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Online-Veranstaltung der Initiative BioBitte zeigt Chancen und Erfolgsfaktoren für Städte und Gemeinden

Immer mehr öffentliche Veranstaltungen setzen auf Bio und schaffen damit einen neuen Hebel für nachhaltiges Handeln und Inspiration zur Nachahmung im kommunalen Wirkungsbereich. Das wurde bei der digitalen Veranstaltung "Bio auf Events: Veranstaltungen, Märkte und Feste" der Initiative BioBitte am 18. November 2025 deutlich.

Auf einem Gemüsestand reicht eine lachende Person einer anderen lachenden Person eine Papiertüte. Klick führt zu Großansicht.

Foto: BioStadt Bremen

Vertreterinnen und Vertreter aus ganz Deutschland diskutierten, wie Städte und Gemeinden mit dem Einsatz von Bio-Produkten auf Stadtfesten, Märkten und Großevents gesellschaftliche Verantwortung mit Vorbildcharakter im Hinblick auf bundesweite Nachhaltigkeitsziele übernehmen können. Rund 75 Akteurinnen und Akteure der Branche lauschten dafür den Beiträgen von Rainer Roehl (a’verdis), Johanna Zierl (Mehr Bio auf der Wiesn) und Jan Kohlmüller (Biostadt Bremen).

Events sind ein wachsender Absatzmarkt für Bio

Zum Auftakt erläuterte Rainer Roehl(a’verdis), welche Rolle Events in der Außer-Haus-Verpflegung inzwischen spielen. Sein Befund: Veranstaltungen, Märkte und Feste bilden generell ein wachsendes Segment und damit auch einen wachsenden Absatzmarkt für Bio-Lebensmittel. Sie seien zugleich eine gute Möglichkeit, Bio einer breiteren Öffentlichkeit zu kommunizieren. Ob Stadtfest, Weihnachtsmarkt, Kirchentag, Musikfestival oder Stadioncatering: Überall dort, wo Menschen gemeinsam feiern, können Bio, Regionalität, saisonale Produkte und eine ressourcenschonende Organisation auf genussvolle Weise mit Freizeit und gemeinschaftlichem Erleben verknüpft werden und so Nachhaltigkeit konkret erfahrbar machen. Auch Informationen zu Herkunft, Qualität und Wirkung ließen sich dort niedrigschwellig und erlebnisorientiert vermitteln.

Kommunen als Gestalterinnen

Roehl machte deutlich, dass Kommunen bei Bio auf Events gleich mehrfach in der Verantwortung stehen: als Gastgeberinnen, als Flächengeberinnen und über die öffentliche Beschaffung. Viele Städte hätten eigene Nachhaltigkeitsstrategien entwickelt, die sich an den globalen Nachhaltigkeitszielen orientieren. Über Vergaben und Ausschreibungen könne auch der Einsatz von Bio konkret eingefordert oder positiv bewertet werden. Möglich seien zum Beispiel Vorgaben zu bestimmten Bio-Komponenten, Mindestanteilen oder Bonuspunkten für biozertifizierte Angebote.

Das Infoblatt der Initiative BioBitte ("Bio-Lebensmittel erfolgreich bei Veranstaltungen einsetzen") zeigt, wie solche Kriterien, zum Beispiel die Auswahl geeigneter Anbieter oder die Frage, wie die Beschaffung organisiert wird, erfolgreich in der Praxis umgesetzt werden können. Überlegt werden muss auch, ob sich zum Beispiel bei Stadtfesten jeder Stand selbst bio-zertifiziert oder ob vom Veranstalter eine Eventzertifizierung umgesetzt wird.

Bio auf den Wiesn

Wie Bio auf einem der weltweit bekanntesten Volksfeste mitgedacht wird, erklärte Johanna Zierl, Bio-Wertschöpfungskettenmanagerin bei Bioland Bayern im Projekt Mehr Bio auf der Wiesn. Das vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im Rahmen des Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) geförderte Projekt will mehr regionales Bio auf das Münchner Oktoberfest bringen und gleichzeitig die bayerischen Bio-Wertschöpfungsketten stärken. Ziel ist dabei auch, die Öffentlichkeit für ökologische Landwirtschaft und Verarbeitung zu sensibilisieren.

"Wo erreicht man Menschen besser als beim Feiern?"so Zierl mit Blick auf die Strahlkraft der Wiesn.

Mit diesem Bewusstsein hat die Stadt München ein Anreizsystem für Bio bei der Vergabe der Zelte geschaffen. "Dadurch entsteht ein Wettbewerb um gute Konzepte – ohne starre Quote", erläuterte Zierl. Immer mehr Zelte nähmen Bio und das Bayerische Bio-Siegel auf ihre Speisekarten, was auch diejenigen motiviert, die zunächst kein Bio geplant hatten.

Verfügbarkeit und Vernetzung

Eine häufige Sorge in Kommunen und bei Veranstalterinnen und Veranstaltern ist: Reicht die Bio-Ware überhaupt? Zierl konnte diese Frage klar beantworten: "Wir haben genug Ware vor Ort." Nicht alle Betriebe könnten sofort auf die Wiesn liefern, da bestimmte Größenordnungen und Strukturen nötig seien – insgesamt sei die Verfügbarkeit aber deutlich besser, als oft angenommen.

Im Projekt wurden über 70 Erzeugungs- und Verarbeitungsbetriebe sowie 13 Großhändler gelistet und vernetzt. 2025 gab es trotz hoher Anforderungen und kurzer, intensiver Laufzeit keine Lieferschwierigkeiten. Die Bio-Angebote in den Zelten reichen von einzelnen Bio-Komponenten – etwa Kartoffeln – bis hin zu Speisekarten mit deutlich höherem Bio-Anteil. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass nur das aufgenommen wird, was tatsächlich über die gesamte Festdauer lieferbar ist. "Auf so großen Volksfesten muss ab Tag Eins alles funktionieren und das bis zum letzten Tag", so Zierl.

Bremen feiert Bio

Dass Bio auf Events auch jenseits der großen Volksfeste ein wichtiges Lernfeld ist, zeigte Jan Kohlmüller von der Biostadt Bremen. Dort werden unter anderem BioMarktFeste, Feierabendmärkte und Bio-Stadtteilfeste umgesetzt, teilweise in Quartieren, die bislang als wenig bioaffin gelten. Ein zentrales Learning aus Bremen: Nicht jedes Format funktioniert beim ersten Versuch. Kohlmüller spricht von "konstruktivem Scheitern", der Bereitschaft, aus Rückschlägen zu lernen und Veranstaltungen über mehrere Jahre weiterzuentwickeln.

Vom Nischenthema zum sichtbaren Baustein

Bio auf Events ist längst kein Randthema mehr, sondern entwickelt sich zu einem sichtbaren Baustein einer nachhaltigen Verpflegung in Kommunen.

"Veranstaltungen und Events sind ein wachsender Absatzmarkt für Bio-Lebensmittel und eine gute Möglichkeit, Bio einer breiteren Öffentlichkeit zu kommunizieren"fasste Roehl zusammen.

Wenn Kommunen hier aktiv werden, etwa über Vergaben, Leitfäden und klare Kriterien, setzen sie sichtbare Zeichen und stärken gleichzeitig regionale Bio-Wertschöpfungsketten.

Über BioBitte

Gemeinsam für mehr Bio auf den Tellern: Die Initiative BioBitte unterstützt Politik, Verwaltung, Vergabestellen und Küchenleitungen dabei, den Anteil ökologischer Lebensmittel in öffentlichen Küchen zu steigern. Dafür bringt die Initiative engagierte Akteurinnen und Akteure zusammen, fördert den Erfahrungsaustausch und bietet fundierte Informationen sowie wertvolle Hilfestellungen – ob auf Veranstaltungen, in Fachmaterialien oder online unter www.bio-bitte.info. BioBitte ist eine Initiative des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) und Teil des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL).

Quelle: Pressemitteilung BioBitte

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