Ackern in der Schule

Ackern in der Schule

Hier wächst Wissen! Mit den Programmen GemüseAckerdemie und GemüseKlasse lassen sich Schülerinnen und Schülern für den ökologischen Gemüseanbau begeistern. So wird die Saat für eine gesunde Ernährung gelegt.

Jedes Kind soll in seiner Schullaufbahn einmal ackern können. Das ist die Vision des Vereines Acker e.V. Der Verein wurde 2014 gegründet, um Kinder für den biologischen Anbau von Salat, Palmkohl und Co. und eine gesunde Ernährung zu gewinnen. Frei nach dem Motto: Wer selbst einmal Gemüse anbaut, lernt Lebensmittel schätzen und lieben. Denn viele Kinder haben heute gar keinen Kontakt mehr zur Natur, geschweige denn zur Gärtnerei. Die Idee kommt an. Mittlerweile gibt es mehr als 900 Lernorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Über 100.000 Kinder haben dort schon geackert. Die Projekte GemüseAckerdemie und GemüseKlasse wenden sich vor allem an Grundschulklassen. Aber auch Ältere können mit machen.

GemüseAckerdemie im Schulhof

Bei der GemüseAckerdemie bewirtschaften die Kinder Beete auf dem Schulhof, im Schulgarten oder in der Nähe. Die Flächengröße hängt von der Gruppengröße ab: Von 15 bis über 100 Quadratmeter großen Ackerflächen ist alles möglich. Das auf vier Jahre ausgelegte Programm läuft in drei Phasen: Von Februar bis April bereiten die Klassen sich und ihre Beete vor. Der Acker e.V. berät sie dabei und kümmert sich ums Pflanz- und Saatgut. Zwischen April und Oktober pflanzen, pflegen und ernten die Kinder ihr Gemüse. Dafür sollten pro Woche zwei Schulstunden Zeit sein. Von November an erweitern die Schülerinnen und Schüler ihren Blick: Wie wirkt sich mein Ernährungsverhalten auf andere aus? Wie kann meine Familie weniger Lebensmittel verschwenden? Der Acker e.V. liefert Projektideen und Lernstoff. Nach vier Jahren haben die Schulen genug Wissen und Erfahrung gesammelt, um den Lernort Acker langfristig an der Schule zu verankern.

Auf zur AckerSchule

Interessierte Schulen und Pädagoginnen und Pädagogen sollten sich am besten noch in diesem Jahr für die GemüseAckerdemie bewerben: Für einen Start in 2022 gibt es noch einzelne freie Förderplätze. Gerade in Zeiten der Pandemie ist ein Lernort an der frischen Luft, Raum für Bewegung und Spaß im Team für die Kinder besonders wichtig.

Anmelden zur GemüseAckerdemie

Gemüse im Klassenzimmer

Die GemüseKlasse ist der kleine Ableger der Ackerdemie. Als Einstieg gedacht und auch möglich für Schulen ohne eigenen Garten. Hier bauen Schülerinnen und Schüler zusammen mit einem Ackercoach zu Beginn des Schuljahres Hochbeete im Klassenzimmer auf. Darin säen sie anfangs Kräuter, Salate oder auch Bohnen ein. Mit Beleuchtung gedeiht das Grün auch noch im Herbst und Winter gut. Der Acker e.V. versorgt die teilnehmenden Schulen mit passenden Unterrichtsmaterialien, Aktionsvorschlägen und Rezeptideen. Im Sommerhalbjahr können die fortgeschrittenen Nachwuchs-Gärtnerinnen und -Gärtner dann auch wärmeliebende Gewächse wie Cocktailtomaten in ihr Hochbeet pflanzen. Das Besondere daran: Die Kinder können ihren Pflanzen auch im Unterricht beim Wachsen zuschauen. Wenn die erste Gärtnergeneration nach einem Jahr die GemüseKlasse beendet hat, hegt und pflegt eine neue Klasse die Beete.

"Ein grüner Daumen ist nicht nötig"

Der Acker e.V. ist in ganz Deutschland in fünf Regionen aktiv. Die Regionalmanagerin Ost, Sarah Eisinger, kann gut vermitteln, wie der Einstieg in den Gemüseanbau gelingt. Als ehemalige Unternehmensberaterin ist sie selbst Quereinsteigerin.

Oekolandbau.de: Wer kann bei der GemüseAckerdemie oder der GemüseKlasse mitmachen?

Sarah Eisinger: Alle Schulen in Stadt und Land. Einzige Voraussetzung ist es, Lust aufs Gärtnern zu haben und sich dafür mindestens zwei Schulstunden pro Woche Zeit nehmen zu wollen. Wir freuen uns über alle motivierten Pädagoginnen und Pädagogen, aber besonders über blutige Anfängerinnen und Anfänger. Ein grüner Daumen ist nicht nötig, denn für das Wissen sorgen wir: Es gibt drei Basisfortbildungen zum Pflanzen, Säen und Ernten im Frühjahr, Sommer und Herbst an verschiedenen Standorten. In der Pandemie nutzen wir verstärkt digitale Formate. Fortgeschrittene können an Seminaren zu Saatgutgewinnung, Jungpflanzenaufzucht oder globaler Ernährung teilnehmen. Und jede Woche kommt unsere digitale Ackerinfo mit praktischen Tipps ins Schulhaus.

Oekolandbau.de: Verlieren die Kinder auch mal die Lust am Gärtnern? Was machen Sie dann?

Sarah Eisinger: Das passiert selten. Bei der GemüseAckerdemie freuen sich die meisten Kinder, in der Unterrichtszeit rauszukommen, sich zu bewegen und auch einmal laut sein zu können. Aber wir wollen niemanden zwingen: Wer einmal gar keine Lust hat, bekommt von uns kleine Extra-Aufgaben oder Spielideen in Form von Jokerkarten. Wenn die Kinder dann aber sehen, wie eifrig ihre Klassenkammeraden weiterackern, werden sie oft neugierig, kommen zurück und wollen doch mitmachen.

Oekolandbau.de: Was kostet die Teilnahme den Schulen?

Sarah Eisinger: Das lässt sich nicht pauschalisieren. Als gemeinnütziger Verein arbeiten wir mit vielen verschiedenen Förderpartnern zusammen. Wir arbeiten mit einem Matchfunding-Modell: Das heißt wir vermitteln unseren Schulen passende Förderer, die den Großteil der Programmkosten übernehmen. Unternehmen, Stiftungen oder Ministerien unterstützen finanziell im unterschiedlichen Umfang. Aber ein individueller Eigenanteil für die Schulen bleibt immer übrig. Das wollen wir auch beibehalten. Denn die teilnehmenden Schulen sollen sich vorher gemeinsam mit allen Beteiligten gut mit dem Bildungsprogramm auseinandersetzen und überlegen, ob es zur Schule passt und ob ausreichend Kapazitäten vorhanden sind. Was nichts kostet, wird leider oft auch nicht wertgeschätzt.


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Weitere Infos im Web:

Acker e.V.

Letzte Aktualisierung 14.12.2021

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