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Blockchain – eine Übersicht zu Leistungen und Risiken

Biologische Nüsse. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Bei Rohstoffen mit hohem Betrugsrisiko bietet die Blockchain zusätzliche Sicherheit. Foto: D. Menzler, BLE

Blockchain ist eine Technologie für Transaktionen zwischen Akteuren, die jede Veränderung transparent erfasst. Die einzelnen Blöcke – zum Beispiel in der Lieferkette – bestehen aus Datensätzen, welche mit technischen Verfahren verschlüsselt und miteinander verkettet werden (kryptografische Verfahren). Diese Blöcke sind kontinuierlich erweiterbar. Ein Datensatz besteht zum Beispiel aus digitalen Dokumenten wie einem Kaufvertrag, einer Finanztransaktion oder einem Analyseergebnis. Durch die Blockchain sind die verschiedenen Datensätze untrennbar miteinander verkettet.

Jede neue baut auf einer bereits bestehenden Transaktion auf. Das System, beziehungsweise Netzwerk, bestätigt die Echtheit der hinterlegten Informationen Block für Block und teilt das Ergebnis mit allen Teilnehmern im Netzwerk. Jede Veränderung der Daten bedarf der Zustimmung von der Mehrheit der beteiligten Rechner, beziehungsweise Teilnehmer. Dies verhindert Fälschungen und ermöglicht eine lückenlose Dokumentation.

Entwicklung und Angebot

Das System wurde 2009 das erste Mal zur Erfassung von Bitcoin-Transaktionen eingeführt. Es gibt jedoch zunehmend Systemanbieter, die Lösungen für den Lebensmittelsektor anbieten. Wenn ein Unternehmen seine Lieferkette über eine Blockchain abbilden möchte, sollte es sich mit einem der Systemanbieter in Verbindung setzen, um die ideale Lösung für die betriebsinternen Bedürfnisse zu finden. Eine (nicht ausschließliche) Übersicht von Anbietern gibt es zum Beispiel bei der Informationsplattform Blockchainwelt.

Betrug wird erschwert

Ein Lebensmittelunternehmen kann Blockchain aus mehreren Gründen einsetzen. Der Hauptvorteil liegt in der gesicherten Rückverfolgbarkeit und somit im verringerten Betrugsrisiko. Herkunftsinformationen, Losnummern, Produktionsdaten, Mindesthaltbarkeitsdaten, Analysewerte – all diese Daten können in der Blockchain gespeichert werden und müssen mehrheitlich korrekt eingegeben sein. Liegen mehr falsche als richtige Informationen vor, weist dies darauf hin, dass etwas nicht stimmt. Welche Informationen in einem Block gespeichert werden sollen, wird vorab definiert. Jeder neue Block, sprich die Daten von jedem neuen Teilnehmer der Handelskette, orientiert sich folglich an einem alten, abgeschlossenen Block. Zukünftig kann dann anhand eines bestehenden Blocks ein fragwürdiges Unternehmen sehr einfach erkannt werden, weil die Daten nicht mehr übereinstimmen.

Das Risiko, dass Ware, welche schon einmal abgelehnt wurde, von einem anderen Unternehmen erneut angeboten wird, würde damit auf ein Minimum reduziert. Da die Nachfrage nach Bioprodukten steigt, das Angebot an Rohstoffen aber diesem Wachstum nicht standhält, ist die Branche betrugsanfälliger geworden. In der Lieferkette werden von der Landwirtschaft bis zum Lebensmittelhandel oft verschiedene technische oder analoge Systeme zur Dokumentation verwendet. Dadurch wird eine Rückverfolgbarkeit erschwert. Würde die gesamte Produktionskette Blockchain verwenden, wäre aufgrund des Datenzugriffs keine so aufwändige Kommunikation nötig. Blockchain könnte hier für Unternehmen also eine wichtige Rolle in der Absicherung und Rückverfolgbarkeit seiner Rohstoffe spielen.

Rückverfolgbarkeit für den Verbraucher sichtbar machen

Qualitätssicherung von Rohstoffen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Durch den Vergleich von Analyseergebnissen können vorherige Werte bestätigt oder als Fehlergebnis identifiziert werden. Foto: D. Menzler, BLE

Neben der Absicherung im Rohstoffeinkauf, bietet die Blockchain auch die Möglichkeit Verbraucherinnen und Verbrauchern eine transparente Lieferkette zu präsentieren. In England hat zum Beispiel die ökologische Zertifizierungsstelle und Standardgeber Soil Association gemeinsam mit einem Handelsunternehmen Verbraucherinnen und Verbrauchern die Möglichkeit gegeben, Bioschinken vom Ladenregal bis zum landwirtschaftlichen Hof zurückzuverfolgen. Dabei konnte auf jeder Stufe der ökologische Zertifizierungsschritt nachverfolgt werden. Es gab große Zustimmung auf Seiten der Kundschaft. Diese Option bleibt vermutlich jedoch zunächst nur für Unternehmen interessant, die Monoprodukte oder Produkte mit wenigen Zutaten anbieten, da mit längerer Lieferkette die Komplexität des Produktes steigt.

Transparenz als Handelshemmnis?

Unternehmen, welche sich am System beteiligen, gehen jedoch auch Risiken ein. Ein Fehler würde sofort publik gemacht und könnte dem Unternehmen entsprechend schaden und den Ruf beschädigen. Zudem gibt es Themen, bei denen Transparenz zwar gewünscht ist, es jedoch auch noch einiger Kommunikation in Richtung der abnehmenden Hand bedarf. So könnte ein Eierproduzent angeben, dass bei seiner Eierproduktion aufgrund einer vorherigen Geschlechterbestimmung keine männlichen Küken geschreddert wurden. Dies ist zum Beispiel bei dem Projekt "Respeggt" der Fall, das aktuell auf konventionelle Eier angewandt wird. Bei diesem Projekt wird mittels Blockchain die Rückverfolgbarkeit und Transparenz vom Zuchtbetrieb bis zum Ladenregal gesichert. Das kann aber zur Folge haben, dass der Handel Eierherstellern, die solche Transparenz nicht bieten, auslistet. Ist die Blockchain als System in der Branche erst anerkannt, birgt es das Risiko, dass Handelsunternehmen dieses von seinen Lieferanten fordert, um weiterhin gelistet bleiben zu können.

Konkrete Herausforderungen

Ob Blockchain als System für eine bessere Transparenz und Rückverfolgbarkeit notwendig ist, steht noch in Frage, denn es gibt auch andere Systeme, die weniger energieintensiv und dadurch umweltfreundlicher sind. Zudem ist ungeklärt, wie hoch die Kosten für die Systemteilnehmer tatsächlich ausfallen. Es besteht das Risiko, dass es sich nur größere Unternehmen leisten können, am System teilzunehmen und damit die bestehenden ungleichen Machtverhältnisse in der Lebensmittelkette noch verstärkt werden.

Auch die teilweise noch mangelnde Internetkapazität in ländlichen Regionen könnte ein Problem darstellen, um die Datenmengen auszutauschen, welche für die Blockchain benötigt werden. Auf all diese Fragen gilt es noch Antworten zu finden.


Letzte Aktualisierung: 20.03.2019