Bio-Importe – echt bio?

Bio-Importe – echt bio?

Natürlich sind regionale Bio-Produkte ökologisch optimal. Doch wer will schon komplett auf Südfrüchte, Kaffee und Tee verzichten. Außerdem schonen Bio-Kakao und Co. auch in den Ländern des Südens die Umwelt und bedeuten nachhaltiges Einkommen für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Aber funktionieren die Bio-Kontrollen auch in diesen fernen Ländern?

Auch in Ländern außerhalb der EU werden Bio-Produkte intensiv kontrolliert. Was auf den Tellern der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher landet, hat ein Bio-Zertifikat. Die Kontrolle in fernen Ländern verläuft ähnlich wie bei uns (Siehe Erklärfilm: Wie werden Bio-Produkte kontrolliert?). Die Kontrolleurinnen und Kontrolleure besuchen Bio-Betriebe vor Ort, prüfen ihre Dokumentationen und ziehen und analysieren Proben.

Für alle Produkte wie Kaffee, Tee und Südfrüchte in Bio-Qualität, die in den EU-Ländern nicht oder nur saisonal wachsen und deshalb aus Drittländern importiert werden, gelten klare Regeln. Übrigens: Tierische Bio-Produkte werden nur sehr selten aus Nicht-EU-Ländern importiert.

EU-Öko-Verordnung gilt für alle Bio-Importe

Die EU-Öko-Verordnung regelt nicht nur, wie Bio-Lebensmittel in allen EU-Ländern produziert, gekennzeichnet und kontrolliert werden, sondern auch, was für Bio-Importe gilt (BÖLW: Regeln für Bio-Importe). Bio-Produkte lassen sich nach der Verordnung (EG) Nr. 1235/2008 der Kommission über zwei Wege in die EU importieren:

  • Ein Land hat ein eigenes Öko-Gesetz und ein eigenes Bio-Kontrollsystem, die beide durch die Europäische Union anerkannt wurden. Das gilt für die benachbarte Schweiz genauso wie für ferne Länder wie Indien, Argentinien, die USA, Australien und weitere sogenannte anerkannte Drittländer.
  • In allen übrigen Nicht-EU-Ländern übernehmen von der EU-Kommission zugelassene Drittlands-Öko-Kontrollstellen die Vor-Ort-Kontrollen. Ihre Zulassung ist länderspezifisch. Die Überwachung der Kontrollen vor Ort erfolgt durch Akkreditierungsstellen und Fachleute der EU-Kommission.

Zollkontrollen sind Pflicht

Beim Import von Bio-Lebensmitteln in die EU prüft zusätzlich der Zoll. Die Import-Unternehmen müssen mit einer elektronischen Kontrollbescheinigung im EU-System TRACES bei der Verzollung beweisen, dass es sich um echte Bio-Ware handelt. Der Zoll prüft für jede einzelne Importpartie Dokumente und Waren. Die Import-Unternehmen werden wiederum von einer deutschen Öko-Kontrollstelle geprüft. So sollen "Fake-Bio" und eine wundersame Bio-Vermehrung verhindert werden. Bei Verstößen oder Betrugsversuchen darf der Importeur die Bio-Lebensmittel natürlich nicht als bio verkaufen.

Vier Fragen an Dr. Jochen Neuendorff

"Nicht glauben, sondern prüfen" lautet der Leitspruch der Öko-Kontrollstelle Gesellschaft für Ressourcenschutz in Göttingen. Die GfRS überprüft zahlreiche deutsche Öko-Importeure. Ihr Geschäftsführer Dr. Jochen Neuendorff ist seit 1998 weltweit als Gutachter für Akkreditierungsstellen unterwegs und prüft, ob Drittlands-Kontrollstellen in Europa anerkannt werden können.

Oekolandbau.de: Wie läuft eine Bio-Kontrolle im Süden praktisch ab?

Jochen Neuendorff: Nehmen wir als Beispiel die Kontrolle von Bio-Kaffee bei einer Kleinbauernkooperative in Lateinamerika. Jede Bäuerin und jeder Bauer dieser Gemeinschaft durchläuft mehrmals jährlich eine interne Kontrolle. Dabei prüft ein von der Kooperative beauftragter Experte beispielsweise, ob die Bäuerin oder der Bauer keine verbotenen Dünger und Pestizide eingesetzt hat. Da Kaffee an Hängen wächst, kontrolliert er auch, ob eine Bepflanzung oder Barriere aus Stämmen und Strauchwerk den Boden ausreichend vor Erosion schützen. Auf keinen Fall darf der Bio-Kaffee mit konventionellem Kaffee gestreckt sein.

Zusätzlich prüfen Mitarbeitende einer externen Öko-Kontrollstelle mindestens einmal jährlich die Kooperative: erst einmal das interne Kontrollsystem und dann von ihnen ausgewählte Kleinbauern. Alles muss stimmen, sonst wird die gesamte Kooperative sanktioniert.

Oekolandbau.de: Wo sind die Unterschiede zu den Bio-Kontrollen in der EU?

Jochen Neuendorff:Der Job als Bio-Kontrolleurin oder Bio-Kontrolleur ist häufig noch viel herausfordernder als bei uns. Oft sind weite Distanzen zu überbrücken. Reisen können sehr abenteuerlich und gefährlich sein. Vor Ort muss die Kontrolle ganz praktisch an der Lebensrealität der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern orientiert sein. Das Gespräch, auch mit den konventionellen Nachbarn, gehört dazu. Proben werden gezogen und analysiert. Die Dokumentationen auf den Betrieben sind sehr viel grundlegender als bei uns. Auch heute kommt es noch vor, dass es die Kontrolleure mit Analphabetinnen und Analphabeten zu tun haben.

Oekolandbau.de: Welche Herausforderungen gibt es?

Jochen Neuendorff: Andere Länder – andere Sitten, das gilt auch für den Öko-Anbau. In Ländern, in denen Korruption an der Tagesordnung ist, und Menschen hoch angesehen sind, die egal wie schnell zu Geld zu kommen, ist das Risiko von Verstößen und Betrug hoch. Gute Bio-Kontrolleure verstehen die landestypischen Gepflogenheiten. Sie denken sich in die Menschen hinein und prüfen an den kritischen Punkten. Die Öko-Kontrollstellen müssen in diesen Ländern das Risiko mit unangekündigten Kontrollen minimieren.

Oekolandbau.de: Können Verbraucherinnen und Verbraucher also bei Bio-Produkten aus Übersee ebenso sicher sein wie bei heimischen Bio-Waren?

Jochen Neuendorff: Manchmal gibt es das Vorurteil, dass Bio-Produkte aus Nicht-EU-Ländern nicht "echt bio" sind. Das stimmt sicher nicht, auch in Übersee gibt es viele ehrliche und glaubwürdige Bio-Bäuerinnen und Bauern. Aufgabe der dortigen Öko-Kontrollstellen ist es wie hier, Betrügerinnen und Betrüger rasch zu identifizieren und dafür zu sorgen, dass die Ehrlichen nicht die Dummen sind.


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