Schulprojekt: Wo kommt dein Essen her?

Schulprojekt: Wo kommt dein Essen her?

In Berlin Brandenburg soll das Projekt "Wo kommt dein Essen her?" Kindern aus Grundschulen und ihren Lehrkräften die Herkunft und Qualität von Lebensmitteln nahebringen. Gleichzeitig fördern die beteiligten Catering-Unternehmen und Schulen damit die Wertschöpfungsketten für bioregionale Produkte.

Das seit 2019 von der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz geförderte Projekt verfolgt das Ziel, den Anteil regionaler Bio-Lebensmittel in der Gemeinschaftsverpflegung zu erhöhen und gleichzeitig die Qualität und Herkunft von Lebensmitteln in der Schule zum Thema zu machen. Für die praktische Umsetzung ist der in Berlin ansässige Verband der Deutschen Schul- und Kitacaterer e.V. (VDSKC) zuständig. Aktuell machen acht Berliner Catering-Unternehmen mit, die etwa 40.000 bis 50.000 Kinder an Grundschulen mit Mittagessen versorgen. Aufgrund der großen Resonanz weitet der VDSKC seit Frühjahr 2022 das Projekt auf Brandenburger Catering-Unternehmen und ihre Schulen aus.

Rote Rübe weist den Weg

Als Symbol für regionale Bio-Produkte steht auf den Speiseplänen in den Grundschulen die kleine rote Rübe. Wenn ein Gericht damit gekennzeichnet ist, wissen die Kinder und Lehrkräfte, dass die Zutaten für das Mittagessen aus der Region stammen. Auf einer interaktiven Regio-Karte im Netz erfahren Interessierte genau, welchen Weg die Lebensmittel vom Feld auf den Teller zurückgelegt haben. "Mit dieser Karten wollen wir die Vielfalt an Bio-Produkten zeigen, die es schon in der Region gibt", so Projektleiterin Karin Ehrle-Horst vom VDSKC.

Digitale Plattform und Unterrichtsmaterialien

Zudem wird auf der Webseite des Projekts jeden Monat ein landwirtschaftlicher oder Verarbeitungsbetrieb beziehungsweise ein Caterer porträtiert. Interessierte Lehrkräfte können Lerninhalte mit einem interaktiven Spiel vertiefen und kostenlose Unterrichtsmaterialien bestellen. "Jeden Monat schicken wir rund 30 bis 100 Mitmach-Kisten an teilnehmende Schulen", so Karin Ehrle-Horst. Diese Kisten sind voller Aktionsideen und Hintergrundinformationen und richten sich speziell an pädagogische Fachkräfte der dritten und vierten Klassen. Weil sie barrierefrei konzipiert sind, werden sie auch gerne von Förderschulen für verschiedene Altersstufen nachgefragt.

Wertschöpfungsketten stärken

Die Ernährungsbildung an den Schulen ist jedoch nur eine Säule in dem Projekt: Gleichzeitig will es regionale Wertschöpfungsketten für Bio-Produkte stärken und den Dialog zwischen Caterern und ihren Lieferanten verbessern. Dazu organisiert der VDSKC zwei bis drei Runde Tische pro Jahr, bei dem sich Catering-Unternehmen mit Personen aus Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel austauschen. So erhalten die Küchenprofis mehr Verständnis für die Anbaubedingungen und auch die Grenzen der Verfügbarkeit von regionaler Ware. Auf der anderen Seite erfahren die Betriebe auf der Produktionsseite mehr über die Wünsche der Tischgäste. So wurde zum Beispiel deutlich, dass die Schülerinnen und Schüler gerne Zucchini auf dem Speiseplan sehen. Daraufhin hat sich ein Biokreis-Betrieb im Oderbruch aufgemacht, Zucchini so anzubauen, dass er mit importierter Ware preislich einigermaßen mithalten kann. Der Bauernhof Erz in Alt Tucheband setzt auf Direktsaat und verzichtet auf teure Jungpflanzen sowie Bewässerung. Zudem macht er erste Versuche mit dem Anbau von Linsen.

Nachfrage muss stimmen

"Insgesamt gibt es ein großes Potenzial, die regionalen Wertschöpfungsketten noch weiter auszubauen", ist sich Gerald Köhler sicher. Der stellvertretende Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e.V. (FÖL) leitet dort unter anderem das Projekt "Regionales Bio-Gemüse aus Brandenburg" gemeinsam mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Allerdings nennt er auch die Herausforderungen, die hier noch bestehen. Wenn sich die produzierenden und verarbeitenden Bio-Betriebe auf den Weg machen, mehr bioregionale Produkte auf dem Markt anbieten, muss auch die Nachfrage verlässlich vorhanden sein. "Bei geschälten Kartoffeln gibt es da zum Beispiel noch Luft nach oben", bemerkt er kritisch. Hier liegt der Ball bei den Catering-Unternehmen beziehungsweise auch bei den Vergabestellen, weitere Impulse für die Nachfrage nach bioregionalen Produkten zu setzen.

Bausteine der Berliner Ernährungsstrategie

Die Projekte "Wo kommt dein Essen her" und "Meinem Schulessen auf der Spur!" sind Teile der Berliner Ernährungsstrategie. Mit dieser Strategie hat sich der Senat zusammen mit dem Ernährungsrat das Ziel gesetzt, die Berliner Ernährungspolitik hin zu mehr Regionalität, Nachhaltigkeit und Fairness zu entwickeln. Projekte in der Gemeinschaftsverpflegung – wie beispielsweise die Kantine Zukunft Berlin – spielen dabei eine wichtige Rolle.

Letzte Aktualisierung 14.06.2022

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