Kommunale Flächen: Wer verpachtet, gestaltet Zukunft

Kommunale Flächen sind weit mehr als reine Pachtobjekte. Sie sind ein wirksames Instrument, um Landwirtschaft, regionale Wertschöpfung, Umwelt- und Klimaschutz sowie die Entwicklung ländlicher Räume aktiv mitzugestalten. Hierzu bestand Konsens unter den Teilnehmenden des “Bio Komm‘ mit” Workshops am 28. April 2026 im Rathaus der Stadt Hannover. Im Rahmen von “Bio Komm‘ mit” wird nun eine Prozess-Checkliste zur kommunalen gemeinwohlorientierten Verpachtung erarbeitet, die anschließend allen interessierten Kommunen zur Verfügung gestellt werden soll.

Öffentliche Flächen im öffentlichen Interesse nutzen!

Jede kommunale Verpachtung ist eine Entscheidung mit Wirkung – oft für die nächsten zehn bis 20 Jahre. Und doch werden Flächen vielerorts noch immer nach Routine vergeben: nach Höchstgebot oder ohne klar definierte Ziele. Dabei steckt in kommunalen Flächen weit mehr Potenzial! 

Immer mehr Städte und Gemeinden beschäftigen sich deshalb mit der Frage, wie öffentliche Flächen so vergeben werden können, dass sie langfristig dem Gemeinwohl dienen. 

Beispiele aus Bonn, Düsseldorf, Hannover, Leipzig oder Köln zeigen: Kommunen können durch klare Kriterien wichtige Impulse für eine nachhaltige Entwicklung setzen.

Gemeinwohlorientierung bedeutet vor allem, langfristig zu denken. Kommunen können mit ihrer Flächenpolitik dazu beitragen,     

  • Folgekosten durch Umweltbelastungen zu vermeiden,
  • Böden als Produktionsgrundlage zu schützen,  
  • klima- und umweltfreundliche Bewirtschaftungsformen zu stärken,
  • soziale und wirtschaftliche Stabilität im ländlichen Raum zu fördern.

Ökologischer Landbau kann dabei ein wichtiger Baustein sein, eingebettet in einen breiteren gemeinwohlorientierten Ansatz.

Wirkungsvolle Kriterien brauchen Praxisnähe

Damit Vergabekriterien wirken, müssen sie ambitioniert und zugleich realistisch sein. Ziel ist nicht, Betriebe zu überfordern, sondern Entwicklungsperspektiven zu eröffnen. Erfolgreiche Modelle setzen deshalb auf:

  • Transparenz statt reiner Preislogik,
  • gleichwertige Berücksichtigung von Ökologie, Ökonomie und Sozialem,
  • langfristige und verlässliche Pachtbeziehungen,
  • differenzierte und nachvollziehbare Bewertungssysteme,
  • Dialog und Kooperation mit den Bewirtschaftenden.

Gerade der Austausch mit landwirtschaftlichen Betrieben spielt eine zentrale Rolle. Kommunen, die frühzeitig informieren und ihre Ziele erklären, schaffen Akzeptanz und gemeinsame Entwicklungsperspektiven.,

Verpachtung öffentlicher Flächen – Thema mit Rückenwind

Beim Workshop in Hannover wurde deutlich: Das Interesse am Thema wächst. Kommunen suchen nach praktikablen Wegen, Vergabeverfahren transparenter, nachvollziehbarer und stärker am Gemeinwohl auszurichten. Gleichzeitig wurde klar, dass viele Verwaltungen vor ähnlichen Fragen stehen:

  • Wie gelingt der Einstieg?
  • Welche Kriterien sind sinnvoll?
  • Wie lässt sich der Prozess rechtssicher und praktikabel gestalten

Genau daraus entstand die Idee, im Rahmen der Maßnahme “Bio Komm‘ mit” gemeinsam eine praxisnahe Prozess-Checkliste für Kommunen zu entwickeln – als Orientierungshilfe für Verwaltungen, die sich auf den Weg machen wollen.

Warum jetzt handeln?

Immer mehr Kommunen entwickeln Vergabekriterien für ihre Flächen. Der Grund ist einfach: Ohne Kriterien entscheiden oft implizite Mechanismen. Mit Kriterien entstehen Transparenz, Fairness und politische Handlungsfähigkeit. 

Das bedeutet konkret:    

  • Entscheidungen werden nachvollziehbar,
  • Ziele werden verbindlich,
  • Konflikte werden sachlicher,
  • Kommunen gewinnen Gestaltungsspielraum zurück. 

Der Einstieg muss nicht perfekt sein

Viele Verwaltungen zögern, weil sie großen Aufwand oder Konflikte befürchten. Die Praxis zeigt jedoch: Gute Prozesse entstehen Schritt für Schritt.

Erfolgreiche Kommunen starten häufig mit wenigen Leitfragen:

  • Was wollen wir mit unseren Flächen erreichen?
  • Welche Ziele sind vor Ort besonders wichtig?
  • Wo können wir realistisch beginnen?

Oft reichen schon zwei bis vier klare Kriterien, um eine neue Richtung einzuschlagen. Wichtig ist vor allem: anfangen, Erfahrungen sammeln und weiterentwickeln.

Kooperation statt Kontrolle

Gemeinwohlorientierte Verpachtung funktioniert nicht gegen die Landwirtschaft, sondern nur im Dialog mit ihr. Transparente Kriterien und frühzeitige Kommunikation schaffen Vertrauen und eröffnen Entwicklungsperspektiven für Betriebe.  

Kommunen müssen dabei nicht alles neu erfinden. Viele Erfahrungen, Beispiele und Werkzeuge liegen bereits vor – und genau daran arbeitet derzeit auch die “Bio Komm‘ mit” Expertengruppe.

Austausch zur Prozess-Checkliste ausdrücklich erwünscht

Die Expertengruppe wird die in Hannover erstmals vorgestellte und diskutierte Prozess-Checkliste weiterentwickeln und dabei Erfahrungen aus der kommunalen Praxis bündeln.   

Dieses Tool wird über die “Bio Komm‘ mit” Werkzeugkiste auf oekolandbau.de veröffentlicht und in einer Online-Veranstaltung spätestens Ende des Jahres vor- und zur Diskussion gestellt werden.

Interessierte Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, insbesondere aus dem Bereich der Liegenschaftsverwaltungen, sind herzlich eingeladen, sich mit der Expertengruppe auszutauschen. Denn jede Kommune, die sich mit gemeinwohlorientierter Verpachtung beschäftigt, stärkt ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten – und liefert wichtige Impulse für andere.

Kontakt gewünscht?

Telefon: 0911 / 9400 9945
E-Mail: werner.ebertbiostaedtede 


Letzte Aktualisierung 15.07.2026

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