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"Bio Verbindet" – kommunal, regional, national und international

“Bio Verbindet” – das ist nicht nur der Name des bundesweiten Vernetzungsangebotes von Bio-Städten und -Regionen. Es steht auch für gebündeltes Engagement, den ökologischen Landbau sowie die Versorgung mit Bio-Lebensmitteln voranzubringen. Dafür braucht es eine aktive und gut vernetzte Gemeinschaft. Denn gemeinsames Handeln schafft Sichtbarkeit und stärkt zugleich den politischen Einfluss. Dieses Netzwerk motivierter Akteurinnen und Akteuren wächst und breitet sich über die Grenzen aus.
Eine wichtige Anlaufstelle für die Vernetzung auf nationaler und europäischer Ebene sind die deutschen Bio-Städte, die zuletzt auch durch das vom BMLEH geförderte Projekt “Bio Komm‘ Mit” neuen Zulauf bekommen sollen. Ihre Maßnahmenpakete und Veranstaltungen gelten als beispielhaft – entsprechend gefragt sind die Bio-Managerinnen und -Manager als Beraterinnen und Berater. So war Darya Hirsch, Projektleiterin der Bio-Stadt Bonn, als Expertin zur Gründung des Bioregio Netwerk Nederland eingeladen. Das Organisationsteam von “Bio verbindet” hat nachgehakt, um zu erfahren, wie die Einladung zustande kam und welche positiven Impulse von der europaweiten Vernetzung ausgehen. Alexander Schaefers vom Organisationsteam sprach darüber mit Darya Hirsch und Werner Ebert, dem Geschäftsführer des Netzwerks deutscher Bio-Städte.
Alexander Schaefers: Frau Hirsch, Sie waren zur Gründung des Bioregio Netwerk Nederland als Expertin eingeladen. Wie kam es dazu?
Darya Hirsch: Die Einladung lief über das Netzwerk der Bio-Städte. Es gab schon im Vorfeld verschiedene Kontakte in die Niederlande. Die Stadt Amsterdam hatte sich zum Beispiel bei uns gemeldet, weil sie wissen wollte, wie man Bio-Stadt wird und welche Erfahrungen wir in Deutschland gesammelt haben. Auch Werner Ebert stand schon länger mit Akteuren aus den Niederlanden in Kontakt und hat in den letzten Jahren auf der BIOFACH einen engen Austausch mit den niederländischen Akteuren gepflegt.
Alexander Schaefers: Welchen Eindruck hatten Sie von der Gründungsveranstaltung?
Darya Hirsch: Besonders beeindruckt hat mich die Aufbruchsstimmung. Von zwölf niederländischen Provinzen waren zu diesem Zeitpunkt bereits acht beteiligt. Spannend war außerdem die Vielfalt: Es ging nicht nur um einzelne Städte, sondern auch um Provinzen und damit sehr stark um die Verbindung von Stadt und Land. Das ist etwas anders als in Deutschland.
Man hat gemerkt, dass sich die niederländischen Akteure genau angeschaut haben, wie wir im Netzwerk der Bio-Städte arbeiten. Gleichzeitig bringen sie eigene Schwerpunkte ein. Besonders professionell fand ich die Kommunikation rund um die Gründung: Es gab ein gemeinsames Logo, eine Karte der beteiligten Regionen, offizielle Fotos und direkt im Anschluss Beiträge in den sozialen Medien.
Alexander Schaefers: Was unterscheidet das niederländische Netzwerk von den Bio-Städten in Deutschland?
Darya Hirsch: In den Niederlanden gibt es ein Strategiepapier mit mehreren Zielen. Wer Teil des Netzwerks werden möchte, muss eine bestimmte Anzahl dieser Ziele erfüllen. Dabei kann eine Region zum Beispiel den Schwerpunkt auf Biodiversität legen, eine andere stärker auf Gemeinschaftsverpflegung oder regionale Wertschöpfung.
Bei uns im Netzwerk der Bio-Städte ist es etwas anders: Wir haben gemeinsame Ziele, aber jede Kommune setzt eigene Schwerpunkte und verankert diese über politische Beschlüsse. In Deutschland ist das Netzwerk sehr stark aus den Kommunen selbst heraus entstanden. In den Niederlanden hatte ich den Eindruck, dass das Landwirtschaftsministerium bei der Gründung eine wichtige Rolle spielt und auch öffentliche Mittel eine größere Bedeutung haben.
Inhaltlich fand ich besonders spannend, wie stark dort Stadt und Land zusammengedacht werden. Ein großes Thema war zum Beispiel die Bio-Versorgung in Pflegeeinrichtungen und die Zusammenarbeit mit regionalen biozertifizierten Betrieben. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Weg noch lang ist. In manchen Erzeugergemeinschaften sind bisher nur wenige Betriebe biozertifiziert. Da gibt es also noch viel Entwicklungspotenzial.
Alexander Schaefers: Herr Ebert, was genau wollten die niederländischen Akteure vom deutschen Bio-Städte-Netzwerk wissen?
Werner Ebert: Sie wollten sehr genau wissen, wie wir in Deutschland arbeiten und welche Erfahrungen wir gemacht haben. Für sie waren vor allem drei Punkte interessant.
Der erste Punkt ist der Erfahrungsaustausch. Im Netzwerk lernen die Kommunen voneinander, teilen Erfahrungen und motivieren sich gegenseitig. Der zweite Punkt ist die gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit. Wenn es ein nationales Netzwerk gibt, wird das Thema “Bio in Kommunen” ganz anders wahrgenommen, als wenn jede Stadt allein unterwegs ist. Der dritte Punkt ist die professionellere Zusammenarbeit. Wenn sich mehrere Kommunen zusammenschließen, können sie mit mehr Gewicht auftreten und kommen unter Umständen auch leichter an Fördermittel.
Alexander Schaefers: Was macht das deutsche Netzwerk der Bio-Städte zu einem Vorbild – auch über die Niederlande hinaus?
Werner Ebert: Eine Besonderheit ist, dass das Netzwerk von unten entstanden ist. Die Kommunen beziehungsweise ihre politischen Gremien kommen selbst zu der Erkenntnis, dass Bio ein wichtiges Thema ist. Sie fassen Beschlüsse und legen los. Da wird nicht zuerst gefragt, ob es dafür einen Fördertopf gibt.
Das unterscheidet die Bio-Städte zum Beispiel von Öko-Modellregionen, bei denen am Anfang häufig eine staatliche Förderung steht. Natürlich ist Förderung hilfreich. Aber im Kern geht es bei den Bio-Städten um eine kommunale Entscheidung und um Menschen vor Ort, die das Thema voranbringen.
Gleichzeitig wird das Netzwerk auch über Deutschland und die Niederlande hinaus wahrgenommen. Das deutsche Bio-Städte-Netzwerk ist nach Città del Bio in Italien eines der ältesten kommunalen Bio-Netzwerke in Europa. Außerdem sind wir von Anfang an im Organic Cities Network Europe vertreten. Über dieses europäische Netzwerk gibt es viele Kontakte in andere Länder.
Alexander Schaefers: Wie unterscheiden sich die Ansätze in den europäischen Ländern?
Werner Ebert: In Deutschland läuft vieles über die Verwaltung und über die konkrete Arbeit vor Ort. Entscheidend sind die Kolleginnen und Kollegen in den Kommunen, die Bio in Beschaffung, Verpflegung, Öffentlichkeitsarbeit oder Stadtentwicklung umsetzen.
In Italien ist das Thema stärker politisch geprägt und sehr öffentlichkeitswirksam. In Frankreich sehe ich eine Mischung: Dort gibt es politische Sichtbarkeit, aber auch sehr viel praktische Umsetzung. Diese Unterschiede sind interessant, weil man voneinander lernen kann. Im Austausch mit anderen Ländern sehen wir auch, wo wir selbst noch Entwicklungspotenzial haben.
Alexander Schaefers: Die Bio-Städte sind international gut vernetzt. Welche Rolle spielt der Austausch auch innerhalb Deutschlands, etwa durch das Projekt “Bio Verbindet”, welches vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau initiiert wurde?
Darya Hirsch: Für die Bio-Städte ist der Austausch mit Bio-Regionen und Öko-Modellregionen sehr wertvoll. Als Kommune kann man nicht isoliert arbeiten, sondern ist auf regionale Landwirtschaft, Verarbeitung und Wertschöpfungsketten angewiesen.
“Bio Verbindet” macht sichtbar, wo sich die Themen überschneiden: Während Bio-Städte häufig an Beschaffung, Schulverpflegung oder kommunalen Strategien arbeiten, sind Öko-Modellregionen oft stärker in der praktischen Umsetzung regionaler Wertschöpfungsketten aktiv. Der Austausch hilft dabei, die richtigen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zu finden, voneinander zu lernen und gemeinsame Anknüpfungspunkte zu entdecken.
Werner Ebert: Für uns Bio-Städte sind solche Formate wichtig, weil zusätzliche inhaltliche Impulse entstehen. Über die Öko-Modellregionen kommen wir stärker mit Themen wie regionaler Wertschöpfung in Verbindung. Außerdem bringen solche Treffen neue Ideen für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation.
Und es gibt noch einen zweiten Effekt: Wenn man sieht, wie viele Menschen inzwischen auf kommunaler und regionaler Ebene an Bio arbeiten, merkt man, dass diese Bewegung gar nicht so klein ist. Das gibt einen emotionalen Schub und motiviert für die eigene Arbeit.
Alexander Schaefers: Die Gründung des Bioregio Netwerk Nederland, die wachsende Vernetzung der Bio-Regionen und Bio-Städte in Europa – erkennen Sie darin eine größere Bewegung hin zu mehr Bio?
Werner Ebert: Ja, aber nicht im Sinne eines schnellen Strohfeuers. Solche Entwicklungen brauchen Zeit. Ich gehe davon aus, dass sich das in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren weiterentwickeln wird. Natürlich kann es Rückschläge geben, besonders dort, wo Netzwerke stark von staatlichen Mitteln abhängig sind. Wenn sich politische Rahmenbedingungen ändern, kann das Auswirkungen haben. Aber dort, wo Kommunen aktiv sind und Netzwerke bereits bestehen, sehe ich die Entwicklung nicht mehr als umkehrbar. Die Bedeutung kommunaler und regionaler Bio-Netzwerke wird weiter wachsen.
Darya Hirsch: Diese Einschätzung teile ich. Rückschläge kann es geben, und die Gewichtung kann sich verändern. Aber die Entwicklung selbst lässt sich aus meiner Sicht nicht mehr zurückdrehen.

Das Netzwerk “Bio Verbindet” – eine Maßnahme des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL), initiiert und finanziert durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH).
Letzte Aktualisierung 09.07.2026
