Umweltleistungen

Was leistet der Ökolandbau für den Umweltschutz?

Die ökologische Landwirtschaft steht für mehr als nur den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Dünger. Sie schützt Böden, Gewässer, Klima und Biodiversität – und leistet damit einen messbaren Beitrag zum Gemeinwohl.

Ob Artensterben, Klimawandel oder Nitrat im Grundwasser – viele Herausforderungen unserer Zeit hängen eng mit der Landwirtschaft zusammen. Doch es geht auch anders: Die ökologische Landwirtschaft zeigt, dass Lebensmittelerzeugung und Umweltschutz sich nicht ausschließen müssen, sondern sich sogar gegenseitig stärken können.

Im Zentrum steht ein ganzheitlicher Ansatz: Statt auf kurzfristige Erträge setzt der Ökolandbau auf langfristige Bodenfruchtbarkeit, biologische Vielfalt und stabile Kreisläufe. Davon profitiert nicht nur der landwirtschaftliche Betrieb selbst, sondern auch die Umwelt: Ökologisch wirtschaftende Betriebe erhalten die Fruchtbarkeit der Böden, schützen das Grundwasser und leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Dass der Ökolandbau in puncto Umweltleistungen in vielen Bereichen besser abschneidet als konventionelle Bewirtschaftungssysteme, zeigt eine umfassende Studie des Thünen Instituts. Die wissenschaftliche Auswertung dokumentiert unter anderem positive Effekte auf Biodiversität, Klimaschutz, Wasserschutz und Tierwohl.

Wie hoch der gesellschaftliche Nutzen konkret sein kann, hat darüber hinaus eine Studie von Prof. Kurt-Jürgen Hülsbergen von der TU München aufgezeigt. Demnach spart die ökologische Landwirtschaft der Gesellschaft Umweltfolgekosten von bis zu 800 Euro pro bewirtschaftetem Hektar – etwa durch geringere Emissionen, weniger Belastungen des Grundwassers und höhere Biodiversität.

Der Boden im Ökolandbau als wichtiger Kohlenstoffspeicher

Die Landwirtschaft trägt zur Entstehung von Treibhausgasen bei – vor allem durch Methan aus der Tierhaltung und Lachgas aus der Düngung. Gleichzeitig bietet sie großes Potenzial zur Emissionsreduktion und Kohlenstoffbindung.

Der Ökolandbau nutzt dieses Potenzial gezielt. Durch vielfältige Fruchtfolgen, Zwischenfruchtanbau und organische Düngung fördern Öko-Landwirtinnen und -Landwirte den Humusaufbau – und damit die Kohlenstoffspeicherung im Boden. Gleichzeitig werden durch den konsequenten Verzicht auf chemisch-synthetische Stickstoffdünger – deren Herstellung besonders energieintensiv ist – klimaschädliche Emissionen reduziert.

Kohlenstoffbindung mit Paludikultur

Auf wiedervernässten Moorflächen können klimaschädliche Emissionen reduziert werden, ohne auf landwirtschaftliche Nutzung zu verzichten. Mehr dazu unter "Mit Paludikultur Moorflächen schonend nutzen"

Auch die Tierhaltung ist im Ökolandbau klimafreundlicher aufgestellt: geringere Tierbestände, mehr Fläche pro Tier und ein höherer Anteil an betriebseigenem Futter senken merklich den Treibhausgasausstoß.

Expertinnen und Experten betonen, dass der Ökolandbau ein wichtiger Baustein in einer klimafreundlichen Landwirtschaft ist – so auch der Klimaforscher Prof. Dr. Oleg Panferov im Interview mit oekolandbau.de.

Gülleausbringung mit Schleppschläuchen.

03.09.2025Umwelt und Gesellschaft

Klimaschutz

2024 betrug der Anteil der Landwirtschaft am Klimawandel beziehungsweise an den gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland 8,2 Prozent. Allgemein gilt der Ökolandbau als klimafreundliche Form der Landwirtschaft. Eine Studie zeigt, dass diese Vorteile nicht automatisch zum Tragen kommen, sondern stark vom betrieblichen Klimaschutz-Management abhängen.

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Der Ökolandbau ist aber nicht nur klimafreundlicher aufgestellt, sondern prinzipiell auch besser gerüstet, um mit den Folgen der Klimakrise umzugehen. Stabilere Fruchtfolgen, vielfältige Kulturen und robuste Tiere stärken die Resilienz der Betriebe gegenüber Extremwetter, Trockenheit und Schädlingsdruck.

Trotzdem werden auch Öko-Betriebe ihre Anbaumethoden anpassen und je nach Region und Intensität der klimatischen Veränderungen gegebenenfalls neu ausrichten müssen.

07.04.2025Bio in der Praxis

Ökolandbau und Klimawandel

Auf den ersten Blick scheint der Ökolandbau gut gerüstet für die Herausforderungen des Klimawandels. Breite Fruchtfolgen und eine humusfördernde Bewirtschaftung stärken das System. Doch Trockenheit, Hitze und andere Wetterextreme treffen auch die ökologische Landwirtschaft an empfindlichen Stellen. Welche das sind und wie Biobetriebe reagieren können, erfahren Sie hier.

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Wasserschutz: Weniger Nitrat, mehr Verantwortung

Die Qualität unseres Grund- und Trinkwassers steht zunehmend unter Druck – nicht zuletzt auch durch die Landwirtschaft. Vor allem die Auswaschung von Nitrat aus überdüngten Böden stellt ein erhebliches Problem dar.

Der ökologische Landbau wirkt dem entgegen: Durch seine streng regulierte Düngung, den Verzicht auf leicht lösliche mineralische Stickstoffdünger und die Förderung geschlossener Nährstoffkreisläufe wird die Belastung der Gewässer deutlich reduziert. Einen Überblick gibt der Beitrag "Wasserschutz: Was leistet der Öko-Landbau?".

Wie diese Prinzipien in der Praxis funktionieren, zeigen Modellregionen wie das Mangfalltal in Bayern, wo der ökologische Landbau gezielt zur Sicherung der Trinkwasserqualität eingesetzt wird. Auch das Wassergut Canitz bei Leipzig ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Bio-Bewirtschaftung zum aktiven Trinkwasserschutz beitragen kann.

Ein zentrales Thema, auch im Ökolandbau, ist die Stickstoffauswaschung. Im Interview mit Pascal Gerbaulet wird deutlich, wie Öko-Betriebe mit spezifischen Düngekonzepten gegensteuern können.

Doch Wasserschutz endet nicht auf dem Acker: Auch Kommunikation und Bildung sind zentrale Bausteine. In der Bio-Branche wird zunehmend daran gearbeitet, das Thema sichtbar zu machen und gezielt an Verbraucherinnen und Verbraucher zu vermitteln. Ein schönes Beispiel für Umweltbildung bietet der Biohof Bakenhus, der Schulklassen anschaulich vermittelt, welchen Beitrag die Landwirtschaft zum Wasserschutz leisten kann.

Bodenschutz: Fruchtbare Grundlage für morgen

Fruchtbare Böden sind die Grundlage unserer Ernährung – doch weltweit gehen sie durch Erosion, Verdichtung, Humusverlust und Schadstoffeinträge verloren. Auch in Deutschland ist die Bodenqualität vielerorts gefährdet. 

Der ökologische Landbau setzt gezielt auf Methoden, die den Boden erhalten, seine Struktur verbessern und die biologische Aktivität im Untergrund fördern. Welche Prinzipien dabei zum Einsatz kommen, zeigt der Überblick "Wie schützt der Ökolandbau den Boden?".

Eine zentrale Rolle spielt dabei der Erhalt und Aufbau von Humus. Durch weite Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte, den gezielten Einsatz von Kompost und eine reduzierte Bodenbearbeitung werden Bodenerosion und Nährstoffverluste verringert. Auch organisches Mulchmaterial kann helfen, den Boden zu schützen. Ein Dossier zum Thema Mulchen zeigt Methoden und Wirkungen für die Praxis.

Ein weiterer Hebel ist der Einsatz von Kompost. Richtig eingesetzt, verbessert er nicht nur die Nährstoffversorgung, sondern auch die Bodenstruktur und das Wasserspeichervermögen.

Worauf Öko-Betriebe beim Einsatz von Kompost aus Kompostwerken achten müssen, ist im Dossier "Kompost aus dem Kompostwerk" zusammengefasst.

Auch Verbraucherinnen und Verbraucher können etwas zum Erhalt fruchtbarer Böden beitragen – etwa im eigenen Garten oder auf dem Balkon. Wie das gelingen kann, zeigt der alltagsnahe Ratgeber "Profitipps für fruchtbare Böden".

Begleitend zur Praxisarbeit auf dem Feld gewinnt die Umweltbildung an Bedeutung: Mit speziell aufbereiteten Lehrmaterialien zum Boden vermittelt oekolandbau.de jungen Menschen, warum Bodenschutz so entscheidend für unsere Zukunft ist.

Biodiversität: Vielfalt schützt unsere Lebensgrundlagen

Biologische Vielfalt ist mehr als ein ästhetischer Wert. Sie sichert unsere Ernährung, reguliert das Klima, schützt Böden und Gewässer – und macht Ökosysteme widerstandsfähig gegenüber Störungen. Doch genau diese Vielfalt ist heute stark gefährdet, vor allem in Agrarlandschaften.Die ökologische Landwirtschaft wirkt diesem Trend entgegen: Studien belegen, dass sie auf vielfältige Weise zur Förderung der Artenvielfalt beiträgt – sowohl bei Pflanzen und Insekten als auch bei Vögeln, Kleinsäugern und Bodenlebewesen.

Zentrale Gründe dafür sind der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, die Förderung von vielfältigen Fruchtfolgen, das geringere Nährstoffniveau sowie der Erhalt von Strukturelementen wie Hecken, Brachen oder extensivem Grünland. Zusätzlich engagieren sich viele Öko-Betriebe in Maßnahmen für den Erhalt alter Kulturpflanzensorten und Nutztierrassen, die ebenfalls Teil der Agrobiodiversität sind.

Doch auch der Ökolandbau steht vor Herausforderungen. Wie er seine Potenziale noch besser ausschöpfen kann, etwa durch mehrjährige Blühflächen oder Agroforstsysteme, lesen Sie im Artikel "Biodiversität erhalten: Warum die ökologische Landwirtschaft der richtige Weg ist".

Honorierung: Umweltleistungen besser belohnen

Der ökologische Landbau erbringt die vielfältigen, zuvor beschriebenen Leistungen für die Umwelt und damit für das Gemeinwohl. Diese Umweltwirkungen bleiben jedoch oft unbezahlt, denn am Markt zählt meist nur der Preis eines Produkts, nicht aber sein ökologischer Fußabdruck. Die wahren Kosten von Lebensmitteln sind oft deutlich höher als der Ladenpreis – besonders im konventionellen Bereich, wo negative Umweltfolgen später von der Allgemeinheit getragen werden müssen.

Um diese Schieflage zu korrigieren, braucht es Konzepte, die nachhaltige Leistungen sichtbar machen und fair entlohnen. Verschiedene Modelle zur Honorierung von Umweltleistungen werden bereits erprobt – etwa leistungsdifferenzierte Ansätze, bei denen konkrete Maßnahmen oder messbare Ergebnisse finanziell honoriert werden. Der UGÖ-Bericht zeigt, wie solche differenzierten Systeme funktionieren können und welche Herausforderungen damit verbunden sind.

Auch marktorientierte Ansätze gewinnen an Bedeutung: Beim Carbon Farming etwa erhalten Betriebe finanzielle Anreize für den Aufbau von Humus und die Bindung von Kohlenstoff. Und im Projekt Fairpachten werden ökologische Kriterien direkt in Pachtverträge aufgenommen – so können auch Verpachtende einen Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz leisten.

Zunehmend engagieren sich auch Verbände und Handelsunternehmen: So unterstützt etwa Naturland mit dem Förderprogramm ArtenvielfaltMaßnahmen zur Biodiversitätsförderung auf Höfen – finanziert unter anderem durch den Verkauf zertifizierter Produkte mit einem Zusatznutzen für die Umwelt.

Langfristig stellt sich die Frage, wie wir als Gesellschaft mit natürlichen Ressourcen umgehen wollen. Das Dossier "Honorierung von Gemeinwohlleistungen" beleuchtet die aktuellen Diskussionen. Und nicht zuletzt macht Dr. Jürn Sanders vom FiBL-Institut im Interview mit oekolandbau.de deutlich, dass es echte politische Weichenstellungen braucht – und zwar bald.

Text: Jörg Planer

Letzte Aktualisierung 27.05.2025

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