Rinderhaltung

Was ändert sich in der Rinderhaltung durch die Umstellung?

Milchviehhaltung

Die Umstellung eines Milchviehbetriebes ist in den meisten Fällen einfacher als bei anderen Betriebsformen, weil

  • die heute üblichen Aufstallungsformen mit Boxenlaufställen nach Anpassung der Spaltenanteile und Flächenvorgaben (50 Prozent planbefestigt) für die Tierhaltung in Ökobetrieben gut geeignet sind,
  • der notwendige Futterbau mit dem entsprechenden Leguminosenanteil eine ausgewogene Fruchtfolge und gute Futterbauerträge sichert,
  • die anfallenden Wirtschaftsdünger Erträge und Qualität im Pflanzenbau fördern.

Was ändert sich durch die Umstellung?

Der Einsatz von Medikamenten ist in der ökologischen Erzeugung stärker reglementiert. Ihr regelmäßiger Einsatz, etwa von Antibiotika bei Mastitis, sollte möglichst vor der Umstellung abgestellt werden, indem einzelne Tiere ausgemerzt werden oder durch Anpassungen im Herdenmanagement.

Tendenziell geht die Milchleistung zurück. Wer die Milchleistung durch hohen Kraftfuttereinsatz erzielt oder einen hohen Herdendurchschnitt oberhalb eines Leistungsniveaus von 10.000 Litern Milch pro Jahr hat, wird wegen der höheren Preise für Biofuttermittel neue Strategien prüfen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen durchführen müssen.

Mehr zur ökologischen Milchviehhaltung

Ökologische Bullen-, Ochsen- und Färsenmast

Im Gegensatz zum konventionellen Bereich hat die Ochsen- und Färsenmast in ökologischen Betrieben eine gewisse Bedeutung. Anders als Bullen können Ochsen und Färsen problemlos auf der Weide gehalten werden, wodurch das für alle Wiederkäuer geltende Sommerweidegebot gewährleistet ist. Das größere Fetteinlagerungspotenzial von Färsen und Ochsen im Vergleich zu Bullen ermöglicht einen extensiveren Mastverlauf. Dadurch lässt sich energieärmeres Grundfutter wie Grünfutter, (Klee-)Grassilage oder Weidegang effektiv einsetzen.

Färsen und Ochsen besitzen im Vergleich zu Bullen eine bessere Fleischqualität. Das Fleisch ist stärker marmoriert, enthält weniger festes Bindegewebe und feinere Muskelfasern und ist deshalb zarter, saftiger und aromatischer als Bullenfleisch. Bullenschlachtkörper werden jedoch vom Handel wegen der größeren Fleischausbeute mit höheren Preisen aufgenommen.

Was ändert sich durch die Umstellung?

Die Vorgaben der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau zu Tierbesatz, Haltungsanforderungen, Fütterung und Tierbehandlung sind entsprechend der ökologischen Rindviehhaltung einzuhalten.

Spezielle Anforderungen für die ökologische Färsen- und Ochsenmast:

  • Die Endmast darf in Stallhaltung erfolgen, sofern die ausschließlich im Stall verbrachte Zeit nicht mehr als ein Fünftel der gesamten Lebensdauer der Tiere und längstens drei Monate beträgt.
  • Weniger als die Hälfte von Stall- oder Auslauffläche darf aus Spaltenboden bestehen.
  • Der Flächenbedarf im Stall beträgt je nach Alter der Tiere 1,5 bis fünf Quadratmeter zwischen einem Lebendgewicht von 150 bis 350 Kilogramm, darüber mindestens ein Quadratmeter je100 Kilogramm Lebendgewicht.
  • Jedes Tier benötigt eine saubere und trockene Liegefläche. Es muss ausreichend Einstreu in Form von Stroh oder anderem geeigneten Naturmaterial vorhanden sein.
  • Tiere dürfen nur von ökologisch wirtschaftenden Betrieben zugekauft werden. Die Umstellungsfrist für Rinder zur Fleischerzeugung beträgt zwölf Monate und mindestens drei Viertel ihres Lebens, in der sie gemäß den Richtlinien der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau gehalten und gefüttert werden.

Ist ökologische Bullen-, Färsen- und Ochsenmast eine sinnvolle Alternative?

Die Umstellung von Betrieben mit intensiver Bullenmast auf ökologische Rindfleischerzeugung ist unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten häufig schwierig. Neben Umbaukosten zur Erfüllung der Haltungsanforderungen im Ökobetrieb ist aufgrund des höheren Stallflächenbedarfs je Tier gleichzeitig die Reduzierung des Tierbestandes erforderlich. Zudem sind die üblicherweise hohen Maisanteile in der Fruchtfolge konventioneller Bullenmastbetriebe in ökologischen Fruchtfolgen nicht realisierbar. Ein Großteil des Maises müsste also durch Kleegras ersetzt werden. Zur ökologischen Bullenmast müsste parallel ein weiterer tragender Betriebszweig aufgebaut werden.

Da sich Färsen- und Ochsenmast für die Nutzung von Dauer- und Restgrünland eignen, gewinnen diese Mastverfahren unter landschaftspflegerischen Aspekten zunehmend an Bedeutung. Doch auch einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb mit Schwerpunkt Marktfruchtbau kann die extensive Färsen- und Ochsenmast Vorteile bringen. Einerseits lässt sich damit das in der Fruchtfolge unverzichtbare Kleegras sinnvoll verwerten, andererseits fallen für den Betriebskreislauf wertvolle organische Düngemittel an.

Die Wirtschaftlichkeit der Färsen- und Ochsenmast wird im Wesentlichen von den Festkosten, den Prämien und der Vermarktungsform bestimmt:

  • Eine gute Rentabilität extensiver Mastverfahren kann am ehesten bei geringer Festkostenbelastung erzielt werden. Entscheidend ist daher, ob eine kostengünstige Nutzung von Altgebäuden oder der Um- und Anbau (zum Beispiel als Tiefstreulaufstall) möglich ist.
  • Eine hohe Wertschöpfung kann sich bei Direktvermarktung ergeben. Grundvoraussetzung ist ein guter Marktzugang mit Standort in Stadtnähe und hervorragende Qualitäten mit entsprechender Bioverarbeitung. Der regionale fleischverarbeitende Betrieb muss sich dabei ebenfalls der Biokontrolle unterziehen.
  • Die Wirtschaftlichkeit extensiver Mastverfahren ist insbesondere von staatlichen Transferzahlungen abhängig, das heißt von der Höhe der Prämien.

Ökologische Mutterkuhhaltung

Die Mutterkuhhaltung ist eine arbeits- und flächenextensive Form der Rinderhaltung, deren Umstellung in der Praxis deutlich weniger Anpassungen erfordert als die Umstellung anderer Tierhaltungsformen. Erzeugte Kälber werden für die Weitermast genutzt oder als Zuchttiere oder Schlachtvieh für den konventionellen Markt verkauft.

Außer für die Nutzung von Dauer- und Restgrünland gewinnt die Mutterkuhhaltung für die Offenhaltung und Pflege der Kulturlandschaft in extensiven Grünlandregionen verstärkt an Bedeutung. Dabei ist für Mutterkuhhalterinnen und -halter aufgrund der geringen Besatzstärke je Hektar Futterfläche eine ökologische Betriebsführung besonders naheliegend.

Was ändert sich durch die Umstellung?

Die Vorgaben der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau zu Tierbesatz, Haltungsanforderungen, Fütterung und Tierbehandlung sind entsprechend der ökologischen Milchviehhaltung sowie der Färsen- und Ochsenmast einzuhalten.

Ist ökologische Mutterkuhhaltung eine sinnvolle Alternative?

Die Wirtschaftlichkeit der ökologischen Mutterkuhhaltung wird neben der Produktionstechnik und der Vermarktungsform sowie den Festkosten im Wesentlichen von den Prämien bestimmt:

  • Voraussetzung für eine befriedigende Wirtschaftlichkeit ist intensives Herdenmanagement mit ständiger Kontrolle und laufender Betreuung der Tiere.
  • Eine Rentabilität der Mutterkuhhaltung ist nur bei geringer Festkostenbelastung (Gebäude- und Maschinenkosten) zu erzielen. Eine kostengünstige Nutzung von Altgebäuden sollte möglich sein.
  • Die Mutterkuhhaltung ist mehr als andere Betriebszweige von staatlichen Transferzahlungen abhängig. Reine Mutterkuhbetriebe haben ab einer Größe von mehr als 100 Mutterkühen und mehr als 100 Hektar Grünland mit Zahlungsansprüchen eine Perspektive als Vollerwerbsbetrieb.
  • Kleinere Mutterkuhbetriebe führen diesen Betriebszweig zur Verwertung von Restgrünland oder zur Fleischerzeugung für die Direktvermarktung.

Weitere Vorzüge können sich durch höhere Schlachttierpreise (Biozuschläge) sowie Imagevorteile bei der Direktvermarktung ergeben. In vielen Grünlandregionen können Absetzer aus ökologischen Mutterkuhbetrieben nicht von Biomastbetrieben abgenommen werden, so dass diese konventionell vermarktet werden müssen.


Letzte Aktualisierung 28.05.2019

KTBL: Umstellungsplaner

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Ist der Ökolandbau für meinen Betrieb eine Alternative?

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Umstellungsbroschüre NRW

Leguminosen. Foto: Thomas Stephan, BLE

Umstellen auf ökologische Landwirtschaft

Stand: Dezember 2019

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