Durch umweltfreundlichere Reinigungsmittel lassen sich Umweltbelastungen reduzieren. Foto: GettyImagesPlus, Zolnierek
Umweltfreundliche Wasch- und Reinigungsmittel gelten als Alternative zu herkömmlichen Produkten. Der Beitrag erläutert, wodurch sie sich unterscheiden, wie ihre Wirksamkeit bewertet werden kann und welchen Einfluss sie auf die Umwelt haben.
Warum sind Wasch- und Reinigungsmittel ein Umweltthema?
Haushaltsreiniger, Spülmittel oder Waschpulver gelangen über Abwässer und Klärschlämme in die Umwelt. Obwohl Tenside, die den Hauptbestandteil der Reiniger ausmachen, abbaubar sein müssen, können sie und andere Substanzen Wasserorganismen und Böden belasten und teils auch die menschliche Gesundheit.
Besonders relevant:
Tenside machen den größten Teil der Inhaltsstoffe in Wasch- und Reinigungsmitteln aus. Sie lösen Fett und Schmutz – können jedoch Gewässer belasten und wasserlebende Organismen schädigen.
Konservierungsstoffe verhindern das Verderben des Produktes, können aber allergieauslösend wirken und sich teilweise in der Umwelt anreichern, wo sie die natürliche Balance in Gewässern stören.
Synthetische Duftstoffe sorgen für angenehme Gerüche, können sich aber teilweise in der Umwelt anreichern; einige wirken toxisch auf Wasserorganismen.
Komplexbildner wie EDTA (Ethylendiamintetraessigsäure) binden Kalk und verbessern die Waschwirkung bei hartem Wasser – gleichzeitig sind sie aber sehr schwer abbaubar und gelangen über die Kläranlagen in Gewässer. Sie können Schwermetalle mobilisieren und dadurch Wasserlebewesen schädigen.
Synthetische Polymere werden unter anderem als Filmbildner, Dispergier- oder Antiwiederanschmutzungs‑Hilfsmittel eingesetzt. Viele sind wasserlöslich, aber nur schwer abbaubar; ihre Umweltwirkungen sind stoffabhängig und teilweise umwelttoxikologisch noch nicht vollständig erforscht.
Phosphor- oder Stickstoffverbindungen verbessern die Reinigungsleistung und Wasserenthärtung. Im Abwasser tragen sie jedoch zur Überdüngung von Gewässern bei und fördern Algenwachstum, auf diese Weise können sie das Gleichgewicht der Ökosysteme stören.
Optische Aufheller sind chemische Stoffe, die in Wasch- und Reinigungsmitteln eingesetzt werden, um Textilien oder Oberflächen heller und "weißer" erscheinen zu lassen. Sie sind schwer biologisch abbaubar, können sich in der Umwelt anreichern und sind teilweise giftig für Wasserorganismen.
Durch die Wahl umweltfreundlicherer Produkte lassen sich diese Belastungen deutlich reduzieren.
Was macht ein Wasch- oder Reinigungsmittel umweltfreundlicher?
Umweltfreundliche Wasch- und Reinigungsmittel gehen über gesetzliche Mindestanforderungen hinaus und ihre Umweltbelastung ist möglichst gering. Sie setzen auf besser abbaubare Inhaltsstoffe, reduzieren problematische Chemikalien und schonen Ressourcen – dadurch leisten sie einen spürbaren Beitrag zum Umweltschutz.
Dennoch gilt: Ganz ohne Umwelt-Auswirkungen kommen umweltfreundliche Wasch- oder Reinigungsmittel nicht aus. Auch in diesen Produkten können Stoffe enthalten sein, die Gewässer beeinträchtigen.
Mögliche Kriterien für umweltfreundliche Wasch- und Reinigungsmittel sind:
Gute biologische Abbaubarkeit: Die Inhaltsstoffe sollten leicht und schnell biologisch abbaubar sein, um die Umwelt, insbesondere Gewässer, möglichst wenig zu belasten.
Umweltzeichen setzen enge Grenzen für Stoffe, die die Umwelt oder die Gesundheit belasten – zum Beispiel bestimmte Duftstoffe, Konservierungsmittel, optische Aufheller oder Phosphorverbindungen. Feste Mikroplastikpartikel und schwer abbaubare synthetische Polymere sind möglichst zu vermeiden.
Nachhaltige Rohstoffherkunft: Ein hoher Anteil an Inhaltsstoffen sollte natürlichen Ursprungs sein und stammt idealerweise aus kontrolliertem Bio-Anbau.
Wirksamkeit: Das Produkt sollte für seinen vorgesehenen Zweck zuverlässig funktionieren; idealerweise wird dies durch geeignete Nachweise belegt.
Ressourcenschonende Herstellung und Energieeffizienz: Der gesamte Produktionsprozess sollte umweltfreundlich gestaltet sein, einschließlich des Rohstoffmanagements sowie des Wasser- und des Energieverbrauchs.
Nachhaltige Verpackung: Idealerweise besteht die Verpackung aus recycelten oder nachwachsenden Rohstoffen und lässt sich sowohl recyceln als auch nachfüllen. Die Verpackungsmenge ist möglichst reduziert.
Biologisch abbaubare Reinigungsmittel – was bedeutet das?
Ein Stoff gilt als biologisch abbaubar, wenn Mikroorganismen ihn weitgehend in für die Umwelt unbedenkliche Bestandteile wie Wasser, Kohlendioxid, Mineralstoffe und Biomasse umsetzen können.
Bei Wasch- und Reinigungsmitteln, die für Verbraucherinnern und Verbraucher bestimmt sind, stehen vor allem Tenside im Fokus. Nach EU-Detergenzienverordnung müssen sie unter Laborbedingungen innerhalb von 28 Tagen zu mindestens 60 Prozent mineralisiert werden. Dieser Abbau findet überwiegend in Kläranlagen statt – bevor die Stoffe überhaupt die Umwelt erreichen.
Trotzdem gelangen Tenside und andere Inhaltsstoffe über das Abwasser in Flüsse, Seen und Böden, etwa wenn Kläranlagen überlastet sind oder bestimmte Stoffe dort gar nicht vollständig entfernt werden können. Auch abbaubare Substanzen können Wasserlebewesen belasten, wenn der Abbau zu langsam erfolgt. Zusätzlich tragen weitere Inhaltsstoffe – wie zum Beispiel Duftstoffe, Polymere oder Konservierungsmittel – sowie Verpackungen zur Umweltbelastung bei und sollten daher möglichst umweltschonend gewählt werden.
Woran erkenne ich umweltfreundliche Wasch- und Reinigungsmittel?
Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist der Blick auf anerkannte Umweltsiegel der einfachste Weg, umweltfreundlichere Produkte zu erkennen. Allerdings sollte die Glaubwürdigkeit dieser Siegel durch ein Zertifizierungssystem mit unabhängiger Bewertung nach anerkannten, öffentlich zugänglichen Standards nachgewiesen sein.
Eine Orientierung bietet die Plattform "Siegelklarheit", ein Projekt der Bundesregierung, das von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen betrieben wird. Berücksichtigt werden Kriterien in den Bereichen Glaubwürdigkeit, Umweltfreundlichkeit und Sozialverträglichkeit. Die in der Tabelle aufgeführten Umweltsiegel werden als "Sehr gute Wahl" im Bereich Wasch- und Reinigungsmittel empfohlen.
Gleichzeitig verfolgen diese Siegel unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte. Daher decken sie nicht immer alle genannten Kriterien für nachhaltigere Wasch- und Reinigungsmittel gleichermaßen umfassend ab. Dennoch bieten sie allesamt eine verlässliche Orientierung für umweltbewusste Kaufentscheidungen.
Umwelt- und Ökosiegel
Warum können umweltfreundliche Reinigungsmittel nicht das EU-Bio-Logo tragen?
Das EU-Bio-Logo kann nur für Lebensmittel oder Futtermittel verwendet werden. Diese Produkte werden gemäß der EU-Öko-Verordnung kontrolliert und zertifiziert. Diese regelt die ökologische Landwirtschaft sowie die Verarbeitung oder die Kennzeichnung von Bio-Lebensmitteln. Haushaltsprodukte wie Wasch- und Reinigungsmittel fallen nicht in ihren Geltungsbereich.
Für sie gelten stattdessen spezifische chemikalienrechtliche Vorschriften, etwa die EU-Detergenzienverordnung (EG) Nr. 648/2004, das Wasch- und Reinigungsmittelgesetz (WRMG) sowie die Phosphathöchstmengenverordnung. Das Umweltbundesamt bietet hierzu einen guten Überblick. Diese Regelungen definieren Mindeststandards für Tenside und Phosphate – aber keine Kriterien für "Öko"-Qualität. Begriffe wie "öko", "bio" oder "natürlich" sind bei Wasch- und Reinigungsmitteln daher nicht rechtlich geschützt, solange die Werbung nicht irreführend ist.
Praktische Alltagstipps: Nachhaltiges Waschen und Putzen im Haushalt – wie geht das?
Der größte Teil der Umweltbelastung von Wasch- und Reinigungsmitteln entsteht nicht durch ihre Herstellung, sondern durch Wasser- und Energieverbrauch bei der Nutzung, etwa in Waschmaschine und Geschirrspüler. Mit einigen einfachen Maßnahmen lässt sich im Alltag viel einsparen.
Tipps und Ratschläge, wie sie zuhause sparsam, hygienisch und effizient waschen und putzen können:
Weniger ist mehr: Wasch- und Reinigungsmittel sparsam nach Härtegrad des Wassers und Verschmutzungsgrad dosieren. Überdosierung verbessert das Ergebnis nicht – sie belastet nur Gewässer und Umwelt.
Zertifizierte Produkte bevorzugen: Umweltzeichen stehen für strengere ökologische Kriterien. Verzichten Sie möglichst auf aggressive Spezialreiniger; oft genügen Allzweck-, Essig- oder Vollwaschmittel. Mechanische Methoden wie Bürsten oder Schrubben reduzieren den Chemikalieneinsatz zusätzlich.
Vorreinigung vermeiden: Vorspülen oder Vorwaschen ist meist unnötig – moderne Geräte und Mittel kommen auch ohne zurecht.
Weichspüler vermeiden.
Niedrige Temperaturen wählen: 30 bis 40 Grad reichen im Alltag meist aus und sparen viel Energie. Zur Vermeidung von Keimbildung in der Waschmaschine sollte jedoch einmal monatlich 60 Grad mit pulverförmigem Vollwaschmittel gewaschen werden.
Maschinen effizient nutzen: Geräte gut beladen, Eco-Programme nutzen, regelmäßig pflegen und lange gebrauchen. Wäsche möglichst an der Luft trocknen.
Konzentrate und Nachfüllangebote wählen: Sie reduzieren Verpackungsmüll und Transportaufwand.
Ein Blick in die Praxis: Wie werden umweltfreundliche Reinigungsmittel entwickelt?
Einige Hersteller entwickeln seit vielen Jahren umweltfreundliche Wasch- und Reinigungsmittel, die nach unabhängigen Umweltstandards zertifiziert sind. Für diesen Beitrag haben wir zwei Unternehmen aus der Branche befragt, die ökologische Aspekte fest in ihrer Unternehmensstrategie verankert haben.
Für die AlmaWin Reinigungskonzentrate GmbH aus Baden-Württemberg gibt Verena Meier-Bund, geschäftsführende Gesellschafterin, Einblicke in die Umsetzung ökologischer Kriterien in Produktentwicklung und Unternehmenspraxis. Das Familienunternehmen wurde 2025 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.
Ein weiteres Unternehmen ist die proWIN Winter GmbH aus dem Saarland, ein Direktvertriebsunternehmen unter anderem für Reinigungsprodukte, das Nachhaltigkeit als zentrales Element seines Geschäftsmodells versteht. Für proWIN gibt Janine Steil aus dem Produktmanagement Symbiontische Reinigung Einblicke in die Praxis.
Drei Fragen an Verena Meier-Bund und Janine Steil
Verena Meier-Bund, AlmaWin: Waschen und Reinigen muss nicht zu Lasten der Umwelt gehen – im Gegenteil. AlmaWin entwickelt Produkte, die ökologisch zertifiziert und nachhaltig sind. Unsere Produkte sind frei von synthetischen Duft- und Farbstoffen, Phosphonaten und Chlor und enthalten keine optischen Aufheller, Gentechnik oder Mikroplastik. Die Produkte werden in Deutschland mit 100% zertifiziertem Ökostrom produziert. Dass nicht nur die Rohstoffe ökologisch sind, sondern auch die Produktionsbedingungen, beweist das Unternehmen regelmäßig in Vor-Ort-Audits durch ein unabhängiges Prüfinstitut. Alle Kunststoffverpackungen bei AlmaWin sind aus 100% Recyclingmaterial. Bei Kartonagen kommt der umweltfreundliche Graskarton zum Einsatz.
Janine Steil, proWIN Winter GmbH: Der wesentliche Unterschied zwischen herkömmlichen Wasch- & Reinigungsmitteln und unseren Produkten liegt in der Kombination aus Zusammensetzung, Nachhaltigkeitsanspruch und Anwendungskonzept. Konventionelle Reinigungsmittel sind in der Regel weniger konzentriert und werden oft ohne ein durchdachtes Gesamtsystem eingesetzt. Das führt in der Regel zu einem höheren Produktverbrauch und einer größeren Umweltbelastung.
Verena Meier-Bund, AlmaWin: Im Zuge der Zertifizierung nach dem Ecocert Standard durchlaufen alle unsere Produkte die geforderten Brauchbarkeitstests. Somit wird die Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen.
Janine Steil, proWIN: Wir entgegnen dieser verbreiteten Annahme, indem wir als Unternehmen den Fokus auf Leistungsfähigkeit, Konzentration und Wirtschaftlichkeit legen. Die Produkte werden so formuliert, dass sie trotz möglichst natürlichenInhaltsstoffen eine hohe Reinigungsleistung erzielen. Ein zentraler Punkt ist die Konzentratform vieler Reiniger: Sie werden stark verdünnt angewendet und sind dadurch äußerst ergiebig. Verbraucherinnen und Verbraucher benötigen deutlich geringere Mengen, was den tatsächlichen Preis pro Anwendung erheblich senkt. Gleichzeitig garantiert die Kombination aus leistungsstarken, möglichst natürlichen Inhaltsstoffen und hochwertigen Mikrofasertüchern eine Reinigung auf professionellem Niveau. Durch transparente Kommunikation zu Dosierung, Ergiebigkeit und Anwendung zeigen wir auf, dass ökologisch zertifizierte Reinigungsmittel weder Leistungsabstriche bedeuten noch höhere Gesamtkosten verursachen, sondern im Gegenteil effizient, wirksam und nachhaltig zugleich sein können.
Verena Meier-Bund, AlmaWin: Für ein umsichtiges Putzen und Waschen stellen wir auf die jeweilige Anforderung abgestimmte Produkte zur Verfügung. Für das normale Waschen genügt ein ökologisches Waschmittel, für hartnäckigere Flecken verwendet man am besten einen Waschverstärker und bei Sportkleidung nimmt man das Funktionswaschmittel zur Hand. Die Dosieranleitung auf den Etiketten gibt die Menge vor. Durch Kombination ist das effektive Waschen schon bei niedrigeren Temperaturen möglich. So wird das Abwasser nicht unnötig belastet.
Janine Steil, proWIN: Wir unterstützen Verbraucherinnen und Verbraucher aktiv dabei, die Umweltauswirkungen bei der Anwendung ihrer oder seiner Produkte so gering wie möglich zu halten. Dazu vermitteln wir als Unternehmen und durch unsere Vertriebspartnerinnen und Vertriebspartner klare, praxisorientierte Handlungsempfehlungen für den Alltag. Im Mittelpunkt steht die Priorisierung mechanischer Reinigung: Viele Oberflächen lassen sich bereits mit Wasser und hochwertigen Mikrofasertüchern sauber halten – ganz ohne zusätzliche Reinigungsmittel. Wo Produkte erforderlich sind, raten wir zur Verwendung von hochkonzentrierten Formulierungen, die exakt dosiert und sparsam eingesetzt werden sollen. Dies reduziert den Verbrauch von Chemikalien, minimiert Verpackungsmüll und verringert Transportemissionen.
Was gilt für Bio-Betriebe im Umgang mit Desinfektions- und Reinigungsmitteln? Die EU-Öko-Verordnung (2018/848) regelt den Einsatz zulässiger Reinigungs- und Desinfektionsmittel in Bio-Betrieben. In Verarbeitungs- und Lagerstätten dürfen nur zugelassene Stoffe eingesetzt werden. In 2026 soll ein offizielles Verzeichnis festlegen, welche Mittel nicht erlaubt sind. Reinigung- und Desinfektion in Bio-Verarbeitungsunternehmen
Auf unserer Webseite verwenden wir Cookies, die unter „Cookie-Einstellungen anpassen“ näher beschrieben werden. Notwendige Cookies werden für grundlegende Funktionen der Webseite benötigt, um eine optimale Nutzung zu ermöglichen. Dadurch ist gewährleistet, dass die Webseite einwandfrei funktioniert. Darüber hinaus können Sie Cookies für Statistikzwecke zulassen. Diese ermöglichen es uns, die Webseite stetig zu verbessern und Ihr Nutzererlebnis zu optimieren. Ihre Einwilligung zur Nutzung der Statistik-Cookies ist freiwillig und kann in der Datenschutzerklärung dieser Webseite unter „Cookie-Einstellungen“ jederzeit widerrufen werden. Datenschutzerklärung Impressum