Landwirtschaft


Marktschwärmer - Ein neuer Weg in der Direktvermarktung

Viele Menschen auf einer "Schwärmerei". Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Deutschlandweit gibt es bereits 41 Schwärmereien – viele weitere sind im Aufbau Foto: Simon Veith

Seit 2014 gibt es in Deutschland eine neue Form der Direktvermarktung von Lebensmitteln. Sie heißt Marktschwärmer. Das Konzept ist simpel: Verbraucherinnen und Verbraucher bestellen via Internet Lebensmittel von Erzeugerbetrieben aus der Region und holen diese einmal pro Woche auf einem Markt in ihrer Nähe ab. Der Markt nennt sich in diesem Fall "Schwärmerei" und funktioniert etwas anders als der übliche Wochenmarkt. Denn die Erzeugerbetriebe bringen dorthin nämlich nur das mit, was vorher bei Ihnen bestellt wurde. Und die Käuferinnen und Käufer? Sie brauchen weder Einkaufszettel noch Bargeld oder Kreditkarte. Denn das was sie mitnehmen, haben sie zuvor online bestellt und bezahlt.

Marktschwärmer ist die deutsche Bezeichnung einer Initiative, die 2011 in Frankreich von einem Social Startup-Unternehmen unter dem Namen "La Ruche qui dit Oui" ('Der Bienenkorb, der Ja sagt') geboren wurde. In Frankreich haben sich seitdem mehr als 700 Marktschwärmereien gegründet, einige sogar mit mehr als 2.000 Mitgliedern, das heißt, regelmäßig einkaufenden Menschen. In Deutschland gibt es aktuell 41 Schwärmereien, 68 weitere sind im Aufbau.

Warum geht das Konzept so gut auf?

Marktschwärmer kommt deshalb so gut an, weil das Konzept den Bedürfnissen einer immer größer werdenden Verbrauchergruppe gerecht wird: Bestellen, wann und wo man will, möglichst schnell und unkompliziert über Handy, Tablet oder Laptop. Außerdem entspricht das Angebot dem immer größer werdenden Wunsch nach Lebensmitteln aus nachhaltiger, regionaler Erzeugung. Überzeugend für viele ist auch, dass man als Bestellerin oder Besteller bei Marktschwärmer keinerlei Verpflichtungen eingeht. Es gibt keine Mitgliedsgebühren, kein Abo und keine Mindestbestellmengen. Und da man bei der Onlinebestellung bereits bezahlt, geht es bei der Abholung nicht mehr ums Geld. Dadurch bleibt allen Parteien letztlich mehr Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen und Austauschen.

Wie nachhaltig ist die Marktschwärmerei?

Egal ob Landwirtschaft, Gartenbau oder Lebensmittelhandwerk. Bei Marktschwärmer erhalten insbesondere kleine und mittlere Betriebe einen fairen Zugang zum Markt. Das erhöht die lokale Wertschöpfung und lässt alternative Netzwerke jenseits der großen Märkte entstehen. Marktschwärmer legt zudem Wert auf faire Preise und ein hohes Maß an Transparenz.

Sehr wichtig: Das Konzept setzt auf regionale Lebensmittelerzeugung und kurze Transportwege. Dadurch werden Umwelt und Klima geschont. Zugekaufte Produkte anderer Erzeugerinnen und Erzeuger dürfen nicht über Marktschwärmer verkauft werden. Die durchschnittliche Entfernung zwischen Erzeugung und Schwärmereien liegt nach Angaben der Organisatoren bei rund 28 Kilometern. Die Schwärmereien liegen häufig an zentral gelegenen Orten, die von den meisten Verbraucherinnen und Verbrauchern gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen sind. Dadurch entfallen Fahrten zum Hofladen, die Kundinnen und Kunden häufig mit dem Auto erledigen.

Ein weiteres Plus: Durch die Vorbestellung aller Nahrungsmittel wissen die Erzeugerinnen und Erzeuger im Voraus genau, wie viel Ware sie mit zur Schwärmerei bringen müssen. Unverkaufte Lebensmittelreste, wie sie auf gewöhnlichen Märkten häufig vorkommen, können dadurch fast vollständig vermieden werden.

Öko ist kein Muss, aber gewünscht

Die ökologische Erzeugung der Lebensmittel ist keine Voraussetzung, um Produkte über Marktschwärmer anbieten zu können. Die Organisation überlässt es damit den Einkaufsgemeinschaften vor Ort, welchen Stellenwert Ökoprodukte in ihrem Erzeugerkreis einnehmen. Die Onlineplattform bietet jedoch die Möglichkeit, gezielt nach Ökobetrieben zu filtern. Gut sichtbare Label machen schnell kenntlich, ob es sich um Bioware handelt, die nach EU-Rechtsvorschriften oder nach Ökoverbandsrichtlinien erzeugt wurde. Nach Aussagen der Initiatoren von Marktschwärmer liegt der Anteil der ökologischen Erzeugerbetriebe aktuell bei 31 Prozent. Einige Anbieter befinden sich noch in der Umstellung, sodass davon auszugehen ist, dass sich der Anteil der biozertifizierten Betriebe in absehbarer Zeit erhöht.

Ökoverbände begrüßen das Konzept

Der ökologische Anbauverband Demeter befürwortet das Konzept: Marktschwärmer sei eine sinnvolle Ergänzung oder Alternative zu Hofladen, Marktstand oder Abokiste und könne für bestimmte Regionen und Betriebe ein Erfolgsmodell sein. Besonders positiv sieht Demeter den intensiven Austausch zwischen Erzeugerinnen und Erzeugern und Kundschaft. Auch Naturland steht dem Konzept positiv gegenüber. So stelle Marktschwärmer, ähnlich wie das Konzept Solidarische Landwirtshaft, einen spannenden und kreativen Ansatz dar, wie die Land- und Lebensmittelwirtschaft hin zu mehr Ökologie und Nachhaltigkeit umgestaltet werden könne.

Lohnt sich das für die Landwirtinnen und den Landwirte?

Mehrere Personen an einem Stand auf einer "Schwärmerei". Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Während der Schwärmerei-Veranstaltungen haben Erzeuger die Möglichkeit, mit den Kundinnen und Kunden über ihre Arbeit und die Erzeugnisse zu sprechen. Foto: Dariusz Misztal

Für Betriebe die vermarktungsfähige Produkte für die Endkundschaft erzeugen und in vertretbarer Entfernung zu einer Schwärmerei liegen, kann Marktschwärmer eine interessante Alternative sein. Ob sich in der Nähe eine Schwärmerei befindet, lässt sich schnell über die Internetseite von Marktschwärmer herausfinden:

Schwärmerei finden

Vom Nettoumsatz der verkauften Ware behält Marktschwärmer 16,7 Prozent ein. 8,35 Prozent davon geht für Serviceleistungen an das Unternehmen, das hinter Marktschwärmer steht. Darunter fällt zum Beispiel die Bereitstellung der Onlineplattform. Die andere Hälfte erhalten die "Gastgeber" der Schwärmereien. Das sind die Veranstalter, die regelmäßig den Onlineverkauf organisieren und passende Räumlichkeiten für die Übergabe der bestellten Ware zur Verfügung stellen. Letztlich bleiben den Erzeugerinnen und Erzeugern also gut 83 Prozent der Einnahmen. Damit ist die Gewinnmarge meist höher, als wenn über den Groß- oder Einzelhandel vermarktet wird. Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass etwas mehr Zeit und Geld für Verpackung und Transport der Ware kalkuliert werden muss. Außerdem schlägt die Teilnahme an den Schwärmereien mit mindestens zwei Stunden je Veranstaltung zu Buche, plus Fahrtzeit.

Wie bei jeder Form der Direktvermarktung, besteht auch bei Marktschwärmer die Chance, sich einen festen Kundenstamm aufzubauen. Durch den direkten Kontakt zur Kundschaft erhält man ein direktes Feedback zur verkauften Ware. Das hilft, das Angebot besser auf die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden abzustimmen. Umgekehrt kann man die Kundschaft auf diese Weise für regionale Produkte begeistern und Ihnen vermitteln, wo die speziellen Herausforderungen im Ökolandbau liegen. Auch Umstellungsware lässt sich so gut an die Kundschaft bringen.

Marktschwärmer kann für Ökobetriebe also eine gewinnbringende Sache sein, wenn die entsprechenden Voraussetzungen, wie Nähe zu einer Schwärmerei und endkundenfähige Verkaufsprodukte, gegeben sind. Mehr Infos zum Konzept finden sich auf der Internetseite www.marktschwaermer.de.


Letzte Aktualisierung: 05.12.2017