Bio-Wertschöpfungsketten in der Alpenregion Tegernsee-Schliersee

Bio-Wertschöpfungsketten in der Alpenregion Tegernsee-Schliersee

Wie können Bio-Lebensmittel langfristig in der Region Tegernsee-Schliersee verankert werden? Als Wertschöpfungskettenmanagerin bringt Alyssa Nolden die regionalen Akteurinnen und Akteure der Region zusammen. So ist es zum Beispiel gelungen, regionales Bio-Rindfleisch in der lokalen Gastronomie zu vermarkten.

Es begleitet Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der landwirtschaftlichen Erzeugung über Verarbeitung und Vermarktung bis hin zum Konsum. Langfristig stabilisiert das Vorhaben kleinbäuerliche Strukturen, fördert regionale Wertschöpfung und entwickelt die Alpenregion Tegernsee-Schliersee nachhaltig weiter.


Alyssa Nolden

Ursprünglich aus dem Rheinland, zog es Alyssa schon früh in den Süden Deutschlands. Während ihres sportwissenschaftlichen Bachelorstudiums in Oberschwaben und eines Masters in Sporttourismus und Destinationsmanagement an der Deutschen Sporthochschule Köln entdeckte sie ihre Begeisterung für Regionalität und nachhaltige Entwicklung. Praxiserfahrung sammelte sie unter anderem auf einem Demeter-Gemüsebetrieb im Allgäu, wo sie im Hofladen mitarbeitete und zeitweise die Urlaubsvertretung übernahm.

Heute bringt sie diese Begeisterung im Projekt "Bio-Wertschöpfungsketten in der Alpenregion Tegernsee-Schliersee" ein. Dort vernetzt sie Menschen entlang der Wertschöpfungsketten, initiiert gemeinsam mit der Kollegin Petra Wähning Kooperationen und trägt dazu bei, Bewusstsein für bioregionale Produkte zu schaffen. Ihr Ziel ist es, gutes Essen, faire Preise und regionale Wertschöpfung in Einklang zu bringen – zum Nutzen von Erzeugerinnen und Erzeugern, Verbraucherinnen und Verbrauchern und der Region.

Interview mit Alyssa Nolden

Oekolandbau.de: Um was geht es bei dem Projekt?

Alyssa Nolden: Ziel des Projekts ist es, die bio-regionale Wertschöpfung in der Alpenregion Tegernsee Schliersee (Landkreis Miesbach) zu stärken. Wir möchten zeigen, dass hochwertige, regionale Bio-Produkte nicht nur erzeugt, sondern auch innerhalb der Region verarbeitet, vermarktet und konsumiert werden können. Dafür bringen wir Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Gastronomie und Tourismus gezielt miteinander in Kontakt und fördern neue Kooperationen.

Oekolandbau.de: Welche Ziele sollen erreicht werden?

Alyssa Nolden: Nach einer intensiven Analyse- und Lernphase geht es nun darum, realistische und praxistaugliche Wege zur Stärkung der regionalen Bio-Wertschöpfung aufzuzeigen. Wir wollen tragfähige Strukturen schaffen, die Bio-Lebensmittel langfristig in der Region verankern – zum Beispiel durch einen Testlauf mit bio-regionalem Rindfleisch in der Außer-Haus-Verpflegung und im Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Gleichzeitig entwickeln wir unsere Kommunikations- und Vermarktungskonzepte weiter, um regionale Erzeuger und Erzeugerinnen sichtbarer zu machen.

Oekolandbau.de: Was ist Ihre Aufgabe in dem Projekt?

Alyssa Nolden: Als Projektkoordinatorin bin ich im operativen Tagesgeschäft tätig. In fachlich-strategischer Begleitung durch Petra Wähning koordiniere ich die Umsetzung der Projektbausteine und begleite die beteiligten Akteurinnen und Akteure entlang der Wertschöpfungsketten. Dabei setze ich priorisierte Maßnahmen um, die wir im Rahmen der Projektsteuerung gemeinsam entwickeln – von der Vorbereitung von Workshops und Abstimmungsrunden bis hin zur Ausarbeitung von Konzeptbausteinen und Kommunikationsmaterialien.

Ein Beispiel: Die Steakschmiede Kreuth unterstützen wir aktuell bei der Entwicklung eines bio-regionalen Rindfleischprodukts für die Außer-Haus-Verpflegung. So entsteht ein kleiner, aber wirkungsvoller Beitrag zur regionalen Bio-Wertschöpfung. Darüber hinaus bereite ich Erfahrungen und Erkenntnisse so auf, dass sie auch über das Projekt hinaus genutzt werden können und künftige Kooperationen in der Region fördern.

Oekolandbau.de: Welche Partner sind mit im Boot? Was tragen diese zum Projekt bei?

Alyssa Nolden: Wir arbeiten eng mit regionalen Partnern zusammen, die jeweils eigene
Kompetenzen einbringen – von Verarbeitung und Vermarktung bis zur touristischen Kommunikation:

So entsteht ein starkes Netzwerk, das verschiedene Perspektiven bündelt und
gemeinsam die regionale Bio-Versorgung stärkt.

Oekolandbau.de: Was sind die ersten Schritte?

Alyssa Nolden: Nachdem ich das Projekt vor rund einem Jahr übernommen hatte, haben wir zunächst den Projektplan an die verbleibende Laufzeit angepasst. Ein wesentlicher erster Schritt war eine umfassende Bestandsaufnahme der Bio-Betriebe im Landkreis Miesbach. So entstand eine solide Datengrundlage über verfügbare Bio-Produkte, Mengen und bestehende Absatzstrukturen – insbesondere für die Außer-Haus-Verpflegung.

Dabei zeigte sich eine wichtige Erkenntnis: Trotz des mit rund 40 Prozent höchsten Bio-Flächenanteils Deutschlands gibt es im Landkreis Miesbach keinen großen Überschuss an Bio-Produkten. Die meisten Betriebe haben feste Absatzwege über Molkereien und Fleischabnehmer oder vermarkten einen kleinen Teil direkt. Gleichmäßig verfügbare Mengen für Gastronomie, AHV oder LEH stehen kaum zur Verfügung – das Entwicklungspotenzial liegt hier eher in gezielten Kooperationen als im Ausbau der Produktion.

Diese Analyse bestätigte unseren Ansatz, stärker mit regionalen Verarbeiterinnen und Verarbeiter zusammenzuarbeiten. Mit der Steakschmiede Kreuth haben wir einen Partner gefunden, der sich erneut bio-zertifizieren ließ und ausreichende Mengen für einen kleinen bio-regionalen Wertschöpfungskreislauf mit Rindfleisch bereitstellen kann. Durch den Einstieg der Tochter, Emma Göttfert, in das Familienunternehmen gewinnt der Betrieb neue Dynamik und richtet sich zukunftsfähig aus. Dieses Engagement ermöglicht uns, ein konkretes Pilotprojekt mit regionalem Bio-Rindfleisch in der Gastronomie umzusetzen und gleichzeitig bestehende Initiativen wie Oberland Bioweiderind sinnvoll zu ergänzen.

Diese Phase der Neuorientierung zählt für mich zu den wichtigsten Erfolgen des Projekts – sie hat die Grundlage geschaffen, künftig zielgerichtet, datenbasiert und praxisnah an der Stärkung bio-regionaler Wertschöpfung in der Alpenregion Tegernsee Schliersee zu arbeiten.

Projektinfos

Weitere Informationen rund um das Projekt finden Sie im Projektsteckbrief.

Das Projekt wird über die Förderrichtlinie RIWERT gefördert. Die Richtlinie ist eine Maßnahme des Bundesprogramms Ökologischer Landbau, initiiert und finanziert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.


Letzte Aktualisierung 26.03.2026

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