Faire Produkte

Fair & Bio - zwei Seiten einer Medaille

Was ist fairer Handel?

Das Ziel des fairen Handels ist ein gerechter Preis f√ľr Produkte aus L√§ndern des Globalen S√ľdens. Das beinhaltet die Einhaltung von Arbeitsschutzrichtlinien, Gewerkschaftsfreiheit und faire L√∂hne f√ľr abh√§ngig Besch√§ftigte, die Verbesserung des Lebens- und Arbeitsumfeldes durch Bildung, Gesundheitsversorgung und soziale Projekte sowie die Durchsetzung von Umweltstandards.

Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher honorieren fairen Handel: Das kontinuierliche Umsatzwachstum fair gehandelter Produkte zeigt, dass sich der Faire Handel als wirksame Alternative zu konventionellen Handelsstrukturen etabliert und dass ein gerechteres Wirtschaften - basierend auf direktem, partnerschaftlichem Handel, Respekt und Transparenz - möglich ist.

Gleichzeitig ist der Faire Handel im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe ein effektives Instrument der Armutsbek√§mpfung. Er bietet den Produzenten-Organisationen im S√ľden Sicherheit und Unabh√§ngigkeit, Zugang zu internationalen M√§rkten und Entwicklungsperspektiven. Vorfinanzierung und langfristige Lieferbeziehungen im Fairen Handel sind in Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise von besonderer Bedeutung f√ľr die Menschen in den L√§ndern des Globalen S√ľdens.

Auch die hiesigen Unternehmen profitieren. Sie zeigen soziales Engagement und können sich von Wettbewerbern abgrenzen. Die direkten Handelsbeziehungen bieten ihnen Liefersicherheit und die Möglichkeit, langfristig gemeinsam an der Qualität und Weiterentwicklung der Produkte zu arbeiten.

Verbraucherinnen und Verbraucher erhalten Orientierung, Transparenz bez√ľglich der Herstellungsbedingungen der Produkte und die M√∂glichkeit, durch bewusste Kaufentscheidungen im Alltag an einer gerechteren Weltordnung mitzuwirken. Immer neue Studien belegen, dass Fairness und soziale Fragen eine zunehmend gro√üe Rolle bei der Kaufentscheidung spielen.

Das bekannteste Erkennungsmerkmal f√ľr fair gehandelte Produkte ist das seit 1992 von dem Verein TransFair vergebene, unabh√§ngige FairTrade-Siegel. Es erm√∂glicht, neben dem Einkauf in Weltl√§den - den Fachgesch√§ften des Fairen Handels - auch im konventionellen Einzelhandel fair gehandelte Produkte im Regal zu erkennen.

Fair & Bio ergänzen sich

Einen echten Mehrwert bieten Produkte, die sowohl fair gehandelt als auch Bio sind. Sie bieten Antwort auf die Bed√ľrfnisse der K√§uferinnen und K√§ufer, etwas f√ľr die eigene Gesundheit zu tun und gleichzeitig Umweltschutz und soziale Fragen zu beachten.

Im Zuge der Klimaschutzdebatten ebenso wie der Gipfeltreffen zu Hunger und Armut verst√§rkt sich die Erkenntnis, dass Armutsbek√§mpfung und Umweltschutz Hand in Hand gehen m√ľssen. Die Verkn√ľpfung dieser beiden Nachhaltigkeitsthemen in der Produktion von Lebensmitteln, Kleidung oder Kosmetika erh√§lt daher immer mehr Bedeutung.

Der Faire Handel hat seit einigen Jahren bereits die Notwendigkeit umweltvertr√§glicherer Anbauweisen f√ľr eine nachhaltige Entwicklung vor Ort erkannt. √Ėkologische Standards bilden seither neben √∂konomischen und sozialen Standards die dritte S√§ule der Fairtrade-Standards. Dazu geh√∂ren:

  • Schutz des Wassers und der dazugeh√∂rigen Fauna
  • Schutz von W√§ldern und nat√ľrlichen Vegetationsgebieten
  • Diversifizierung der Landwirtschaft und Erosionsschutz
  • Beschr√§nkter Einsatz von Pestiziden
  • Verbot von gentechnischen Ver√§nderungen
  • Abfallentsorgung, Wasserrecycling und Energiesparen

Diese Anforderungen dienen zun√§chst einmal dem Erhalt der nat√ľrlichen Ressourcen f√ľr nachfolgende Generationen und dem Schutz der Gesundheit der Menschen vor Ort. Gleichzeitig ist ihre Einhaltung h√§ufig ein erster Schritt auf dem Weg zu einer Umstellung auf √∂kologischen Landbau. Dieser wird im Fairen Handel durch Beratungsangebote vor Ort und einen Preisaufschlag auf √∂kologisch erzeugte Produkte gef√∂rdert. So wird einerseits der Umweltschutz verst√§rkt, und andererseits er√∂ffnen sich den Produzenten-Organisationen zus√§tzliche Absatzm√∂glichkeiten f√ľr ihre Produkte.

Eine Biozertifizierung von Beginn an wird hingegen im Fairen Handel nicht eingefordert, denn die kostspielige Umstellung und Zertifizierung kann gerade bei den √§rmsten Produzentengruppen vielfach erst durch die Mehreinnahmen aus dem Fairen Handel finanziert werden. Den Erfolg des Konzepts zeigen die Zahlen: Inzwischen tragen √ľber zwei Drittel aller fair gehandelten Produkte ein Biosiegel - mit steigender Tendenz.

Gute Argumente f√ľr Fairen Handel

Viele Hersteller beachten bei der Produktion ihrer Biolebensmittel, -kosmetika und -kleidung bereits √§hnliche Richtlinien wie der Faire Handel. Sie haben ein Interesse am direkten Kontakt zu ihren Produzentengruppen und an der Bef√∂rderung einer nachhaltigen Entwicklung vor Ort, die sich auch auf die Qualit√§t und langfristige Verf√ľgbarkeit der Produkte vor Ort auswirkt. Die Zusammenarbeit mit den Produzentinnen und Produzenten er√∂ffnet vielf√§ltige Gestaltungsm√∂glichkeiten. 

Produzentengruppen, die im Fairen Handel aktiv sind, zeichnen sich durch hohes Engagement und die Organisation in demokratischen, professionellen Strukturen aus. Sie haben bereits Erfahrungen mit Zertifizierungsabl√§ufen, Qualit√§tssicherung, Transport und Export gesammelt. Umgekehrt gilt dies ebenso f√ľr Gruppen, die bereits eine Zertifizierung f√ľr √∂kologischen Landbau erhalten haben. Sie erf√ľllen bereits einen Teil der Kriterien des Fairen Handels und k√∂nnen die Fairtrade-Zertifizierung leichter erreichen.

F√ľr Importeure und Verarbeiter von √∂kologisch erzeugten Produkten aus L√§ndern des Globalen S√ľdens bietet die unabh√§ngige Fairtrade-Zertifizierung eine Chance, eigenes soziales Engagement und gerechtes Wirtschaften f√ľr die Kundinnen und Kunden glaubw√ľrdig und nachvollziehbar zu belegen und zus√§tzliche K√§uferschichten zu erreichen.

Produzentengruppen, Hersteller und H√§ndler mit Fairtrade-Zertifizierung erhalten Unterst√ľtzung durch die nationalen Siegelinitiativen (in Deutschland ist dies TransFair e.V.) und die internationale Dachorganisation des Fairen Handels (Fairtrade Labelling Organizations International e.V - FLO) mit Sitz in Bonn. Sie steht bei Zertifizierungs- oder Finanzierungsfragen bez√ľglich m√∂glicher Partner oder Marktinformationen beratend zur Seite.

Kriterien f√ľr die Fairtrade-Zertifizierung

Zu den wichtigsten sozialen und wirtschaftlichen Kriterien f√ľr die Produzenten geh√∂ren die Unabh√§ngigkeit und demokratische Kontrolle ihrer jeweiligen Organisation. Dies gilt besonders f√ľr die Verwendung der Mehr-Erl√∂se aus dem Fairen Handel. Transparenz von Management und Verwaltung m√ľssen gegeben sein. Die einzelnen Organisationen sind offen f√ľr neue Mitglieder und lehnen jegliche Diskriminierung ab. Frauen nehmen gleichberechtigt an allen Entscheidungen teil.

Plantagenbesitzer gehen zus√§tzlich folgende Verpflichtungen ein: Auf der Plantage ist eine eigenst√§ndige, unabh√§ngige Vertretung der abh√§ngig Besch√§ftigten zugelassen. Sie sind berechtigt, sich einer unabh√§ngigen Gewerkschaft anzuschlie√üen und kollektiv √ľber L√∂hne und Arbeitsbedingungen zu verhandeln. Produzentengruppen und Plantagenbesitzer verpflichten sich, arbeitsrechtliche und √∂kologische Standards umzusetzen, wie beispielsweise das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit.

Zu den wichtigsten Fairtrade-Kriterien von Seiten der H√§ndler oder Hersteller geh√∂ren der direkte Handel unter Ausschluss von Zwischenh√§ndlern, die Zahlung von Mindestpreisen, die √ľber dem Weltmarktniveau liegen, die Zahlung von Pr√§mien f√ľr eigene soziale, √∂konomische oder √∂kologische Projekte der Produzentengruppen, Vorfinanzierung sowie langfristige Lieferbeziehungen.


Aus der Forschung - f√ľr die Praxis

Im Rahmen des Bundesprogramms √Ėkologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (B√ĖLN) werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgef√ľhrt.

Fair-Preis-Konzept f√ľr Bioprodukte

In einem Forschungsprojekt haben Wissenschaftler vom Kasseler Institut f√ľr l√§ndliche Entwicklung e. V. ein qualit√§tsorientiertes Fair-Preis-Konzept f√ľr eine faire Partnerschaft entlang der gesamten Wertsch√∂pfungskette f√ľr heimische Biorohstoffe und verarbeitete Lebensmittel entwickelt. Die wesentlichen Projektergebnisse gibt in Kurzform die Brosch√ľre "Zukunft braucht Werte: Bio&Fair. Leitfaden f√ľr Erzeuger, Verarbeiter und Handel" wieder.

Projekt-Schlussbericht "Pilotprojekt zur Entwicklung und Umsetzung eines qualitätsorientierten Fair-Preis-Konzepts entlang der Wertschöpfungskette im Bereich der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft" in der Datenbank Organic Eprints
Brosch√ľre "Zukunft braucht Werte: Bio&Fair. Leitfaden f√ľr Erzeuger, Verarbeiter und Handel"


Letzte Aktualisierung 14.08.2018

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