Neben Investitionsbeihilfen sollen Niederlassungsbeihilfen besonders Betriebe mit tragfähigen Konzepten berücksichtigen, die sich nachweislich Umwelt-, Klima-, Biodiversitäts- oder Tierwohlleistungen oder auch gemeinwohlorientierte Leistungen erbringen. Eine erhöhte Fördersumme für Frauen wird ebenfalls gefordert: Bisher sind nur 11 Prozent der Betriebsleitungen Frauen.
Die Verbände begrüßen ausdrücklich, dass die Europäische Kommission den Generationenwechsel zu einem Schwerpunkt ihrer künftigen Agrarpolitik machen wollen. Angesichts der demografischen Entwicklung in der Landwirtschaft seien nun jedoch verbindliche finanzielle Zusagen erforderlich. Die von EU-Agrarkommissar Christopher Hansen vorgeschlagene Zielmarke von 6 Prozent des nationalen GAP-Budgets für Junglandwirtinnen und Junglandwirte muss dazu in der kommenden Förderperiode verbindlich in den GAP-Haushaltsplan integriert werden. Dieses Budget ist mindestens erforderlich, um dem demografischen Umbruch wirksame Maßnahmen entgegenzusetzen.
Nachwuchsmangel gefährdet Zukunft der Landwirtschaft
Der Handlungsbedarf ist aus Sicht der Verbände dringlich: Nur 6 Prozent der Landwirtinnen und Landwirte in der Europäischen Union sind jünger als 35 Jahre, während mehr als die Hälfte älter als 55 Jahre ist. Auch in Deutschland ist die Altersstruktur ähnlich. Zudem ist bei einem Großteil der Betriebe die Hofnachfolge bislang ungeklärt.
"Junge Menschen stehen beim Einstieg in die Landwirtschaft vor enormen finanziellen Herausforderungen. Wer heute einen Betrieb übernimmt oder neu gründet, muss oft hohe Investitionen tätigen, bevor überhaupt Einkommen erwirtschaftet werden kann. Deshalb braucht es gezielte Unterstützung und verlässliche Förderstrukturen", erklärt Lars Ruschmeyer vom Bund der Deutschen Landjugend (BDL).
Frauen gezielt fördern
Besonderen Nachholbedarf sehen die Jugendverbände bei der Förderung von Frauen in der Landwirtschaft. Derzeit werden lediglich rund 11 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland von Frauen geleitet. Deshalb sprechen sich die Verbände dafür aus, Frauen bei Betriebsgründungen und Hofübernahmen gezielt mit höheren Fördersummen bei der Niederlassung zu unterstützen.
Konkrete Forderungen an Bund und Länder
Für die nationale Umsetzung der GAP nach 2027 fordern die Verbände unter anderem:
- die Einführung von Existenzgründungsprämien in allen Bundesländern,
- erhöhte Investitionsbeihilfen bei Hofübernahmen und Neugründungen,
- die Berücksichtigung von Umwelt-, Klima-, Biodiversitäts- und Tierwohlleistungen bei der Fördervergabe und
- den Ausbau kostenloser Beratungsangebote.
Darüber hinaus sprechen sich die Verbände für bundesweit einheitliche Rahmenbedingungen bei der Vergabe von Existenzgründungsförderungen aus, um Transparenz und Planungssicherheit zu gewährleisten.
Lars Ruschmeyer vom BDL erklärt:
Wer den Generationenwechsel in der Landwirtschaft will, muss jungen Menschen gezielt Anreize bieten. Existenzgründungsprämien und Investitionsbeihilfen tragen dazu bei, innovative und wirtschaftlich tragfähige Betriebskonzepte umzusetzen, regionale Wertschöpfung zu stärken und die Versorgungssicherheit langfristig zu sichern.
Antje Hollander von der jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert:
Junglandwirt:innen stehen im Spannungsfeld zwischen enormem Kapitalbedarf, hohem Risiko und niedriger Rendite. Wenn wir in Deutschland weiter Lebensmittel produzieren wollen, dann muss Landwirtschaft für junge Menschen attraktiver werden – Existenzgründungsprämien machen eine Gründung oft erst denkbar. Sie können gezielt Betriebe unterstützen, die gesellschaftliche Forderungen, wie Tierwohl und Sozialstandards umsetzen. Wir brauchen sie bundesweit, mit einheitlichen Rahmenbedingungen.
Hier finden Sie das Positionspapier.
Quelle: Pressemitteilung des Bündnis Junge ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft (JöLL)


