Oekolandbau.de: Um was geht es bei dem Projekt? Welche Probleme aus der Praxis werden adressiert?
Elsa Windmann-Gerhard: Viele, die Wertschöpfungsketten initiieren oder aufbauen, sind frisch von der Uni, meist aus den Agrar- oder Ernährungswissenschaften, und müssen direkt komplexe Verhandlungsgespräche mit den Akteurinnen und Akteuren vor Ort führen. Sie sind fachlich gut aufgestellt, aber ihnen fehlen häufig die sogenannten "Soft Skills": Moderation, Prozessbegleitung, Öffentlichkeitsarbeit. Es kann passieren, dass gute Projekte nicht richtig in die Umsetzung kommen, weil die Wertschöpfungsketten-Managerinnen und -Manager mit der Vielzahl an Aufgaben überfordert sind. Das sehen wir zum Beispiel an der relativ hohen Jobfluktuation. Deswegen haben wir ein Weiterbildungsangebot konzipiert, welches die Akteurinnen und Akteure in ihrem Tun befähigt und in ihrer Rolle stärkt. Darüber hinaus erarbeiten wir ein Kompetenzprofil, um festzuhalten, was eine WSK-Managerin und ein WSK-Manager im besten Fall alles mitbringen sollten und wie passend der Begriff "Management" in diesem Kontext eigentlich ist. Aktuell nutzen wir hier eher den Begriff der Entwicklerinnen oder Entwickler beziehungsweise Gestalterinnen oder Gestalter, immer in Abhängigkeit der aktuellen Entwicklungsstufe der Wertschöpfungskette und der damit verbundenen Aufgaben.
Oekolandbau.de: Wie sieht das Weiterbildungsangebot aus?
Elsa Windmann-Gerhard: Uns war wichtig, dass das Angebot berufsbegleitend umsetzbar ist, denn die WSK-Entwicklerinnen und -Entwickler haben schon genug zu tun. Im Rahmen unseres Projektes sind neben Online-Seminaren, Lernmaterialien zum Selbststudium und digitalen Lernsprints auch Präsenzveranstaltungen eingeplant. Der aktuelle Pilotkurs ist ein Testballon. Hier gibt es bisher die deutliche Rückmeldung, dass gerade die Einheiten in Präsenz sehr wertvoll sind. Hier kommt zu dem Inhaltlichen noch besonders stark die Vernetzung dazu. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben mit dem Kurs auch ein Netzwerk von 20 Personen bekommen, die sich mit ähnlichen Fragestellungen und Herausforderungen beschäftigen und für sie ansprechbar sind.
Boris Liebl und Hannah Hattemer von der FiBL Akademie waren für die Konzeption verantwortlich. Mit den Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird dieses dann weiterentwickelt.