Leistungen des Öko-Landbaus

Leistungen des Öko-Landbaus für Gesellschaft und Umwelt kommunizieren

Vielfältige Agrarlandschaften, sauberes Trinkwasser, hohe Bodenfruchtbarkeit und hohe Tierwohlstandards – der Öko-Landbau leistet einen relevanten Beitrag zur Lösung der umwelt- und ressourcenpolitischen Herausforderung. Das Thünen-Institut hat dazu eine umfangreiche Meta-Studie veröffentlicht. Wie aber können diese Leistungen mit dem Produkt kommuniziert werden? Dieser Beitrag gibt Anregungen dazu.

Die ökologische Landwirtschaft erbringt vielfältige gesellschaftliche Leistungen und gilt zurecht als eine Schlüsseltechnologie auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Dazu hat das Thünen-Institut in Zusammenarbeit mit vielen anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für die Studie "Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft" (PDF-Dokument) sämtliche relevanten Forschungsarbeiten der vergangenen 30 Jahre ausgewertet – insgesamt 528 wissenschaftliche Vergleichsstudien aus aller Welt mit 2.800 Einzelvergleichen zwischen den Leistungen ökologisch und konventionell wirtschaftender Betriebe.

Studienergebnisse im Einzelnen

Wasserschutz: Die Auswertung ergibt, dass Bio die Stickstoffausträge deutlich, im Mittel um 28 Prozent, verringert. Auch der Eintrag von Tierarzneimitteln und phosphorhaltigen Düngemitteln ist deutlich geringer.

Bodenfruchtbarkeit: Bio-Böden weisen 78 bis 94 Prozent mehr Regenwürmer auf, sind deutlich weniger versauert. Das wirkt sich positiv auf das Pflanzenwachstum aus.

Biodiversität: Auf Bio-Äckern waren fast doppelt so viele Pflanzenarten zu finden und auch in den Ackerrandstreifen sind noch 20 Prozent mehr Pflanzenarten an Bio-Äckern zu finden als an konventionellen Äckern. Außerdem wurden im Schnitt 35 Prozent mehr Vogelarten und 23 Prozent mehr Insektenarten auf Bio-Äckern gezählt. Insbesondere auf die Fauna hat die Landschaftsstruktur großen Einfluss.

Klimaschutz: Bio-Böden weisen einen zehn Prozent höheren Gehalt an organischem Bodenkohlenstoff und eine deutlich höhere Kohlenstoffspeicherungsrate auf, sodass mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre gebunden wird. Die Lachgasemissionen sind geringer.

Klimaanpassung: Der Humusgehalt und die Aggregatstabilität der Böden waren bei Bio im Schnitt um 26 Prozent beziehungsweise 15 Prozent höher. Bei der Infiltration, dem Maß, wie gut Böden Wasser aufnehmen und speichern, lag Bio mit 137 Prozent vorn. Bei wichtigen Eigenschaften des Oberbodens, die helfen Erosion zu vermeiden und damit zum Hochwasserschutz beitragen, liegt Bio vorn oder gleichauf.

Ressourceneffizienz: Öko-Landbau kommt mit deutlich weniger Stickstoff- und Energieinputs aus. Die Gefahr, dass Stickstoffemissionen in Gewässer und Atmosphäre gelangen, verringert Öko-Landbau also deutlich. Und obwohl die Ökoerträge in Mitteleuropa deutlich unter den konventionellen liegen, zeichnet sich Bio durch eine höhere Stickstoff- und Energieeffizienz aus.

Tierwohl: Beim Tierwohl ergaben die Studien kein eindeutiges Bild, ob Bio mehr Tierwohl bringt. Allerdings gab es nur sehr wenige Studien, die Tierwohl umfassend bewerten. Oft wurden nur Einzelaspekte betrachtet und die meisten Ergebnisse stammen aus der Milchviehhaltung. Entscheidender als die Wirtschaftsweise scheint das Management des Betriebes zu sein.

Wie können die Vorteile mit dem Produkt kommuniziert werden?

Die Studie kann Grundlage sein für eine weitreichende Kommunikation über die Vorteile des Öko-Landbaus, die über das eigentliche Produkt hinausgeht. Dazu könnten sich entweder die Bio-Verbände oder die Bio-Verarbeitungsunternehmen der einzelnen Branchen zusammentun und eine Kommunikationsstrategie entwickeln beziehungsweise bestehende Kommunikation erweitern. Denn die Themen selbst sind nicht neu, aber sie sind zum ersten Mal in dieser Fülle wissenschaftlich zusammengetragen, analysiert und bewertet worden.

Für einzelne Produktgruppen bietet es sich an, jeweils passende Aspekte der Studie herauszugreifen. So kann beispielsweise Bio-Rindfleisch oder Bio-Milch mit dem Hinweis auf die Biodiversität der Landschaft verkauft werden. Alle Ackerprodukte, seien es Brot- und Backwaren, Müsli oder Pflanzenöle, können mit einem Hinweis auf den geringeren Nitrateintrag oder geringeren Pflanzenschutzmitteleintrag beworben werden. Auch die größere Bodenaktivität oder Biodiversität kann bei diesen Produkten Thema sein. Bei Bio-Schweinen und -geflügelprodukten kann auf wasser- und bodenschonende Futterproduktion hingewiesen werden.

Nach dem Motto "Tue Gutes und rede darüber" können die Vorteile der Bio-Produktion auf der Packung oder Flyern dargestellt werden. Hier ist nicht das Bild der heilen Landwirtschaft – "Bio-Kuh auf Blumenwiese" gemeint, sondern Fakten. Es müssen leicht zu erfassende Fakten sein, die Verbraucherinnen und Verbraucher in der Regel besser annehmen und Kaufentscheidungen beeinflussen können. Zum Beispiel: Wussten Sie schon, dass auf Bio-Flächen 35 Prozent mehr Vogelarten leben als auf konventionell bewirtschafteten Flächen? Oder: Bio-Landbau vermindert Bodenerosion, weil…. Es können Beispiele beschrieben werden, wie sich nach der Umstellung auf den Öko-Landbau die Landschaft oder der Boden verändert hat. So kann die Studie des Thünen-Instituts nicht nur der Politik bei Entscheidungen helfen, sondern auch der Verarbeitung und dem Handel Verkaufsargumente liefern.


Letzte Aktualisierung 30.03.2022

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