Im Rahmen des Projekts NaTiMon wurden über einen Zeitraum von fünf Jahren Methoden entwickelt, mit denen das Tierwohl flächendeckend erfasst, bewertet und auf nationaler Ebene anschaulich dargestellt werden kann. Ziel war es, eine objektive Einschätzung des Tierwohls zu ermöglichen und Veränderungen im Zeitverlauf sichtbar zu machen.
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat entschieden, den Ansatz eines Nationalen Tierwohl-Monitorings vorerst nicht weiterzuverfolgen. Auf europäischer Ebene gibt es jedoch seit Ende 2023 neue Entwicklungen: Die EU-Kommission hat die "Working Group on Animal Welfare Policy Indicators" eingesetzt. Diese Arbeitsgruppe hat es sich zum Ziel gesetzt, eine Auswahl von gut messbaren Tierwohlindikatoren für die wichtigsten Nutztierarten zu erarbeiten. Diese Indikatoren sollen künftig regelmäßig europaweit statistisch erfasst werden.
Wie steht es um das Tierwohl im Ökolandbau?
Hohe Tierwohlstandards sind ein zentrales Thema für den Ökolandbau und für zahlreiche Konsumentinnen und Konsumenten ein wichtiges Kaufargument für Bio-Lebensmittel. Wie eine Studie des Thünen-Instituts belegen konnte, zeigen Öko-Tiere im Durchschnitt ein besseres emotionales Wohlbefinden und Tierverhalten als konventionelle Tiere. Das liegt in erster Linie daran, dass die Tiere auf ökologisch wirtschaftenden Betrieben anders gehalten werden.
Ökologische Tierhaltungsbetriebe müssen ihre Tiere mindestens nach den Vorgaben der EU-Öko-Verordnung halten. Diese schreibt vor, dass Nutztiere ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können. Das bedeutet zum Beispiel, dass sie mehr Platz im Stall haben und ins Freie können: Kühen muss Weidegang ermöglicht werden und Schweinen ein Auslauf, in dem sie mit frischer Luft und Tageslicht in Kontakt kommen – wichtige Faktoren für mehr Tierwohl.
Öko-Tiere werden darüber hinaus mit Futter versorgt, das ihren natürlichen Anforderungen entspricht: So müssen Rinder zum Beispiel mindestens 60 Prozent faserreiche Futtermittel wie Heu, Silage oder Grünfutter in der Ration haben. Schmerzhafte routinemäßige Eingriffe am Tier wie beispielsweise das Kupieren der Schwänze bei Schweinen oder das Stutzen der Schnäbel bei Puten sind in der ökologische Tierhaltung verboten.