Bio in Hotel und Herberge

Bio kommt in Hotel und Herberge

Die deutschen Jugendherbergen servieren immer mehr regionale, vegetarische und biologische Kost. Viele Jugendherbergen bieten jede Woche einen Veggiday an. Immer mehr der rund 450 Häuser arbeiten nach dem Qualitätsstandard "Erlebnis Nachhaltigkeit". Diese Jugendherbergen müssen einen Bio-Anteil von fünf bis sieben Prozent haben.

Wer sich darüber hinaus als Umweltherberge bezeichnen möchte, muss mindestens zehn Prozent Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft anbieten. "Die meisten unserer umweltbewegten Häuser setzen jedoch mehr Bio-Produkte ein. Unsere Spitzenreiter verwenden bis zu 70 Prozent", berichtet Bernd Lampe. Der Nachhaltigkeitsbeauftragte des Deutschen Jugendherbergswerks hofft, den Bioanteil weiter ausbauen zu können. Aber das sei nicht einfach im Low-Budget-Segment.

Biozertifizierte Jugendherbergen

Damit der Bio-Wareneinsatz garantiert ist, lassen sich viele Jugendherbergen von der Göttinger Gesellschaft für Ressourcenschutz zertifizieren. Die unabhängige Kontrollstelle überprüft einmal jährlich, ob der versprochene Mindestanteil an Biolebensmitteln auch wirklich auf den Tisch kommt. Das müssen die Häuser beispielsweise mit Lieferscheinen oder Einkaufsrechnungen nachweisen.

Aktuell sind 100 Jugendherbergen in Deutschland biozertifiziert. Fast allen Gästen schmeckt Bio: "Die Resonanz unter den Gästen ist überwiegend positiv. Das ist wie in der Bevölkerung. 20 Prozent finden das sehr gut, 60 Prozent zumindest interessant, der Rest glaubt eher nicht an Bio. Aber nur wenige meckern, vor allem wenn es kein Fleisch gibt", so Bernd Lampe.

Zur nachhaltigen Ernährung gehöre es außerdem, MSC- oder FSC-zertifizierten Fisch aufzutischen und mindestens zwei Fair-Produkte in der Küche einzusetzen.

Jugendherbergen mit besonders viel Bio

Während die meisten Jugendherbergen ihre Bio-Waren zentral einkaufen und mit Nudeln, Reis und Kaffee in die Bio-Verpflegung starten, gibt es schon richtige Pioniere mit deutlich höheren Bio-Anteilen. So bietet die Herberge Brilon in Westfalen-Lippe Bio-Milch aus dem Nachbarort und selbstgemachte Biogelees an. Mit Trendspeisen wie Brilonburger oder Spagetti Brilonaise erwärmen die Herbergseltern ihre Gäste für die vegetarisch, vegane Küche.

Mit einem Bio-Anteil von 70 Prozent kann die Jugendherberge Mönchengladbach-Hardter Wald punkten. Hier kommen sogar ausschließlich Bio-Fleisch und Wurst aus der Region auf den Tisch. Damit es nicht zu teuer wird, servieren die Herbergseltern Christiane und Martin Rottmann nur zweimal die Woche Fleisch. Das schmeckt den Schülerinnen und Schülern gut, solange es kindgerechte Speisen wie Pizza, Nudelgerichte und vor allem Pfannkuchen gibt. Beliebt sind aber auch Speiseklassiker im neuen, gesunden Gewand: wie Bolognese mit Grünkern und Bratlinge aus Haferflocken, Käse und Zwiebeln.

Prämiumprodukt Bio-Hotel

Voll auf Bio-Verpflegung setzen die rund 80 zertifizierten Bio-Hotels. Diese umweltfreundlichen Hotels finden sich mittlerweile in sechs europäischen Ländern. In allen Häusern stammen die Lebensmittel aus zertifizierter, biologischer Landwirtschaft. Regionale Produkte werden bevorzugt. Die Köchinnen und Köche bereiten ihre Speisen möglichst handwerklich zu. Beispielsweise sind Mikrowellen tabu.  Alle Biohotels bieten zumindest ein vegetarisches Menü an. Hoteleigene Shampoos, Seifen, Pflegecremes und Öle sind zertifizierte Naturkosmetik. Nur die dekorative Kosmetik ist noch nicht komplett Bio. Damit sich der Gast auch auf die Bio-Garantie der Hotels verlassen kann, kommen hier zweimal jährlich unabhängige Kontrolleure vorbei: einmal angemeldet und einmal unangemeldet.

Klimafreundlich im Hotel

Darüber hinaus achten die Bio-Hoteliers auf einen geringen Wasser- und Energieverbrauch und beziehen ihren Strom aus Erneuerbaren Energien. Das lassen sie sich zusätzlich unter dem Label "eco hotels certified" zertifizieren. Eco Hotel kann nur werden, wer 100 Prozent Ökostrom bezieht und pro Gast und Nacht weniger als 40 Kilogramm CO2 ausstößt. Tatsächlich liegen die meisten Bio-Hotels mit durchschnittlich 11,46 Kilogramm deutlich darunter. "Unsere besten Häuser erreichen sogar unter zehn Kilogramm CO2 pro Nacht und Gast. Das ist ein Bruchteil dessen, was Kost und Logis auf einem Kreuzfahrtschiff verursachen", freut sich Daniela Senn, Projektleiterin von den Biohotels.

Nur ein Urlaub auf Balkonien oder eine Fahrradtour könnten noch besser abschneiden. Denn da entfällt die Anreise per Auto, Bahn oder Flugzeug. Den Ausstoß der klimaschädlichen Gase von Flugzeugen kann selbst die beste Bio-Unterkunft nicht wettmachen.


Letzte Aktualisierung 18.11.2021

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