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Ernährungsstrategien: Beispiele aus Leipzig, Hamburg, Bremen

Immer mehr Kommunen gehen einen Schritt weiter und entwickeln umfassende Ernährungsstrategien. Die Beispiele aus Leipzig, Hamburg und Bremen zeigen gut, wie unterschiedlich die Ansätze sind, und was sich daraus für andere Kommunen lernen lässt.
Leipzig: Breiter Beteiligungsprozess und klare Zielbilder
Leipzig befindet sich aktuell mitten im Strategieprozess, mit einem starken Fokus auf Beteiligung und fundierte Datengrundlagen. Ausgangspunkt war eine umfassende Analyse des regionalen Ernährungssystems, auf deren Basis Ziele und Maßnahmen entwickelt wurden.
Im Zentrum stehen ambitionierte Ziele:
- Mehr regionale und biologische Lebensmittel in der Gemeinschaftsverpflegung
- Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten
- Zugang zu gesunder Ernährung für alle
- Beitrag zur Klimaneutralität bis 2040
Der Weg dorthin ist stark partizipativ angelegt:
- Online-Beteiligung mit über 1.700 Teilnehmenden
- Fachworkshops mit Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft
- Entwicklung von über 50 konkreten Maßnahmen
Besonders interessant: Leipzig arbeitet bei der Erstellung der Strategie mit einem dafür entworfenen “Gemeinsamen Verständnis" aus fünf ausformulierten Zieldimensionen:
- Genuss und Gesundheit
- Klimaschutz und Umweltverträglichkeit,
- Stärkung von Bildung und sozialer Teilhabe,
- Regionalität und Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten,
- Zusammenarbeit und
- Vorbildfunktion der Stadtverwaltung, die als Leitmotiv den Beteiligungsprozess einrahmen.
Hamburg: Fokus auf die Gemeinschaftsverpflegung
Hamburg entwickelt in einem partizipativen Prozess eine Ernährungsstrategie, die als Dachstrategie die vielen in Hamburg schon stattfindenden Maßnahmen und Projekte bündeln und auf gemeinsame Ziele ausrichten soll. Es geht dabei um Klimaneutralität, Biodiversität, Gesundheit und soziale Gerechtigkeit.
Gleichzeitig ist das Leuchtturmprojekt Kantinenschulungen in der Gemeinschaftsverpflegung unter der Marke NEUE KANTINE HAMBURG angelaufen.
Zentrale Ziele:
- deutlich höherer Bio-Anteil in Kitas, Schulen und Kantinen
- mehr frische, regionale, saisonale und pflanzliche Produkte
- Lebensmittelverschwendung reduzieren
Das Vorgehen ist dabei praxisnah:
- Beratung und Unterstützung für Küchen und Caterer
- Aufbau praxistauglicher Strukturen, die es den Küchen leicht macht, bio-regionale Produkte zu beschaffen
- Fokus auf handwerkliches Kochen
- Verknüpfung von Ernährungs- und Agrarpolitik
Hamburg will zeigen: über die Gemeinschaftsverpflegung werden Veränderungen schnell sichtbar und direkt wirksam.
Bremen: Strategie als Dach für bestehende Aktivitäten
Bremen versteht die Ernährungsstrategie als übergreifende Dachstrategie. Der Prozess wurde in einen verwaltungsinternen und einen öffentlichen, gesellschaftsweiten Dialog geteilt. Dabei wurden neue Maßnahmen entwickelt und ernährungsbezogene Interventionen aus anderen Strategien Bremens (Innovationsstrategie, Biodiversitätsstrategie, Klimaschutzaktionsplan etc.) integriert.
Zentrale Ziele sind:
- Gesunde, nachhaltige und gerechte Ernährung für alle
- Verbesserung der Ernährungsumgebung in allen Stadtteilen
- Stärkung von Wissen und Kompetenzen rund um Ernährung
Charakteristisch ist das Vorgehen:
- Ressortübergreifende Steuerung innerhalb der Verwaltung
- Einbindung von Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft
- Entwicklung von Vision, Leitbild und konkreten Handlungsfeldern
Die Strategie entsteht in einem breit angelegten Beteiligungsprozess:
- Öffentliche Veranstaltungen ("Markt der Ideen", Feedbackmöglichkeiten, Jugendbeteiligung)
- Zusätzliche Online-Beteiligung für Bürgerinnen und Bürger
- Strukturierte Ableitung von Zielen und Maßnahmen in einer Matrix
Bremen zeigt damit: Eine Ernährungsstrategie kann helfen, bestehende Initiativen wirkungsvoll zu bündeln und strategisch auszurichten.
Impuls für Ihre Kommune
Auch wenn die Ansätze unterschiedlich sind, zeigen alle drei Beispiele gemeinsame Erfolgsfaktoren:
- Ernährung wird als Querschnittsthema verstanden (Klima, Gesundheit, Wirtschaft)
- Gemeinschaftsverpflegung ist ein zentraler Hebel
- Beteiligung schafft Akzeptanz und bessere Lösungen
- Klare Ziele und konkrete Maßnahmen = Umsetzungskraft
Wichtigste Erkenntnis
Kommunale Ernährungsstrategien sind kein abstraktes Konzept, sondern ein praktisches Steuerungsinstrument, um Bio, Regionalität und Nachhaltigkeit systematisch voranzubringen.
Die Beispiele zeigen auch: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Dafür gibt viele gute Einstiege das Thema Bio in Kommunen voranzubringen:
- Start über ein konkretes Handlungsfeld (z. B. Verpflegung)
- Aufbau eines Netzwerks vor Ort
- Entwicklung einer schrittweisen Strategie statt eines großen Gesamtplans
Entscheidend ist nicht Perfektion, sondern der erste strukturierte Schritt.
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Letzte Aktualisierung 19.05.2026



