Verticillium-Welke an Hopfen

Verticillium-Welke

Verticillium dahliae (Klebahn) und Verticillium nonalfalfae (Inderbitzin et al.), früher: Verticillium albo-atrum (Reinke & Berthold), Abteilung Schlauchpilze

Beschreibung

Ab Juni vergilben die Blätter an Hopfenreben von unten her, werden unregelmäßig braun und welken. Insbesondere bei trockener, heißer Witterung kommt es zu Welkesymptomen an der Pflanze, die Blätter fallen bei leichter Berührung ab.

Die Blüte und Ausdoldung werden unterbrochen, Dolden sterben ab. Nicht abgestorbene Dolden nehmen ein geschecktes Aussehen an. Beim Durchschneiden der Rebe im unteren Bereich zeigen sich verbräunte Leitungsbahnen. Die Welke betrifft meist alle Triebe einer Rebe, teilweise können auch einzelne Aufleitungen oder einzelne Triebe einer Aufleitung betroffen sein.

Verdächtige Pflanzen können durch die jeweiligen Landesämter im Labor auf Verticillium untersucht werden.

Schadwirkung

Es treten eine milde und eine aggressive(letale)Form des Erregers auf. Bei mildem Welkebefall können einzelne Triebe absterben. Nicht abgestorbene, verfärbte Dolden verschlechtern die optische Qualität der Ernte. In folgenden Fällen liegt die besonders schädliche aggressive Form der Welke vor, die zum Totalausfall führen kann:

  • als tolerant eingestufte Sorten werden befallen
  • Welke und Absterben treten plötzlich auf
  • Stock erholt sich nicht mehr und stirbt ab
  • Nachpflanzungen von Junghopfen sterben ebenfalls ab

Biologie

Verticillium-Welke bei Hopfen ist eine bodenbürtige Pilzkrankheit, die von zwei Pilzarten hervorgerufen werden kann: Verticillium dahliae und dem erst 2011 beschriebenen Verticillium nonalfalfae. Letzterer wird in zwei Stämme unterteilt, die eine milde und eine aggressive Form der Welkekrankheit darstellen. V. dahliae ist ein weit verbreiteter Pilz, der auch an zahlreichen Obstgehölzen, Kartoffel, Sonnenblume, Erbse, Bohne, Tomate und Gurke schädlich werden kann und verschiedene Zier- und Wildpflanzen befällt.

Der Welkepilz infiziert vom bodenbürtigen Pilzgeflecht ausgehend junge oder verletzte Hopfenwurzeln, dringt in die Wasserleitungsbahnen der Pflanze ein und wächst mit der Pflanze nach oben. Dabei verstopft das Pilzgeflecht die Leitungsbahnen und verhindert somit den Wassertransport nach oben zu den Blättern. Zusätzlich produziert er Pilzgifte (Toxine), die den Alterungsprozess der Pflanze beschleunigen. Das Pilzgeflecht kann vier bis fünf Jahre im Boden überdauern.

Regulierungsstrategien: Vorbeugung essentiell

Vorbeugende Maßnahmen

  • Anbau welketoleranter Sorten:
    Die traditionellen Landsorten Spalter, Tettnanger und Saazer, sowie die Hüller Zuchtsorten Perle, Hallertauer Tradition, Spalter Select, Saphir, Opal und Smaragd haben eine gute bis sehr gute Widerstandskraft gegen milde Welke. Ebenso die Flavorsorten Callista und Ariana und die Bittersorten HallertauerMagnum, HallertauerTaurus, Herkules und Polaris.
    Gegen die aggressive Form der Welke haben nur wenige Sorten Widerstandskraft: die Aromasorte Ariana und die Bittersorten Herkules und Polaris.
  • nur Pflanzgut (Fechser) aus gesunden Gärten oder mit Pflanzenpass verwenden
  • verhaltene Stickstoffdüngung, sehr stickstoffhaltige organische Dünger meiden (z.B. Schweinegülle)
  • Wurzelverletzungen vermeiden, Bodenbearbeitung reduzieren, Bodenstruktur fördern
  • Anbau nicht anfälliger, einkeimblättriger Zwischenfrüchte wie Getreide, Mais, Gras
  • Rebhäcksel erst nach durchgehender Heißrotte ausbringen, in befallenen Gärten keine Rebhäcksel ausbringen
  • befallene Gärten später ernten, Junghopfen nicht beernten

Maßnahmen bei aggressivem Welkebefall

Eine direkte Bekämpfung der Verticillium-Pilze ist nicht möglich. Durch folgende Maßnahmen kann eine weitere Verbreitung eingedämmt werden:

  • strikte Einhaltung phytosanitärer Hygienemaßnahmen: befallene Gärten erst nach gesunden bearbeiten, Bearbeitungsgeräte reinigen beziehungsweise desinfizieren, kein Pflanzmaterial abgeben
  • befallene Pflanzen tief abschneiden, entfernen und verbrennen
  • auch die Nachbarpflanzen und -reihen über fünf Meter Länge roden
  • Wiederaustrieb befallener Pflanzen entfernen
  • Gerodete Bereiche für fünf Quarantänejahre mit einkeimblättrigen Arten wie Mais, Gras, Getreide begrünen, zweikeimblättrige Unkräuter bekämpfen

Letzte Aktualisierung 16.09.2019

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