂-Fußabdrücken von Milch und Fleisch
- Konkrete betriebliche Auswertungen mit Hinweisen auf Optimierungspotenziale
- Nutzbares Ergebnis als Marketinginstrument gegenüber Kundschaft, Handel und Kreditinstituten
- Aufwandsentschädigung für die Teilnahme
Untersucht werden zentrale Stellschrauben der zirkulären Rinderhaltung, darunter:
- Nährstoff- und Wirtschaftsdüngermanagement
- Tierwohl und Fütterung
- Energieerzeugung (z.B. Photovoltaik)
- Regionalität von Futtermitteln und Vermarktung
- Wirtschaftlichkeit und Arbeitsbedingungen
Doch ZirKUH geht über reine Datenauswertung hinaus:
Parallel wird ein Netzwerk aufgebaut, in dem Praxis, Forschung, Beratung, Verwaltung und Gesellschaft zusammenarbeiten. In sogenannten Reallaboren sollen konkrete Lösungen entwickelt und direkt unter Praxisbedingungen getestet werden.
Zwischenergebnisse
Die Datenerhebung ist abgeschlossen. Aktuell werden die umfangreichen Informationen ausgewertet. Schon jetzt zeigt sich, dass die gewonnenen Daten ein differenziertes Bild darüber zeigen, wie nachhaltig rinderhaltende Betriebe tatsächlich wirtschaften.
Auch für die teilnehmenden Betriebe zeichnen sich klare Vorteile ab: Sie erhalten fundierte Einblicke in die eigene Betriebsstruktur, können ihre Nachhaltigkeitsleistungen sichtbar machen und gewinnen eine belastbare Grundlage für betriebliche Weiterentwicklungen, sowohl ökologisch als auch ökonomisch.
Gleichzeitig wird deutlich, wie groß das Engagement der Praxis ist. Dr. Stefanie Reith von der Justus-Liebig-Universität Gießen betont: "Man muss den Betrieben für Ihre Teilnahme ein großes Dankeschön aussprechen, da die Datenerfassung sehr umfangreich war. Es war schwierig, genügend Betriebe zu finden. Daher ist man bei der Betriebsakquise über jede Art von Unterstützung wie beispielsweise durch ÖLAF sowie weitere Multiplikatoren aus Beratung (LLH), Bildung (Landwirtschaftsschule), Wirtschaft (Molkereien, Qnetics) und verschiedene Vereinigungen (AbL, Landesvereinigung Milch Hessen, Bauernverband) froh."
Parallel nimmt das ZirKUH-Netzwerk zunehmend Form an. Erste Grundlagen für die Zusammenarbeit in Reallaboren sind geschaffen. Das ist ein wichtiger Schritt, um künftig konkrete, praxistaugliche Lösungen für die zirkuläre Rinderhaltung zu entwickeln.
Weiterführende Informationen
Laufzeit: 2024 bis 2027
Zur Projektwebseite
Kontakt:
Dr. Stefanie Reith
stefanie.reithumwelt.uni-giessende
Das Projekt wird im Rahmen des hessischen Ökoaktionsplans vom Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat gefördert.
Beteiligt sind neben der Justus-Liebig-Universität Gießen weitere Forschungseinrichtungen und Praxispartner, darunter:
- Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung
- Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen
- Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft
- Upländer Bauernmolkerei
- Regionalwert Impuls GmbH
Das Projekt steht zudem in Verbindung mit weiteren Forschungsinitiativen wie "GreenDairy" und "GreenChicken" und trägt zur Weiterentwicklung integrierter Pflanze-Tier-Agrarsysteme bei. Ziel ist die Verbesserung von Ressourceneffizienz und Umweltwirkungen sowohl in ökologischen als auch konventionellen Produktionssystemen im Sinne nachhaltiger "Green Livestock"-Ansätze.




