Heimische Wildstauden beleben unsere Gärten

Heimische Wildstauden beleben unsere Gärten

Wie wäre es mit mehr Naturnähe im Garten? Heimische Wildstauden locken viele Tierarten an. Aber was ist überhaupt der Unterschied zwischen Wildpflanzen und Kulturpflanzen? Welche Wildstauden passen in meinen Garten? Je nach Boden, Licht und Klimaverhältnissen brauchen wir Hitzekünstler oder Lehmliebhaber, Schattengewächse oder Sonnenanbeter.

Was sind heimische Wildstauden?

Bei uns gibt es rund 3.000 Arten von einheimischen Wildpflanzen. Dazu zählen Gehölze, Stauden sowie ein- und zweijährige Pflanzen. Als Wildpflanzen bezeichnet man wildwachsende Arten, die sich in der Natur ganz ohne menschliches Zutun verbreitet haben. Stauden sind mehrjährige, krautige Pflanzen. Ihre oberirdischen Teile sterben meist im Herbst ab, im Frühjahr treiben sie wieder neu aus.

Wesentlicher Unterschied zwischen Wild- und Kulturpflanzen ist die gärtnerische Auslese. Gärtnerinnen und Gärtner suchen seit je her aus dem Angebot der Natur das Besondere: den kräftigsten Wuchs, die leuchtendste Farbe, den höchsten Ertrag. Die Züchtung hat den Ertrag sowie die Farb- und Formenvielfalt enorm gesteigert. Allerdings sind diese gezüchteten Sorten Arten in ihrer genetischen Vielfalt deutlich eingeschränkt.

Was heißt heimische Herkunft?

Die meisten wildwachsenden Arten kommen hier seit Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden vor. Als "heimisch" gilt, was vor 1492, also vor Columbus und dem Beginn weltweiter Handelsbeziehungen, hier wuchs. Unter Gärtnerinnen und Gärtnern setzt sich zunehmend die Einordnung "Mitteleuropa" für den ungenauen Begriff "heimisch" durch, auch weil durch Klimawandel und Handelsgewohnheiten die Pflanzenmigration zunimmt.

Einheimische Stauden für Insekten

Viele heimische Insekten sind hochspezialisiert und beim Sammeln von Nektar und Pollen auf bestimmte Wildpflanzenarten angewiesen. Umgekehrt gibt es Blütenpflanzen, die nur von ganz bestimmten Insekten bestäubt werden können. Die Bonner Biologin Ulrike Aufderheide hat für dieses Phänomen den Begriff "Schlüssel-Schloss-Prinzip" geprägt.

Für die Bioland-Gärtnerin Susanne Spatz-Behmenburg ist der Rainfarn ein passendes Beispiel: Auf ihn sind die Rainfarn-Maskenbiene und bestimmte Seidenbienen als Nahrungsquelle angewiesen. Die Wilde Möhre liefert Pollen für allein 46 Wildbienenarten, drei Schmetterlingsarten und zehn verschiedene Raupen.

"Interessanterweise finden spezialisierte Tierarten einen Garten mit für sie passenden Pflanzen sehr schnell. Man kann Tiere anlocken und buchstäblich pflanzen"hat die passionierte Naturgärtnerin Spatz-Behmenburg beobachtet.

Vorteile von heimischen Wildstauden

  • Sie bieten Nektar und Pollen für viele heimische Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten.
  • Aufgrund ihrer großen genetischen Vielfalt ermöglichen Wildpflanzen eine Anpassung der heimischen Pflanzenwelt an den Klimawandel.
  • Sie sind in Regel robust und sehr pflegeleicht.

    Wildpflanzen – an ihre Umwelt angepasst

    In der Natur haben sich Wildpflanzen im Laufe der Evolution an ihre Umgebung und sich ändernde Umweltbedingungen angepasst. Doch die heimische Wildflora variiert. "Von Region zu Region können sich die wildwachsenden Pflanzen ein und derselben Art unterscheiden. Bei vielen Arten haben sich regionale Typen – sogenannte Varietäten – herausgebildet", erläutert Bio-Gärtner Herbert Vinken am Beispiel der in ganz Deutschland vorkommenden Schafgarbe.

    "Entlang von Flussläufen oder in der norddeutschen Tiefebene wachsen genetisch geringfügig andere Schafgarben als im Alpenvorland. So ist die im Bergland vorkommende Varietät der Schafgarbe an lange Winterzeiten angepasst und treibt deswegen später aus. In wärmeren Regionen treibt ein genetisch leicht variierender Typ zeitiger aus und blüht meist früher." Darauf wiederum seien Insekten in der Region eingestellt und richten sich mit ihren Brutzyklen nach dem Futterangebot. Entsprechend passen sich die Vögel mit ihrer Brut an. "Alles hängt mit allem zusammen", bringt es Vinken auf den Punkt.

    Nur gebietsheimische Wildpflanzen für Naturschutzgebiete

    In der freien Natur dürfen Pflanzen nur dort eingesetzt werden, wo sie auch natürlicherweise vorkommen. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz dürfen "außerhalb von Siedlungsgebieten" – etwa auf Ausgleichsflächen und Naturschutzflächenausschließlich gebietsheimische Stauden und Gehölze mit gesichertem Ursprung gepflanzt werden, damit die charakteristische Flora erhalten bleibt.

    Kaum Auflagen für Parks und Privatgärten

    Für Parks, Grünflächen und privaten Gärten innerhalb von Städten oder Dörfern gibt es derlei Auflagen zum Ursprung der Pflanzen nicht – auch nicht für Wildpflanzen. Wer seinen Garten mit Wildpflanzen beleben möchte, sollte aber dennoch auf deren Herkunft achten.

    Die Kampagne "Tausende Gärten – Tausende Arten" (TGTA) will Menschen dafür begeistern, im eigenen Garten Lebensräume für heimische Tiere und Pflanzen zu schaffen. Dazu beschränkt sie die 22 Herkunftsgebiete des deutschen Naturschutzgesetzes auf die vier großen Naturräume Nord, Süd, Ost und West.

    "Achten Sie bitte darauf, möglichst Wildpflanzen aus dem Naturraum zu setzen, in dem auch Ihr Garten liegt!“empfiehlt die Kampagne.

    Vielfältige Auswahl an heimischen Wildstauden

    Bei der Auswahl können Wildpflanzenfreude aus dem Vollen schöpfen. "Für jeden Standort gibt es prachtvolle Wildblumen. Sogar sehr schattige Stellen können wir zu einem besonderen Schmuck unseres Gartens machen", schwärmt der österreichische Naturgartenexperte Werner Gamerith. Doch damit die Pflanzen daheim gut anwachsen, sei es wichtig, sowohl deren Ansprüche als auch das Standort-Angebot im eigenen Garten zu kennen:

    • Ist es eher schattig oder sonnig?

    • Wie heiß wird welche Ecke im Sommer?

    • Wo ist der Boden lehmig, wo sandig, mager, nährstoffreich, kalkig oder sauer?

    • Hält er Wasser und Nährstoffe eine Zeit lang – wie auf Lehm und tonigen Böden. Oder versickert alles schnell – wie auf leichten Sandböden?

    • Auf welche Pflanzen setze ich, auf welche verzichte ich?

    "Damit schaffen wir die wichtigste Voraussetzung für ein gutes Gedeihen und eine hohe Artenvielfalt bei geringem Arbeitsaufwand", ergänzt der begeisterte Naturgärtner.

    Auf den Webseiten des NABU und BUND finden sich finden sich Listen mit Wildpflanzenempfehlungen für die verschiedensten Standortbedingungen:

      Warum sind heimische Wildpflanzen so wichtig für Insekten und andere Tiere? Eine im Rahmen des Projektes "gARTENreich – Wissenschaft und Praxis für mehr Vielfalt in Gärten" produzierte Videoreihe zeigt, wie wichtig Gärten in Deutschland sind und was sie für den Erhalt der Artenvielfalt leisten können. Im Fokus stehen dabei vor allem heimische Wildpflanzen und Tipps zu Strukturen, mit denen man Tieren im Garten helfen kann. Mehr Infos unter www.gartenreich-projekt.de/biodiversitaet-und-gaerten


      Film ab: NABU – Wildpflanzen im Garten

      Youtube-Video

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      Welche einheimischen Wildstauden eignen sich besonders gut für den Naturgarten?

      Für den Einstieg eignen sich:

      • In sonniger Lage mit durchschnittlichem Gartenboden (krümeliger, eher dunkler, humoser Boden, der weder wie Ton an den Schuhen klebt noch in kürzester Zeit austrocknet wie ein Sandboden): Färberkamille, Schafgarbe, Wiesen-Margerite, Großblütige Königskerze

      • Auf feuchteren, humosen Standorten in Sonne bis Halbschatten (mindestens halber Tag Sonnenlicht): Wasserdost, Pimpinelle/Kleiner Wiesenknopf, Mädesüß, Baldrian, Eibisch, Wald-Geißbart, Engelwurz

      • Auf sehr sonnigen, eher trockenen Flecken: Natternkopf, Quendel, Oregano, Ehrenpreis, Habichtskraut

      • Auf eher absonnigen, halbschattigen, aber dennoch trockenen Flecken: Kissen-Glockenblumen, Wirbeldost, Waldrand-Gamander, Veilchen

      • Bei Vollschatten: Wald-Geißbart, Woll-Hahnenfuß, Frühlings-Knotenblume, Wald-Sauerklee, Haselwurz, viele Farnarten

      Wann soll man Wildstauden pflanzen – und wie pflegen?

      Generell können wir Stauden von März bis Oktober pflanzen. Frühjahr und Herbst eignen sich gleichermaßen. Im Sommer leiden Pflanzen schnell unter Hitzestress. Wer die Stauden mitten im Sommer einpflanzt, muss regelmäßig auf ihre Wasserversorgung achten. "Zuviel Wasser ist allerdings der häufigere Tod als zu wenig", weiß Praktiker Vinken.

      Je nach Witterung und Niederschlag und je nach Wasserhaltekraft des Bodens oder der Topferde haben die Pflanzen nach ein paar Wochen ausreichend Wurzeln gebildet, um sich aus dem Bodenwasser selbst zu versorgen. Nur wenn Pflanzen an sehr heißen Tagen schon morgens schlapp aussehen, empfiehlt es sich, sie zusätzlich zu gießen. Mulchen – das Bedecken des Bodens mit organischem Material – erspart so manchen Gießgang.

      Woher bekomme ich Wildstauden und Saatgut?

      Der Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten (VWW) hat eine unabhängige bundesweite Zertifizierung für die Wildsaatgutproduktion ins Leben gerufen und ein Qualitätssiegel für gebietseigene Wildstauden und gebietseigenes Saatgut entwickelt. Das basiert auf einem umfangreichen Kriterienkatalog.

      Wer regionales Saatgut kaufen möchte, muss erkennen können, aus welcher Region es ursprünglich stammt. Diese Information gibt es nur bei Betrieben, die ihr Saatgut oder ihre Jungpflanzen mit VWW-Zertifikat beziehen und sie entsprechend etikettieren.

      Allerdings sind bisher nur wenige Gärtnereien zertifiziert. Zur Liste geht's hier

      Bei Saatgutbibliotheken und auf Pflanzentauschbörsen lassen sich stellenweise auch Pflanzen und vielleicht sogar Gleichgesinnte finden.

      Bezugsquellen von Wildstauden für den Hobbygarten

      Text: Jutta Schneider-Rapp und Nina Weiler 


      Letzte Aktualisierung 27.03.2026

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