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Naturkapital ist nicht endlos – Umweltorientierung von Lebensmittelherstellern

Solarzellen neben einem Feld. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Durch eine Solaranlage kann die Energieeffizienz positiv beeinflusst werden. Foto: Dominic Menzler, BLE

Lebensmittelhersteller sind angewiesen auf landwirtschaftliche Rohstoffe, die in der Natur erzeugt werden (wie tierische und pflanzliche Rohstoffe), aber sie benötigen auch sauberes Wasser und reine Luft. Damit befinden sie sich in einer ständigen Wechselwirkung mit der Natur und ihren Ökosystemdienstleistungen. Das bedeutet, sie müssen sich den großen Herausforderungen im Bereich Klimawandel, Ressourcenschonung und Artenverlust stellen. Eine genaue Definition des Wortes Umweltorientierung existiert bisher nicht, es kann in etwa beschrieben werden, als messbare und nichtmessbare Ergebnisse einer Organisation im Hinblick auf die Bestandteile ihrer Tätigkeiten und Produkte, welche auf die Umwelt einwirken können.

Die Bio-Branche als Vorreiter

Prinzipiell gibt es bezüglich Umweltorientierung erst einmal keinen Unterschied zwischen einem konventionellen und einem ökologischen Lebensmittelhersteller. Ein konventionelles Unternehmen kann sich genauso einer ökologischen Wirtschaftsweise verschreiben, wie ein Biounternehmen. Jedoch beinhaltet der Grundgedanke des Ökolandbaus schon von sich aus auch eine Umweltorientierung, insbesondere in der Landwirtschaft. Diese ist in den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau zwar in den landwirtschaftlichen Regelungen integriert, jedoch nicht in den Vorgaben für Lebensmittelverarbeiter und Händlerinnen und Händler. Dennoch gibt es gerade unter solchen Unternehmen viele Pionierinnen und Pioniere auf dem Gebiet der Umweltorientierung, die sich zum Ziel gesetzt haben nicht nur ökologische Rohstoffe einzusetzen, sondern auch umweltfreundlich und ressourcenschonend herzustellen. Einige der ersten umweltzertifizierten Unternehmen stammen aus dem Bio-Bereich. Zudem ist dies eine Möglichkeit seinen Kundinnen und Kunden gegenüber zu demonstrieren, dass der Bio-Gedanke im Unternehmen als Ganzes verstanden wird.

Stillstand gibt es nicht

Einen großen Maßstab in Sachen Umweltorientierung hat die Einführung von EMAS (Eco- Management and Audit Scheme) 1993 durch die Europäische Union gesetzt. Damit wurde offiziell auf europäischer Ebene eine Möglichkeit zur freiwilligen Beteiligung gewerblicher Unternehmen an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung geschaffen. Kurz darauf folgte als weiteres Umweltmanagementsystem ISO 14001, welches wie EMAS durch unabhängige Umweltgutachter zertifiziert wird.

Eine der Kernanforderungen von EMAS ist die fortwährende Weiterentwicklung. Unternehmen sollen sich in einem ständigen Prozess der kontinuierlichen Verbesserung ihrer Umweltleistung befinden. Einen Stillstand kann es genauso wenig geben, wie das Erreichen eines Endziels. Dies ist nur möglich, indem die Umweltorientierung dauerhaft in die Unternehmensziele und Unternehmenskultur integriert und Strukturen einer ständigen Verbesserung geschaffen werden. Ein Umweltmanagementsystem kann im Grunde genauso betrachtet und analog zu einem Qualitätsmanagementsystem aufgebaut werden. Es gilt eine Systematik in die Unternehmensabläufe hinein zu bringen. Dafür muss auch die Belegschaft miteinbezogen werden. Dies schafft eine Identifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Umweltschutzinteressen des Unternehmens und dient dazu, dass Umweltschutz im Unternehmen gelebt wird. Nur so, mit der Unterstützung aller, kann die kontinuierliche Verbesserung erreicht werden.

Kernindikatoren der Umweltorientierung

Umweltmanagementsysteme orientieren sich alle an ähnlichen Kernindikatoren. Im Folgenden werden die sechs Indikatoren aus EMAS genannt, mit möglichen Beispielen, wie man sich diesen im Unternehmen annehmen kann:

  • Energieeffizienz
    Bezug von Strom aus Erneuerbaren Energien, Nutzung von Abwärme, ökologisches Unternehmensgebäude
  • Materialeffizienz
    Produkte auf Cradle to Cradle umstellen, ökologische Büromaterialien nutzen
  • Wasser
    Umweltfreundliche Reinigungs- und Desinfektionsmittel nutzen, Wasserkreisläufe schaffen, Wasserdurchfluss wo möglich reduzieren
  • Abfall
    Prozesse so optimieren, dass weniger Abfall anfällt, von Einweg auf Mehrweg umsteigen, Kunststoff wo möglich vermeiden
  • Biologische Vielfalt
    Naturnahe Firmengelände (soweit mit Hygieneanforderungen vereinbar), Versiegelung an Böden verhindern, Projekte in dem Bereich fördern / unterstützen
  • Emissionen
    Schadstoffarme Motoren im Fuhrpark nutzen, Mitarbeitern Fahrräder oder Tickets für öffentliche Verkehrsmittelmittel zur Verfügung stellen
Bunte Blumenwiese. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Eine Wiese voller bunter Blumen auf dem Firmengelände freut nicht nur Bienen, sondern auch Mitarbeiter. Foto: pixabay

Da diese Indikatoren sehr auf Effizienz ausgerichtet sind, bedeutet Umweltorientierung für ein Unternehmen nicht nur eine reine Selbstverpflichtung, sondern wirkt sich positiv auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis aus, da viele Prozesse effizienter gestaltet werden und Unternehmen diese so besser im Griff haben und damit Kosten einsparen.

Den Umweltschutz nach außen zeigen

Neben den oben genannten zertifizierten Umweltmanagementsystemen EMAS und ISO 14001 gibt es noch viele weitere Möglichkeiten als Unternehmen auch nach außen zu zeigen, dass sich dem Umweltschutz aktiv angenommen wird.

Ein erster Anfang ist immer, sich den Ist-Zustand bewusst zu machen und die Hot-Spots der Umweltauswirkungen im Unternehmen zu identifizieren. Ein Backwarenbetrieb benötigt beispielsweise viel Energie, ein Gemüseverarbeiter braucht viel Wasser. Davon ausgehend können Maßnahmen definiert und angegangen werden, zum Beispiel wie der Energie- oder Wasserkreislauf im Unternehmen umweltfreundlicher gestaltet und geschlossen werden kann. Hat sich ein Unternehmen dann dazu entschieden, seine Umweltleistungen systematisch und damit nachvollziehbar im Unternehmen zu etablieren, werden daraus konkrete Unternehmensziele im Bereich Umweltleistung abgeleitet. Als letzter Schritt können dann im Rahmen einer Zertifizierung die Umweltleistungen transparent gemacht und in einer Umwelterklärung oder einem ersten Umweltbericht veröffentlicht werden. Einen sehr guten Leitfaden für die Umsetzung eines solchen Berichtes gibt es zum Beispiel von der Global Reporting Initiative.

Mit diesem Thema steht keiner allein auf weiter Flur

Es gibt mittlerweile viele Initiativen und Netzwerke, welche sich mit Themen der Umweltorientierung beschäftigen und Unternehmen die Möglichkeiten zur aktiven Mitwirkung und zum Vernetzen bieten. Zwei Beispiele sind:

Zudem gibt es viele Beratungsinitiativen, welche sich auf Umweltorientierung und Nachhaltigkeit im Unternehmen spezialisiert haben. Weiterhin bietet sich eine Mitgliedschaft in den Verbänden der Bio-Branche an. Die meisten dieser Verbände setzen sich mit der Thematik auseinander und bieten entweder konkrete Arbeits- und Netzwerkgruppen dazu an oder können zumindest weiterführende Informationen bereitstellen.


Letzte Aktualisierung: 17.07.2017