Fütterung von Saug- und Absatzferkeln

Fütterung von Saug- und Absatzferkeln

In der Ferkelerzeugung sind die Begrenzung der Saugferkelverluste und das Management des Absetzens die größten Herausforderungen der Ferkelproduktion. Da die Ferkel nach dem Absetzen durch die Trennung von der Muttersau und die Umstellung des Futters in eine sehr starke Stresssituation kommen, ist hier größte Sorgfalt bei der Gestaltung der Futterration, der Fütterungsintervalle, der Hygiene und der Wasserverfügbarkeit zu gewährleisten. Die Verluste in dieser Phase können sehr hoch sein und die Qualität der Tiere leiden. Durchfälle, verursacht durch Infektionen, falsches Fütterungsregime, zu wenig Wasser und Hygienemängel, sind die Hauptursachen.

Absatzferkel bleiben in der Regel bis zu einem Verkaufsgewicht von 25 bis 30 Kilogramm (etwa 80 Tage) im Absetzbereich. Ökologisch erzeugte Ferkel mit einem Lebendgewicht von 25 Kilogramm werden für 85 bis 95 Euro netto plus Übergewicht und Transport pro Tier gehandelt.

Die Ernährung von jungen Saugferkeln erfolgt auf der Grundlage von natürlicher Milch, vorzugsweise Milch der Muttersauen. Die Dauer der Milchtränke beträgt nach EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau mindestens 40 Tage. Bereits während der Säugezeit besteht die Möglichkeit, den Ferkeln Zugang zu Grundfutter (zum Beispiel über Weideauslauf, Fütterung, Stroh als Beschäftigungsmöglichkeit) zu bieten. So können sich junge Ferkel schon früh an frisches Grünfutter (zum Beispiel Gras, Kleegras) oder hochwertige, schmackhafte Silagen (zum Beispiel Gras- oder Kleegrassilage) gewöhnen. 

Die Herstellung von Saug- und Absatzferkelmischungen stellt besonders hohe Anforderungen an die Qualität und Inhaltsstoffe. Die Ferkel haben einen hohen Anspruch an die biologische Wertigkeit der Eiweißfuttermittel, so dass eine Ergänzung der betriebseigenen Ration unbedingt erforderlich ist. Die Anzahl der dafür erforderlichen Einzelkomponenten ist groß, sie sind oft schwierig zu beschaffen und teuer. Prestarter aus ökologischen Komponenten sind bezüglich Struktur, Zusammensetzung und Geschmack auf die Bedürfnisse der Ferkel abgestimmt. 

Für den sensiblen Bereich der Saug- und Absatzferkelfütterung sollte unbedingt mit einem Fütterungsfachberater oder einer Futtermittelfirma für Ökofuttermittel und einem kompetenten Fachtierarzt zusammengearbeitet werden. 

Futterzusammensetzung

Der Rohproteingehalt des Futters für frisch abgesetzte Ferkel sollte in den ersten fünf bis acht Tagen nach dem Absetzen auf maximal 18 Prozent eingestellt werden, da bei sehr eiweißreichen Mischungen mit nicht optimierter Aminosäurezusammensetzung der Stoffwechsel (Leber) belastet wird. Die in ökologischer Qualität zur Verfügung stehenden Komponenten lassen jedoch in der Regel nur Rohproteingehalte von 19 bis 19,5 Prozent zu.

Direkt nach dem Absetzen ist darauf zu achten, dass die Tiere einige Tage streng rationiert mit mehreren kleinen Portionen auf dem Futterbrett oder in einem beweglichen Trog gefüttert werden, um der Ödem-Krankheit vorzubeugen, die bei übermäßiger Futteraufnahme entstehen kann. Wichtig ist das sorgfältige Reinigen nach jedem Füttern!

Als angemessene Futterkomponenten werden hier zum Beispiel gequetschter Hafer oder Gerste mit etwas Erde eingesetzt. So können sich die Ferkel langsam an das feste Futter gewöhnen und Durchfälle werden vermieden. Trotz geringerer täglicher Zunahmen in dieser Phase ist diese Maßnahme besonders wichtig. Gute Erfahrungen wurden auch mit dem Ansäuern des Futters mit Obstessig gemacht. Eine sehr gute Silage (die die Tiere schon im Saugferkelalter kennen gelernt haben sollten) hilft ebenfalls, den pH-Wert im Magen-Darmtrakt physiologisch niedrig zu halten. 

Grundsätzlich werden die Rationen nach der Futterkurve der Ferkel erstellt.


Lesetipp:

Bedarfsgerechte Fütterung von Biosauen und ihren Ferkeln

Das Merkblatt fasst die aktuellen Empfehlungen und Maßnahmen für deutsche Sauenhalter zur Optimierung der Wasser- und Futterversorgung biologisch gehaltener Sauen und Ferkel zusammen.

  • Autoren: Sybille Patzelt (LWK NRW, Haus Düsse), Antje Schubbert (Uni Kassel), Gerhard Stalljohann (LWK NRW, Münster)
  • Herausgeber: Bioland, FiBL, KÖN, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Universität Kassel
  • Erscheinungsjahr: 2011
  • Bestellung / Download: Fibl-Shop

Letzte Aktualisierung 18.10.2018

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