Viele moderne Produktionssysteme sorgen dafür, dass Hühner sich nicht artgerecht verhalten können. Unglückliche Hühner sind daher vor allem solche, die grundlegende Verhaltensweisen nicht mehr ausführen können. Wichtige Beispiele dafür sind zum einen das Fehlen einer Glucke oder einer sozialen Struktur und zum anderen eine monotone Fütterung oder auch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit.
Besonders eindrücklich wird das bei auf Leistung gezüchteten Mastlinien. Schnell wachsende Broiler erreichen ihr Schlachtgewicht bereits so früh, dass sie häufig noch vor der Geschlechtsreife körperliche Probleme entwickeln. Manche Tiere können oft schon in jungem Alter kaum noch laufen, geschweige denn aufstehen und sind dann auch nicht mehr fortpflanzungsfähig.
Was macht ein Huhn glücklich?
Eine vorläufige Definition "glücklicher" Hühner kann also sein: Das Tier zeigt Verhaltensweisen, die möglichst stark mit denen ihrer wilden Artgenossen übereinstimmen. Die Hühner können sich frei in der Landschaft bewegen, nach Futter scharren, Gras und Insekten picken und mit Artgenossen interagieren. Dazu zählt auch, dass beide Geschlechter anwesend sind und sich eine natürliche Beziehung zwischen den Geschlechtern entwickelt.
Interessant in diesem Zusammenhang ist dabei das sogenannte Zweinutzungshuhn. Im Gegensatz zu spezialisierten Lege- oder Mastlinien und dem Fokus auf die wirtschaftliche Nutzung von Fleisch oder Eiern, kommen hier Tiere zum Einsatz, die auf beide Aspekte gezüchtet wurden. Das Zweinutzungshuhn ist eine Abkehr weg von der Einseitigkeit und hin zur Aufzucht beider Geschlechter. Hähne und Hennen haben also die Möglichkeit im Laufe ihres Lebens ihr vollständiges Verhaltensrepertoire zu entwickeln.
Neben der Artgerechtheit muss allerdings auch die Tiergerechtheit mitgedacht werden. Moderne Legehennen sind Leistungstiere mit hohen Anforderungen an ihren Stoffwechsel. Umso wichtiger ist es daher, sie mit ausreichend Nährstoffen und Vitaminen zu versorgen. "Die Gesundheit der Tiere gehört unweigerlich in diesen Kontext mitgedacht und damit die Versorgung mit notwendigen Nähr- und Wirkstoffen entsprechend der gezüchteten Stoffwechsel-Leistungen", betont Florian Leiber, Leiter der Gruppe Tierernährung am Forschungsinstitut Biologischer Landbau (FiBL) Schweiz während seines Vortrags beim diesjährigen ÖTZ-Fachforum.
Darüber hinaus spielt die Abwesenheit beziehungsweise die Freiheit von Stress, Hunger, Schmerzen, Angst und Krankheit eine entscheidende Rolle. Auch ein respektvoller Umgang durch den Menschen gehört zum Tierwohl.
"Körperliche Integrität und respektvolles Handling durch den Menschen – das ist eine Frage der Würde", so Leiber.