Ökologischer Ölleinanbau

Ökologischer Ölleinanbau

Öllein ist eine Nischenkultur mit besonderem Potenzial für den Ökolandbau. Als einzige Kulturart der Familie der Leingewächse ist Öllein eine ideale Ergänzung für die Fruchtfolge. Zudem stellt diese Kulturpflanze wenig Ansprüche an den Boden und die Nährstoffversorgung und ist darüber hinaus eine Bereicherung für die Agrobiodiversität.

Im Bio-Fachhandel erfreut sich Leinöl seit einigen Jahren zunehmender Beliebtheit. Die kaltgepressten Leinsamen liefern ein gesundes Speiseöl, das überaus reich an Omega-3-Fettsäuren ist. Die steigende Nachfrage hat dazu geführt, dass sich die Anbaufläche für Bio-Öllein zwischen 2017 und 2019 fast verdoppelt hat – von 650 auf rund 1.200 Hektar. Der Anteil der Bio-Fläche an der Gesamtanbaufläche liegt bei 32 Prozent. Das ist viel, verglichen zu anderen Kulturen. Bei Weizen zum Beispiel liegt der Öko-Anteil bei zwei Prozent. Dennoch kann der Bedarf deutscher Ölmühlen an Leinsaat – bio wie konventionell – aus heimischem Anbau bei weitem nicht gedeckt werden. Das bietet Potenzial für Öko-Landwirtinnen und -landwirte, die neue Wege gehen möchten.

Öllein: Gut geeignet für den Bio-Anbau

Pflanzenbaulich hat Öllein für den Ökolandbau viel zu bieten. Als einzige Kulturart der Pflanzenfamilie der Leingewächse ist Öllein eine ideale Ergänzung für bestehende Öko-Fruchtfolgen. Zudem stellt Lein wenig Ansprüche an den Boden und die Nährstoffversorgung. Darüber hinaus ist er eine Bereicherung für die Agrobiodiversität. Denn wo Öllein anbaut wird, wachsen besonders viele seltene Wildkräuter, die sonst keine Chance haben.

Die steigende Nachfrage nach Bio-Leinsaat aus regionalem Anbau bietet aktuell gute Absatzchancen. Wer in den Anbau dieser Nischenkultur einsteigen will, sollte sich vorher jedoch über die Absatzmöglichkeiten in der Region kundig machen.

Anbauhinweise

Standort

Öllein eignet sich sowohl für maritime Klimalagen als auch für warme trockene Standorte. Auch an den Boden stellt er keine besonderen Ansprüche. Besonders gut gedeiht er auf durchlässigen, nicht allzu schweren oder humosen Böden. Ertragsentscheidend ist in der Regel die Wasserversorgung vor und während der Blüte in den Monaten Mai bis Juni. Für einen ausreichenden Ertrag sind rund 120 Millimeter – gerechnet auf beide Monate – notwendig.

Fruchtfolge

In Bezug auf die Vorfrucht ist Lein wenig anspruchsvoll. Die Wahl der Vorfrucht sollte vor allem nach unkrautunterdrückenden Kriterien erfolgen, da Lein eine geringe Konkurrenzkraft gegenüber Unkraut hat. Von Leguminosen-Vorfrüchten ist abzuraten, da der spät verfügbare Stickstoff zu Lager führen kann. Aufgrund der starken Selbstunverträglichkeit müssen Anbaupausen von mindestens fünf Jahren eingehalten werden.

Neben dem Öllein gibt es keine weiteren verwandten Kulturarten der Pflanzenfamilie der Leingewächse. Deshalb ist Lein ideal geeignet, um bestehenden Fruchtfolgen aufzulockern. Die wegen der Selbstunverträglichkeit erforderliche lange Anbaupause passt gut zu den ohnehin weiten Fruchtfolgen des Ökolandbaus.

Sorten

Wesentliche Kriterien bei der Sortenwahl sind neben dem Kornertrag, der Ölgehalt und ackerbauliche Eigenschaften wie Standfestigkeit und Reife.

In den Bundesländern werden jährlich verschiedene Sorten unterschiedlicher Kulturarten getestet. Dabei werden (zum Teil) auch Versuche auf Öko-Betrieben durchgeführt. Unter den folgenden Links finden Sie die jeweiligen Webseiten, auf der Versuchsergebnisse für verschiedene Kulturen veröffentlicht werden.

Informationen darüber, ob und welche Sorten es aus ökologischer Vermehrung gibt, finden Sie unter www.organicxseeds.de.

Bodenvorbereitung und Saat

Lein reagiert empfindlich auf Verdichtungen und Verschlämmungen. Die Bodenbearbeitung darf deshalb nur bei guten Bedingungen erfolgen. Unkrautkuren sind von Vorteil. Gesät wird in ein feinkrümeliges, gut abgesetztes und unkrautfreies Saatbett.

Lein wird bislang vor allem als Frühjahrskultur angebaut. Es gibt aber auch winterharten Lein, der im September gesät wird. Argumente für und wider finden sich in der folgenden Tabelle:

Winter oder Sommerlein?
Vorteile WinterleinVorteile Sommerlein
Bildet wegen Bestockung dichteren Bestand und unterdrückt Unkraut besser.Allgemein: Frühlingskulturen lockern Wintergetreide-Fruchtfolgen auf (wichtig bei Problemen mit Ungräsern)
Harmlose Herbst-Unkräuter geben den problematischeren Frühjahrs-Unkräutern weniger Chancen.Kein Auswinterungsrisiko
Besserer Start bei Frühjahrstrockenheit dank tieferer WurzelnKürzere Kulturdauer, also Möglichkeit für den Zwischenfutterbau
Auf den Zwischenfruchtanbau nach Getreide oder Kartoffeln und anderen sommerräumenden Kulturen kann verzichtet werden.Die Sommerleinernte fällt in die Zeit nach der Getreideernte, womit Arbeitsspitzen umgangen werden können.
Kaum Probleme mit Erdflöhen bekannt. 

Quelle: Biofarm Genossenschaft, bioaktuell.ch

Sommerlein sollte zwischen Ende März und Anfang April gesät werden. Die Aussaat von Winterlein findet im September statt. Bei der Saatstärke haben sich unter normalen Bedingungen 500 bis 600 Samen je Quadratmeter bewährt. Das ergibt bei einem Tausendkorngewicht von sieben Gramm und günstigen Bedingungen eine Aussaatmenge von circa 45 Kilogramm pro Hektar. Bei ungünstigen Bedingungen sollte die Aussaatmenge um zehn bis 20 Prozent erhöht werden.

Gesät wird in der Regel in Reihen von 30 Zentimetern. Das macht den Einsatz der Hacke möglich. Bei Einsatz eines Striegels sind auch geringere Reihenabstände möglich. In diesem Fall muss die Aussaatmenge jedoch um weitere zehn Prozent erhöht werden. Winterlein wird etwas dünner gesät, da er – ähnlich wie Getreide – noch bestockt. Die Saattiefe sollte zwei bis drei Zentimeter betragen.

Unkrautregulierung

Wegen der langsamen Jugendentwicklung ist Unkraut vor allem in den ersten Wochen ein Problem – ganz besonders in lückigen Beständen. Bei ausreichend großen Reihenabständen kann das Unkraut mit der Hacke beseitigt werden. Bei geringeren Reihenabständen hilft der Striegel. Damit die Pflänzchen dabei nicht verschüttet werden, sollte erst ab einer Wuchshöhe von fünf Zentimetern gestriegelt werden.

Düngung

Lein gilt im Allgemeinen als extensive Kultur und benötigt daher relativ wenig Nährstoffe. Ist der Boden ausreichend mit Phosphor, Kalium und Magnesium versorgt (Versorgungsstufe C), besteht kein Grunddüngungsbedarf. Besonderes Augenmerk gilt der Stickstoffdüngung: Eine zu hohe Stickstoffversorgung führt zu Lager und damit zu Ertrags- und Qualitätseinbußen. Meist ist eine Düngung von 20 bis 50 Kilogramm ausreichend. Eine Unterversorgung mit Zink kann zu Wachstumsbeschränkungen führen. Hier ist eine Bodenuntersuchung anzuraten.

Krankheiten und Schädlinge

Erdflöhe und Thripse können bei entsprechender Witterung den Bestand gefährden (besonders Erdflöhe im Keimblattstadium). Große Ertragseinbußen verursacht die Leinmüdigkeit, wenn nicht eine mindestens fünfjährige Anbaupause eingehalten wird. In feuchten Jahren ist auch ein verstärktes Auftreten von Pilzkrankheiten möglich.

Ernte

Geerntet wird, wenn die Samen im Stadium "Totreife" sind. Beim Schütteln erzeugen sie dann in den Kapseln ein "schepperndes" Geräusch. Sie können dann mit der Hand ausgerieben werden. Der Erntetermin ist davon abhängig, ob Winter- oder Sommerlein angebaut wird. Bei Nässe kann es auch dazu kommen, dass die Pflanzen noch nachblühen und sich dadurch die Abreife verzögert.

Das Ertragspotenzial des Ölleins liegt zwischen 0,5 und 1,5 Tonnen pro Hektar. Die Ernte kann mit dem Mähdrescher erfolgen. Dabei sollte eine Stoppelhöhe von 20 bis 30 Zentimetern gewählt werden. Der Bestand sollte vor der Ernte gut abgetrocknet sein. Da Lein zugleich eine Faserpflanze mit zähem Stroh ist, müssen die Messer des Mähwerks sehr scharf sein.

Das Erntegut muss nach der Ernte sofort auf sechs bis acht Prozent nachgetrocknet werden, damit es bei der Lagerungen nicht zu Qualitätsbeeinträchtigungen kommt.


Letzte Aktualisierung 18.08.2020

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