Dossier: Alte Sorten und einheimische Nutztierrassen im Öko-Landbau

Dossier: Alte Sorten und einheimische Nutztierrassen im Öko-Landbau

Durch den Erhalt und die genetische Erforschung alter Gemüsesorten und die Zucht einheimischer Tierrassen kann dem weltweiten Artenschwund von Nutzpflanzen und -tieren entgegengewirkt werden. Für den Öko-Landbau ist besonders wichtig, dass biologisches Saatgut patentfrei zur Verfügung steht und das Thema Artenschutz auch für Verbraucherinnen und Verbraucher gut kommuniziert wird.

Nicht nur die Vielfalt wildlebender Pflanzen- und Tierarten ist durch die Klimakrise, die Zerstörung von Lebensräumen und die Umweltverschmutzung bedroht, auch die Nutzpflanzenvielfalt ist weltweit gefährdet. Um auf diese Situation für Deutschland aufmerksam zu machen und um Maßnahmen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung dieser Vielfalt zu unterstützen, hat die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) die Rote Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen Deutschlands erstellt.


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Die Antwort finden Sie im Artikel "Alte Sorten erhalten – denn Vielfalt schmeckt!".


Als besonders erhaltenswert stellt die Rote Liste "alte Sorten" – Landsorten, die durch eine lange Anbauzeit an die ökologischen Bedingungen ihres Entstehungsgebiets angepasst sind – heraus. Ihrem Erhalt haben sich einige ökologische Zucht-, Anbau- und Forschungsprojekte angenommen, die wir im Dossier "Alte Sorten und einheimische Nutztierrassen" vorstellen. Neben alten Sorten geht es in den Dossier-Beiträgen auch um Gemüsearten wie die Saat-Platterbse, die in Deutschland bisher kaum angebaut werden, in Zeiten der Klimakrise jedoch großes Potenzial besitzen. Außerdem werfen wir einen Blick auf die bedrohten Tierrassen, die auf den Höfen im Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau gezüchtet werden.



Nationale Strategie zu genetischen Ressourcen für Ernährung, Landwirtschaft, Forst und Fischerei

Für den Erhalt alter Sorten und gefährdeter Arten ist vor allem wichtig, die genetische Viefalt innerhalb einer Art zu schützen. Pflanzliche Klone und auf Hochleistung gezüchtete Tierrassen können beispielsweise zu einer genetischen Verarmung führen. Die Diversität der genetischen Ressourcen spielt allerdings eine entscheidende Rolle für die Anpassung an den Klimawandel und die langfristige Sicherung der Ernährung. Die Nationale Strategie zu genetischen Ressourcen für Ernährung, Landwirtschaft, Forst und Fischerei des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zeigt Wege und Maßnahmen auf, wie eine breite Vielfalt genetischer Ressourcen gesichert und gefördert werden kann.

Wie engagieren sich die Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau für die Artenvielfalt?

Wir haben unsere Leidenschaft für bedrohte Tierrassen entdeckt und uns deshalb für den Weg als Arche-Hof entschieden. (Barbara und Wolfgang Birk, Betriebsleitung Arche-Hof Birk)

Als GEH-Archehof und VIEH-Nutztierarche engagieren wir uns für den Erhalt traditioneller Nutztierrassen. Das bedeutet: Zukunft haben die Rassen nur, wenn sie auf bäuerlichen Betrieben überleben und ihre Produkte verwertet werden. (Peter Schmidt, Betriebsleiter Klosterhof Bünghausen)

Unser Hauptaugenmerk liegt auf dem Zusammenspiel von Tierhaltung, Landschaftsgestaltung und Naturschutz in einem stabilen Gesamtökosystem. Dazu gehört ein geschlossener Betriebskreislauf ebenso wie das Angler Rind alter Zuchtrichtung, das Bunte Bentheimer Schwein und das Ungarische Zackelschaf – alte Rassen, die auf Hof Luna gehalten und gezüchtet werden. (Wilhelm Bertram, Betriebsleiter Arche-Hof Luna)

Mehr Informationen zum Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau

Verschiedenes Gemüse in einer Gemüsekiste

23.05.2024Landwirtschaft

Sortenvielfalt im Öko-Gartenbau

Im Interview erklären Eva-Maria, Sonja und Christian Herb, weshalb der Erhalt alter Sorten so wichtig ist und vor welche Probleme das Saatgutverkehrsgesetz kleine familiengeführte Bio-Gärtnereien stellt.

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Christiansens Biolandhof und Saat:gut e.V.

Christiansens Biolandhof ist 2024 Preisträger im Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau. Der Betrieb ist ein ökologisch wirtschaftender Marktfruchtbetrieb mit dem Schwerpunkt ökologische Züchtung von Gemüsesorten. Angebaut werden Kleegras, Kohlgemüse, Kartoffeln, Möhren, Rote Bete, Pastinake und Getreide.

Im Jahr 2010 wurde unter Einbindung des ökologischen Groß- und Einzelhandels der gemeinnützigen Saat:gut e.V. zur Entwicklung und Durchführung ökologischer Pflanzenzüchtung gegründet. Die Mitglieder verbindet das gemeinsame Interesse, die ökologische Pflanzenzüchtung zu fördern und der Öffentlichkeit den freien Zugang zu Kulturpflanzen zu erhalten.

Das Problem: Wenige Konzerne beherrschen den Weltmarkt für Saatgut, in ihren Laboren entstehen hoch gezüchtete Gemüsesorten, die chemisch behandelt und häufig mit gentechnischen Methoden verändert werden. Oftmals eignen sich nicht einmal die Samen der ersten Ernte zur erneuten Aussaat, sodass Landwirtinnen und Landwirte gezwungen sind, jährlich neues Saatgut zu kaufen.

Über das Sortenrecht hinaus versuchen die Konzerne derzeit Patentrechte auf Pflanzensorten zu erheben. Den Bäuerinnen und Gärtnern soll damit verboten werden, die Saat ihrer eigenen Ernte zu säen. Zudem soll ein Klima der Rechtsunsicherheit geschaffen werden, das Pflanzenzüchtung für freie Züchterinnen und Züchter mit unüberschaubaren Risiken belegt. In der ökologische Pflanzenzüchtung steckt die Qualität der Pflanze hingegen im Samen: Hochwertiges biologisches Saatgut ist die Grundlage für eine kräftige Ernte.

Kennen Sie diese seltenen Gemüsearten und -sorten?

Appetit auf etwas Neues? Die hiesige Gemüsewelt bietet viel mehr als Möhren, Kohl und Co. Gerade Bio-Erzeugerinnen und Erzeuger graben alte Gemüsearten und -sorten wieder aus oder machen Gewächse aus anderen Ländern bei uns heimisch. Manche wie der Hokkaido-Kürbis haben längst Karriere gemacht. Andere sollten Sie einfach einmal probieren! Unser Quiz hilft beim Kennenlernen.


Letzte Aktualisierung 23.05.2024

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