Die "wilden Verwandten" unserer Kulturpflanzen

Die "wilden Verwandten" unserer Kulturpflanzen

Kennen Sie die den Kriechenden Sumpfsellerie? Er ist eine der vier gefährdeten einheimischen Wildselleriearten. Wildpflanzen wie diese sind von hoher Bedeutung für die Züchtung, weil sie eng mit den bekannten Kulturarten verwandt sind. Das "Netzwerk Genetische Erhaltungsgebiete Deutschland" koordiniert seit 2019 Erhaltungsmaßnahmen.

Etwa 2.500 der über 3.600 Arten unserer heimischen Flora sind verwandte Wildarten unserer Kulturpflanzen oder potenziell nutzbar für Ernährung und Landwirtschaft. Viele dieser "Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft" (WEL) sind nicht nur Bestandteile unserer Ökosysteme, sondern auch eine bedeutende Ressource für die Pflanzenzüchtung. Pflanzenzüchterinnen und -züchter können Erbeigenschaften dieser Wildarten zur Entwicklung besserer Kultursorten nutzen.

Sicherung von Beständen an ihrem natürlichen Wuchsort

Die natürlichen Bestände dieser Wildarten sind allerdings zunehmend durch die Klimakrise und andere Ursachen gefährdet. Die Erhaltung von Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft erfolgt am besten, wenn Populationen an ihren natürlichen Standorten, das heißt in situ, erhalten bzw. wiederhergestellt werden. Dann haben sie die Möglichkeit, sich auch weiterhin an wechselnde Umweltbedingungen anzupassen. Dadurch wird die Erhaltung ihrer genetischen Vielfalt gewährleistet, und sie stehen auch in Zukunft als Ressource für die Pflanzenzüchtung zur Verfügung.

Die In-situ-Erhaltung wird durch naturschutzfachliche Maßnahmen, wie zum Beispiel genaue Bestimmung des Mahdzeitpunkts, Ausmagern des Bodens durch Entfernen des Mahdguts, Beweidung oder Bodenabtrag gewährleistet. Um den Zugang zu dieser Vielfalt zu erleichtern, werden Sammelproben dieser Populationen nach Möglichkeit in Saatgutbanken ex situ erhalten und stehen so den Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung.

Die In-situ-Erhaltung von Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft erfolgt am sinnvollsten durch die Einrichtung genetischer Erhaltungsgebiete (GenEG). Ein GenEG ist eine Fläche, die für aktive und dauerhafte Erhaltungsmaßnahmen ausgewiesen wird und auf der Management sowie Monitoring der genetischen Vielfalt natürlich vorkommender WEL-Populationen erfolgen. Für die Erhaltung der genetischen Diversität einer Art ist meist eine größere Anzahl von Wuchsorten beziehungsweise Vorkommen notwendig, die in ihrer Summe die Diversität einer Art möglichst umfassend repräsentieren.

Gründung des "Netzwerks Genetische Erhaltungsgebiete Deutschland"

Um bestehende und zukünftige WEL-Erhaltungsmaßnahmen besser koordinieren zu können, wurde 2019 das "Netzwerk Genetische Erhaltungsgebiete Deutschland" mit den ersten Erhaltungsgebieten für die vier einheimischen Wildselleriearten eingerichtet. Für Wildsellerie gibt es mittlerweile bereits über 20 Genetische Erhaltungsgebiete (GenEG) verteilt in ganz Deutschland. Die dafür eingerichtete Fachstelle beim Julius Kühn-Institut in Quedlinburg koordiniert diese Gebiete und ist Ansprechpartner für die Flächeneigentümer der GenEG.

Seit August 2023 gibt es auch das Netzwerk Arnika für Hessen, das bereits acht genetische Erhaltungsgebiete für die gefährdete Echte Arnika (Arnica montana) eingerichtet hat. Wie im Falle des Wildselleries wurden und werden auch hier die genetischen Erhaltungsgebiete im Rahmen eines vom BMEL geförderten Modell- und Demonstrationsvorhabens  eingerichtet. Die Koordination wird durch den Botanischen Garten Marburg als Fachstelle betrieben.

Auch für die Europäische Wildrebe (Vitis gmelinii  Buttler) wird auf der Rheininsel Ketsch ein genetisches Erhaltungsgebiet eingerichtet.


Grafik: Wie ist das Netzwerk Genetische Erhaltungsvielfalt in Deutschland organisiert?


Förderung Genetischer Erhaltungsgebiete möglich

Seit 2024 ist die Erhaltung der genetischen Vielfalt von Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft über die GAK förderfähig. Einzelne Schritte zur Ausweisung und zum Management von genetischen Erhaltungsgebieten sind über die GAK kofinanzierbar.

Weitere Informationen finden Sie dazu auf der Genres-Homepage.

Koordination in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) in der BLE koordiniert das Netzwerk Genetische Erhaltungsgebiete Deutschland, unterstützt Aktivitäten zur Erhaltung von WEL auf europäischer und internationaler Ebene, und unterstützt außerdem mit zusätzlicher Öffentlichkeitsarbeit.

Weiterführende Informationen stehen im Informationssystem Genetische Ressourcen (GENRES) bereit.

Im Nationalen Inventar PGRDEU können die vom Netzwerk Genetische Erhaltungsgebiete Deutschland eingerichteten Flächen recherchiert werden.


Letzte Aktualisierung 23.05.2024

Nach oben
Nach oben