Für Kommunen eröffnet diese Mehrfachrolle neue Gestaltungsmöglichkeiten – vorausgesetzt, Klimaschutz und Ernährung werden gemeinsam gedacht.
Perspektivwechsel wagen: Wie kann Klimaschutz landwirtschaftsfreundlicher werden?
Viele Kommunen verfügen bereits über Klimaschutzkonzepte. Ernährungs- und Landwirtschaftsthemen spielen darin jedoch häufig nur eine untergeordnete Rolle. Dabei können Städte, Gemeinden und Landkreise an zahlreichen Stellen aktiv werden. Ein erster Schritt besteht darin, Klimaschutz- und Ernährungsziele in einer gemeinsamen Strategie zu verankern. So lassen sich Maßnahmen entlang der gesamten regionalen Wertschöpfungskette entwickeln – von der landwirtschaftlichen Erzeugung über die Verarbeitung und Beschaffung bis hin zum Konsum und zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Ergänzend können Kommunen ihre Treibhausgasbilanz um landwirtschafts- und ernährungsbezogene Indikatoren erweitern und beispielsweise auch Bodenqualität, Humusaufbau, Regionalität oder Lebensmittelverluste berücksichtigen. Dadurch entsteht ein umfassenderes Bild der kommunalen Klimawirkung.
Dabei lohnt sich ein Perspektivwechsel. Statt ausschließlich zu fragen: Wie kann die Landwirtschaft zum Klimaschutz beitragen?, sollten Kommunen ebenso fragen: Wie kann Klimaschutz zu einer zukunftsfähigen Ernährung beitragen? Klimaschutzmaßnahmen sollten deshalb nicht nur an ihrer Treibhausgasminderung gemessen werden, sondern auch daran, ob sie die Ernährungssicherheit stärken, landwirtschaftliche Erträge langfristig stabilisieren und die Qualität unserer Lebensmittel verbessern. Gesunde Böden mit einem hohen Humusgehalt speichern mehr Wasser, machen landwirtschaftliche Betriebe widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit und Starkregen und tragen so zu stabileren Erträgen bei. Gleichzeitig profitieren Pflanzen von besseren Standortbedingungen und geringeren Stressbelastungen. Klimaschutz wird damit zu einer Investition in resiliente Ernährungssysteme und in die langfristige Daseinsvorsorge der Kommunen.
Wichtige Stellschrauben Flächenverpachtung und Beschaffung in der Gemeinschaftsverpflegung
Auch bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verfügen Kommunen über wichtige Stellschrauben. Die Verpachtung kommunaler Flächen bietet die Möglichkeit, ökologische oder regenerative Bewirtschaftungsformen zu stärken, in dem diese Kriterien explizit mit gefragt und bewertet werden. Ebenso können Maßnahmen zum Trinkwasserschutz, Humusaufbau oder zur Renaturierung von Flächen unterstützt werden. Solche Anreize stärken nicht nur den Klimaschutz, sondern erhöhen gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit, die Wasserspeicherfähigkeit und die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft gegenüber Trockenheit und Starkregen.
Ein weiterer wichtiger Hebel liegt in der kommunalen Beschaffung und Gemeinschaftsverpflegung. Kommunen können den Anteil regionaler und ökologisch erzeugter Lebensmittel in Kitas, Schulen, Kantinen oder Pflegeeinrichtungen erhöhen und damit nachhaltige Wertschöpfungsketten stärken. Ergänzend fördern Bildungsangebote, regionale Vermarktungsstrukturen und eine vorausschauende Bauleitplanung eine zukunftsfähige Land- und Lebensmittelwirtschaft vor Ort.
Nicht zuletzt kommt den Kommunen eine wichtige Rolle als Moderatorinnen regionaler Entwicklungsprozesse zu. Gerade dort, wo unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen – etwa zwischen Landwirtschaft, Energieerzeugung, Naturschutz und Flächennutzung – können sie Dialogformate initiieren und Akteure frühzeitig an einen Tisch bringen. So werden Zielkonflikte sichtbar, bevor sie Planungen verzögern, und gemeinsam tragfähige Lösungen entwickelt.
Wo steht Ihre Kommune aktuell – Selbstbewertungs-Checkliste für Kommunen
Für eine erste Standortbestimmung zum Thema “Landwirtschaft, Ernährung und Klimaschutz gemeinsam denken” haben wir einen Test entwickelt.
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Weiterführende Informationen:
- The Glasgow Food and Climate Declaration
- Aufbauende Landwirtschaft
- BMLEH: Land- und Forstwirtschaft, Klimaschutz und Klimaresilienz
Quelle: Bio Komm' mit



