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Projekt "WSNuKa": Fleisch von Nutzkälbern aus der Bio-Milchviehhaltung

Im Projekt "WSNuKa" sollen wirtschaftlich tragfähige Lösungen entwickelt werden, mit denen Nutzkälber aus der ökologischen Milchviehhaltung einen festen Platz in Bio-Wertschöpfungsketten erhalten. Neben der Etablierung von Vermarktungswegen, stehen der Wissenstransfer und die Vernetzung von Akteurinnen sowie Akteuren entlang der Wertschöpfungskette im Fokus.
Kurzinfo
- Produkte: Fleisch, Milchprodukte
- Wertschöpfungskettenbereich: Erzeugung, Verarbeitung, Handel, Außer-Haus-Verpflegung
- Bundesland: Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern
Projektsteckbrief

Der Zuwendungsempfänger verfolgt gemeinsam mit bestehenden Kooperationspartnerinnen und -partnern sowie weiteren noch zu findenden Projektpartner und -partnerinnen das Ziel, wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu entwickeln, mit denen Nutzkälber aus der ökologischen Milchviehhaltung einen festen Platz in Bio-Wertschöpfungsketten erhalten. Damit soll der derzeitige Zustand verbessert werden, in dem insbesondere männliche Kälber aus Bio-Milchviehbetrieben in der konventionellen Mast "verschwinden".
Identifizierung von Lösungsmöglichkeiten und -potenzialen
Zu Beginn des Projekts wird mithilfe einer Umfrage und Experteninterviews ein umfassendes Bild von möglichen Lösungen erarbeitet. Welche Absatzwege gibt es bereits, welche sind in Arbeit, und welche sind gescheitert. Daraus werden die nächsten Arbeitsschritte abgeleitet – welche bestehenden Strukturen können verstärkt und verbessert werden, welche Akteure lassen sich für eine Entwicklung von neuen Wertschöpfungsketten zusammenbringen?
Aufbau von Wertschöpfungsketten durch Vernetzung
Die Koordinationsstelle übernimmt eine zentrale Rolle beim Aufbau dieser Strukturen. Sie vernetzt Erzeugerinnen und Erzeuger, Verarbeitungsunternehmen, Händler und Gastronomiebetriebe, um funktionierende Bio-Wertschöpfungsketten zu etablieren.
Das Projektziel in Zahlen: Es sollen Bio-Wertschöpfungsketten für mindestens 150 Kälber pro Jahr aufgebaut werden.
Die Koordinationsstelle fördert nicht nur die Zusammenarbeit der bestehenden Kooperationspartner und -partnerinnen, sondern bindet auch neue Akteure in die Wertschöpfungsketten ein. Durch diese partnerschaftliche Zusammenarbeit sollen bestehende Hemmnisse – wie mangelnde Konkurrenzfähigkeit gegenüber Mastkälbern, fehlende Produkte oder unzureichende Vermarktungswege – reduziert und die strukturellen Rahmenbedingungen verbessert werden.
Initialveranstaltung, Workshops und Vernetzungstreffen
Zur Unterstützung der überregionalen Vernetzung wird eine Initialveranstaltung gefördert. Ziel ist es, interessierte Akteure aus allen Stufen der Wertschöpfungskette zusammenzubringen und ihren Wissensstand zu erweitern. Die Veranstaltung bietet Raum für Austausch und Kontaktaufbau. Neben Vorträgen mit Beispielen guter Praxis durch verschiedene Rednerinnen und Redner finden moderierte Diskussions- und Austauschrunden statt, die die Vernetzung der Teilnehmenden gezielt fördern.
Lösungen sichtbar machen
Im weiteren Verlauf werden aus den gewonnenen Erkenntnissen eine Vielzahl an Möglichkeiten entwickelt, den Aufbau von neuen und nachhaltigen Wertschöpfungsketten rund um Bio-Nutzkälber zu begleiten: Wissenstransfer über die Webseite, Social-Media-Kampagnen und Podcasts, sowie die gezielte Entwicklung von Workshops und Beratungsangeboten. Durch den Aufbau von verlässlichen Partnerschaften sollen Wertschöpfungsketten für Milch- und Fleischprodukte aus ökologischer Erzeugung in ausgewogenem Verhältnis entwickelt werden.
So ist es Ziel des Projektes, mit Hilfe der projektgebundenen Koordinationsstelle Erzeugerinnen und Erzeuger, Verarbeitungsunternehmen, Händler und die Gastronomie zu vernetzen und gegebenenfalls zusätzlich Direktvermarktungsstrukturen aufzubauen. So sollen mindestens 150 Kälber aus der Milchviehhaltung jährlich aufgezogen und vermarktet werden. Aktuell verlassen die meisten auf ökologischen Betrieben geborenen Nutzkälber aus der Milchviehhaltung ihre Herkunftsbetriebe und landen in der konventionellen Kälbermast, teilweise auch im Ausland.
Mehr Infos zum Projekt
01.01.2025 - 31.12.2027
Norddeutschland
Ökologische Tierzucht gemeinnützige GmbH
(Antragsteller sitzt in Bayern)
May-Britt Wilkens, may.wilkensoekotierzuchtde
Lisa Minkmar, lisa.minkmaroekotierzuchtde
Interview mit May-Britt Wilkens und Lisa Minkmar
Oekolandbau.de: Um was geht es bei dem Projekt?
Das Projekt "WSNuKa – unsere Biokälber" (Wertschöpfung Nutzkalb) möchte Lösungen dafür aufzeigen und an der Umsetzung mitwirken, wie es gelingen kann, wirtschaftlich tragfähige Wertschöpfungsketten für Bio-Kälber aufzubauen. Damit Bio-Kälber auch als Bio-Kälber aufwachsen und ihr hochwertiges Bio-Fleisch aus Deutschland vermarktet werden kann.

May-Britt Wilkens und Lisa Minkmar verantworten gemeinsam das Projekt "WSNuKa" und sind bei der Ökologischen Tierzucht gGmbH tätig.
May-Britt Wilkens ist die Wertschöpfungskettenmanagerin im Projekt "WSNuKa" und bringt als Gründerin vom Online-Shop "besserfleisch" wertvolle Praxiserfahrung mit. Sie kennt sich bestens mit dem Verkauf von Biorindfleisch und dem Aufbau nachhaltiger Wertschöpfungsketten aus – und engagiert sich mit Herzblut für faire Strukturen rund um Bruderkälber und Zweinutzungstiere.
Lisa Minkmar ist gelernte Großhandelskauffrau sowie studierte Juristin. Sie ist die Expertin für die Brudertiere Kalb und Hahn, sowie die Ansprechpartnerin für die ÖTZ-Mitarbeitenden und verantwortet das interne Projektcontrolling.
Oekolandbau.de: Welche Ziele sollen erreicht werden?
Ganz konkret wollen wir 150 Bio-Kälber pro Jahr in neu entwickelten oder bestehenden Bio-Wertschöpfungsketten unterbringen. Diese Bio-Wertschöpfungsketten müssen nun ins Leben gerufen werden.
Oekolandbau.de: Was ist Ihre Aufgabe in dem Projekt?
Unsere Koordinationsstelle ist aufgeteilt auf zwei Personen: May-Britt Wilkens (20 Stunden) und Lisa Minkmar (12 Stunden) und bei der Ökologischen Tierzucht gGmbH angesiedelt.
Unsere Projektaufgabe ist es vor allem, die verschiedenen Akteure der potenziellen Wertschöpfungsketten zu identifizieren, zu finden und zu motivieren, sich mit uns und allen anderen Akteuren an den Tisch zu setzen und die Köpfe zusammenzustecken. Aber auch bereits gestartete Initiativen und Vermarktungsprojekte wollen wir integrieren und gemeinsam schauen, wie sie noch besser werden können. Wir müssen also die Einzelinteressen koordinieren, gemeinsame Arbeitspakete schnüren und die Bearbeitung begleiten. Wir als ÖTZ und Koordinationsstelle sind selbst nicht Teil der Wertschöpfungskette, unsere Aufgabe ist die beratende Begleitung aller Akteure auf dem Weg zur funktionierenden Wertschöpfungskette.
Das bedeutet Vernetzungsarbeit und Veranstaltungsorganisation, aber auch Recherche und Öffentlichkeitsarbeit.
Um unser Wissen aus der Projektarbeit für viele Akteure zugänglich zu machen, gestalten wir die Webseite UnsereBioKaelber.de, die primär dem Wissenstransfer und der Vernetzung dienen wird. Im späteren Verlauf des Projekts werden wir aus dem ermittelten Beratungsbedarf spezifische Angebote und themenspezifische Workshops erstellen.
Oekolandbau.de: Welche Partner sind mit im Boot? Was tragen diese zum Projekt bei?
Gestartet haben wir das Projekt mit Bioland Niedersachsen/Bremen, Demeter im Norden, der Brudertier Initiative Deutschland (BID), besserfleisch, der Elbtaler Hofschlachterei, Demeterhof HimP und dem Biolandbetrieb Meedehof.
- Bioland und Demeter unterstützen uns mit breitem Fachwissen, einem großen Netzwerk und Erfahrung mit eigenen Kälberprojekten in der Vergangenheit.
- Die BID bringt ihre Erfahrungen mit der in einigen Punkten vergleichbaren Bruderhahnfleischvermarktung ein und stellt umfangreiche Vorarbeiten zur Entwicklung und Zertifizierung eines möglichen Siegels zur Vermarktung von Fleisch- und Milchprodukten mit dem Mehrwert „Kälberaufzucht“ zur Verfügung.
- Unser Vermarktungspartner besserfleisch bringt Kenntnisse in Produktentwicklung und Vermarktungsstrukturen mit.
- Unsere beiden Praxisbetriebe Hof HimP und Meedehof (beide mit eigener Kälberaufzucht) stehen uns mit Rat und Tat zur Seite, und sind jederzeit bereit, die ersten neuen Wertschöpfungsketten im ersten Schritt umzusetzen.
- Die Elbtaler Hofschlachterei musste leider inzwischen den Betrieb einstellen und ist leider nicht mehr dabei.
Unser Ziel ist es, nicht nur mit den „vorhandenen“ Partnern zusammenzuarbeiten, sondern aus unserem Kreis heraus ein starkes Netzwerk mit vielen verschiedenen Akteuren zu bilden. Denn das Thema ist so komplex und vielschichtig, dass es keine „One-fits-All“-Lösung geben wird, daher brauchen wir viele unterschiedliche Partner für eine ganze Reihe an Lösungsmöglichkeiten.
Oekolandbau.de: Was waren die ersten und sind die nächsten Schritte?
Im ersten Schritt identifizieren wir mittels einer Umfrage mögliche Wertschöpfungsketten und potenzielle AkteurInnen. Im zweiten Schritt fängt die groß angelegte Vernetzungsarbeit an: Welche Wertschöpfungsketten sind denkbar? Welche müssen von Grund auf neu gedacht werden und welche brauchen nur einen kleinen Schubs? Hier wird es dann spannend!
Unseren ersten Messeauftritt haben wir mit den Ökofeldtagen schon für erste Umfrageergebnisse nutzen können und auf der Landwirtschafts- und Verbrauchermesse Norla in Rendsburg (04.-07.09.2025) werden wir ebenfalls vertreten sein, um mit Landwirt:innen und Verbraucher:innen ins Gespräch zu kommen.
Gleichzeitig planen wir auch schon unsere Initialveranstaltung im November 2025 als große eigene Veranstaltung - mit wichtigen AkteurInnen der Branche, Fachaustausch und Vernetzungsmöglichkeiten.

Im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Bio-Wertschöpfungsketten (RIWERT) fördert das Bundesprogramm Ökologischer Landbau den Aufbau und die Weiterentwicklung von tragfähigen Wertschöpfungskettenpartnerschaften für heimische Bio-Produkte.
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Letzte Aktualisierung 27.10.2025




