Brunnenhof Bio-Geflügel: Austausch zur Perspektive auf Landwirtschaft in der heutigen Zeit
74653 Künzelsau-Mäusdorf
Das Konzept einer "ökologischen" oder "naturverträglichen" Waldwirtschaft entstand in den 1990er-Jahren, sozusagen als Gegenpol zum klassischen konventionellen Waldnutzungskonzept, der Altersklassenwirtschaft (siehe FAQs unten), die auch heute noch überwiegend in Deutschland vorzufinden ist. Während das konventionelle Forstnutzungskonzept in Deutschland eher nach rationalen Gesichtspunkten arbeitet, orientiert sich die ökologische Waldwirtschaft stärker an natürlichen Prozessen des Waldes. Leitbild ist dabei die natürliche Vielfalt als Ergebnis einer natürlichen Walddynamik.
Häufig werden in deutschen Wäldern nichtheimische Baumarten oder Arten, die nicht an das natürliche Ökosystem angepasst sind, in großen homogenen Beständen gepflanzt. So dominiert die Fichte oft ganze Wälder – auch an Standorten, wo sie natürlicherweise nicht oder nur sporadisch vorkommt. Welche negativen Folgen das haben kann, war 2018 zu beobachten als in Deutschland 110.000 Hektar Wald durch Trockenheit, Sturm und Borkenkäferbefall abgestorben sind – der überwiegende Teil davon waren Fichten-Monokulturen.
Um dem vorzubeugen, strebt die ökologische Waldwirtschaft strukturreiche Wälder aus standortheimischen Baumarten an. Wo diese noch vorhanden sind, müssen sie erhalten werden, wo nicht, sind sie wieder herzustellen. Damit verbunden ist die Anforderung, Baumarten auszuwählen, die an den Standort, das heißt den Boden und das Klima, angepasst sind und natürlicherweise dort vorkommen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der ökologischen Waldwirtschaft: Die Waldbestände müssen sich in erster Linie durch natürliche Waldverjüngung erneuern. Das heißt, Jungbäume werden nicht gepflanzt, sondern sie entwickeln sich aus den Samen der Altbäume im Unterholz. Erst wenn diese Bäume zu einer lebensfähigen Größe herangewachsen sind, werden umliegende Bäume gefällt. Die Wildbestände sind von den Forstbetrieben dabei entsprechend so anzupassen, dass die Verjüngung der Baumarten, die natürlich vorkommen würde, möglich wird.
In der ökologischen Waldwirtschaft wird auf Kahlschläge - größer als eine Baumlänge - so weit es geht verzichtet. Das hat folgenden Grund: Dichte Wälder kühlen besser und speichern mehr Feuchtigkeit. Außerdem kommt es auf Freiflächen im Wald häufiger zu unerwünschtem Humusabbau. Dabei gehen nicht nur wertvolle Nährstoffe verloren, auch das im Humus gespeicherte CO2 entweicht in die Atmosphäre.
Um eine rationelle Holzernte zu ermöglichen, werden in der konventionellen Waldwirtschaft häufig große und schwere Maschinen eingesetzt. Solche Maschinen bedeuten jedoch eine erhebliche Gefahr für den Waldboden und dessen vielfältige Funktionen im Waldökosystem. Bei der ökologischen Waldnutzung wird das Befahren durch weitere Rückegassenabstände stark reduziert. Bei der Walderschließung und Holzernte werden waldschonende Verfahren eingesetzt. Außerdem wird der Waldboden geschützt, indem auf Bodenentwässerung und Bodenbearbeitung verzichtet wird. Die Ausbringung waldfremder Stoffe – das heißt chemisch-synthetische Pestizide und Dünger – in das Ökosystem Wald ist im ökologischen Waldbau grundsätzlich verboten.
Die Artenvielfalt ist ein besonders wichtiges Kennzeichen eines funktionierenden Waldökosystems. Im ökologischen Waldbau muss daher auf allen Waldflächen eine natürliche Dynamik zugelassen werden. Dazu beitragen kann, neben den oben genannten Kriterien, ein ausreichender Anteil alter Bäume, der Schutz von Sonderbiotopen und die Anreicherung von Biotopholz, das heißt natürlich alternde und abgestorbene Bäume.
Um sich bei der Bewirtschaftung der Flächen ständig am ökologischen Ideal orientieren zu können, müssen unbewirtschaftete Referenzflächen ausgewiesen werden. Diese repräsentieren die wichtigsten Bestandstypen des Waldbetriebs. Ziel dabei ist es, lokale und standörtliche Informationen über die natürliche Waldentwicklung und damit für die ökologische Waldnutzung zu erhalten.
Die von den Zertifizierungsstellen geforderten Kriterien zur ökologischen Waldwirtschaft sind nicht bloß Selbstverpflichtung der Waldbesitzerinnen und Walbesitzer. Die Einhaltung der Kriterien wird auch regelmäßig kontrolliert, und zwar von unabhängiger Stelle.
Eine gesetzlich geregelte "ökologische Waldwirtschaft", so wie man es vom Öko-Landbau mit der EU-Öko-Verordnung kennt, gibt es nicht. Dennoch können auch Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer ihre Flächen ökologisch bewirtschaften und zertifizieren lassen. Der Verband Naturland e. V. hat Richtlinien entwickelt, nach denen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer ihre Bewirtschaftung im Wald ökologisch ausrichten und zertifizieren lassen können. Eine ähnliche Zertifizierung bietet die Vereinigung Forest Stewardship Council (FSC), wobei die FSC-Richtlinien etwas weniger streng sind als die von Naturland. Beide Zertifizierungssysteme werden durch die meisten deutschen Umweltverbände anerkannt.
Mehr dazu: Wie lässt sich ökologische Waldwirtschaft zertifizieren?
Die strengsten ökologischen Standards für die Waldwirtschaft hat Naturland. Naturland – vielen bekannter aus dem Öko-Landbau – bietet als bislang einziger Öko-Anbauverband Deutschlands Richtlinien für die ökologische Waldwirtschaft. Entwickelt wurden diese 1995 gemeinsam mit den Umweltverbänden Greenpeace, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), WWF und Robin Wood. Derzeit bewirtschaften deutschlandweit 20 kommunale und private Waldbetriebe eine Waldfläche von knapp 56.000 Hektar – rund 0,5 Prozent der gesamten deutschen Waldfläche – nach den Naturland-Richtlinien. Zertifiziert wird bei Naturland auch die Holzverarbeitung.
Bekannter und flächenmäßig bedeutender ist die international agierende und gemeinnützige Nicht-Regierungsorganisation Forest Stewardship Council® (FSC®). Der FSC wurde 1993 gegründet, ursprünglich vor allem, um einen Anreiz für die Erhaltung der bedrohten Regenwälder zu schaffen. In Deutschland wurde 1997 die Entwicklung eines nationalen Standards eingeleitet, der 2001 mit der Akkreditierung vollendet wurde. In Deutschland sind aktuell 1,44 Millionen Hektar – das sind 12 Prozent der gesamten Waldfläche – nach den FSC-Richtlinien zertifiziert.
FSC legt mit seinen Richtlinien Mindeststandards für eine nachhaltige und nach ökologischen Kriterien orientierte Waldwirtschaft in Deutschland fest. Darüber hinaus wird auch die Holzverarbeitung zertifiziert. Das FSC-Siegel ist allerdings kein reines Öko-Siegel, denn neben dem Umweltschutz spielen bei FSC auch soziale Belange eine wichtige Rolle. Die FSC-Regeln sind im Allgemeinen etwas weniger streng als die von Naturland, adressieren dafür aber auch soziale Fragen.
Neben Naturland und FSC gibt es noch eine dritte Zertifizierungsmöglichkeit für die Waldwirtschaft in Deutschland: PEFC - Programme for the Endorsement of Forest Certification (deutsch: Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung). Das auf Basis der EU-Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder Europas gegründete PEFC steht nach eigenen Angaben für Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. In Deutschland sind über acht Millionen Hektar Wald PEFC-zertifiziert, das entspricht rund zwei Dritteln der deutschen Waldfläche.
Für die meisten Umweltorganisationen stellt PEFC allerdings kein hinreichendes Siegel für eine ökologisch ausgerichtete Waldwirtschaft dar. Sie kritisieren, dass die ökologischen Kriterien in vielen Bereichen zu schwach sind und das Kontrollsystem unzureichend ist. Kritik kommt auch von öffentlicher Seite: Das Umweltbundesamt (UBA) befürwortet das PEFC-Siegel zwar bei Holzprodukten, da es laut UBA "zu ökologischen Verbesserungen beim Anbau und beim Handel von Holz beitrage". Gleichzeitig moniert die Umweltbehörde aber die nicht ausreichende Kontrolle der Einhaltung der PEFC-Kriterien. Die Siegelvergabe erfolge nur auf Basis einer Selbstauskunft, teilweise für ganze Waldregionen. Kontrollen erfolgten nur stichprobenartig. Bei Papierprodukten sei das PEFC-Siegel, so das UBA weiter, irreführend, da es nur auf Papierprodukten aus Frischfasern zu finden sei.
Der Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung stufte das PEFC-Siegel in seinem Umweltgutachten 2012 deutlich schwächer als das FSC-Siegel ein, und zählt es nicht zu den "hochwertigen ökologischen Standards".
1. Was ist Altersklassenwirtschaft im Wald?
Grundlage der Altersklassenwirtschaft im Wald ist: Auf homogenen Flächeneinheiten wird mit gleichaltrigen Bäumen und einer sehr geringen Baumartenvielfalt gewirtschaftet. Nicht selten sind reine Monokulturen vorzufinden. So dominiert zum Beispiel die Fichte oft ganze Wälder in Deutschland, und das, obwohl sie an den meisten Standorten natürlicherweise gar nicht vorkäme. Bewirtschaftet wird stets flächen- und bestandsweise, daher ist der Altersklassenwald besonders maschinen- und rationalisierungsfreundlich. Die Altersklassenwirtschaft ist das nach wie vor vorherrschende Bewirtschaftungskonzept der Wälder Deutschlands.
2. Wo liegt der Unterschied zwischen "naturnah", "naturgemäß", "naturverträglich" und "ökologisch" in Bezug auf Waldwirtschaft?
Laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) gibt es zahlreiche Konzepte rund um eine "nachhaltige" Waldwirtschaft, die von unterschiedlichen Akteurinnen und Akteuren geprägt werden. Dabei stellt der Begriff "nachhaltige Waldwirtschaft" laut BfN kein konkretes eigenes Bewirtschaftungskonzept dar und kann somit als Dachbegriff der nachfolgenden Bewirtschaftungsmodelle verstanden werden.
Letzte Aktualisierung 16.09.2021