Gemeine Spinnmilbe

Gemeine Spinnmilbe

auch Bohnenspinnmilbe, Tetranychus urticae (Koch), Familie Spinnmilben

Schadbildbeschreibung

Zum Befallsbeginn sind auf nur wenigen Blättern Gruppen von hellen Punkten zu sehen, durch die Einstiche der Milben entsteht anfänglich eine punktuelle Gelbfärbung. Stärkerer Befall führt an jungen Blättern zu Kräuselung, Verfärbung und Vergilben. An Weinrebe entwickeln sich punkt- oder fleckenweisen Blattvergilbungen und Nekrosen, an Gemüsen vergilbt meist das ganze Blatt und stirbt ab. Die Milben bilden ein typisches, feines Seidengespinst auf der Blattunterseite, dass auch die Triebspitzen mit umfassen kann. Mit einer Lupe können darin gelbliche Milben und ihre transparenten Eier und Larven ausgemacht werden. Bei starkem Auftreten an Busch- und Stangenbohnen werden die Blüten und Hülsen deformiert und weisen eine Berostung auf.

Die gelblichen Milben mit den zwei charakteristischen dunklen Rückenflecken werden etwa einen halben Millimeter lang, die Männchen sind etwas kleiner. Die Farbe kann von grünlich bis bräunlich variieren, überwinternde Weibchen sind orange-rot gefärbt.

Ähnliche Schädlinge

Die im Winter rot gefärbten Gemeinen Spinnmilbenweibchen können mit denen der ganzjährig roten Obstbaumspinnmilbe verwechselt werden. Beide Arten werden umgangssprachlich auch als Rote Spinne bezeichnet. Letztere tritt nur an holzigen Pflanzen auf.

Schadwirkung

Die Gemeine Spinnmilbe trittan einer großen Zahl von Kulturpflanzen schädigend auf:

  • Im Obst- und Weinbau an Weinrebe, Apfel, Birne, Pflaume, Beeren, Erdbeere
  • Im Gemüsebau an Bohne, Erbse, Gurke, Paprika, Tomate, Mais
  • Im Ackerbau an Kartoffel, Sonnenblume, Leguminosen, Mais
  • Die Gemeine Spinnmilbe im Hopfenbau beschreibt ein gesondertes Schädlingsporträt

Die Spinnmilbe tritt im biologischen Rebbau nur selten schädlich auf, da sie in der Regel von Nützlingen ausreichend eingegrenzt wird und krautige Pflanzen bevorzugt. Am größten ist die Gefahr eines Schadens bei Jungreben. Im Anbau von Busch- und Stangenbohnen sowie Gurken, insbesondere unter Glas, kann es bei unzureichender Luftfeuchtigkeit zu Massenvermehrungen der Gemeinen Spinnmilben kommen. Diese können Ertrag und Qualität beeinträchtigen und zu verfrühtem Absterben der Pflanzen führen.

Biologie in Kürze

Im Freiland überwintern befruchtete Weibchen unter Rindenschuppen, in Ritzen von Rebpfählen, an Steinen und anderen Orten. Im Frühjahr vermehren sie sich im Unterwuchs, im Laufe des Sommers erfolgt die Abwanderung auf die Rebe. Bei optimalen Temperaturen im Sommer zwischen 20 und 30 Grad sowie Trockenheit kommt es oft zu Massenvermehrungen. Diese werden durch fehlende natürliche Feinde und zu hohe Stickstoffgaben gefördert. Sechs bis neun Generationen können pro Jahr auftreten.

Im Gewächshaus bieten sich den Weibchen günstige Überwinterungsbedingungen. Sie wandern auch aus Überwinterungsplätzen im Freiland ein. Verschiedene krautige Wirtspflanzen werden ab Pflanzungsbeginn besiedelt. Bei mittleren Temperaturen dauert eine Generation nur zwei Wochen.

Regulierungsstrategien: vorbeugen und bekämpfen

Vorbeugende Maßnahmen

  • Verwendung einer raubmilbenschonenden Spritzfolge, insbesondere sparsamer Einsatz von Schwefelpräparaen
  • Zurückhaltende Stickstoffversorgung, z.B. durch Verzicht auf mechanische Beikrautregulierung in heißen Perioden
  • Befallsfreie Rankhilfen und Rebpfähle verwenden

Biologische Schädlingsbekämpfung

Im Freiland verhindern vor allem Raubmilben als Schutzräuber die Ansiedlung und stärkere Vermehrung des Schädlings. Raubmilbenschonende und -fördernde Maßnahmen sind:

  • Pflanzen von Hecken, in denen sich die Raubmilben besonders gerne aufhalten, z. B. Brombeeren, Roter Hartriegel, Haselnuss, Rote Heckenkirsche
  • Für ständiges Pollenangebot, insbesondere von Gräsern, sorgen, z.B. durch alternierendes Mulchen des Bodenbewuchses
  • Die Raubmilbe Typhlodromus pyri ist der wichtigste Spinnmilben-Gegenspieler im Freiland. Sie kann mit Pflanzmaterial oder mit dem Winterquartier in raubmilbenfreie Anlagen umgesiedelt werden.
  • Die Raubmilbe Phytoseiulus persimilis ist der wirksamste Gegenspieler von Spinnmilben im Gewächshaus. Sie werden vorbeugend oder beim ersten Sichtbarwerden von Spinnmilben eingesetzt.
  • Weitere Raubmilbenarten wie Hypoaspis spp. und Amblyseius spp. können eine Rolle in der Spinnmilbenregulierung spielen.

Darüber hinaus dient die Nützlingsförderung im Freiland weiteren wichtigen Räubern von Spinnmilben, wie Marienkäfern, den Larven von Schwebfliegen und Florfliegen, Blumenwanzen und der Raubwanze Macrolophus pygmaeus.

Im Gewächshaus treten die genannten Nützlinge, bei entsprechendem Vorkommen im Freiland, ebenfalls auf. Zusätzlich können Nützlinge gezielt ausgebracht werden:

  • Die Raubmilbe Phytoseiulus persimilis ist der wirksamste Gegenspieler von Spinnmilben im Gewächshaus. Sie werden vorbeugend oder beim ersten Sichtbarwerden von Spinnmilben eingesetzt. Sind Pollen oder andere Schädlinge als alternative Nahrung verfügbar, können die Raubmilben auch vorbeugend eingesetzt werden.
  • Eine Kombination mit Raubmilben der Gattung Amblyseius ist möglich.
  • Die räuberische Gallmücke Feltiella acarisuga kann ebenfalls in Kombination ausgebracht werden. Sie ist auch bei niedrigeren Temperaturen und Luftfeuchten aktiv.
  • Flor- und Schwebfliegen, Marienkäfer und Raubwanzen können auch gezielt ausgebracht werden, insbesondere wenn auch Blattläuse, Thripse und andere Schädlinge eine Rolle spielen.

Direkte Bekämpfung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln

Im Ackerbau und im Hopfenbau sind keine Akarizide zugelassen.

Obst- und Weinbau

Eine Regulierung ist im Weinbau in der Regel nicht nötig. Bei Überschreitung der Schadensschwelle den Beratungsdienst kontaktieren:
Mai und Juni: 30 bis 40 Prozent der Blätter besetzt
Juli und August: 20 bis 30 Prozent der Blätter besetzt

  • In Weinrebe, Kern-, Stein-, und Beerenobst (außer Erdbeere): Pflanzenschutzmittel auf der Basis von Paraffinöl oder Rapsöl als Austriebsspritzmittel. Eine Sommeranwendung ist daher nicht möglich. Die Öle wirken sich schädlich auf Nützlinge aus, bis der Belag abgetrocknet ist.
  • In Kernobst: Pflanzenschutzmittel aus Basis von Kaliseife. Diese zerstört die Hautstruktur der Milben und bewirkt deren Austrocknung. Diese Kontaktwirkung besteht solange bis der Belag abtrocknet, ebenso wie eine schädliche Nebenwirkung auf Schlupfwespen. Neben der Verwendung kalkarmen Wassers wird daher die Anwendung bei milden Temperaturen empfohlen, die zu einer langsamen Abtrocknung führen.

Gemüse und Erdbeeren

  • Pilzsuspension von Metharhizium anisopliae als Spritzung in Erdbeeren und bestimmten Fruchtgemüsen im Gewächshaus
  • Pflanzenschutzmittel aus Basis von Kaliseife in Fruchtgemüse oder Kaliumhydrogencarbonat in Fruchtgemüse im Gewächshaus. Diese Wirkstoffe zerstören die Hautstruktur der Milben und bewirkt deren Austrocknung. Diese Kontaktwirkung besteht solange bis der Belag abtrocknet, ebenso wie eine schädliche Nebenwirkung auf Schlupfwespen. Neben der Verwendung kalkarmen Wassers wird daher die Anwendung bei milden Temperaturen empfohlen, die zu einer langsamen Abtrocknung führen.
  • Pflanzenschuztmittel auf Basis von Rapsöl in Gemüsekulturen. Öle wirken sich schädlich auf Nützlinge aus, bis der Belag abgetrocknet ist, danach ist Nützlingseinsatz möglich.
  • Pflanzenschuztmittel auf Basis von Pyrethrinen und Rapsöl in Tomate und Hülsengemüse

Überprüfen Sie bitte unbedingt die aktuelle Zulassung und Anwendungsvorschriften, z. B. auf www.pflanzenschutz-information.de!

Letzte Aktualisierung 09.12.2019

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