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Waldgarten – eine einkommenswirksame Alternative für Landwirtschaft und Gartenbau?

Ein Waldgarten ist ein Anbausystem nach dem Vorbild der Natur, in dem Bäume, Sträucher, Kräuter und Gemüse gemeinsam auf mehreren Ebenen wachsen. Das Konzept eignet sich sowohl für Hobbygärtner als auch für landwirtschaftliche Betriebe und verbindet ökologische Prinzipien mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Was macht einen Waldgarten aus? Wie ist er aufgebaut und welche Pflanzen können verwendet werden? Welche Chancen und Herausforderungen mit dieser Form der Permakultur verbunden?
Was ist ein Waldgarten?
Interesse an regenerativen Anbaumethoden, die Ökologie und Wirtschaftlichkeit verbinden, wächst. Waldgärten, auch bekannt als "Food Forests", bieten in dieser Hinsicht einen zukunftsweisenden Ansatz: Sie kombinieren essbare Gehölze, Kräuter, Stauden und Pilze in einem vielschichtigen und nachhaltigen Anbausystem. Die Struktur orientiert sich an natürlichen Wäldern. Dabei werden verschiedene Pflanzenebenen kombiniert – von hohen Bäumen über Sträucher bis hin zu Kräutern und Bodendeckern. Auch Kletterpflanzen und Pilze können integriert werden. Auf Basis der Permakultur entstehen dabei produktive Ökosysteme, die auf Selbstregulation, Vielfalt und geschlossene Kreisläufe setzen.
Permakultur Waldgarten – Welches Prinzip wird beim Waldgarten verfolgt?
Der Waldgarten basiert auf den Grundsätzen der Permakultur: Vielfalt, geschlossene Kreisläufe und Selbstregulation stehen im Mittelpunkt. Ziel ist es, stabile, resiliente Ökosysteme zu schaffen, die sich weitgehend selbst erhalten. Dabei werden Ressourcen wie Licht, Wasser und Nährstoffe effizient genutzt natürliche Prozesse gefördert.
Im Zentrum eines Waldgartens stehen essbare Pflanzen, das heißt Obst- und Nussbäume, Beerensträucher, Kräuter, Wurzelgemüse und Speisepilze. Diese können entweder frisch vermarktet oder zu hochwertigen Produkten weiterverarbeitet werden.
Im Zentrum eines Waldgartens stehen essbare Pflanzen, das heißt Obst- und Nussbäume, Beerensträucher, Kräuter, Wurzelgemüse und Speisepilze. Diese können entweder frisch vermarktet oder zu hochwertigen Produkten weiterverarbeitet werden.
In begrenztem Maße werden auch nicht essbare Pflanzen eingebracht – etwa solche, die Stickstoff binden, Insekten fördern oder Mulchmaterial liefern. Sie erfüllen eine unterstützende Funktion im Ökosystem Waldgarten, stehen aber nicht im Vordergrund der Nutzung.
Waldgarten und Agroforst – wo liegt der Unterschied?
Während Agroforst im weiteren Sinne die Integration von Gehölzen in landwirtschaftliche Nutzung meint – etwa durch Baumreihen auf Äckern oder Weiden –, verfolgt der Waldgarten ein dichteres, produktionsintensives und stärker auf Selbstregulation ausgerichtetes System. In der Praxis werden die verschiedenen Systeme meist miteinander kombiniert.
Pflanzen für den Waldgarten - Typische Vegetationsschichten
In einem Waldgarten werden hauptsächlich drei Schichten unterschieden: die Baumschicht, die Strauchschicht und die Krautschicht. Einige Quellen erwähnen auch noch die Wurzel-, die Bodendecker- und die Kletterpflanzenschicht.
In der oberen Baumschicht finden sich großwüchsige Obst- und Nussbäume wie Walnuss, Esskastanie oder Kirsche. Diese liefern nicht nur wertvolle Produkte, sondern spenden auch Schatten und schaffen ein stabiles Mikroklima.
Darunter in der niederen Baumschicht können kleinere Obstbäume wie Apfel oder Birne wachsen. Diese werden ergänzt durch größere und kleinere Sträucher wie Hasel, Aronia, Holunder oder Heidelbeere, die die Strauchschicht bilden.
In der Kraut- und Bodendeckerschicht sind Gemüsepflanzen, und Kräuter zu finden. Meist werden mehrjährige Arten verwendet.
Auch die Wurzelschicht lässt sich produktiv nutzen, etwa mit Wurzelgemüse wie Topinambur oder Meerrettich. Hinzu kommen Pilze wie Shiitake, die auf Holzstämmen kultiviert werden können und ein interessantes Zusatzprodukt darstellen.
In einigen Waldgärten sind rankende Pflanzen wie Weinreben, Hopfen oder Kiwi zu finden. Sie bilden die "vertikale Schicht".
Waldgarten anlegen im gemäßigten Klima – das Waldrand-Prinzip
Waldgärten haben ihren Ursprung in tropischen Ländern, wo die ganzjährig hohe Lichteinstrahlung sehr dichte Anbausysteme ermöglicht. Das ist in den gemäßigten Breiten nicht möglich.
"Hierzulande müssen Waldgärten daher etwas weitläufiger angelegt werden, damit auch die unteren Vegetationsschichten noch ausreichend Licht erreicht", sagt der Permakultur- und Waldgartenexperte Jonas Gampe. Er empfiehlt, Waldgärten nach dem Prinzip von Waldrandzonen anzulegen und nach Süden auszurichten. Durch die gestufte Anordnung von hohen und niederen Bäumen, Sträuchern sowie krautigen Pflanzen entsteht in einem solchen "Waldrandgarten" ein artenreicher, geschützter und zugleich ertragreicher Lebensraum.
Wo liegen die Vorteile von Waldgärten?
Ein Waldgarten bringt verschiedene Vorteile mit sich. Die Kombination aus Bäumen, Sträuchern, Kräutern und bodendeckenden Pflanzen schafft vielfältige Lebensräume für Insekten, Vögel und Nützlinge und trägt somit zur Förderung der Biodiversität bei. Gleichzeitig schützt die dauerhafte Bodenbedeckung vor Erosion, verbessert die Wasserspeicherung und fördert den Humusaufbau. Das entstehende Mikroklima durch Beschattung und Windschutz trägt außerdem zur Resilienz des Systems bei.
Ökonomisch gesehen bietet der Waldgarten eine Möglichkeit zur Diversifizierung: Durch die gestaffelte Ernte verschiedener Kulturen entstehen ganzjährig Vermarktungspotenziale. Durch die mehrschichtige Anordnung ermöglicht ein Waldgarten außerdem eine effiziente Nutzung von Licht, Wasser und Nährstoffen, was bei guter Planung zu einer hohen Gesamtproduktivität pro Fläche führen kann. Gleichzeitig verringert sich das Risiko von Ernteausfällen durch klimatische Extreme oder Marktschwankungen.
Mit dem Waldgarten Geld verdienen – Vermarktungsideen und Beispiele
Ein Erwerbswaldgarten kann über verschiedene Wege Einkommen generieren. Der Verkauf frischer Produkte wie Beeren, Kräuter, Pilze oder Obst funktioniert besonders gut in Kombination mit Hofläden, Marktständen oder Abo-Kisten. Selbst hergestellte Teemischungen, Sirupe, Wildobstkonfitüren, Kräuteröle oder fermentierte Produkte bieten darüber hinaus eine hohe Wertschöpfung und ergänzen das Angebot. Einige Betriebe generieren mit ihrem Waldgarten zusätzliches Einkommen durch Führungen oder Seminare.
Herausforderungen und Erfolgsfaktoren eines Waldgartens

Wie jedes landwirtschaftliche System bringt auch der Erwerbswaldgarten spezifische Herausforderungen mit sich. Besonders in der Anfangsphase ist ein hohes Maß an Planung, Engagement und Fachwissen erforderlich.
Eine der größten Herausforderungen besteht in der langen Anlaufzeit. Bis ein Waldgarten in vollem Umfang Erträge liefert, vergehen mehrere Jahre. Gerade in den ersten Jahren ist die Etablierung arbeitsintensiv: Junge Pflanzen müssen gepflegt, Konkurrenzvegetation reguliert und die Bodenstruktur beobachtet werden.
Außerdem sind die Anfangsinvestition für das Pflanzmaterial nicht zu unterschätzen. Dafür muss der Betrieb erstmal in Vorleistung gehen, denn ein Rücklauf durch Ertrag ist – insbesondere bei den größeren Bäumen – erst nach Jahren zu erwarten.
Darüber hinaus erfordert ein solches System Kenntnisse in Pflanzenökologie, Bodenkunde und gestufter Mischkultur. Da es bislang kaum standardisierte Vorlagen für Erwerbswaldgärten gibt, muss jeder Betrieb ein auf den Standort und die betrieblichen Ziele abgestimmtes Konzept entwickeln. Auch die Vermarktung braucht Kreativität und Know-how.
Fortbildung und Beratung zum Thema Waldgarten
Für den erfolgreichen Aufbau und Betrieb eines Erwerbswaldgartens kann daher die Teilnahme an spezifischen Fortbildungen sinnvoll sein. Es gibt inzwischen Seminare, Praxiskurse und Online-Schulungen dazu. Auch der Austausch mit erfahrenen Betrieben – etwa im Rahmen von Netzwerken oder Feldtagen – kann wertvolle Einblicke geben.
Eine erste Anlaufstelle für Informationen rund um das Thema Waldgärten ist das Web-Portal waldgarten.gobal , das von Reinhard Engelhart, einem Waldgarten-Pionier aus Traisental in Österreich gegründet wurde.
Eine Übersicht über das Beratungsangebot in Sachen Waldgarten sowie Agroforst in Deutschland findet sich beim Agroforst-Beratungsnetzwerk.
"Einfach anfangen!" – Wie Waldgärten wirtschaftlich gelingen können

Was braucht es, um einen Waldgarten wirtschaftlich tragfähig zu machen? Permakultur-Experte Jonas Gampe erklärt im Interview, worauf Betriebe bei Planung, Förderung und Umsetzung achten sollten – und warum es sich lohnt, anzufangen.
Oekolandbau.de: Herr Gampe, worauf sollten Betriebe achten, um mit einem Waldgarten wirtschaftlich erfolgreich zu sein?
Jonas Gampe: Grundsätzlich sollte bei einem Waldgarten, wie bei jeder soliden Permakultur-Planung, möglichst der gesamte Betrieb betrachtet und berücksichtigt werden und dann passend für den jeweiligen Kontext geplant werden. Also passend zum jeweiligen Boden, Wetter, Standort, passend zu den Bewirtschaftern, passend zur Region und zu den potenziellen Kunden und auch betriebswirtschaftlich passend. Denn schließlich stehen ja unzählige Möglichkeiten zur Verfügung, aus denen gewählt werden kann: tausende Pflanzenarten als mögliche Kulturen, verschiedenste Vermarktungsstrukturen, allerlei Produktpaletten und so weiter.
Am Ende kommt dabei dann in den meisten Fällen eine Mischung aus verschiedenen Agroforst-Systemen oder Waldgarten-Flächen mit Gemüse-, Kräuter- sowie Speisepilz-Bereichen heraus. Oft auch mit regionalem Kooperations-Netzwerk zur Weiterverarbeitung und regionaler Direktvermarktung. Entsprechend muss man je nach Betrieb und Region auf sehr unterschiedliche Dinge achten, um Erfolg zu haben.
Oekolandbau.de: Wie viel Fläche und welche Pflanzen braucht ein wirtschaftlich tragfähiger Waldgarten?
Jonas Gampe: Waldgärten können sehr extensiv oder auch sehr intensiv betrieben werden. Das variiert vor allem darin, wie die Bodenebene genutzt wird. Sie kann als einfache Wiesen- und Krautschicht belassen bleiben oder auch als flächendeckendes Intensiv-Gemüsebeet bewirtschaftet werden. Bei extensiver Nutzung nur mit Gehölzen als Kulturen, wird man rund einen Hektar Fläche benötigen, um eine Vollzeitstelle damit finanziert zu bekommen. Bei intensiver Bewirtschaftung können auch schon 2.000 Quadratmeter für eine Vollzeitstelle genügen. Wobei das auch hier sehr von den unterschiedlichen Details der Vermarktung und Betriebsführung abhängt.
Oekolandbau.de: Welche Voraussetzung sollten Betriebe mitbringen?
Jonas Gampe: Es genügt, Lust auf das Thema zu haben und mit Nachdruck einen gut funktionierenden Waldgarten anlegen zu wollen. Das passende Konzept für die Fläche und den Betrieb kann man entweder selbst entwickeln oder von Fachleuten entwickeln lassen. Je mehr man sich zu Beginn schon selbst mit essbaren Gehölzen auskennt und gärtnerische Fachpraxis beherrscht, desto leichter fällt einem das natürlich. Aber auch Laien können mit entsprechender Unterstützung gut starten.
Oekolandbau.de: Wie sieht es mit Fördermöglichkeiten aus?
Jonas Gampe: Leider sind mögliche Förderungen extrem unübersichtlich, da es zu jeder Zeit und in jeder Region andere Förderungen gibt. Es gibt potenzielle Förderungen auf Gemeinde-, Landkreis-, Länder-, Bundes- und EU-Ebene und oft auch zeitlich beschränkt. Zudem gibt es verschiedenste Stiftungen und private Initiativen, die bestimmte Dinge unterstützen. Entsprechend muss man sich jeweils selbst schlau machen, welche Fördermöglichkeiten aktuell für die jeweilige Region angeboten werden und in Frage kommen.
Grundsätzlich ist es aber sehr gut zu wissen, dass die Anlage von Waldgärten komplett als Naturschutzmaßnahme gewertet werden kann, sofern sie auf Ackerflächen stattfindet. Meist geht das auch auf Grünland, wenn es nicht bereits sehr artenreich und schützenswert ist. Landwirtschaft und Naturschutz zu vereinen ist also ein sehr starkes Argument, das deutlich mehr Förderungen ermöglicht als reine Landwirtschaft. In manchen Regionen und für manche Zeiträume geht das bis hin zu einer 100 Prozent-Förderung, bei der die gesamte Anlage gefördert wird. Erste mögliche Ansprechpartner bezüglich Förderungen sind die zuständige Gemeinde und das örtliche Landratsamt, sowie das Amt für Ländliche Entwicklung und die Naturschutzbehörden.
Oekolandbau.de: Gibt es Einschränkungen, welche Flächen zu Waldgärten umgewandelt werden dürfen?
Jonas Gampe: Am einfachsten ist die rechtliche Lage auf Ackerflächen. Hier darf alles gepflanzt werden, was der landwirtschaftlichen Nutzung dient – entsprechend auch alle Waldgärten. Auf Grünland ist auch das meiste möglich. Allerdings darf hier nicht zu dicht gepflanzt werden. Der Boden muss noch als Wiese funktionieren. Dicht gepflanzte Streuobstwiesen mit Nussbäumen, Wildobsthecken und Beerensträuchern als Gruppen, sind auf Grünland aber überall gut möglich. Auf Forstflächen wird es schwieriger. Da müsste individuell geschaut werden, ob es Einschränkungen bezüglich der Gehölzarten gibt. Nuss-Wälder sind auf vielen Forstflächen aber möglich.
Eigentumsflächen sind immer praktischer als Pachtflächen. Aber auch auf Pachtflächen sind Waldgärten sinnvoll, wenn man eine möglichst lange Pachtdauer vereinbart und im Pachtvertrag festlegt, was mit dem langfristig entstandenen Wertholz geschieht. Im Idealfall finden die Verpächter Waldgärten sinnvoller als Monokultur-Landwirtschaft und bevorzugen diese Flächennutzung entsprechend.
Oekolandbau.de: Wie wichtig ist eine fachliche Beratung? Oder geht auch Learning by doing?
Jonas Gampe: Learning by doing geht immer. Allerdings braucht das meist auch etwas mehr Zeit, als wenn man sich direkt von Fachleuten ein passendes Konzept planen und gegebenenfalls auch anlegen lässt. Das sollte jeder Betrieb selbst durchkalkulieren, ob kleinere eigene Versuchsflächen zu Beginn mehr Sinn machen oder der Zukauf von fachgerechter Planung. Die Planung an sich ist meist auch gar kein großer Kostenpunkt und lohnt sich fast immer. Die Umsetzung ist da schon deutlich gewichtiger und kann in großen Teilen auch selbst übernommen werden. Das hängt aber wiederrum von vielen individuellen betrieblichen Faktoren ab.
Oekolandbau.de: Gibt es typische Anfangsfehler, die vermieden werden können?
Jonas Gampe: Eigentlich gibt es nur einen gravierenden Fehler: Nicht anzufangen. Ich habe noch nie gehört, dass jemand die Anlage eines Waldgartens oder eines Agroforstsystems bereut hat. Aber schon oft den Satz gehört: "Hätten wir nur damals schon angefangen mehr Bäume zu pflanzen."
Für alles, was man für die Anlage selbst noch nicht weiß, gibt es Filme, Online-Vorträge, Infos, Bücher, Ansprechpartner und auch professionelle Unterstützung.
Das Interview mit Jonas Gampe führte Jörg Planer
Jonas Gampe und sein Team von Kreislauf-Gärten begleiten seit 15 Jahren Projekte aller Art im Bereich Permakultur – darunter auch Waldgärten und Agroforstsysteme. Mehr Infos unter kreislauf-gaerten.de
Autor: Jörg Planer
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Letzte Aktualisierung 27.06.2025




