Bio-Empfang auf der Grünen Woche: "Bio muss Leitbild bleiben"

"Bio verkauft sich wie geschnitten Brot" – mit diesen Worten begrüßte Tina Andres, Vorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), die Gäste zum Bio-Empfang auf der Grünen Woche. Der Bio-Spitzenverband wartete mit Erfolgszahlen auf: 380.000 Arbeitsplätze bietet die Branche laut aktueller Erhebung, mehr als die Chemieindustrie. Die Zahl der Arbeitskräfte hat sich seit 2009 mehr als verdoppelt und die Umsatzzahlen verdreifacht auf mehr als 16 Milliarden Euro für das Jahr 2023. Für 2024 rechnet der BÖLW mit einem Zuwachs deutlich oberhalb der Inflationsrate und des Marktdurchschnitts.

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik beim Bio-Empfang auf der Grünen Woche. Alle schauen freundlich in die Kamera. Klick führt zur Großansicht.

Von links: Miriam Staudte (Bündnis 90 / Die Grünen), Peter Röhrig (BÖLW), Günther Felßner (CSU), Tinas Andres (BÖLW), Isabell Mackensen-Geis (SPD). Foto: Maurice Weiss / Ostkreuz

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Bündnis 90/ Die Grünen) äußerte sich enttäuscht über ihren Gestaltungsfreiraum für Bio. "Unglaublich viel meiner Arbeitszeit geht damit drauf, Probleme zu lösen, die die Bio-Landwirtschaft nicht verursacht hat", klagte sie. Dazu zähle durch Nitrat und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel gefährdetes Grundwasser, Tierversuche für neue Pflanzenschutzmittel, die Antibiotika-Kontrolle oder die Sorge ums Tierwohl. Weil Bio diese Probleme nicht beschere, sei es so wichtig. Die Nachfrage müsse vor allem über Außerhausversorgung mit Bio gesteigert werden. Sie setze auf die Wirkung der neuen "Bronze-Silber-Gold"-Auslobungen für Kantinen.

Bio muss Leitbild bleiben bei Bund, Ländern und in Brüssel", betonte Staudte. 

Bayerns Bauernpräsident Günther Felßner, den die CSU als Bundeslandwirtschaftsminister vorschlägt, erklärte: "Mein Herz hängt an der biologischen Landwirtschaft. Bio ist Zukunft." Er habe als konventioneller Rinderhalter vor zehn Jahren eine erfolgreiche Bio-Milch-Erzeugergemeinschaft gegründet. Aus seiner Sicht sind die wichtigsten vier Ziele der Agrarpolitik: die Ernährung in Europa und in Deutschland resilient zu sichern angesichts der geostrategischen Lage. Zweitens regenerative Energie im Kreislauf zu erzeugen und drittens mit diesem "grünen Kohlenstoff" die Wirtschaft zu rekarbonisieren. All dies diene dem Hauptziel, dem Schutz der Ressourcen Böden, Luft, Wasser, Biodiversität und genetische Vielfalt.

Um diese Ziele zu erreichen, ist der ökologische Landbau eine der essentiellen Methoden, die uns zur Verfügung stehen", machte Felßner deutlich. 

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Isabel Mackensen-Geis lenkte den Blick auf die Bedeutung der Branche für den Mittelstand. Zentraler Teil der Bio-Wertschöpfungskette sei das Lebensmittelhandwerk. "Akteure wie Mühlen, Bäckereien, Metzgereien, Brauereien oder Weinbaubetriebe verbinden Tradition mit Innovation“, sagte Mackensen-Geis. Sie trügen wirtschaftlich zur Stabilität und zur kulturellen Identität ganzer Regionen bei. Sie bekräftigte das Ziel, den Bio-Anteil bis 2030 auf 30 Prozent auszubauen.  

Jeder Euro, der in die Bio-Branche fließt, investiert in die Zukunft unseres Landes: sozial, ökologisch und wirtschaftlich", so Mackensen-Geis.

"Bio-Anteil bis 2030 verdoppeln"

Schon in der vergangenen Woche zeigte sich BÖLW-Vorsitzende Tina Andres in einer Mitteilung besorgt im Hinblick auf die künftige Bundesregierung. "Keine Partei hat einen Plan für eine zukunftsfähige Lebensmittelwirtschaft", kritisierte Andres. Dabei lägen die Blaupausen auf dem Tisch. Der Bericht der Zukunftskommission Landwirtschaft von Anfang Dezember und zuvor die Ergebnisse des Strategischen Dialogs der EU mahnten beide die Notwendigkeit von mehr Umweltleistungen seitens der Landwirtschaft an – sowie deren Honorierung. "Ziel muss sein, den Bio-Anteil bis 2030 zu verdoppeln", forderte Andres.

Bio schützt die natürlichen Lebensgrundlagen und sichert damit die Ernährung von morgen.“

Wichtig sei daher eine auf den Mittelstand ausgerichtete Wirtschaftspolitik. "Der Gesetzgeber richtet den Rechtsrahmen stets an der Industrie aus. Viele Vorschriften müssen herunterskaliert werden auf kleine und mittlere Betriebe, um ihnen Luft zum Atmen zu geben", sagte Andres, die selbst ein mittelständisches Lebensmittelunternehmen leitet. Dies sei auch wichtig, weil Herstellerinnen und Hersteller sowie Verarbeiterinnen und Verarbeiter die meisten der Bio-Arbeitsplätze stellen – rund 170.000. Das Lebensmittelhandwerk belebe insbesondere den ländlichen Raum. "Wir schaffen Heimat", so die Schleswig-Holsteinerin.  

Der Politik müsse klar sein: "Bio ist eine freiwillige Option. Niemand muss Bio machen. Wenn man es Landwirtinnen und Landwirten sowie Unternehmen unsinnig schwer macht, stellt niemand um." Genau das passiere derzeit. Es sei schlecht für Gewässer, Böden, die Artenvielfalt und das Klima – und den Agrarsektor selbst.

Quelle: Pressemitteilung BÖLW, Pressemitteilung BÖLW Grüne Woche


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