Streuobstwiesen sind einzigartige Kulturlandschaften und gehören zu den artenreichsten Lebensräumen für Tiere und Pflanzen. Die extensive Form des Obstanbaus, oft kombiniert mit der Nutzung als Weideflächen, hat sich bereits vor Jahrhunderten in Europa etabliert. Mitte des letzten Jahrhunderts fielen jedoch viele Streuobstwiesen Baumaßnahmen zum Opfer und konnten in Konkurrenz mit dem intensiven Plantagenobstanbau wirtschaftlich kaum bestehen. Seit ein paar Jahren finden Streuobstwiesen nun wieder mehr Beachtung: als schützenswerte Orte biologischer Vielfalt, im Ökolandbau und auch als attraktive Naherholungsgebiete.
Im März 2021 wurde die Kultur des Streuobstanbaus in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Damit wird nicht nur der ökologische Wert der Streuobstwiesen als artenreicher Lebensraum gewürdigt, sondern auch das über Generationen weitergegebene landwirtschaftliche Wissen über Obstsorten, Anbauformen und handwerkliche Verarbeitungstechniken als schützenswerte Tradition anerkannt. Zudem wurde vor fünf Jahren erstmals europaweit der "Internationale Tag der Streuobstwiesen" begangen, um auf die Bedeutung und den Erhalt dieser einzigartigen Kulturlandschaft aufmerksam zu machen. Seitdem feiern wir an jedem letzten Freitag im April den Tag der Streuobstwiese.
Auch in diesem Jahr finden rund um den 24. April zahlreiche Aktionen statt, die dazu einladen, Streuobstwiesen zu erleben – so zum Beispiel auf dem Behringhof in Brandenburg, einem Betrieb aus dem Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau. Bio-Landwirt Ralf Behring setzt sich seit vielen Jahren für den Erhalt von Streuobstwiesen ein und betreibt selbst auf einer neun Hektar großen Fläche extensiven Obstanbau.
Anlässlich des Internationalen Tags der Streuobstwiese lädt der Behringhof am Samstag, 25. April, zu zwei Themenführungen über seine Wiesen in Leuenberg ein.
- Schwerpunkt einer Führung ist die Bewirtschaftung der Obstwiesen. Hier werden die anfallenden Arbeiten – angefangen von Baumpflege über Ernte und Lagerung des Obstes, bis zur weiteren Verarbeitung der Früchte – vorgestellt.
- Bei der zweiten Führung erfahren die Teilnehmenden mehr über die Streuobstwiese als Kulturlandschaft und ihre Bedeutung für die Gesellschaft.
"Wir zeigen, wie wertvoll diese traditionelle Form des Obstbaus ist, und möchten zugleich dazu anregen, sich aktiv für den Erhalt lebenswerter Landschaften einzusetzen", so Ralf Behring.
Die Teilnahme an den Führungen ist kostenlos. Treffpunkt: 25. April, 14:00 Uhr, Berliner Straße 1a, 16259 Leuenberg. Der Behringhof bittet um Anmeldung per Mail an: sbehringt-onlinede.
Weitere Informationen sowie zahlreiche Veranstaltungshinweise zum Internationalen Tag der Streuobstwiese bietet die Seite der Organisatoren finden Sie hier
Die Definition von Streuobstbeständen
Die Definition variiert von Bundesland zu Bundesland. Basierend auf einer Definition aus dem Bundesnaturschutzgesetz von 2021 (1) wird oftmals folgende empfohlen: Als Streuobstbestände werden Obstbaumbestände bezeichnet, die überwiegend aus stark-wüchsigen, hochstämmigen und großkronigen Obstbäumen mit weiten Abständen bestehen. Häufig sind Streuobstbestände aus Obstbäumen (vereinzelt auch Nuss- oder Edelkastanienbäumen) verschiedener Arten, Sorten und Altersklassen zusammengesetzt. Auch hochstämmige Obstbaumreihen und -alleen sowie einzeln stehende Hochstamm-Obstbäume gehören zum Streuobstbau. Ein charakteristisches Merkmal für den Streuobstbau ist die doppelte Form der Nutzung mit Obstanbau und einer Unterkultur. Diese kann in Form von Graslandnutzung, Ackerbau oder Gartenbau durchgeführt werden. Im Unterschied zu halb- oder niederstämmigen Obstplantagen zeichnen sich Streuobstbestände durch eine mit zunehmendem Alter deutlich höhere strukturelle Vielfalt, biologische Vielfalt und Erkennbarkeit der Einzelbäume aus. Ebenso sollte bei Streuobstbeständen ein Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln nur unter den Vorgaben der EU-Öko-Basisverordnung 2018/848 (EU 2018) stattfinden.
(1) Streuobstbestände in Deutschland, Bundesamt für Naturschutz
Quelle: Pressemitteilung Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL)







