Bio im Alltag


Wo gibt es Biosaatgut?

Hand mit Saatgut. Klick führt zu Groß.
Biologisches Saatgut ist vermehrungsfähig und hilft biologische Vielfalt zu erhalten. Foto: Thomas Stephan, BLE

Die Pflanzenvielfalt auf Äckern und in Gärten ist bedroht. Das betonen Verbraucher- und Umweltorganisationen immer wieder. Die zehn größten Saatgutunternehmen bestimmen weltweit fast 75 Prozent des gesamten Saatgutmarktes. Sogenannte Hybridzüchtungen - Pflanzen, die sich nicht vermehren lassen - bringen kurzfristig hohe Erträge und langfristig Abhängigkeit von den Saatgutfirmen. Das alles betrifft mehr die Landwirtschaft als Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner. Doch auch im kleinsten Garten kann die biologische Vielfalt wieder wachsen. Wer robuste standortangepasste und vermehrungsfähige Bio-Pflanzensorten anbaut, trägt dazu bei. Der persönliche Gewinn: guter Geschmack sowie krankheits- und schädlingstolerante Pflanzen. Inzwischen gibt es schon viele Bezugsquellen für Biosaatgut.

Alte Nutz- und Kulturpflanzen erhalten

Teltower Rübchen, die Tomatensorten Ponderosa Pink oder Caroletta und die Kartoffelsorten Linda oder Sieglinde - der Kulturpflanzen-Katalog des Vereins zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg e.V. (VERN) bietet alte Nutz-, Kultur- und Wildpflanzensorten. Auf etwa 3.000 Quadratmetern wird in Greiffenberg in der Uckermark Jahr für Jahr eine Vielzahl fast vergessener Sorten vermehrt und so vor dem Aussterben bewahrt. Kostengünstig wird das Saatgut an private Haushalte abgegeben. Wer das Saatgut alter Kulturpflanzen bestellt, beteiligt sich aktiv an der Erhaltung der genetischen Vielfalt - direkt vor der Haustür. Das Katalogangebot steht zum Herunterladen bereit in der Rubrik "Katalog für seltene Kulturpflanzen" auf der Internetseite des Vereins

Säen, pikieren, ernten

Erfahrene Hobby-Gärtnerinnen und -gärtner, die in die Arbeit mit Saatgut einsteigen wollen, und solche, die schon erste eigene Erfahrungen mit der Vermehrung von Saatgut haben, können beispielsweise beim Verein Dreschflegel Seminare besuchen. Die Dreschflegel-Gemeinschaft besteht aus 14 Biohöfen in verschiedenen Gegenden Deutschlands mit gemeinsamer Vermarktung durch den Dreschflegel-Versand. Im Onlineshop steht ein umfangreiches Sortiment zur Bestellung bereit. Wer die große Arten- und Sortenvielfalt vor Ort erleben möchte, sollte den großen Schaugarten auf einem Mitgliedsbetrieb in Schönhagen in Thüringen oder den kleineren Kräutergarten in der Nähe der Vermarktungsstelle in Witzenhausen besuchen.

Kleine Pflänzchen. Klick führt zu Groß.
Biosorten sind robust und nicht so anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Foto: Thomas Stephan, BLE

Auch die Bingenheimer Saatgut AG hat sich der Züchtung und Verbreitung von Biosaatgut verschrieben. Um neue Sorten speziell für den Ökolandbau zu züchten, gründete eine Gruppe von engagierten Menschen 1994 den Verein Kultursaat. 2001 kam die Bingenheimer Saatgut AG hinzu, wo Gärtnerinnen und Gärtner biologisches Saatgut beziehen können: über 420 Sorten sind im Angebot. Zur Saatgut AG gehören inzwischen 80 Gärtnereien. Die Samentütchen der beschriebenen Initiativen bekommt man teilweise auch in Biosupermärkten und –gärtnereien.

Wer nicht sicher ist, ob es sich um Biosaatgut handelt, sollte auf das EU-Bio-Logo bzw. die Logos zum Beispiel der Anbauverbände Bioland, Naturland und/oder Demeter achten.


Letzte Aktualisierung: 04.09.2017