Frohe Feiertage!

Frohe Weihnachten!

Egal wo man hinschaut, 2022 war von Krisen geprägt: Klimakrise, Krieg, Pandemie und Inflation sind nur einige. Doch trotz oder gerade wegen dieser schwierigen Zeiten gibt es viele Menschen, die anpacken und Projekte initiieren, mit denen gemeinsam die Zukunft gestaltet werden können!

Weltweit sind wir mit einer Vielzahl von Krisen und ihren Folgen konfrontiert. Wirtschaftshistoriker Adam Tooze von der Columbia Universität prägte den Begriff der Polykrise: mehrere Krisen verschränken sich miteinander und verstärken sich gegenseitig. Neben dem Klima ist seit Februar 2022 der Krieg in der Ukraine mit all seinen Folgen eine dieser Krisen, die uns in Deutschland akut beschäftigt und betrifft.

Versorgungsabhängigkeiten wurden – nicht nur bei Öl und Gas – offengelegt: Woher kommen unsere Lebensmittel? Gibt es genug Futtermittel für die Nutztiere? Steigen die Preise immer weiter? Diese und viele weitere Fragen wurden 2022 diskutiert und zeigen, dass eine nachhaltige Transformation des Ernährungssystems dringend notwendig ist.

Regionale Wertschöpfung ist eine Lösung!

Im Sinne von "Think global – act local" spielt der Aufbau von regionalen (Bio-)Wertschöpfungsketten eine zentrale Rolle, um unabhängiger in der Lebensmittelproduktion zu werden und gleichzeitig das Klima zu schützen. Immer mehr Kommunen und Landkreise schaffen daher Stellen für Wertschöpfungskettenentwicklerinnen und -entwickler, die Akteurinnen und Akteure aus der Region an einen Tisch bringen. Dadurch entstehen unabhängige und resiliente Strukturen, in denen alle Beteiligten die Zusammenarbeit mitgestalten, wie einer der diesjährigen Preisträger des Bundeswettbewerbs Ökologischer Landbau deutlich macht: "Wir wollten einfach selber bestimmen, was mit unserer Milch passiert und wie sie vermarktet wird", sagt Hans Möller.

Der Bio-Landwirt ist neben Achim Bock und Heino Dwinger einer von drei Milchviehbetrieben, die sich in Schleswig-Holstein zusammengetan haben, um die eigene Milch unter dem gemeinsamen Label "De Öko Melkburen" zu vermarkten. Mit ihrer konsequenten Ausrichtung auf Regionalität, Tierwohl und kleinbäuerliche Strukturen haben sich die Melkburen mit ihren Jahreszeiten-Produkten erfolgreich im Handel etabliert.

Bio-Regionales auf dem Teller

"Ähnlich wie in der Landwirtschaft, brauchen wir auch für die Großküchen ein flächendeckendes Angebot an Beratungsstrukturen", so Johannes Ell Schnurr. Der ehemalige Geschäftsführer im Demeter-Verband berät unter anderem Küchen aus einem baden-württembergischen Modellprojekt bei der Beschaffung regionaler Bio-Lebensmittel und kennt die Schwierigkeiten und Chancen im Detail. Dass regionale Kooperationen auch in der Gemeinschaftsverpflegung funktionieren, zeigt ein Beispiel aus Schwaben: Eine Betriebskantine bezieht regionales Bio-Fleisch und begeistert damit ihre Gäste, die sich auf die Bio-Spezialitäten freuen und sogar ihre Home-Office-Tage dafür umlegen.

Was macht die Bundesregierung für Bio-Lebensmittel in der Außer-Haus-Verpflegung?

Um das Nachfragepotenzial der Außer-Haus-Verpflegung (AHV) zu nutzen, fördert das Bundesprogramm Ökologischer Landbau mit einer neuen Richtlinie die Beratung von AHV-Betrieben. Bundesernährungsminister Cem Özdemir hat außerdem kurz vor Weihachten Eckpunkte für eine Ernährungsstrategie vorgelegt, durch die unter anderem der Anteil von saisonal-regional und ökologisch-klimafreundlich erzeugter Lebensmittel in der Gemeinschaftsverpflegung erhöht werden soll.

Innovationen auf Bio-Höfen

Was in diesen Krisenzeiten deutlich wird: der ökologische Landbau ist besser gewappnet gegen vielfältige Krisen. Die Kreislaufwirtschaft sorgt dafür, dass ein Großteil der Futter- und Düngerproduktion ressourcenschonend auf dem eigenen Hof oder in der Region erfolgt. Eine vielfältige Fruchtfolge auf dem Acker sichert Bio-Betriebe besser gegen die Klimakrise und ihre Folgen ab.

"Die aktuelle Energiekrise, aber ebenso die weltweiten Klimakatastrophen und das Artensterben, zeigen, dass es richtig ist, dass sich EU, Bundesregierung und viele Bundesländer ambitionierte Bio-Ziele gesetzt haben", macht Tina Andres, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Ökologische Lebensmittelwirtschaft, deutlich. "Denn mit Bio wird die notwendige Transformation der Lebensmittelwirtschaft konkret umgesetzt. Und Bio trägt dazu bei, dass unsere Lebensmittel so entstehen, dass wir die ökologischen Belastungsgrenzen unseres Planeten respektieren." Dieser Respekt zeigt sich auf Bio-Äckern in einer höheren Biodiversität als auf konventionellen Flächen und in humusreichen Bio-Böden, die deutlich mehr CO2 speichern.

Viele Bio-Betriebe leisten mit ihrer täglichen Arbeit also aktiven Klima- und Artenschutz. Dies zeigt zum Beispiel Johannes Storch vom live2give Hof im Westerwald: Mit einem selbstentwickelten Verfahren zum Mulchanbau ist es ihm gelungen, die Erträge um 25 Prozent zu steigern – und das bei reduziertem Düngereinsatz und weniger Aufwand für die Unkrautkontrolle. Für die konsequente Umsetzung des Systems und die Entwicklung der benötigten Pflanz- und Mulchsaattechnik wurde sein Betrieb von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir als Sieger beim diesjährigen Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau ausgezeichnet.

Landwirtschaft in der Klimakrise

Der Landwirtschaft kommt in der Klimakrise eine doppelte Rolle zu: sie ist vom Klimawandel betroffen und trägt gleichzeitig dazu bei. In unserer Beitragsreihe beleuchten wir verschiedene Fragen rund um das Thema Klimakrise und Landwirtschaft:

Gemeinsam den Krisen trotzen

Doch nicht nur ganz vorne an der Wertschöpfungskette können sich die einzelnen Glieder aktiv gegen die Krisen unserer Zeit engagieren. Jede und jeder Einzelne kann mit einem bewussten Konsum engagierte Landwirtinnen und Landwirte unterstützen und so kleine, aber wichtige Schritte in Richtung einer nachhaltigeren und lebenswerteren Zukunft gehen – zum Beispiel mit unseren Tipps für eine klimafreundliche Ernährung. Und wenn doch mal ein leckeres Hühnchen im Topf oder im Ofen landen soll, dann am besten ein Bruderhahn oder Zweinutzungshuhn. Wer Lust auf Fisch hat und sich gleichzeitig klimafreundlich ernähren möchte, kann vegane Fischalternativen ausprobieren. Dazu passen auch feine Tropfen von PIWI-Weinen. Beim Anbau dieser pilzwiderstandsfähigen Rebsorten werden weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt und Fahrten mit dem Traktor gespart – das schmeckt Mensch und Umwelt!

Und wer einen eigenen Garten, Hochbeet oder sonstigen Grünstreifen beackert, kann mit dem Einsatz von alten Sorten einen aktiven Beitrag gegen den Artenschwund leisten, der auch vor Gemüsesorten nicht Halt macht!

Ohne sich die Hände schmutzig zu machen, kann man auch einfach über das Klima reden und damit etwas Gutes leisten. Dafür gibt es sogar ein Handbuch, denn Fakten gibt es genug, nur in der Kommunikation und Umsetzung gibt es einige Hürden. Das Handbuch hat Wissenschaftsjournalist Christopher Schrader für klimafakten.de erstellt.

Zum Handbuch


Film ab: "Weiterhin klare Kante fahren" - Felix Prinz zu Löwenstein, Gut Habitzheim


Initiative „Was ist es mir wert?“

Unter dem Motto "Regional.bio.fair" möchten die Regionalwert AGs die regionale ökologische Wirtschaftsweise stärken und ein Bewusstsein schaffen, dass Bio ein Teil der Lösung der vielfältigen Krisen ist. Mit der entsprechenden (finanziellen) Wertschätzung sichern Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern unsere Ernährungssouveränität sowie Bodengesundheit und eine intakte Umwelt. In einer Online-Abstimmung können die 125 Euro Agrarsubventionen, die rechnerisch pro Kopf durch die EU jedes Jahr ausgezahlt werden, neu verteilt werden – beispielsweise für mehr regionale Wertschöpfung, Bodengesundheit oder Tierwohl.

Zur Online-Abstimmung

Wer darüber hinaus aktiv werden möchte, kann sich im neuen Jahr bei einer Vielzahl von Initiativen einbringen, sich regional vernetzen und gemeinsam etwas zu einer nachhaltigeren Land- und Lebensmittelwirtschaft beitragen:

An den Feiertagen wünschen wir Ihnen...


Letzte Aktualisierung 23.12.2022

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