Wir verwenden Cookies, um Ihnen die optimale Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen. Es werden für den Betrieb der Seite nur notwendige Cookies gesetzt. Details in unserer Datenschutzerklärung.
Von der hofnahen Schlachtung auf den Teller

Hofnahe Schlachtung mit Weideschuss, lokale Verarbeitung und Vermarktung der Produkte in Bio-Metzgereien und dem Lebensmitteleinzelhandel in der Region – das ist das Ziel des Projektes "Fair für Tier und Mensch". Dabei soll ein stabiles Netzwerk aus Erzeugungs-, Verarbeitungs- und Absatzbetrieben in Brandenburg aufgebaut werden.
Kurzinfo
- Produkte: Bio-Rindfleisch
- Wertschöpfungskettenbereich: Erzeugung, Verarbeitung, Handel, Außer-Haus-Verpflegung
- Bundesland: Brandenburg, Ausweitung auf weitere Bundesländer geplant
Projektsteckbrief
Derzeit ist es für Bio-Erzeugerinnen und -Erzeuger in der Projektregion schwierig, ihr Fleisch auch als Bio-Ware zu vermarkten, da Schlacht- und Verarbeitungskapazitäten in der Region fehlen. Das Ziel des Projektes besteht im Aufbau einer Wertschöpfungskette für Bio-Rindfleisch von der hofnahen Schlachtung über den kurzen Transport zum Schlachtbetrieb und die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung. In dieser Wertschöpfungskette erfolgt zunächst am jeweiligen Hof die mobile Schlachtung per Weideschuss, dann wird der Schlachtkörper über möglichst kurze Transportwege an eine Bio-Schlachterei geliefert und dort primär verarbeitet. Die weitere Verarbeitung erfolgt daraufhin in einer Metzgerei. Geplant ist es, die entstehenden Produkte zunächst in den Berliner Filialen der Bio-Metzgerei Gut Kerkow zu vermarkten und im Projektverlauf die Vermarktung an den Lebensmitteleinzelhandel und verschiedene Akteure der AHV hinzuzunehmen. Ebenfalls wird die Option einer Direktvermarktung geprüft.
Der Fokus des Vorhabens liegt hierbei darauf, das Tierwohl durch die mobile, stressreduzierte Schlachtung zu erhöhen, als auch darin, die Wertschöpfungskette für alle beteiligten Akteure fair zu gestalten. Mit den zur Verfügung stehenden Bundesmitteln wird eine projektgebundene Koordinationsstelle eingerichtet, welche die erzeugenden, verarbeitenden und handelnden Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette vernetzt. Hierdurch soll insbesondere die derzeit bestehende Lücke in der regionalen Schlachtung und Verarbeitung geschlossen werden und ein stabiles Netzwerk aus Erzeugungs- Verarbeitungs- und Absatzbetrieben aufgebaut werden.
Innerhalb des Projektes soll unter Beachtung von Umwelt-, Klima- und Tierschutz hochwertiges Fleisch erzeugt werden und durch die regionale Ausrichtung der Berufsstand der Schlachterinnen und Schlachter sowie von Verarbeitungsunternehmen in der Region gestärkt werden. Die verbesserten Verarbeitungs- und Vermarktungsoptionen sollen den landwirtschaftlichen Betrieben in der Region einen Mehrwert bieten und die regionale Wertschöpfung erhöhen.
Der Antragsteller führt dieses Projekt zunächst in Kooperation mit mehreren landwirtschaftlichen Betrieben und einer mobilen Schlachterei durch, die Integration weiterer Akteure in die Wertschöpfungskette ist dabei ein wichtiger Projektbestandteil. Zu diesem Zweck organisiert die Koordinationsstelle regelmäßig Runde Tische, um die Akteure aus den verschiedenen Wertschöpfungsstufen zusammenzubringen und langfristige Partnerschaften entlang der WSK zu etablieren.
Nachdem das Projekt zunächst modellhaft und wissenschaftlich begleitet in Brandenburg durchgeführt wird, ist es im zweiten Projektjahr auch geplant, das Konzept auf weitere Modellregionen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt auszuweiten und dort weitere Wertschöpfungsketten aufzubauen.
Mehr Infos zum Projekt
01.10.2023 – 31.12.2025
zunächst Brandenburg, dann Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt
Demeter im Osten e.V.
Anna Dal Grande, anna.dal-grandedemeter-im-ostende
Interview mit Wertschöpfungskettenmanagerin Anna Dal Grande

Anna Dal Grande ist Wertschöpfungskettenmanagerin in dem Projekt "Von der hofnahen Schlachtung auf den Teller". Sie ist Referentin für regionale Vermarktung beim Landesverband Demeter im Osten e.V. Mit einem Bachelor-Abschluss im Fachbereich "Management in der Ökobranche" von der Hochschule Nürnberg und einem Master-Abschluss in "Ökolandbau und Ernährungssysteme" an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde hat sie sich ein fundiertes Verständnis für das Ernährungssystem sowie betriebswirtschaftliche Aspekte im Bereich des Öko-Landbaus angeeignet. Außerdem lässt sie Erfahrungen aus dem Großhandel und der Lebensmittelverarbeitung in das Projekt einfließen.
Oekolandbau.de: Um was geht es bei dem Projekt "Von der hofnahen Schlachtung auf den Teller – Fair für Tier und Mensch"?
Anna Dal Grande: Unser Ziel ist es, eine Vielzahl kleiner regionaler Bio-Wertschöpfungsketten für Rindfleisch aus teilmobiler Schlachtung zu etablieren. In den letzten Jahren ist die Schlachtkapazität in Deutschland stark gesunken, und Schlachttiere müssen oft lange Transportwege zurücklegen. Sie bleiben in den meisten Fällen nicht in der Region. Die teilmobile Schlachtung, auch bekannt als Schlachtung im Herkunftsbetrieb, ermöglicht es, Rinder direkt am landwirtschaftlichen Betrieb zu betäuben und zu töten. Anschließend werden sie mit einer mobilen Einheit zum Schlachtbetrieb transportiert.
Das große Potenzial dieser Methode liegt in der Förderung des Tierwohls, da die Tiere nicht mehr lebend transportiert werden. Dies reduziert den Stress für die Tiere erheblich. Und da Stress sich negativ auf die Fleischqualität auswirken kann, verbessert es auch gleichzeitig die Fleischqualität. Darüber hinaus kann die teilmobile Schlachtung dazu beitragen, das Fleischerhandwerk zu stärken, indem kleine Fleischereien sich wieder vermehrt auf die Qualitätssicherung statt auf den Tötungsprozess konzentrieren können.
Oekolandbau.de: Welche Ziele sollen erreicht werden?
Anna Dal Grande: In Zusammenarbeit mit unseren Partnerinnen und Partnern streben wir danach, die teilmobile Schlachtung auf Betrieben zu etablieren, die regionalen Handwerksbetriebe zu stärken und faire Vermarktungsstrukturen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu schaffen. Darüber hinaus strebt das Projekt eine verbandübergreifende Zusammenarbeit an, um gemeinsam die Weiterentwicklung der Schlachtmethodik voranzutreiben.
Oekolandbau.de: Was ist Ihre Aufgabe in dem Projekt?
Anna Dal Grande: Als Projektkoordinatorin liegt es in meinem Aufgabenbereich, die Akteurinnen und Akteure entlang der Wertschöpfungskette zu verbinden, um eine koordinierte Zusammenarbeit zu gewährleisten. Mein Einsatz konzentriert sich darauf, Erzeugerbetriebe während des Antragsprozesses für die Schlachtung im Herkunftsbetrieb zu unterstützen, um die Einführung der teilmobilen Schlachtung zu erleichtern. Darüber hinaus widme ich mich der Identifizierung und Entwicklung geeigneter Absatzkanäle für die Produkte auf Vermarktungsebene, um eine effiziente Vermarktung zu sichern. In meiner Funktion als Bindeglied und Schnittstelle innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette fungiere ich als Vermittlerin zwischen den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren. Dabei strebe ich nicht nur nach einer Wertschöpfung, sondern auch nach wertschätzenden Partnerschaften, die über das Projekt bestehen bleiben.
Oekolandbau.de: Welche Projektpartner sind mit im Boot? Was tragen diese Betriebe zum Projekt bei?
Anna Dal Grande: Die Projektpartner umfassen in Brandenburg den Landwirtschaftsbetrieb Michael Langanke, den Wulkower Hof, Gut Peetzig und den Beerfelder Hof sowie Gut Hirschaue als Schlachtbetrieb. Zusätzlich ist die GbR hofnahe Schlachtung Meißner Land aus Sachsen Teil des Projekts, die gemeinsam mit Nikola Burgeff, Clemens Risse und Lutz Gläser geführt wird. Damit konnten insgesamt fünf Demeter-Betriebe gewonnen werden sowie mittlerweile weitere wichtige freie Projektpartner und Partnerinnen. Die Betriebe sind entscheidend für die Realisierung des Projekts, da sie die notwendige Infrastruktur und Ressourcen bereitstellen, um die teilmobile Schlachtung zu etablieren. Durch ihre Beteiligung entfällt der Lebendtransport für die Tiere, was einen bedeutenden Beitrag zum Tierwohl darstellt.
Oekolandbau.de: Was sind die nächsten Schritte?
Anna Dal Grande:
- Es wird angestrebt, eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden auf Landkreisebene zu etablieren. Ziel ist es, einheitliche Dokumente und Genehmigungen für die teilmobile Schlachtung sicherzustellen.
- Es werden nationale Netzwerktreffen organisiert, die sich verbandübergreifend mit Fragen zur Vereinheitlichung, Zertifizierung und Kommunikation beschäftigen, insbesondere im Hinblick auf die Einführung von Labels.
- Ein Beratungskonzept wird entwickelt, um Erzeugerbetriebe im Antragsverfahren und bei der Planung des Tötungsareals zu unterstützen.
- Es werden Dienstleistungsangebote für die Schlachtung bereitgestellt, insbesondere als Überbrückungslösung für Betriebe, die noch nicht über die erforderliche Qualifikation verfügen.
- Die Etablierung von Netzwerken aus Erzeugern und Verarbeitern in jedem Bundesland wird angestrebt, um die Vermarktungswege zu strukturieren und zu optimieren.

Im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Bio-Wertschöpfungsketten (RIWERT) fördert das Bundesprogramm Ökologischer Landbau den Aufbau und die Weiterentwicklung von tragfähigen Wertschöpfungskettenpartnerschaften für heimische Bio-Produkte.
Lesen Sie mehr auf Oekolandbau.de
Letzte Aktualisierung 24.09.2024


