Was bedeutet Praxisforschung bei ÖLAF?

ÖLAF ermöglicht einen unkomplizierten Austausch zwischen Praxis und Forschung auf Augenhöhe – mit entsprechenden Vorteilen für Öko-Betriebe und Forschende. Doch wie sieht eine echte Praxisforschung auf Augenhöhe aus?

Was bedeutet Zusammenarbeit von Öko-Betrieben und Forschenden auf Augenhöhe?

Bei einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe sind Öko-Betriebe und Forschende gleichberechtigte Partner im Forschungsprozess und die Kommunikation verläuft respektvoll und transparent. Die Erfahrungen der Landwirtinnen und Landwirte sollen dabei als genauso wertvoll angesehen werden wie die wissenschaftliche Expertise der Forschenden.

ÖLAF bietet auch die Möglichkeit, dass die Forschungsbedarfe aus der Praxis gehört werden, indem diese über die ÖLAF-Koordinationsstelle an die BLE zur Weiterentwicklung der praxisnahen Forschung weitergegeben werden. Das Ziel einer solchen Zusammenarbeit ist es, praxisnahe Forschungsergebnisse zu erzielen, die sowohl für Öko-Betriebe als auch für Forschende neue Erkenntnisse und Lösungswege aufzeigen.

Wie werde ich als Öko-Betrieb in die Forschung eingebunden?

Die Zusammenarbeit im Rahmen des Forschungsprojekts kann direkt zwischen der Forschungsinstitution und dem jeweiligen Betrieb abgestimmt sein und/oder durch Einbeziehung eines Wissensmittlers der Beratung mit dem jeweiligen Betrieb und ist somit individuell gestaltbar.

Praxisforschung und praxisnahe Forschung

Bei ÖLAF möchten wir einen Austausch zwischen Öko-Forschung und Öko-Praxis auf Augenhöhen unterstützen und die Stimme der Öko-Praxis stärken.

Praxisforschung bezeichnet die Zusammenarbeit zwischen Forschenden und Praxis mit dem Ziel, Forschungsfragen unter Praxisbedingungen zu bearbeiten und praxisanwendbare Lösungen zu erarbeiten. Diese Zusammenarbeit kann unterschiedliche Formen annehmen, bei denen sich die Rollen der Partner, aber auch deren Zuständigkeiten und Aufwand unterscheiden.

Die Einbindung der Betriebe in ein Forschungsprojekt kann individuell gestaltet werden. In Anlehnung an Ashby (1996) und Biggs (1989) kann die Zusammenarbeit grob in vier Stufen eingeteilt werden:

Stufe 1: Passive Partizipation der Betriebe (praxisnahe Forschung)
Beginnend mit Stufe 1 kann innerhalb der praxisnahen Forschung eine passive Partizipation der Betriebe stattfinden. Hier führen Forschende zur Beantwortung ihrer eigenen Forschungsfrage Untersuchungen auf Betrieben durch. Dabei beteiligen sich die Betriebe nicht an der Versuchsdurchführung, sondern stellen lediglich Nutztiere oder Flächen zu Untersuchungszwecken zur Verfügung.

Stufe 2: Beratende Partizipation der Betriebe (praxisnahe Forschung)
Auf dieser Stufe nimmt der Betrieb lediglich eine beratende Rolle ein und seine Meinung wird im Forschungsprozess mitberücksichtigt.

Vorteile Stufen 1 und 2:

  • geringer Koordinationsaufwand
  • wenig Aufwand auf Seiten der Betriebe

Nachteile Stufen 1 und 2:

  • begrenzte Beteiligung der Betriebe an der Erkenntnisfindung.

Stufe 3: Aktive Partizipation der Betriebe (Praxisforschung)
Hier arbeiten Forschende zur Beantwortung ihrer eigenen Forschungsfrage mit Betrieben auf Augenhöhe zusammen. Dabei sind die Betriebe in die Datenerhebung und/oder Auswertung vor Ort aktiv eingebunden.

Stufe 4: Kollegiale Partizipation der Betriebe (Praxisforschung)
Bei dieser Stufe sind die Betrieb am aktivsten in das Forschungsprojekt eingebunden. Zusammen mit den Forschenden formulieren sie Forschungsfragen und bearbeiten diese gemeinsam. Dies kann auch unter Einbindung der landwirtschaftlichen Beratung geschehen. Der Forschungsprozess wird maßgeblich von den Anliegen und Ansätzen der Praktiker bestimmt.

Vorteile Stufen 3 und 4:

  • Praxis ist in Forschungsprozess direkt eingebunden
  • sehr großes Potenzial, verwertbare Ergebnisse zu erzielen, die von der Praxis aufgenommen und tatsächlich umgesetzt werden

Nachteile Stufen 3 und 4:

  • Prozess erfordert eine intensive Betreuung und zudem eine verbindliche und engagierte Mitarbeit der Praxisbeteiligten
  • Kapazitäten und Ressourcen der Praxisbeteiligten können schnell überfordert werden

Bei der Konzeption eines Praxisforschungs-Vorhabens sollte daher sorgfältig überlegt werden, welche Form der Zusammenarbeit für das jeweilige Vorhaben am besten geeignet ist. Schlecht geplante Partizipation kann ebenso zu Frustration führen, wie mangelnde Einbindung der Praxis.

Quellen:

  • Ashby, J.A. 1996. What do we mean by participatory research in agriculture? In New frontiers in participatory research and gender analysis, Proceedings of the International Seminar on Participatory Research and Gender Analysis (PRGA), 9–14 September 1996, ed. CIAT (Centro Internacional de Agricultura Tropical), 15–22. Cali, Colombia: CIAT
  • Biggs, S. 1989. Resource-poor farmer participation in research: A synthesis of experiences from nine national agricultural research systems. OFCOR comparative study paper. The Hague: International Service for National Agricultural Research (ISNAR). https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs10460-010-9272-z.pdf
  • Nutrinet: Kompass Praxisforschung

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