Solidarische Landwirtschaft

Solidarische Landwirtschaft

Die Existenz vieler landwirtschaflticher Betriebe hängt von Subventionen und (Welt-) Marktpreisen ab. Dieser enorme Konkurrenz- und Kostendruck geht auch an Öko-Betrieben nicht vorbei. Eine Möglichkeit, sich von dieser Marktabhängigkeit zu lösen, bietet das Modell der Solidarischen Landwirtschaft – kurz Solawi –, das in Deutschland immer mehr Anhängerinnen und Anhänger findet.

Die Idee

Die Idee hinter Solawi ist simpel: Ein oder mehrere Höfe beziehungsweise Gärtnereien versorgen eine Gemeinschaft privater Haushalte in der Region mit Lebensmitteln. Im Gegenzug verpflichtet sich die Gemeinschaft, die ganze landwirtschaftliche Produktion des Betriebs zu finanzieren – einschließlich der Betriebsmittel, Löhne, Pacht und Maschinen. Auf diese Weise teilen sich alle Beteiligten nicht nur die Ernte und die Kosten, sondern auch die Verantwortung und das Risiko der Produktion.

Mehr als nur Wirtschaftsgemeinschaft

Doch Solawi ist mehr als nur Kostenteilung und Risikominimierung. "Das System Solawi erhält und fördert eine bäuerliche und vielfältige Landwirtschaft", erklärt Stephanie Wild vom Netzwerk Solidarische Landwirtschaft e. V. "Es stellt regionale Lebensmittel zur Verfügung und ermöglicht es Menschen, neue Erfahrungen zu machen." Das Konzept fördert zudem die Solidarität und Wertschätzung zwischen den Abnehmern der Lebensmittel und den aktiven Landwirtinnen und Landwirten in der Gemeinschaft.

Vorteile einer Solawi
… für die aktiven Landwirtinnen und Landwirte… für die Mitglieder
 
  • Erhalten mehr Planungssicherheit und die Möglichkeit der Unterstützung durch eine Gemeinschaft.
  • Teilen das Risiko, das die landwirtschaftliche Produktion mit sich bringt.
  • Erhalten ein gesichertes Einkommen.
  • Haben einen größeren Gestaltungsspielraum für ihre Arbeit.
  • Gewinnen mehr Freude an der Arbeit, da sie wissen, für wen sie Lebensmittel anbauen.
 
 
  • Erhalten vielfältige, regionale Nahrungsmittel in bekannter (ökologischer) Qualität.
  • Wissen wo, wie, von wem und zu welchen Kosten die Nahrungsmittel erzeugt werden (hohe Transparenz).
  • Erwerben Wissen über den Anbau und die Herstellung von Nahrungsmitteln die Pflege der Erde.
 

Keine Abokiste!

"Solawi ist nicht zu verwechseln mit der Abokiste, die man monatlich bestellen oder abbestellen kann", so Wild. "Damit die Erzeuger Planungssicherheit erhalten, legen sich die Mitglieder einer Solawi für ein Jahr bzw- eine Saison fest, Teil der Gemeinschaft zu sein." Und Solawi ist auch kein Selbsterntefeld. Der Großteil der Arbeit wird von den Landwirtinnen und Landwirten erledigt. Nur bei Arbeitsspitzen und in der Ernteverteilung ist die Mitarbeit der Mitglieder gefragt.

Wie wird finanziert?

Die finanziellen Mittel für den Erzeugerbetrieb werden von den Mitgliedern in Form eines jährlich oder monatlich zu zahlenden Beitrags geleistet. "Die Höhe des Betrages orientiert sich an den geplanten Jahreskosten der landwirtschaftlichen Erzeugung und kann von Solawi zu Solawi unterschiedlich sein", sagt Wild. "Für eine reine gemüsebetonte Versorgung sind derzeit monatlich zwischen 60 und 100 Euro pro Ernteanteil anzusetzen. Ein Ernteanteil entspricht dem Bedarf von einem Haushalt mit zwei Personen. Bei Vollversorgung mit Gemüse, Brot, Milchprodukten und Fleisch muss mit Beträgen bis 250 Euro kalkuliert werden." Viele Solawis ermöglichen auch finanziell schlechter gestellten Mitgliedern die Teilnahme, indem diese nur einen reduzierten Mitgliedsbeitrag leisten müssen. Ausgeglichen wird dies durch höhere Beiträge jener, die mehr geben können. Auf diese Weise wird ein sozialer Ausgleich geschaffen.

Lebensmittelangebot und -verteilung

Grundsätzlich ist die gesamte Erzeugung einer Solawi an den Bedürfnissen der Mitglieder ausgerichtet und setzt somit auf eine größtmögliche Vielfalt der Kulturen. Mitglieder und Erzeugerinnen und Erzeuger beratschlagen gemeinsam darüber, welche Lebensmittel gewünscht sind. Die endgültige Entscheidung, was davon unter den örtlichen Gegebenheiten umsetzbar ist, liegt jedoch bei den Produzentinnen und Produzenten.

Die Verteilung der Lebensmittel wird häufig durch die Verbrauchergemeinschaft organisiert und ist entsprechend der gegebenen Umstände in jeder Solawi etwas anders geregelt. "Manche arbeiten mit Abholgemeinschaften, die sich die Lebensmittel selbst am Hof abholen", so Wild, "andere beliefern ein- bis zweimal wöchentlich zentral gelegene Depots, zum Beispiel Garagen oder Keller, die für die Mitglieder gut erreichbar sind."

Welche Voraussetzungen sollte ein Betrieb mitbringen?

Das Prinzip Solawi ist nicht neu. Einige Höfe in Deutschland arbeiten bereits seit 30 Jahren sehr erfolgreich nach diesem Prinzip. Einen wahren Boom erlebt dieses Konzept aber erst seit einigen Jahren. So ist die Zahl der Solidarhöfe und -initiativen in Deutschland allein von 2008 bis Mitte 2020 von neun auf über 280 angestiegen.

"Solawi ist sicher kein Patentrezept für alle Bauernhöfe in Deutschland", erklärt Wild. "Für viele kann sie aber eine ideale Lösung darstellen – wenn die Bedingungen stimmen." Die Erfahrungen zeigen, dass kleinen Betrieben mit einem vielfältigen Angebot die Umstellung leichter fällt. Je größer und einseitiger der Betrieb, umso komplexer wird es. Mit der nötigen Flexibilität steht aber auch solchen Betrieben der Weg zur Solawi offen. So kann zum Beispiel ein reiner Milchviebetrieb sein Produktionsspektrum um den Gemüsebau erweitern, um ein ansprechend vielfältiges Angebot zu schaffen. Häufig reicht auch schon eine Kooperationen mit anderen, nahegelegenen Gärtnereien.

Öko ist klar im Vorteil

Öko-Betriebe liegen als potenzielle Solawihöfe klar im Vorteil. "Verbraucherinnen und Verbraucher, die sich an einer Solawi beteiligen, schätzen und honorieren die ökologische Produktionsweise", sagt Wild. "Sie entspricht ihren ideellen Werten und ihren Prinzipien zur Bewahrung der Natur." Die Tierhaltung ist sehr artgerecht und damit Verbraucherinnen und Verbrauchern gut zu vermitteln. Darüber hinaus bieten Öko-Betriebe auch strukturell meist die besseren Voraussetzungen, da sie meist vielfältiger in der Produktion sind und nicht selten schon über Erfahrungen in der Direktvermarktung verfügen.

Solawi kann aber auch konventionellen Betrieben den Weg in die ökologische Landwirtschaft ebnen, da für die Umstellungsphase Planungssicherheit besonders wichtig ist.

Kein Job für Kommunikationsmuffel

Wer seinen Hof zum Solawibetrieb machen möchte, sollte offen für den Kontakt mit Menschen sein und Spaß an der Kommunikation haben. Stephanie Wild: "Mit der Solawi öffnet man seine 'Hoftore' für Fremde und macht seine Betriebsabläufe transparent. Dabei steht man im wiederkehrenden Dialog mit verschiedenen Menschen, die einem nicht immer vertraut sind." Außerdem sollte die Bereitschaft für Veränderungen da sein.

Der Weg zur 'eigenen' Solawi

Die Chancen für eine Solawigründung sind gerade sehr günstig, denn Solawis sind sehr gefragt. In ganz Deutschland gibt es Initiativen, die nach geeigneten Höfen zur Gründung einer Solawi suchen. Besonders einfach haben es Höfe in städtischen Regionen. Das Netzwerks Solidarische Landwirtschaft hilft bei der Vermittlung zwischen interessierten Höfen und Initiativen. Neu im Netzwerk Solidarische Landwirtschaft sind die Solawi-Genossenschaften. Diese Organisationsform wird unter den Solawi-Projekten immer populärer.

Auf der Webseite des Vereins gibt es auch ausführliche Informationen zum Thema Solawi. Sehr zu empfehlen ist darüber hinaus der Besuch einer bereits bestehenden Solawi. Adressen gibt es ebenfalls auf der Internetseite des Solawi-Netzwerks oder unter Demobetriebe Ökolandbau. Das Netzwerk veranstaltet außerdem zweimal im Jahr Tagungen für Austausch und Wissenstransfer unter den Aktiven. Des Weiteren gibt es Fortbildungen für Einsteiger.


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