Nachhaltige Forstwirtschaft – wie funktioniert Öko-Waldwirtschaft?

Nachhaltige Forstwirtschaft bedeutet mehr als Holzproduktion: Die ökologische Waldwirtschaft setzt auf strukturreiche, standortheimische Mischwälder statt Monokulturen. So entstehen klimaresiliente Wälder, die Trockenheit, Sturm und Schädlingen besser standhalten. Zertifizierungen wie Naturland und FSC stehen für ökologischen Waldschutz und verantwortungsvolle Holznutzung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ökologische Waldwirtschaft orientiert sich an natürlichen Prozessen.
  • Ziel sind strukturreiche Mischwälder mit heimischen Baumarten.
  • Standortgerechte Wälder sind widerstandsfähiger gegen Trockenheit, Sturm und Schädlinge.
  • Natürliche Waldverjüngung hat Vorrang vor dem Pflanzen neuer Bäume.
  • Auf Kahlschläge wird verzichtet.
  • Boden, Pflanzen und Tiere sollen geschützt werden.
  • Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Dünger sind verboten.
  • Alte Bäume, Totholz und besondere Lebensräume werden erhalten.
  • Unbewirtschaftete Referenzflächen und regelmäßige Kontrollen sichern die Qualität.
  • Wichtige Zertifizierungen sind Naturland und FSC.

Das Konzept einer "ökologischen" oder "naturverträglichen" Waldwirtschaft entstand in den 1990er-Jahren, sozusagen als Gegenpol zum klassischen konventionellen Waldnutzungskonzept, der Altersklassenwirtschaft (siehe FAQ), die auch heute noch zum Teil in Deutschland vorzufinden ist. Während das konventionelle Forstnutzungskonzept in Deutschland eher nach rationalen Gesichtspunkten arbeitet, orientiert sich die ökologische Waldwirtschaft stärker an natürlichen Prozessen des Waldes. Leitbild ist dabei die natürliche Vielfalt als Ergebnis einer natürlichen Walddynamik.

FAQ: häufige Fragen zur ökologischen Waldwirtschaft

Was bedeutet das konkret?

Strukturreich und standortangepasst

In vielen deutschen Wäldern sind noch immer standortfremde oder wenig angepasste Baumarten, oft in gleichaltrigen, homogenen Beständen zu finden. Besonders die Fichte wurde über Jahrzehnte großflächig auch dort angebaut, wo sie natürlicherweise nur vereinzelt vorkommt. Die Folgen dieser Strukturen wurden in den vergangenen Jahren deutlich: Seit den Dürresommern 2018 sind infolge von Trockenheit, Sturm und Borkenkäferbefall über 500.000 Hektar Wald schwer geschädigt oder abgestorben. Diese Entwicklung gilt als mahnendes Beispiel für die Anfälligkeit wenig diverser, standortferner Wälder gegenüber Klimastress und Schadinsekten.

Um dem vorzubeugen, strebt die ökologische Waldwirtschaft strukturreiche Wälder aus standortheimischen Baumarten an. Wo solche Wälder noch vorhanden sind, sollten sie erhalten werden, wo nicht, sind sie wieder herzustellen. Damit verbunden ist die Anforderung, Baumarten auszuwählen, die an den Standort, das heißt den Boden und das Klima, angepasst sind und natürlicherweise dort vorkommen.

Natürliche Waldverjüngung

Ein weiterer wichtiger Aspekt der ökologischen Waldwirtschaft: Die Waldbestände müssen sich in erster Linie durch natürliche Waldverjüngung erneuern. Das heißt, Jungbäume werden nicht gepflanzt, sondern sie entwickeln sich aus den Samen der Altbäume im Unterholz. Erst wenn diese Bäume zu einer lebensfähigen Größe herangewachsen sind, werden umliegende Bäume gefällt. Die Wildbestände sind von den Forstbetrieben dabei entsprechend so anzupassen, dass die Verjüngung der Baumarten, die natürlich vorkommen würde, möglich wird.

Verzicht auf Kahlschläge

In der ökologischen Waldwirtschaft wird auf Kahlschläge – größer als eine Baumlänge – verzichtet. Das hat folgenden Grund: Dichte Wälder kühlen besser und speichern mehr Feuchtigkeit. Außerdem kommt es auf Freiflächen im Wald häufiger zu unerwünschtem Humusabbau. Dabei gehen nicht nur wertvolle Nährstoffe verloren, auch das im Humus gespeicherte CO2 entweicht in die Atmosphäre.

Boden, Flora und Fauna schützen

Um eine rationelle Holzernte zu ermöglichen, werden in der konventionellen Waldwirtschaft häufig große und schwere Maschinen eingesetzt. Solche Maschinen bedeuten jedoch eine erhebliche Gefahr für den Waldboden und dessen vielfältige Funktionen im Waldökosystem. Bei der ökologischen Waldnutzung wird das Befahren durch weitere Rückegassenabstände stark reduziert. Bei der Walderschließung und Holzernte werden waldschonende Verfahren eingesetzt. Außerdem wird der Waldboden geschützt, indem auf Bodenentwässerung und Bodenbearbeitung verzichtet wird. Die Ausbringung waldfremder Stoffe – das heißt chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Dünger – in das Ökosystem Wald ist im ökologischen Waldbau grundsätzlich verboten.

Natürliche Dynamik zulassen

Die Artenvielfalt ist ein besonders wichtiges Kennzeichen eines funktionierenden Waldökosystems. Im ökologischen Waldbau muss daher auf allen Waldflächen eine natürliche Dynamik zugelassen werden. Dazu beitragen kann, neben den oben genannten Kriterien, ein ausreichender Anteil alter Bäume, der Schutz von Sonderbiotopen und die Anreicherung von Biotopholz, das heißt natürlich alternde und abgestorbene Bäume.

Referenzflächen sind Pflicht

Um sich bei der Bewirtschaftung der Flächen ständig am ökologischen Ideal orientieren zu können, müssen unbewirtschaftete Referenzflächen ausgewiesen werden. Diese repräsentieren die wichtigsten Bestandstypen des Waldbetriebs. Ziel dabei ist es, lokale und standörtliche Informationen über die natürliche Waldentwicklung und damit für die ökologische Waldnutzung zu erhalten.

Kontrollen

Die von den Zertifizierungsstellen geforderten Kriterien zur ökologischen Waldwirtschaft sind nicht bloß Selbstverpflichtung der Waldbesitzerinnen und -besitzer. Die Einhaltung der Kriterien wird auch regelmäßig kontrolliert, und zwar von unabhängiger Stelle.

Wie lässt sich ökologische Waldwirtschaft zertifizieren?

Eine gesetzlich geregelte "ökologische Waldwirtschaft", so wie man es von der ökologischen Landwirtschaft mit der EU-Öko-Verordnung kennt, gibt es nicht. Dennoch können auch Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer ihre Flächen ökologisch bewirtschaften und zertifizieren lassen. Der Verband Naturland e. V. hat Richtlinien entwickelt, nach denen die Waldbewirtschaftung ökologisch ausgerichtet und zertifiziert werden kann. Eine ähnliche Zertifizierung bietet die Vereinigung Forest Stewardship Council (FSC), wobei die FSC-Richtlinien etwas weniger streng sind als die von Naturland. Beide Zertifizierungssysteme werden durch die meisten deutschen Umweltverbände anerkannt.

Die Siegel für ökologische Forstwirtschaft


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Letzte Aktualisierung 13.08.2026

Autor: Jörg Planer

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