Ohrenkneifer – harmlose Helfer der Natur

Ohrenkneifer – harmlose Helfer der Natur

Manchmal, wenn man einen Stein oder einen Baumstumpf hochhebt, krabbelt ein kleiner Ohrenkneifer hervor. Viele Kinder und auch manche Erwachsene haben Angst vor dem länglichen, braunen Insekt mit seinen Kneifern am Hinterleib – zu Unrecht! Denn ganz anders, als die meisten denken, ist er sogar in der Natur und auch für den Biobauern sehr nützlich.

Schlechter Ruf aus dem Mittelalter

Vom Hinterleib des kleinen, braunen Ohrenkneifers gehen zwei Zangen aus, die bei Männchen und Weibchen unterschiedlich stark gebogen sind. Aber sind diese Zangen tatsächlich eigens dafür da, uns Menschen in die Ohren zu kneifen? Keineswegs. Die Ohrenkneifer, die eigentlich "Ohrwürmer" heißen, wurden vielmehr im Mittelalter als Medizin eingesetzt. Die toten Insekten halfen, zerrieben als Pulver bei Ohrenschmerzen. Natürlich wird das heutzutage nicht mehr gemacht, aber das "Ohr" kam so in den Namen des kleinen "Wurms". Erfundene Lügenmärchen und Schauergeschichten halfen dann, den "Ohrenkneifer" bei uns als Name einzubürgern. Aber wofür sind die Zangen am Hinterleib denn nun gut? Tatsächlich können die Ohrwürmer sie als kleine "Greifer" verwenden und so bei der Jagd einsetzen. Fliegende Arten öffnen mithilfe der Zangen ihre Hinterflügel und auch bei der Paarung werden sie eingesetzt.

Ein schüchterner Vesteckenskünstler

Eigentlich sollte der Ohrenkneifer bei Tageslicht gar nicht zu sehen sein. Er ist nachtaktiv und versteckt sich, unter Steinen und Bäumen, in kleinen Ritzen, in Geäst und Laub, wenn es hell ist. Sollte man ihm doch einmal begegnen, dann wurde er wohl gestört, sein Versteck wurde entfernt oder gar kaputt gemacht. Ohrwürmer bevorzugen geschützte, enge und leicht feuchte Plätze. Darum sind auch hohle Pfirsichkerne oder die Lücke zwischen Baum und Rinde beliebte Verstecke. Es gibt eine große Anzahl verschiedener Arten der Ohrwürmer, manche sind unter einem Zentimeter, andere bis zu acht Zentimeter lang. Weltweit sind circa 1.700 Arten bekannt, in Mitteleuropa leben davon nur sieben. Obwohl die Ohrenkneifer zu den Fluginsekten gehören, können nur sehr wenige Arten fliegen. Bei den meisten sind die Vorderflügel sehr stark zurückgebildet und kaum sichtbar. Die Hinterflügel sind zusammengefaltet und gut versteckt unter dem Chitinpanzer. Sorgsame Brutpflege Anders als der Großteil der Insekten, betreibt der Ohrenkneifer Brutpflege. Er kümmert sich bedacht um seine Nachkommen, noch bevor diese aus den Eiern geschlüpft sind. Gut versteckt in engen Ritzen, unter Rinden oder in selbstgebauten Gängen säubern und pflegen die Erwachsenen Individuen die Brut. Dieses Verhalten kennt man sonst von Wild- und Honigbienen. Wie die Biene füttert der Ohrenkneifer seine Brut teilweise sogar nach dem Schlüpfen.

Kleine Gartenhelfer

Viele Menschen wissen nicht, dass der so unbeliebte Ohrenkneifer eine interessante Leibspeise hat: Blattläuse. Die kleinen, hellgrünen Schädlinge setzen sich auf Blattunterseiten oder in die Nähe der Blüten und Blattknospen und saugen die gesunde Pflanze regelrecht aus. So richten sie oft großen Schaden an. Gerade Biobäuerinnen und -bauern haben es oft schwer, weil sie den kleinen Plagegeistern nicht mit Insektiziden, also Pflanzenschutzmitteln, auf die Pelle rücken dürfen. Auch Gartenfreunde kennen die Schädlinge, weil sie oft auf Rosen zu finden sind. Der bekannteste Unterstützer im Kampf gegen Blattläuse ist der Marienkäfer. Es ist also gut zu wissen, dass auch die unbeliebten Ohrenkneifer im Garten eine große Hilfe sind. Und gerade, weil sie ihre Arbeit im Dunkeln erledigen, haben kluge Gärtnerinnen und Gärtner sie sehr gern. Wenn es nicht genug Blattläuse gibt, um ihren Nahrungsbedarf zu stillen, nagen Ohrenkneifer gerne gesunde Blatttriebe oder saftige Früchte an. Sie verkriechen sich beispielsweise in den Gängen, die die Raupe des Apfelwicklers, eines Nachtfalters, zuvor gefressen hat. So gesehen ist der Ohrwurm nicht der eigentliche Schädling, er nutzt vielmehr vorhandene Schadstellen aus. Dennoch macht ihn dieses Verhalten manchmal auch zu einer Art "Schädling", trotz seines durchaus nützlichen Blattlaus-Appetits.


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