- Tiefe Wurzeln: Hirse hat besonders tiefe Wurzeln, die ihr helfen, Wasser aus den tieferen Schichten des Bodens zu erreichen. Während viele Pflanzen bei Dürreperioden schnell welken, nutzt Hirse das verbleibende Wasser tief im Boden und kommt so mit langen Trockenzeiten besser zurecht.
- Schnelles Wachstum: Hirse wächst schnell und benötigt nur eine kurze Zeit, um auszureifen – in der Regel nur 3 bis 4 Monate. So kann sie in trockenen Jahren schneller ernten und ist weniger anfällig für langanhaltende Trockenheit, da sie weniger Wasser verdunstet.
- Hitzebeständige Blätter: Die Blätter der Hirse sind besonders effizient und können den Wasserverlust minimieren. Sie rollen sich bei extremer Hitze ein oder sind dünn, sodass sie die Verdunstung stark reduzieren können.
- C4-Photosynthese: Hirse gehört zu den C4-Pflanzen, die eine besonders effektive Art der Photosynthese nutzen. Diese Pflanzen können CO₂ im Vergleich zu C3-Pflanzen (wie den meisten anderen Getreidearten) auch bei hohen Temperaturen und wenig Wasser effizient aufnehmen.
Warum ist das besonders wichtig in Zeiten des Klimawandels?
Durch den Klimawandel erleben wir weltweit immer häufigere und intensivere Hitzewellen und Dürreperioden. Besonders in Regionen mit wenig Wasserressourcen und wenig Niederschlag wird es für viele klassische Getreidearten wie Weizen, Reis, Mais oder Gerste immer schwieriger, sich zu behaupten. Hirse jedoch ist bestens gerüstet, mit diesen extremen Wetterbedingungen umzugehen.
Dank ihrer Trockenresistenz ist Hirse besonders gut für den Anbau in Zeiten von Dürre und Hitzewellen geeignet. Das macht sie zu einer potenziell wichtigen Kulturpflanze für die Zukunft – nicht nur in den traditionellen Anbaugebieten Afrikas oder Indiens, sondern auch bei uns, wo die Sommer zunehmend heißer und trockener werden könnten. Dann könnte die Hirse eine klimaangepasste Alternative zu anderen Getreidesorten darstellen, die mehr Wasser und Pflege benötigen.
Weitere Vorteile von Hirse im Ackerbau:
- Geringer Dünge- und Pflanzenschutzmittelbedarf: Hirse kommt mit weniger Düngemitteln aus, weil sie in der Lage ist, Nährstoffe besonders effizient zu nutzen. Ihre tiefen Wurzeln ermöglichen es ihr, Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten zu erschließen, während sie gleichzeitig mit weniger Stickstoff und Phosphor auskommt als viele andere Pflanzen. Dies reduziert nicht nur den Bedarf an Düngemitteln, sondern hilft auch, die Umwelt zu schonen. Zudem ist Hirse aufgrund ihrer robusten Natur weniger anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Einige Hirsesorten produzieren sekundäre Pflanzenstoffe, die als natürliche Abwehrmechanismen gegen Insekten wirken und die Pflanze widerstandsfähiger gegenüber Schädlingen machen.
- Ideal in Fruchtfolgen: Hirse ist besonders gut geeignet, um in Fruchtfolgen eingebaut zu werden, da sie den Boden nicht übermäßig beansprucht. Im Vergleich zu anderen Pflanzen benötigt sie weniger Nährstoffe und trägt so dazu bei, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Ihre tiefen Wurzeln durchdringen den Boden und fördern so die Bodenstruktur, indem sie den Boden auflockern und die Durchlüftung verbessern. Diese Wurzeln helfen auch, den Boden zu stabilisieren und vor Bodenerosion zu schützen, indem sie den Boden festhalten und verhindern, dass er bei starkem Regen oder Wind weggespült wird. Darüber hinaus trägt der Anbau von Hirse zur Förderung der Biodiversität bei.
Forschung für den heimischen Anbau von Hirse
Bisher spielt der Hirseanbau in Deutschland kaum eine Rolle. Sorghum-Pflanzen werden auf gerade einmal 15.000 Hektar Fläche kultiviert. Zum Vergleich: Weizen wird auf einer Fläche von 2,6 Millionen Hektar angebaut. Ein Forschungsprojekt, das den Hirseanbau in Deutschland vorantreiben soll, ist SorBOOM, das von der Justus-Liebig-Universität Gießen koordiniert wird. Die Forscherinnen und Forscher beschäftigen sich darin mit der Einführung von Hirse als neuer Kulturpflanze für Deutschland. Ziel ist es, Hirse als nachhaltige und klimaresistente Alternative zu den herkömmlichen Kulturpflanzen wie Weizen und Mais zu etablieren. Durch die Untersuchung verschiedener Hirsesorten auf ihre Anbau- und Nutzungseigenschaften soll der Hirseanbau langfristig auch auf deutschen Feldern eine größere Rolle spielen. Das Projekt verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, um die Anbaubedingungen und Nutzungsmöglichkeiten für Futter- und Nahrungsmittel besser zu verstehen und Hirse als wertvolle Kulturpflanze zu positionieren.
Das vom BÖL geförderte Forschungsprojekt "Rispenhirsensorten und -linien zur Körnernutzung für Geflügel" untersuchte verschiedene Hirsesorten auf ihre Anbaueigenschaften sowie deren Nährstoffanalyse und Eignung als Futtermittel, insbesondere für Geflügel. Die Ergebnisse zeigten, dass Rispenhirse auf warmen, kalkhaltigen Böden gute Erträge liefert und den Boden verbessert. Auch bei der Fütterung von Legehennen gab es positive Ergebnisse: Die Hennen in der Hirsegruppe legten mehr Eier und die Eier waren schwerer. Die Rispenhirse enthält zudem wertvolle Aminosäuren, die die Gesundheit der Tiere unterstützen.
Die LfL Bayern testet im Rahmen des Projekts "FutureCrops" am Forschungsstandort in Schwarzenau im "Bayerischen Hitzepol" trockenheitsresistente Pflanzen wie Hirse, Erdnuss, Augenbohne und Reis. Ziel des Projekts ist es, diese Pflanzen auf ihre Eignung unter den klimatischen Bedingungen Bayerns zu prüfen und nachhaltige Alternativen für den Pflanzenbau der Zukunft zu entwickeln, die den Herausforderungen des Klimawandels, wie Trockenheit, standhalten.
Regionale Hirse aus ökologischem Anbau
Im Biolandbau ist Hirse eine zunehmend beliebte Kulturpflanze. Auch die beiden Preisträger des Bundespreises Ökologischer Landbau, die Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau Haslachhof in Baden-Württemberg und Mühlenhof Zepelin in Mecklenburg-Vorpommern, haben die Anpassungsfähigkeit sowie die wertvollen Inhaltsstoffe der Hirse für sich entdeckt. Interessierte können sich hier den Hirsenanbau einmal aus nächster Nähe anschauen: