Stautenhof: Offene Hofführung: Schweine
47877 Willich-Anrath

Agroforstwirtschaft bietet zahlreiche Vorteile für Klima, Boden und Biodiversität. Doch hohe Anfangsinvestitionen erschweren die Umsetzung. Neben wenigen staatlichen Programmen unterstützen zunehmend private und zivilgesellschaftliche Initiativen landwirtschaftliche Betriebe bei der Etablierung.
Das Interesse an Agroforstwirtschaft wächst. Immer mehr Landwirtinnen und Landwirte möchten Bäume auf ihren Flächen integrieren – für mehr Biodiversität, Erosionsschutz, Klimaresilienz oder zur langfristigen Wertschöpfung. Doch dem Wunsch nach Umsetzung stehen häufig hohe Anfangsinvestitionen im Weg. Die Betriebe müssen zunächst in Vorleistung gehen, während sich wirtschaftliche Erträge meist erst nach mehreren Jahren, bei bestimmten Systemen wie Wertholzbäumen sogar erst nach Jahrzehnten einstellen.
Zwar bieten einige Bundesländer inzwischen Investitionsförderungen für Agroforstsysteme an, doch diese sind bislang eher die Ausnahme. Informationen zu diesen Programmen und den jeweiligen Konditionen finden Sie auf der Plattform "Agroforst Jetzt – Förderlandschaften".
Selbst dort, wo solche Programme bestehen, reichen die Zuschüsse oft nicht aus, um die hohen Anlagekosten zu decken. Hinzu kommt, dass viele Betriebe die Antragstellung als aufwendig empfinden – sei es aufgrund komplexer Nutzungskonzeptpflichten, naturschutzrechtlicher Prüfungen oder langer Bearbeitungszeiten.
Angesichts dieser Hürden gewinnen private und zivilgesellschaftliche Initiativen zunehmend an Bedeutung. Sie bieten finanzielle Unterstützung, Beratung oder Pflanzmaterial – oft flexibler und praxisnäher als staatliche Programme. Im Folgenden stellen wir ausgewählte Förderinitiativen, Programme und Stiftungen vor, die landwirtschaftliche Betriebe bei der Umsetzung von Agroforstsystemen konkret unterstützen.


VIVO Carbon ist ein gemeinnütziges Startup aus Hamburg, das landwirtschaftlichen Betrieben durch ein spezielles Finanzierungsmodell einen risikoarmen Einstieg in die Agroforstwirtschaft ermöglicht – sowohl auf Acker- als auch auf Grünlandflächen.
Im Zentrum steht die Finanzierung von Pflanzgut, Pflanzung und Schutzmaterialien sowie die fachliche Begleitung bei Planung und Umsetzung. Die Höhe der Kosten wird projektbezogen festgelegt und anschließend durch Spenden finanziert. Als Gegenleistung für den Erhalt der Mittel kümmern sich die Betriebe weitestgehend um die Pflege der Gehölze über einen Zeitraum von zehn bis zwanzig Jahren.
Derzeit kommen in den Agroforstsystemen von VIVO Carbon hauptsächlich Pappeln zum Einsatz, da sie schnell wachsen und besonders klimaresilient sind. In einigen Fällen werden aber auch Obst- oder Nussbäume gepflanzt.
Die Holzernte und Vermarktung erfolgt über VIVO Carbon, wobei die Betriebe am Erlös beteiligt werden. Finanziert wird das Modell über den Holzverkauf sowie über Spenden und den Verkauf freiwilliger Klimaschutzleistungen. Als gemeinnützige GmbH reinvestiert VIVO Carbon mögliche Erlöse wieder in neue Klimaschutz-Projekte.
Mit der Unterstützung von Vivo Carbon sind bislang auf sechs Betrieben etwa 160 Hektar Agroforstfläche entstanden. 28.700 Bäume wurden gepflanzt, weitere 5.000 sind für 2025 in Planung.
Eine Bewerbung ist jederzeit möglich; Informationen und Ansprechpersonen finden sich auf der Website von VIVO Carbon.


SilvoCultura ist als Schweizer Unternehmen im gesamten deutschsprachigen Raum aktiv und begleitet Landwirtschaftsbetriebe, Organisationen und Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Agroforst-Projekten, sowie im Kontext von Klimaschutz- und Nachhaltigkeits-Strategien. Darüber hinaus ist SilvoCultura aktiv in der Begleitforschung von Agroforstsystemen.
In Kooperation mit der Stiftung myclimate hat SilvoCultura 2023 ein Klimaschutz-Förderprogramm für Agro- und Vitiforst (Agroforst im Weinbau) ins Leben gerufen. Ziel des Programms ist es, freiwillige Klimaschutzbeiträge von Unternehmen direkt in regionale Baumpflanzungen auf landwirtschaftlichen Flächen zu lenken.
Landwirtschaftsbetriebe erhalten neben einer fachkundigen Beratung eine finanzielle Förderung in Höhe von 50 Euro pro Baum (in Deutschland), die in zwei Raten ausgezahlt wird: nach der Pflanzung und nach erfolgreicher Etablierung der Gehölze. Auch bei der Flächenplanung hilft SilvoCultura auf Wunsch. Im Gegenzug gewährleisten die Landwirtschaftsbetriebe eine mindestens zehnjährige Pflege und Nutzung der bepflanzten Flächen als Agroforstsystem.
Seit 2023 konnte SilvoCultura bereits mehr als 200 Projekte realisieren. Einige davon befinden sich noch in der Planungsphase.
Interessierte können sich über das Anmeldeformular auf der Webseite von SilvoCultura bewerben.

Die Daniel Schlegel Umweltstiftung mit Sitz in Berlin engagiert sich für den Umwelt- und Naturschutz und fördert Agroforstprojekte insbesondere auf ökologisch wirtschaftenden Betrieben mit gemeinnütziger Ausrichtung.
In Kooperation mit dem Planungsbüro Triebwerk hat die Stiftung ein Co-Finanzierungsmodell entwickelt, das Bio- und regenerativ wirtschaftende Betriebe bis 100 Hektar Fläche unterstützt. Voraussetzung ist in der Regel eine Verbindung zu einem gemeinnützigen Träger oder Bildungsprojekt.
Gefördert werden sowohl Planungs- und Pflanzkosten als auch eine dreijährige Begleitung durch Fachleute. Die Förderquote liegt bei 85 bis 90 Prozent, der andere Teil muss als Eigenleistung aufgebracht werden. Bei Bedarf kann ein gewisser Eigenleistungsanteil aber auch durch Arbeitsstunden erbracht werden.
Mithilfe der Stiftung konnten 12 Höfe bislang auf 45 Hektar Agroforstfläche rund 3.200 Bäume pflanzen.
Betriebe können sich mit einer konkreten Projektidee – idealerweise inklusive Grobkonzept und Budgetplanung – an die Stiftung oder an das Planungsbüro Triebwerk wenden.
Weitere Informationen auf der Webseite der Daniel Schlegel Umweltstiftung.


Tree-Athlete e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der 2021 gegründet wurde. Nach dem Motto “Do good. Feel good.” kombiniert Tree-Athlete Aktionen für die eigene Gesundheit (Laufen, Radeln, eine bewusste Ernährung etc.) mit konkretem Umweltschutz. Ziel des Vereins ist es, durch Spenden und aktive Mithilfe die Landschaft in Deutschland mit Agroforstsystemen zu bereichern, CO₂ zu binden und Lebensräume für Tiere zu schaffen. Tree-Athlete spricht von “Aufbäum-Maßnahmen”, die natürliche Ökosysteme stärken sollen, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen.
Der Verein unterstützt landwirtschaftliche Betriebe durch finanzielle Zuschüsse für Pflanzmaterial und mobilisiert Mitglieder und Unterstützende für die Baumpflanzaktionen vor Ort auf den landwirtschaftlichen Flächen. Die Zuschüsse stammen aus den Mitgliedsbeiträgen und Spenden von Privatpersonen und Firmen. Für Planung und fachliche Umsetzung kooperiert der Verein mit den auf Agroforst spezialisierten Partnern Triebwerk und SilvoCultura.
Bisher konnte Tree-Athlete vier Agroforst- und zwei Vitiforst-Systeme auf einer Gesamtfläche von rund 11 Hektar etablieren. Dabei wurden über 1.200 Gehölze plus mehrere hundert Kräuter gepflanzt.
Interessierte Betriebe können den Verein formlos mit einer Projektidee kontaktieren. Das Team prüft die Eignung und plant gegebenenfalls zusammen mit Triebwerk eine gemeinsame Pflanzaktion. Weitere Informationen auf der Webseite von Tree-Athlete e. V.

CarboCert unterstützt Landwirtinnen und Landwirte bei der Umsetzung nachhaltiger Pflanzprojekte. Ziel ist es, regionale Unterstützerinnen und Unterstützer mit innovativen Pflanzvorhaben zu vernetzen, um die Wirtschaftlichkeit und ökologische Vielfalt zu fördern. Gefördert werden alle dauerhaft pflanzbaren Projekte, die zusätzlich Kapital benötigen. Die Auszahlung erfolgt nach erfolgreicher Pflanzung, Pflege und Vorlage eines Bestandsnachweises. Interessierte können sich auf der CarboCert-Projektdatenbank registrieren, ihre Projekte einstellen und diese mit Bildern und Texten ansprechend präsentieren. Nach Prüfung werden die Projekte auf der Plattform veröffentlicht.
Mehr Informationen auf der CarboCert Projekte-Website

Die Stiftung Zukunftsfonds Asse fördert nachhaltige Entwicklung im Landkreis Wolfenbüttel (Niedersachsen) und hat Anfang 2025 ein regionales Förderprogramm für Agroforst aufgelegt. Ziel ist es, kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betrieben den Einstieg in Agroforstsysteme zu erleichtern.
Gefördert werden Planungsleistungen und Anlagekosten mit einer Förderquote von bis zu 90 Prozent, maximal jedoch 60.000 Euro pro Projekt. Die Förderperiode läuft von Januar 2025 bis Ende 2027. Antragstellende müssen eine detaillierte Kosten- und Finanzierungsplanung vorlegen. Die Antragsformulare sind über das Serviceportal des Landkreises oder direkt bei der Stiftung erhältlich.
Weitere Agroforst-Förderprogramme im Landkreis Wolfenbüttel sind "Klimalandschaft Wolfenbüttel" und "Blaue Wabe Wolfenbüttel".
Informationen zu den Zuwendungsrichtlinien finden sich auf der Webseite der Stiftung Zukunftsfonds Asse oder direkt im PDF Agroforstförderung im Landkreis Wolfenbüttel. Für Rückfragen steht die Stiftung per E-Mail unter info@zukunftsfonds-asse.de zur Verfügung.
Die Übersicht der Förderinitiativen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Hinweise auf weitere Initiativen nehmen wir gerne entgegen. Schicken Sie uns dafür eine E-Mail an info@oekolandbau.de.
Auch Baumpatenschaften und Crowdfunding bieten Landwirtschaftsbetrieben die Möglichkeit der Co-Finanzierung.
Bei Baumpatenschaften zahlen die Paten einen festen Betrag, um die Pflanzung und/oder Pflege der Bäume zu finanzieren. Oft erhalten die Paten dafür ein ideelles Dankeschön, zum Beispiel in Form einer Urkunde. Baumpatenschaften können eigenständig organisiert oder über Web-Plattformen vermittelt werden.
Crowdfunding ermöglicht die Finanzierung von Agroforstprojekten durch viele einzelne Unterstützerinnen und Unterstützer – meist online. Besonders geeignet sind öffentlichkeitswirksame Vorhaben mit regionalem oder ökologischem Nutzen. Je nach Plattform können Sachkosten (z. B. Pflanzgut, Werkzeuge) sowie Pflegekosten übernommen werden. Erfolgreiche Kampagnen profitieren zudem von höherer Sichtbarkeit und einem positiven Image.
Beispiele für Crowdfunding-Plattformen, die für Agroforstvorhaben in Frage kommen, sind:
Der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) berät interessierte Landwirtschafts-, Gartenbau- und Weinbaubetriebe kostenlos zu aktuellen Fördermöglichkeiten: beratung@defaf.de
Letzte Aktualisierung 27.05.2025