Workshop "Dialog auf Augenhöhe: Praxiserfahrung als Motor der Forschung"
24214 Lindhöft/Noer

Naturkosmetik bleibt im Trend – doch was steckt wirklich dahinter? Viele Produkte werben mit natürlichen Inhaltsstoffen, aber nicht alles, was “grün” aussieht, ist auch echte Naturkosmetik. Wer echte Naturkosmetik haben möchte, sollte genauer hinschauen. Oekolandbau.de zeigt, worauf es wirklich ankommt und wie Sie zertifizierte Naturkosmetik und Bio-Kosmetik erkennen.
Das Wichtigste in Kürze:
Naturkosmetik basiert auf natürlichen und naturnahen Inhaltsstoffen. Dazu gehören pflanzliche Inhaltsstoffe von Aloe Vera über Kräuterextrakte bis Zitrusöl. Naturkosmetik kann aber auch Mineralien und Rohstoffe von Tieren enthalten. Zum Beispiel Honig, Nerzöl oder Stutenmilch. Dagegen sind Rohstoffe von toten Wirbeltieren tabu. Bestes Beispiel ist das angesagte Kollagen. Das Eiweiß wird vor allem von geschlachteten Tieren gewonnen. Zum Beispiel aus Schweineschwarte oder Knochen.
Naturkosmetik definiert sich aber auch über künstliche oder bedenkliche Substanzen, die nicht drin sind: genetisch veränderte Organismen, Silikone, Parabene, Mikroplastik, synthetische Duftstoffe, Aluminium oder Mineralöle.
Anspruch von Naturkosmetik ist es zudem, ökologisch verträgliche Produkte herzustellen. Das gilt auch für Verarbeitung und Verpackung.
Wichtig zu wissen: Da rechtlich verbindliche Definitionen für Naturkosmetik und Bio-Kosmetik fehlen, haben Naturkosmetikunternehmen und Verbände eigene Standards entwickelt, etwa NATRUE oder COSMOS. Vertrauenswürdige Siegel helfen beim Einkauf.
Im Gegensatz zu Naturkosmetik setzt herkömmliche Kosmetik häufig auf synthetische Substanzen. Allein die Wirkung zählt. Beispielsweise verschließen Aluminiumsalze in Antitranspiranten unsere Schweißporen, wirken also hocheffektiv gegen Schweißgeruch. In hohen Dosen sollten wir das Leichtmetall jedoch nicht aufnehmen. Paraffine und Silikone machen Haut und Haare zunächst seidig und glatt, tun uns aber auf Dauer nicht gut: sie dichten die Hautporen ab und lagern sich auf den Haaren ab. Parabene konservieren Cremes, können aber unseren Hormonhaushalt stören.
Tipp: Wer überprüfen möchte, ob in der Kosmetik unerwünschte Substanzen vorkommen, kann auf Apps zurückgreifen:
Die vom BUND entwickelte App ToxFox nimmt hormonell wirksame Stoffe, Nanopartikel und Mikroplastik in den Blick: einfach beim Einkaufen Barcode einscannen und unerwünschte Substanzen entdecken.
Mit der COSMILE-Europe-App lässt sich durch Scan des Strichcodes oder der Zutatenliste schnell erkennen, welche Inhaltsstoffe die Kosmetik enthält. Das hilft besonders Allergikerinnen und Allergikern.
Beide Begriffe sind nicht klar definiert beziehungsweise rechtssicher. Verbraucherinnen und Verbraucher können sich nicht darauf verlassen. Dabei ist der Begriff “natürliche Kosmetik” noch schwammiger als “Naturkosmetik”. Da der Markt für Naturkosmetik immer noch wächst, geben sich konventionelle Shampoos, Cremes und Co. gerne ein natürliches Image: Sie werben mit pflanzlichen Inhaltsstoffen oder verleihen ihren Verpackungen mit Blättern einen grünen Anstrich. Die Verbraucherzentrale warnt schon lange vor Greenwashing und Tricks der Kosmetikunternehmen.
Nein. Grundsätzlich gilt: Natur- und Bio-Kosmetik sind keine gesetzlich geschützten Begriffe. Die Vorsilbe Bio und Öko garantiert nur bei Lebensmitteln Inhaltsstoffe aus dem ökologischen Landbau.
Nur bei zertifizierter Bio-Kosmetik können wir uns darauf verlassen, dass sie einen hohen Anteil an Rohstoffen aus kontrolliert biologischem Landbau enthält. Naturkosmetik kann, aber muss keine bio-zertifizierten Inhaltsstoffe enthalten. Allerdings bevorzugen auch wichtige Bio-Unternehmen den Begriff Naturkosmetik und betonen nur die biologische Herkunft der Inhaltsstoffe (hinten auf der Verpackung).
Fazit: Bio-Kosmetik ist immer Naturkosmetik, aber Naturkosmetik nicht automatisch Bio.
Um ein Produkt oder einen Rohstoff als Naturkosmetik zertifizieren zu lassen, müssen die Unternehmen eine unabhängige Kontrollstelle (COSMOS CERTIFICATION | ORGANIC AND NATURAL | Cosmetic product & ingredient certification; Wie können Sie Ihr kosmetisches Fertigerzeugnis zertifizieren? | NATRUE) einschalten. Diese überprüft, ob die festgelegten Standards auch eingehalten werden. Erst dann dürfen die Produkte die Siegel für zertifizierte Naturkosmetik tragen. Die Richtlinien für Naturkosmetik reichen weit über konventionelle Kosmetikstandards hinaus. Zentrale Kriterien für Naturkosmetik sind:
Ausnahme: Einige chemisch hergestellte Konservierungsmittel, die auch natürlich vorkommen, sowie einige chemisch hergestellte anorganische Farbpigmente sind bei zertifizierter Naturkosmetik ebenfalls erlaubt.
In Deutschland existieren einige Siegel, die Naturkosmetik garantieren. Die Kriterien der Standards ähneln sich, haben aber Schwerpunkte.
Pioniere der Branche wie WALA, Weleda, Lavera, PRIMAVERA, LOGOCOS initiierten 2007 den Standard NATRUE. Kosmetische Produkte können mit dem NATRUE-Label als Natur- oder Bio-Kosmetik zertifiziert werden. Die von NATRUE zertifizierten Produkte bestehen zu 100 Prozent aus natürlichen, naturnahen und naturidentischen Substanzen. Bei Bio-Kosmetik müssen mindestens 95 Prozent der natürlichen oder naturnahen Substanzen aus zertifiziert biologischem Anbau oder zertifizierter Wildsammlung stammen. Aus Mineralöl gewonnene Substanzen (PPIs) sind tabu.
Damit keine Trittbrettfahrer auf den Naturkosmetikzug aufspringen, müssen mindestens 75 Prozent der Produkte einer Marke oder Untermarke NATRUE-zertifiziert sein.
“Unsere Zertifizierung schützt sowohl Verbraucher als auch Marken vor Greenwashing und irreführenden Werbeaussagen. Zudem unterstützt sie Hersteller bei der Entwicklung hochwertiger, wirklich natürlicher Produkte und fördert gleichzeitig Nachhaltigkeit, Innovation und ethische Praktiken in der gesamten Branche,”
Paula GÓMEZ DE TEJADA
Global Communications and Public Relations Manager.
Neben dem verbreiteten NATRUE Logo sind auch Produkte mit dem COSMOS Logo auf dem Markt zu finden. Der COSMOS Standard wurde von BDIH, Ecocert, Cosmebio, ICEA und Soil Association gemeinsam entwickelt. Der COSMOS-Standard teilt sich auf: COSMOS Natural für Naturkosmetik und COSMOS ORGANIC für Bio-Kosmetik. Bei Naturkosmetik ist kein Bio-Anteil vorgeschrieben. Bei Bio müssen mindestens 95 Prozent der Agrarbestandteile biologisch sein. Abgesehen vom Bio-Anteil seien die Anforderungen an die erlaubten Produktionsprozesse, Umweltmanagement, nachhaltige Verpackungen sowie die Einschränkungen bei den Inhaltsstoffen bei beiden Standards gleich, betont Xanthe Galanis-Hancox, Communications Manager von COSMOS. Wichtig sei zudem, eine klare Deklaration: Wenn auf der Verpackung COSMOS ORGANIC steht, handelt es sich um Bio-Kosmetik.
“Bei COSMOS handelt es sich um einen international harmonisierten Standard. Er bietet einen gemeinsamen Rahmen für Bio- und Naturkosmetik über zahlreiche Märkte hinweg”.
Xanthe Galanis-Hancox
Communications Manager COSMOS
Cosmos | Nature | |
| Anforderungen an die Anzahl zertifizierter Produkte einer Marke | Keine Anforderungen | Mindestens 75 Prozent der Produkte einer Marke oder Untermarke müssen zertifiziert sein |
| Herkunft der Inhaltsstoffe | Natürliche und biologische Inhaltsstoffe werden gefördert (ohne Gentechnik) Inhaltsstoffkategorien des Standards: Wasser; Mineralien und Bestandteile mineralischen Ursprungs, physikalisch verarbeitete Agrar-Bestandteile; chemisch verarbeitete Agrar-Bestandteile und andere Bestandteile | Natürliche und biologische Inhaltsstoffe werden gefördert (ohne Gentechnik) Inhaltsstoffkategorien des Standards: Naturstoffe; naturidentische Stoffe; Naturnahe Stoffe und Konservierungsstoffe |
| Palmöl | Muss aus zertifiziert nachhaltiger Herkunft stammen (zum Beispiel RSPO) | Nachhaltige Herkunft ist vorgesehen, sofern verfügbar |
| Verpackungsmaterial | Bei Verpackungsmaterial muss an den Prinzipien reduzieren, wiederverwenden, erneuerbar und recyceln gearbeitet werden. | Verpackung soll reduziert werden und möglichst recycelbar sein. |
| Kennzeichnung auf dem Etikett | Verpflichtend: Logo, Angabe des Anteils an Inhaltsstoffen natürlichen Ursprungs (bei COSMOS ORGANIC zusätzlich der Anteil an Bio-Inhaltsstoffen), Hinweis auf die Zertifizierung sowie die INCI-Liste (bei COSMOS ORGANIC Kennzeichnung der Bio-Inhaltsstoffe zum Beispiel mit *) | Logo verpflichtend |
Demeter bietet ausschließlich Bio-Kosmetik an. Dabei müssen die Rohstoffe nicht nur Bio sein, sondern zu 90 Prozent aus dem biologisch-dynamischen Landbau stammen. “Während NATRUE und COMOS Naturkosmetik insgesamt klar definieren und absichern, steht Demeter für einen besonders weitgehenden Ansatz mit Fokus auf biodynamische Herkunft und ganzheitliche Qualität”, erläutert Susanne Kiebler, Pressesprecherin von Demeter. Allerdings produzieren nur wenige Unternehmen nach Demeter-Standards.
Die von NATRUE oder COSMOS zertifizierten Produkte lassen sich mit öffentlich zugänglichen Produktdatenbanken aufspüren:
Mehr als 10.200 Kosmetikprodukte und Rohstoffe tragen das NATRUE-Label in über 30 Ländern. Ein gutes Drittel davon sind Bio-Produkte. Die lassen sich herausfiltern.
Das COSMOS-Label erscheint auf mehr als 31.400 Produkten und über 24.000 Rohstoffen in mehr als 80 Ländern.
Tipp: Wer im Naturkostfachhandel einkauft, kann sicher sein, echte Naturkosmetik zu bekommen. Denn alle Geschäfte, die zum Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) gehören, führen nur zertifizierte Naturkosmetik im Sortiment.
Neun gute Gründe hochwertige Naturkosmetik zu kaufen
Fazit: Wer zertifizierte Naturkosmetik kauft, pflegt nicht nur Haut und Haar schonend, sondern leistet auch einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Lebensweise.
Letzte Aktualisierung 02.07.2026