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Rispenhirsensorten und -linien zur Körnernutzung für Geflügel

Die Rispenhirse ist trockenheitstolerant und wärmeliebend. Sie kann außerdem in der 100 Prozent Öko-Fütterung von Geflügel und Schweinen als Futtermittel eingesetzt werden. Ziel des mehrjährigen Projekts war es daher, den Anbau und die Nutzung von Rispenhirse genauer zu analysieren. Dabei wurde auf drei Standorten in Bayern und Berlin-Brandenburg ein großes Sortiment von internationalen Herkünften und Sorten angebaut und auf die wichtigsten Aminosäuren untersucht.
Empfehlungen für die Praxis
Empfehlungen zum Anbau von Rispenhirse:
- Aussaat Mitte bis Ende Mai, zum Beispiel nach der überwinternden Zwischenfrucht
- Nicht frosthart, die Pflanze stirbt bei null Grad Celsius ab
- Ziel muss sein: Schneller Auflauf, da schlechte Beschattung in der Jugend
- Aussaatstärke: 250 bis 350 Körner pro Quadratmeter, 25 bis 30 Kilogramm pro Hektar nach TKM (Tausendkornmasse)
- Ernte: September. Nicht auf die Abreife der letzten Körner warten, sonst fallen schon reife Körner aus
- Ertrag: Auf gutem Boden bis zu 40 Dezitonnen pro Hektar, Ertragserwartung wie Getreide in der gleichen Fruchtfolgestellung.
- Standort: Alle warmen Böden
- Normaler Getreideabstand. Reihenabstand 20 bis 30 Zentimeter möglich mit Maschinenhacke
- Es kann gestriegelt werden ab dem Erscheinen des dritten Laubblattes
- Als Folgefrucht keine spät gesäte Sommerung oder Hackfrucht, da Gefahr als spät keimendes Unkraut. In Getreide wird Ausfallhirse sicher unterdrückt.
- Hinterlässt gute Bodenstruktur, pfluglose Bearbeitung möglich
Empfehlungen zur Sortenwahl:
- Sorten "Wodka" und "Quartett" sind für Human- und Tierernährung geeignet
- Sorte "Kornberger" hat etwas unterdurch-schnittliche Methioningehalte und bietet sich eher für die menschliche Ernährung an
- Sorte "Lisa" weist leicht überdurchschnittliche Methioningehalte auf und wird für die Futternutzung empfohlen
Es ist ein großer Schritt in Richtung nachhaltiger und risikoärmerer 100 prozentiger Bio-Fütterung getan. Der Anteil von regionalen Komponenten kann in den Rationen so erhöht werden.
(Werner Vogt-Kaute)
Informationen zum Projekt
Im Mittelalter war die Rispenhirse auch in Deutschland eines der wichtigsten Nahrungsmittel für die menschliche Ernährung. In vielen Ländern wurde sie auch noch lange zur Fütterung von jungem Geflügel eingesetzt. Im 20. Jahrhundert ist Rispenhirse aus dem Anbau in Deutschland weitgehend verschwunden. Ihre Bedeutung stieg erst wieder mit der Zunahme von glutenfreien Lebensmitteln. Die trockenen und heißen Jahre 2018 und 2019 haben das Interesse an der Art ebenfalls gesteigert, da Rispenhirse als C4-Pflanze hohe Erträge mit geringstem Wasserverbrauch erzielt. Zudem stieg in Deutschland auch die Nachfrage nach Öko-Hirse als Lebensmittel. Rispenhirse hat einen hohen Gehalt der erstbegrenzenden Aminosäure Methionin. Sie kann daher auch als Futterkomponente in der 100 prozentigen Öko-Fütterung eingesetzt werden.
Ergebnisse beim Anbau von Rispenhirse
Der Versuch zeigte, dass die Rispenhirse auf gut erwärm-baren Standorten, wie steinreichen Muschelkalkböden, sogar überdurchschnittliche Erträge liefert. Eine gute Nährstoffversorgung in Form von organischen Düngern honoriert die Rispenhirse mit Mehrerträgen. Sie hinterlässt eine gute Bodenstruktur, was den Verzicht auf den Pflug ermöglicht. Die Erträge auf den Standorten spiegeln, dass es in einigen Fällen große Probleme mit Unkräutern gab. Kühle und feuchte Bedingungen im Mai führten zum Teil zum starken Auftreten von Knöterich-Arten. Diese Unkräuter wurden zwar später durch das trockene und heiße Wetter sichtbar eingebremst, aber der Ertrag war trotzdem deutlich geringer. Unterschiede in der Standfestigkeit sind sehr deutlich zu sehen (1 = kein Lager, 9 = vollständiges Lager). Auch in der Reife sind klare Unterschiede zu erkennen (1 = früh, 9 = spät), die beim Erntetermin ungefähr drei Wochen betragen. Bei den Erträgen war bisher keine Sorte überlegen. Auffällig ist, dass die spätreiferen Sorten oft schwächer im Ertrag sind als die frühreifen, was auf Standorteffekte hindeutet.
| Sorte | Wuchshöhe [cm] | Lager | Reife |
|---|---|---|---|
| RUS Mittel * | 84 | 4 | 3 |
| Krupnoskoroje 1+2 | 75 | 8 | 3 |
| Quartett | 77 | 3 | 2 |
| Aseldo/Wodka | 82 | 2 | 5 |
| Consanti | 95 | 2 | 5 |
| Kornberger | 83 | 4 | 4 |
| Lisa | 91 | 2 | 3 |
| Bernburger | 93 | 7 | 3 |
| Braunhirse | 90 | 2 | 2 |
| Italien | 110 | 2 | 9 |
| * Mittel der sonstigen russischen Linien | |||
Analysen der Inhaltsstoffe von Rispenhirse
Die Analysen der Ernteprodukte der Ernte 2018 ergaben bei 88 Prozent Trockensubstanz durchschnittlich beim Rohprotein 113 Gramm pro Kilogramm und bei den limitierenden Aminosäuren Lysin 1,91 Gramm pro Kilogramm, Methionin 3,54 Gramm pro Kilogramm, Cystein 1,93 Gramm pro Kilogramm und Threonin 3,61 Gramm pro Kilogramm. Damit lagen die Werte für die Aminosäure Methionin weit über den Erwartungen. In den Folgejahren lagen die Methionin-Gehalte mit 3,0 Gramm pro Kilogramm immer noch erfreulich hoch. Durch das günstige Verhältnis von Methionin zu Rohprotein lässt sich aber der Gehalt an Rohprotein in den Rationen deutlich senken. Das entlastet Leber und Nieren der Tiere und senkt den Stickstoffgehalt des Kots.
Fütterungsversuch bei Legehennen
Ein Tastversuch mit zwei Legehennenherden erzielte gute Ergebnisse. Während die Kontrollgruppe während des vierwöchigen Versuches zwei Prozent Legeleistung verloren, stieg die Legeleistung in der Hirsegruppe um vier Prozent von 87 auf 91 Prozent. Die Eier der Hirsegruppe waren durchschnittlich um ein Gramm schwerer.
- Werner Vogt-Kaute, Lukas Vogt, Naturland Fachberatung Öko-BeratungsGesellschaft mbH, Hohenkammer
- Prof. Roland Hoffmann-Bahnsen, Hochschule für nachhaltige Entwicklung, Eberswalde
- Rudolf Vögel, VERN e. V., Angermünde
Naturland Fachberatung Öko-BeratungsGesellschaft mbH
Eichethof 1
85411 Hohenkammer
Werner Vogt-Kaute
E-Mail: w.vogt-kautenaturland-beratungde
Telefon: +49 (0) 93 57 / 99 95 2
04/2018 – 12/2021
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