QC_RegioBio: Weiterbildung für den Aufbau von Bio-Wertschöpfungsketten

QC_RegioBio: Weiterbildung für den Aufbau von Bio-Wertschöpfungsketten

Wer bio-regionale Wertschöpfungsketten aufbaut, hat alle Hände voll zu tun. Moderation unterschiedlicher Interessen und Kommunikation sind nur zwei der vielen Aufgaben. Um die Managerinnen und Manager für diese vielfältige Arbeit zu wappnen, konzipiert das Forschungsteam von "QC_RegioBio" ein Weiterbildungsangebot. Der Pilotkurs läuft bereits seit Oktober 2024. Projektleiterin Elsa Windmann-Gerhard erklärt im Interview, was diesen ausmacht.

Elsa Windmann-Gerhard

Die Projektleiterin des Forschungsprojekts "QC_RegioBio" ist seit 2018 wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Deutschland. Seit ihrem Einstieg dort im Rahmen des Traineeprogramms Ökolandbau beschäftigt sie sich mit unterschiedlichen Weiterbildungsformaten und Zielgruppen. Seit September 2024 hat sie die Projektleitung für QC_RegioBio übernommen.

Wenn Wertschöpfungsketten-Managerinnen und -Manager erfolgreich sind, wird der ländliche Raum gestärkt und die sozial-ökologische Transformation der Land- und Lebensmittelwirtschaft vorangetrieben. 

Oekolandbau.de: Um was geht es bei dem Projekt? Welche Probleme aus der Praxis werden adressiert?

Elsa Windmann-Gerhard: Viele, die Wertschöpfungsketten initiieren oder aufbauen, sind frisch von der Uni, meist aus den Agrar- oder Ernährungswissenschaften, und müssen direkt komplexe Verhandlungsgespräche mit den Akteurinnen und Akteuren vor Ort führen. Sie sind fachlich gut aufgestellt, aber ihnen fehlen häufig die sogenannten "Soft Skills": Moderation, Prozessbegleitung, Öffentlichkeitsarbeit. Es kann passieren, dass gute Projekte nicht richtig in die Umsetzung kommen, weil die Wertschöpfungsketten-Managerinnen und -Manager mit der Vielzahl an Aufgaben überfordert sind. Das sehen wir zum Beispiel an der relativ hohen Jobfluktuation. Deswegen haben wir ein Weiterbildungsangebot konzipiert, welches die Akteurinnen und Akteure in ihrem Tun befähigt und in ihrer Rolle stärkt. Darüber hinaus erarbeiten wir ein Kompetenzprofil, um festzuhalten, was eine WSK-Managerin und ein WSK-Manager im besten Fall alles mitbringen sollten und wie passend der Begriff "Management" in diesem Kontext eigentlich ist. Aktuell nutzen wir hier eher den Begriff der Entwicklerinnen oder Entwickler beziehungsweise Gestalterinnen oder Gestalter, immer in Abhängigkeit der aktuellen Entwicklungsstufe der Wertschöpfungskette und der damit verbundenen Aufgaben.

Oekolandbau.de: Wie sieht das Weiterbildungsangebot aus?

Elsa Windmann-Gerhard: Uns war wichtig, dass das Angebot berufsbegleitend umsetzbar ist, denn die WSK-Entwicklerinnen und -Entwickler haben schon genug zu tun. Im Rahmen unseres Projektes sind neben Online-Seminaren, Lernmaterialien zum Selbststudium und digitalen Lernsprints auch Präsenzveranstaltungen eingeplant. Der aktuelle Pilotkurs ist ein Testballon. Hier gibt es bisher die deutliche Rückmeldung, dass gerade die Einheiten in Präsenz sehr wertvoll sind. Hier kommt zu dem Inhaltlichen noch besonders stark die Vernetzung dazu. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben mit dem Kurs auch ein Netzwerk von 20 Personen bekommen, die sich mit ähnlichen Fragestellungen und Herausforderungen beschäftigen und für sie ansprechbar sind.

Boris Liebl und Hannah Hattemer von der FiBL Akademie waren für die Konzeption verantwortlich. Mit den Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird dieses dann weiterentwickelt.

Oekolandbau.de: Wie ist der aktuelle Forschungsstand und wo sehen Sie die Forschungslücke, die Ihr Projekt füllen soll?

Elsa Windmann-Gerhard: Immer mehr Menschen initiieren und begleiten Wertschöpfungsketten für bio-regionale Lebensmittel, sei es in Öko-Modellregionen, Bio-Städten, Verbänden, Initiativen oder geförderten Projekten. Doch bisher gibt es keine anerkannte Ausbildung oder ein Studium "Wertschöpfungsketten-Management".

Wie bereits angesprochen möchten wir die Begriffe, die für dieses Berufsbild genutzt werden, nochmal reflektieren. Zudem erproben wir im Rahmen des Pilotkurses auch den Einsatz von sogenannten Lernsprints. Das ist eine Selbstlernvariante in der der Austausch mit einer kleinen Gruppe dem eigenen Lernen und Verstehen und nicht zuletzt auch der Motivation zuträglich sein soll.

Oekolandbau.de: Was ist Ihre Aufgabe im Projekt? Welche Projekt- und Praxispartner sind mit im Boot?

Elsa Windmann-Gerhard: Meine Aufgabe im Projekt ist neben der Koordination und Projektleitung auch die Weiterentwicklung des Programms. Wir sind ein Kooperationsprojekt des FiBL Deutschland e.V. und des Bundesverbands der Regionalbewegung e.V. Als Unterstützung für die Umsetzung der Präsenzeinheiten haben wir die Lernbegleiterinnen von zwischen_feld mit dazugeholt.

Oekolandbau.de: Was sind die nächsten Schritte innerhalb des Projekts?

Elsa Windmann-Gerhard: Im Pilotkurs steht im September 2025 das letzte Präsenzmodul und auch der Kursabschluss an. Im Anschluss daran werden wir die Rückmeldungen der 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auswerten und unser Konzept entsprechend anpassen. Wir hoffen, dass wir mit einer Projektverlängerung den Kurs noch einmal durchführen können. Aktuell läuft das Projekt noch bis zum 31. Dezember 2025. Ebenfalls im Herbst 2025 wird die Beschreibung der Berufsbezeichnung spruchreif werden. Hier wird unser Projekt einen Anhaltspunkt liefern. Wie sich das in der Branche und auch bei Arbeitgebern durchsetzt, bleibt abzuwarten. Die für den Kurs entwickelten Selbstlerneinheiten sollen online für die Branche zur Verfügung gestellt werden.

Oekolandbau.de: Was sind die besonderen Herausforderungen in diesem Projekt?

Elsa Windmann-Gerhard: Für die WSK-Entwicklerinnen und -Entwickler ist es durchaus schwierig, ihre Aufgaben und Tätigkeitsfelder abzugrenzen. Sie können nicht bei jedem Thema Fachwissen mitbringen oder die Marketingarbeit für die beteiligten Unternehmen übernehmen – es geht um die "Soft Skills": Wie können Leute zusammengebracht, Entscheidungen herbeigeführt oder ein Produkt gemeinsam an den Markt gebracht werden? Es ist eine fortlaufende Prozessbegleitung. Da ist es wichtig, den Überblick zu behalten. Unser Weiterbildungsprogramm bietet für alle Beteiligten eine Rollenklärung: Was ist meine Aufgabe? Was muss ich leisten? Was nicht? Was erwartet das Umfeld? So kann das Selbstbewusstsein der Entwicklerinnen und -Entwickler gestärkt werden. Wenn sie erfolgreich sind, wird der ländliche Raum gestärkt und die sozial-ökologische Transformation der Land- und Lebensmittelwirtschaft vorangetrieben. 


Letzte Aktualisierung 06.08.2025

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