Nachhaltiges Wachstum in der Biobranche

Nachhaltiges Wachstum in der Biobranche

Der Bio-Markt w├Ąchst. Nicht nur hier in Deutschland, sondern weltweit. Insbesondere der Bio-Boom in den USA wirkt sich vermehrt auf den nationalen Markt aus. Die Nachfrage hierzulande steigt seit Jahren um durchschnittlich zehn Prozent. Die landwirtschaftliche Produktion kann mit dieser Nachfrage nicht mithalten. Die dadurch entstehende L├╝cke k├Ânnen Bio-Unternehmen derzeit nur ├╝ber Importe decken. Doch auch andere M├Ąrkte fragen die Rohstoffe vermehrt nach, sodass es zu immer st├Ąrkerer Konkurrenz kommt.

Prinzipientreue versus Marktentwicklung

Die urspr├╝nglichen Prinzipien des ├ľkolandbaus, von der IFOAM (International Federation of Organic Agricultural Movements) als ├ľkologie, Gerechtigkeit, Gesundheit und Sorgfalt formuliert, werden von einigen Akteuren des Bio-Sektors beispielhaft umgesetzt. Gesetzlich verankert wurde jedoch nur die ├ľkologie. In der Bio-Branche kommt es vermehrt zu Unternehmenskonzentrationen. Dies hat zwar einen w├╝nschenswerten Effekt auf die Marktentwicklung und f├╝hrt zu einer Ann├Ąherung des "100 Prozent Bio" Ziels. Es liefert jedoch keine wirkliche Vertiefung der urspr├╝nglich von der Bio-Bewegung angedachten Impulse.

Steigendes Wachstum als Herausforderung

Die steigende Nachfrage m├Âchte nat├╝rlich auch bedient werden. Welches Unternehmen freut sich nicht, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher vermehrt nach seinen Produkten im Regal greifen? Doch das steigende Wachstum bringt auch Herausforderungen mit sich, zum einen auf der ganz praktischen Ebene, zum anderen auf der ideologischen Ebene. Durch den steigenden Wettbewerb um Rohwaren steigt nat├╝rlich auch das Risiko, mit Betrugsware konfrontiert zu werden. Die Zuverl├Ąssigkeit der Biokonformit├Ąt ger├Ąt zunehmend unter Druck. Gleichzeitig kommen urspr├╝nglich in regionalen Wirtschaftskreisl├Ąufen verankerte Unternehmen in die Situation, diese Kreisl├Ąufe durchbrechen zu m├╝ssen und sind auf einmal mit erh├Âhten Transportkosten oder Fragen nach sozialen Standards, Urwaldrodungen oder Landgrabbing konfrontiert.

Vorreiter sein f├╝r nachhaltiges Wirtschaften

Die Bio-Branche ist in vielen Dingen Vorreiter in der Lebensmittelwirtschaft. Alexander Beck, Gesch├Ąftsf├╝hrer der Assoziation ├Âkologischer Lebensmittelhersteller, stellt daher die Frage, ob sie nicht auch im Bereich des nachhaltigen Wirtschaftens als Vorreiter agieren kann und sollte. Es gibt bereits Bestrebungen in diese Richtung, wie zum Beispiel die solidarische Landwirtschaft oder die Gemeinwohl├Âkonomie, mit welcher sich einige Bio-Verarbeiter schon heute intensiv auseinandersetzen. Auch das Bundesministerium f├╝r Bildung und Forschung besch├Ąftigt sich mit seiner F├Ârderma├čnahme Nachhaltiges Wirtschaften zum Beispiel im Projekt "Nascent" mit Fragen nach transformativen Wirtschaftsformen und deren Einfluss auf eine nachhaltige Ern├Ąhrungswirtschaft. Die Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer gehen davon aus, dass eine Ver├Ąnderung des Ern├Ąhrungssystems eher durch viele kleine Initiativen auf allen Ebenen geschehen kann, als durch das Wachstum einzelner Lebensmittelunternehmer.

Ideal versus Realit├Ąt

Eine eindeutige L├Âsung f├╝r dieses Dilemma wird es nicht geben, sondern verschiedene L├Âsungen f├╝r unterschiedliche Unternehmen. Jede Bio-Verarbeiterin und jeder Bio-Verarbeiter sollte sich aber bewusst machen, dass es hier Prozesse in der Branche gibt, auf die Antworten gefunden werden m├╝ssen. Es geht schlie├člich um Glaubw├╝rdigkeit ÔÇô des eigenen Unternehmens, aber auch der Branche.

Jedes Unternehmen kann sich die Frage stellen, ob das Unternehmensbild, das Ideal und die Philosophie, nach der es arbeiten will, tats├Ąchlich noch zur Unternehmensrealit├Ąt passen, oder ob zu viel Wachstum nicht auch zu Lasten der eigenen Glaubw├╝rdigkeit gehen kann. Wirtschaftliche Akteure haben nat├╝rlich nur einen gewissen Spielraum, denn grunds├Ątzlich will jedes Unternehmen am Markt bestehen. Eine gro├če Rolle spielen auch die politischen Rahmenbedingungen. Dennoch hat eine Branche die M├Âglichkeit, mutig voranzuschreiten und die Fragen nach dem Umbau des Wirtschaftssystems ├Âffentlich zu stellen. Wenn Unternehmen bewusstere und mutigere Entscheidungen in diese Richtung treffen, tr├Ągt das Fr├╝chte.


Letzte Aktualisierung 29.01.2018

B├ľLW ÔÇô Branchenreport 2020

Grafik: Weltkugel

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